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Stupidozän

Unterwegs im Zug.

Alle reden über das Wetter. Niemand redet über das Wetter.

Die Kernfusion, ja die Kernfusion

Ist die Kernfusion jetzt menschengemacht oder nicht?

Ist schwierig, ja

Sehr kompliziert, ja

Extrem komplexes Ding.

So komplex wie das Klima.

Seit 70 Jahren schwierig.

Die Kernfusion ist wirklich schwierig, du, also echt… nicht einfach ist das.

Ja

Schön wäre sie natürlich

Zugriff auf quasi unendliche Energie

Man könnte nicht nur heizen damit…

Auch allen Zivilisationsmüll zurückverwandeln könnte man…

Plastik zurück in Kohlenstoff und Wasserstoff und und…

Kostenlose Energie, quasi unendlich..

Wir könnten herummüllen wie wir wollen, weil der ganze Müll ja wieder aufbereitet werden könnte, lönnte, pönnte, tönnte

Weil: Quasi unendliche Energie zur Verfügung steht.

Gut, weniger Müll ist auch gut.

Wirtschaftliches Wachstum mit sauberer Luft und sauberem Gewissen.

Ohne Energieproblem…

Wir könnten Treibstoff aus Müll synthetisieren und wieder richtig tolle Autos fahren…

Mit der Kernfusion ohne schlechtes Gewissen…

Energie quasi unendlich….

Man könnte auch 5 Kraftwerke laufen lassen, die einfach nur die Atmosphere reinigen. Die nichts weiter tun als das.

Das wäre so eine Art Terra-Reforming.

Oder Wüsten bewässern…

Ja, wär schon schön…

Alle reden über das Wetter. Niemand redet über das Wetter.

Aber die ist schwierig, die Kernfusion.

Das dauert noch ganz lange.

So lange wie die Apollomission, da haben die auch ganz lange für gebraucht.

Mit Rechenschiebern damals noch…

… mit so Rumpelcomputern

War total schwierig die Apollomission.

Oder die Atombombe, war auch total schwierig, nee wirklich….

Oder die V2.. Die war auch schwierig..

Alles ganz schwierig…

Radartechnik..

Flugzeuge, Eisenbahnen…

Total schwierig,

So schwierig wie die Kernfusion.

Nee echt, also ist total schwierig…

Aber wir forschen dran…

In 30 Jahren ist es vielleicht soweit.

Oder in 50 Jahren.

Möglicherweise

Vielleicht

Eventuell

Ist schwierig die Kernfusion.

Kennedy hat ja damals auch gesagt:

In 30 bis 50 Jahren ist der erste Mensch auf dem Mond. Eventuell. Möglicherweise. Vielleicht auch später, mal sehen. Ist schwierig

Oder in Los Alamos damals haben die gesagt: In 30 bis 50 Jahren haben wir die Atombombe. Eventuell. Möglicherweise.

Ist schwierig, aber eventuell…

Nee also Kernfusion ist schwierig, wirklich, ganz ehrlich, richtig schwierig…

So schwierig wie der 1. Weltkrieg. Der war auch schwierig.

Oder die Stickstoffsynthese. Düngemittel soviel man braucht..

Total schwierig.

Aber wir forschen dran….

Nee also es ist wirklich schwierig, die Kernfusion, ganz ehrlich, die ist schwierig.

Wirklich komplex. Hoch komplexe Technik.

So schwierig wie Penezillin. Schwupps, plötzlich kann man Infektionen sogar überleben.

Aber so in den nächsten 30 bis 50 Jahren…

…wird sich da einiges bewegen…

Also die Kernfusion… die ist uns wichtig.

Wirklich wichtig…

Nee, wirklich, echt wichtig…

So wichtig wie die Entwicklung der V2

Wirklich wichtig…

Nee also wirklich…

Die ist uns echt wichtig die Kernfusion.

So wichtig wie das Klima…

Die Kernfusion ist uns seit 70 Jahren wirklich wichtig.

Nee, also wirklich echt wichtig.

So richtig wichtig.

Aber ist total schwierig die Kernfusion.

So schwierig wie der zweite Weltkrieg.

Oder der dritte…

Die ist wirklich schwierig die Kernfusion.

Obwohl wir heute nicht mehr mit Rechenschiebern rechnen und KI haben.

Aber wir schaffen das mit der Kernfusion.

In 30 bis 50 Jahren schaffen wir das.

Alle reden über das Wetter. Niemand redet über das Wetter.

Ist aber schwierig, wirklich schwierig.

Die Kernfusion ist so wichtig und so eine tolle Energiequelle, dass alle Zeitungen täglich grosse Aufmacher dazu bringen.

Die Schulen sind voll mit vielen Arbeitsgemeinschaften: Junge Plasmaphysiker.

Das geht schon in der Grundschule los. Willkommen in der Arbeitsgemeinschaft Junge Plasmaphysiker.

Junge Plasmaphysiker in Neukölln, Bottrop und Gelsenkirchen. Plasmaphysik als Lehrfaden schon in der 3. Klasse.

Vermummte Plasmaphysiker bei Anne Will in der Talkshow.

Nee wirklich, ist uns total wichtig die Kernfusion, echt jetzt.

Ist uns so wichtig wie Raketenstufen, die rückwärts wieder landen können.

Die Kernfusion ist allen Menschen auf der Welt total wichtig. Seit 70 Jahren echt wichtig.

Wirklich wichtig ist die Kernfusion.

Die Kernfusion ist allen Menschen auf der Welt so wichtig wie der Konsumverzicht und die Nachhaltigkeit.

In den nächsten 30 Jahren werden auf der ganzen Welt nur noch ökologisch nachhaltig denkende konsumverzichtende Menschen geboren, denen nichts wichtiger ist im Leben, als zu verzichten, Yoga zu machen und grünen Tee zu trinken.

Alle 15 Milliarden Menschen werden sprechen wie aus einem Mund: Nie wieder Fleisch und SUV.

Und in Gelsenkirchen sprechen alle Menschen nur noch über Plasmaphysik.

Denn Verzicht ist wichtig. Und das motiviert Menschen auch.
Kein Sex, kein Diesel, kein Fleisch, kein Rock’n’roll. Nur noch Windräder, das Omen-Gesicht von Greta und Drohungen mit der Klimakatastrophe. Geil.

Das weiß man aus Managerseminaren, dass Drohungen und Verzichtsgebote Menschen zu Höchstleistungen motivieren.

Kennedy hat ja gesagt: Wir sind schlechte Menschen und müssen leider einen dieser schlechten Menschen in 10 Jahren auf den schlechten Mond schicken.

Da steht man doch gerne morgens auf.

Ganz schwierig. Große Motivation.

So schwierig und so wichtig wie die Kernfusion.

Im Grunde sind die Medien seit Jahren übervoll mit Erzählungen und Visionen, die davon berichten, wie toll die Kernfusion ist.

Die Kernfusion ist uns so wichtig und so prominent wie das C02, das Spurengas mit Hitlerbärtchen.

Die ist uns echt wichtig.

Seit 70 Jahren denken alle Menschen des Planeten über die friedliche Nutzung der Kernfusion nach.

Und alle Physiker und Ingenieure der Welt kennen seit 70 Jahren nichts Wichtigeres als die Kernfusion.

Nee, wirklich, also die Kernfusion ist uns wirklich wichtig.

Alle vier Jahre gibt es Kernfusionsweltmeisterschaften. Milliarden sitzen dann fasziniert vor den Bildschirmen.

Und jedes Jahr wird die Kernfusionsweltmeisterschaft in einem anderen Land ausgetragen.

Wirklich richtig wichtig.

So wichtig wie im 2. Weltkrieg das Entschlüsseln der Enigma.

Wirklich wichtig ist uns die Kernfusion seit 70 Jahren.

Man stelle sich mal vor: Energie ohne schlechtes Gewissen..

Unendlich viel Energie…

Und die ganzen Konflikte um Wasser und Rohstoffe…

Deshalb ist uns die Kernfusion auch so wichtig.

Sie brennt der Menschheit förmlich unter den Nägeln.

Sie ist uns echt wichtig die Kernfusion.

Ist aber auch schwierig, also wirklich, richtig schwierig seit 70 Jahren.

Echt. Nee ganz ehrlich richtig schwierige Technologie.

So schwierig wie C02 Zertifikate.

Die Stickstoffsynthese war total einfach dagegen.

Oder das erste Flugzeug. Ein Kinderspiel.

Oder die Atombombe… Die haben wir damals so mit dem linken Zeh vor dem Mittagessen entwickelt.

Die war uns nicht so wichtig.

Seeweg nach Indien. War total einfach.

Oder das erste Flugzeug, das war auch total einfach.

Oder das erste Atlantikkabel. Das wurde ganz lässig verlegt von gelben Quietschentchen.

Die Pyramiden waren den Ägyptern nicht so wichtig. Die haben die nur so nebenbei hingefummelt.

Aber die Kernfusion ist uns wirklich wichtig.

Und deshalb ist sie auch so schwierig.

Die Kernfusion ist viel schwieriger als zum Beispiel nach unsichtbaren Teilchen der dunklen Materie zu suchen.

Nee also wirklich, die Kernfusion steht seit 70 Jahren an erster Stelle in allen Zeitungsdebatten.

Sascha Lobo, der hochbegabte Kolumnist, in der Zeitung für Hochbegabte, schreibt und huldigt in seiner Mensch-Maschine-Kolumne seit 10 Jahren die Kernfusion.

Und wie geil das wäre, wenn die Menschheit Kernfusionsreaktoren hätte.

Wir könnten unseren ganzen Müll per Retrolyse aufbereiten. Wir könnten die Atmosphäre reinigen. Wir könnten Wüsten bewässern.

Unendliche Energie.. .quasi

Alle reden über das Wetter. Niemand redet über das Wetter.

Die Signalfarbe des Irokesenhaarschnitts von Sascha Lobo leuchtet visionär voraus für eine Zukunft mit Kernfusion. Sascha Lobo, der digitale Mensch-Maschine-Mann mit konstruktiven Visionen und mit visionärem Blick in eine Zukunft, in der die Kernfusion beherrscht wird. Der Mann mit dem visionären Blick in Richtung Horizont. Die Adleraugen scharf in die Zukunft gerichtet.

Wir finden einen Weg. Wir haben Visionen.

Harald Lesch feuert die Öffentlichkeit an mit flammenden Reden: In 10 Jahren haben wir den ersten Menschen auf dem Mond! In 10 Jahren haben wir die Kernfusion. Ende der Durchsage.

Aber aus Managerseminaren wissen wir: Man motiviert Menschen am besten mit Drohungen, Mahnungen, depressiven Nachrichten, neuen Steuern und Verzichtsgeboten.

Früher, als Manager noch gekokst haben und mit fiesen 12-Zylinderautos zur Arbeit gefahren sind, da hat man in Managerseminaren gesagt: Nehmt mal die Hand aus dem Sakko, zieht mal den Finger aus der Achsel und zeigt mal, was ihr drauf habt! Bomben bauen, das könnt ihr doch, ihr Spastis! Ihr seid die besten Konstrukteure. Trinkt mal 5 statt nur 2 Tassen Kaffee, und morgen früh ist der Kernfusionsreaktor fertig.

Nein, in Managerseminaren sagt man heute: Ihr seid schlechte Menschen, verschwenderisch und faul. Ihr könnt nichts ausser C02 ausatmen. Aber ihr schlechten und faulen Menschen müsst jetzt leider den hässlichen Kernfusionsreaktor bauen.

Da steht man doch total gerne morgens auf und geht motiviert an die Arbeit für die Zukunft des Planeten.

Aber wir wollen ja auch die Vielfalt. Und keine Monokultur. Denn Monokultur wäre ja Faschismus.

Alle reden über das Wetter. Niemand redet über das Wetter.

Wir möchten ja in den nächsten 10 Jahren nicht mehr das Monokultur Wort Klima in den Zeitungen lesen, sondern täglich Jubelberichte über den Fortschritt der Kernfusion.

Und die Landschaften werden immer schöner mit den vielfältigsten Windrädern für 15 Milliarden Menschen. Diese Windräder sind sehr vielfältig.

Nee also die Kernfusion ist uns wirklich wichtig.

Also echt und ehrlich wirklich wichtig.

So wichtig wie die tägliche Talkshow mit vermummten Gästen.

Und das C02.

Und das Klima.

Aber wir schaffen das. Eventuell mal in 30 bis 50 Jahren möglicherweise vielleicht.

Nee also wirklich, ist uns total wichtig die Kernfusion. Ganze Bankenrettungsfonds stecken in der Kernfusion.

Die weltweit besten Ingenieure, Mathematiker und Physiker arbeiten an der Kernfusion. Die werden sogar manchmal ganz fies von Headhuntern aus wichtigen Projekten abgeworben, damit sie an der Kernfusion forschen.

Hochbezahlt. Höchstbezahlt.

Die weltweit besten Ingenieure und Physiker arbeiten seit 70 Jahren an der Atombombe gegen das Energieproblem.

Streng geheim.

Deshalb hat die Kernfusion auch so eine streng geheime Public Relation und so ein tolles Image. Die Kernfusion hat ein sexy Image. Von der Anmutung her irgendwo bei Forschen mit Jürgen von der Strickjacke. Das Image der Kernfusion ist extra unauffällig.

Man hört von der Kernfusion nichts im Wetterbericht, obwohl das ja die zweite menschengemachte Sonne sein könnte.

Ein quasi stellares Objekt…

Aber das ist alles streng geheim.

Wenn man die zivile Kernfusion mit hollywoodesken ImageFilmen a la Ridley Scott in die Öffentlichkeit pushen würde, dann würden ja alle nur noch über die Kernfusion sprechen und nicht mehr über CO2.

Wo kommen wir denn da hin?

Nee, also da lassen wir die PR der Kernfusion lieber so auf dem Niveau von Forschen in Tinas Bastelstube.

Und erfinden dafür lieber so Worte wie Flugscham oder Klimaleugner.

Dürers Figur sitzt herum und hat Flugscham.

Ja, der Mensch ist ein großer Verzichter. Der Mensch ist groß geworden durch Verzicht.

Ja, der Mensch kann auch verzichten.

Ja, Katzen können auch fliegen. Aber dann bitte im Flugzeug.

Weil die Menschen ja dafür bekannt sind, dass sie Verzichter sind und keine Konstrukteure. Das 20igste Jahrhundert hat ja im Prinzip nur verzichtet. Auf Autos verzichtet. Auf Elektrizität verzichtet. Auf Kriege verzichtet. Auf Atombomben verzichtet.

Und die Menschen haben die Welt verändert, indem sie auf Internet, Flugzeuge und Atombomben verzichteten. Und auf die Stickstoffsynthese haben sie auch verzichtet.

Dann verändert doch mal wieder die Welt und verzichtet auf den Kernfusionsreaktor.

Und wir wiederholen auch immer: Die Kernfusion ist eigentlich nur so eine nebensächliche Zutat, eine kleine Zutat im Energiemix aus niedlichen Windrädern, Öltankern und popeligen Solarzellen. Da ist die Kernfusion auch nur so eine popelige Zutat. Und wer weiß, vielleicht ist sie ein Milliardengrab. Und vielleicht funktioniert das ja garnicht.

Weil die Weltbevölkerung ja auch in den nächsten Jahren nur wenig anwachsen wird. Und diese Weltbevölkerung wird aus lauter selbstkritischen verbraucherkritischen aufgeklärten Konsumverzichtern, Rollerfahrern, Zufußgehern, Windradpustern und Grünteebeuteltrinkern bestehen.

Und diese Bevölkerung wird dann sagen: Ätsch, die zivile Beherrschung der Kernfusion war ja nur ein Milliardengrab, und die funktioniert nicht im Kraftwerk, Ätschi, Bätschi….

Dann merkt das keiner, dass die Kernfusion so schwierg ist. Und ein Milliardengrab.

Wir wollen auch niemanden irritieren mit der Aussage: Die Menschheit hat kein Klimaproblem. Das einzige was sie hat, ist immer noch kein Kernfusionsreaktor. Und wenn wir die Kernfusion nicht wuppen, dann wuppen wir garnichts mehr.

So etwas würden wir nie sagen.

Aber ganz ehrlich, die Kernfusion ist uns echt wichtig. Wirklich total wichtig. Seit 70 Jahren.

Und weil die besten und begabtesten Physiker und Ingenieure weltweit seit 70 Jahren an nichts anderem forschen und die Zeitungen und Fernsehprogramme über nichts anderes berichten als über die Kernfusion, genau deshalb haben wir auch so eine erregte Debatte über die Frage, ob die Kernfusion menschengemacht ist oder nicht.

Die Zeitungen sind täglich voll mit einer Vielfalt von Meldungen: Die Medienlandschaft ist total vielfältig. Die reinste Themenvielfalt: Klima.

Wie vielfältig und abwechslungsreich doch unsere Medienlandschaft ist.

Vielleicht gehört die Kernfusion zu den ganz normalen Kernfusionsschwankungen. Man weiß es nicht.

Daran sieht man, wie wichtig uns die Kernfusion ist.

Alle reden über das Wetter. Niemand redet über das Wetter.

Die Kernfusion ist uns echt wirklich wichtig, sozusagen kriegswichtig, ganz ehrlich. Wirklich. Echt jetzt.

Seit 70 Jahren ist dieser Welt nichts wichtiger als die Kernfusion. Wirklich wichtig.

Alle reden nur noch über die Kernfusion.

Eine Kurzmeldung zum Stand der Kernfusion nach jedem Wetterbericht machts möglich. Die Sonne zeigt sich hier und da..aber noch kurz.

In 10 Jahren betrachten wir vergilbte Fotos: Da haben wir einen Ausflug gemacht und stehen mit der Badehose vor so einem Windrad. Ja, die waren skurril die Dinger. Gibt’s heut nicht mehr. Aber von Tamagochis oder Kassettenrekordern redet heute auch keiner mehr.

Aber die Public Relation der Kernfusion, die ist hollywoodesk gemacht. Die Image-filme zur Kernfusion sind einfach der Brecher, der Blockbuster. Hammer Werbung für das Grösste und Wichtigste, das dieser Planet in Zukunft braucht. Ganz großes Kino.

Aber vielleicht gibt es Hoffnung.

Wendelstein – der Stellerator

Ein quasi stellares Objekt

Kunst.

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Dunkle Materie

Kraft und Spannkraft

Möglicherweise verweist ja das Problem der dunklen Materie auf ein Verhältnis, das bisher noch zu wenig beachtet wurde. Eine Vermutung. Ich bin nicht wirklich ein Mathe-Crack, aber ich denke, dass die Mathematik eines Bogenschusses nicht trivial ist oder wenigstens nicht so trivial, dass man sie nicht einmal in den Augenschein nehmen könnte.

Der Erfahrung nach hängt die Reichweite oder die Durchschlagskraft einer Armbrust oder eines Bogens von mehreren Faktoren ab. Da wäre einmal die Spannkraft, die das Gerät spannt, also beugt. Diese wiederum ergibt sich aus dem Material, und dem „Weg“ des Durchzugs, also wie stark „hohlt“ der Bogenschütze aus.

Ziemlich interessant finde ich darüber hinaus die Frage, was eigentlich die Länge oder die Größe des Bogens über seine Reichweite aussagt.

Jedem leuchtet ein, dass eine Spielzeugarmbrust aus Eschenholz, deren Bogen nur 10 cm breit ist, eine geringere Reichweite haben dürfte als ein Gerät aus dem selben Material, dessen Bogen aber 80 cm breit ist….

Dabei fällt auf, dass eine kleine Armbrust auch nur kürzere Pfeile verschießen kann, während ein entsprechend größer gebauter Bogen auch längere Pfeile mit einer höheren Reichweite verschiesst.

Wie weit würde ein Pfeil fliegen, wenn der Bogen, der ihn verschiesst, 8 Meter hoch ist oder 80 km? Und wie lang wäre hier der ideale Pfeil?

An dieser Stelle stellt sich die Frage nach der allgemeinen Relativitätstheorie. Könnte es sein, dass die Gravitation als resultierende „Pfeilkraft“ aus der Beugung auch von der Größe des Bogens bestimmt wird?

Also könnte es sein, dass rotierende Galaxien deshalb nicht auseinanderfliegen, weil sie als relativ große Objekte auch einen viel längeren Bogen „um sich herum spannen“, weshalb dann die resultierende „Kraft“ oder der „Kraftpfeil“ viel stärker ist oder mit einer stärkeren „Reich“ – Weite wirkt, als wenn man die resultierende Gravitation nur über die anwesende sichtbare Masse berechnet?

Demnach könnte es sein, dass nicht Massen die Raumzeit krümmen, sondern umgekehrt gedacht, dass die Ansammlung und Dichte von Massen ein Effekt von gekrümmten Zeiträumen sind….?

Also in dem Sinne formuliert: Die Krümmung ist das Primäre und die Massen sind das resultierend Sekundäre.

Oder noch anders artikuliert: Masse und Materie spannen den Bogen nicht, sondern sie sind das Ergebnis von Bogenspannung oder von verteilten Bogenspannungen als Emergenz aus dem Urknall.

Materie und Masse ist also das Ergebnis von gekrümmten Zeiträumen und nicht die Ursache….

Ein schwarzes Loch wäre dann ein Bogen, der ganz einfach total um sich selbst gespannt ist…..weshalb seine Pfeile alle in die eigene Mitte schießen. (als Licht) oder in die Mitte hineingezogen werden (Schwerkraft) :: das All „hohlt“ aus.

So wie ein großes Teleskop mit einem großen Durchmesser auch viel weiter schauen kann, so hat ein großer Bogen auch eine viel größere Reichweite.

Klingt eigentlich plausibel.

Die daran anschließende Frage oder Vermutung: Wenn man eine gespannte Armbrust mit Pfeil auf eine Wage legt, sollte sie genau so viel wiegen, als wenn ich sie im ungespannten Zustand auf die Wage lege, oder? (Ruhemasse Null)

Das ist doch sehr erstaunlich. Wie kommt es, dass man das Potential oder die potentielle „Reich“ – Weite einer gespannten Armbrust nicht wiegen kann? ( und nicht sehen kann)

Obwohl doch soviel „potentielle Reichweite“ in einer gespannten Armbrust enthalten ist…

Im Bauchgefühl des Trojanischen Pferdes

Der Sodium-Laser, der die Schärfe hütet:

Muss Technik selbst polemisch sein? – fragt sich mein Ineinander.
Wozu Polemik? Brauchst Du immer dein Dagegen?

Wer die Schärfe hüten will, muss sich bewegen –  sage ich.
Die Schärfe hüten, heißt: Wachen im Flimmern, im Zittern, im Hauch
das Auge führen, das nicht schläft, es sieht den Bauch…

…des hölzernen Pferdes?

Es hat ein Bauchgefühl?

Unterbrich nicht, du alter Kalau.

Ein Baumgefühl, der Buchen wegen!

Ein Raumgefühl im Buchstabenregen…

War dieses Pferd gebaut aus Buchen?

Nein, doch dieses wissen wir : Sein Holz kommt vom Papier.

Zurück zum Sodium-Laser – was bedeutet ihm: Der Beam…?

Die Schärfe hüten heißt, den Dunst im Abgleich auszuschalten!

Nein, die Schärfe hüten heißt: Die Luft im Flimmern zu gestalten!

Den Stern verwalten – in der Thermik, die ihm weht.

Er ist kein starrer Star, er funkelt, flimmert – ist doch klar.

Adaptive Optik nennt sich das. Wachheit des Spiegels, Fackeln im Glas.

Flimmern im Gas.

Die Luftschichten mitsichten,
das Flimmern und Funkeln verlichten…
Der Abgleich – in der Sache inter e s s i e r t.

Die Thermik teilt sich – mit.

Ganz genau – nur dann ist man exakt.

Was soll daran polemisch sein?

Der Sodium-Laser gibt den Leitstern, bewegt wird der in Thermik,
nimmt das Flimmern mit und schickt’s dem Untergrund des Teleskops.
Ein zweiter Spiegel, halbdurchlässig, nimmt das Flackern auf
und fackelt selbst auf tausend Stempeln, die ihn heben, senken und – ad-hoc
regiert er – mit.

Mitwipper und Mitwisser einer Luft, die eine Stimme hat, die Wiege ist.

Nur deshalb wird das Bild dann klar.

Nicht starr, nicht starr, doch klar!

Sag ich doch…

Der Sodium-Laser, der die Schärfe hütet.
gibt den Leitstern für das Teleskop.

Stimmt es ein.

Aber mitflackernd….

…ja…ja…ja

Die fackelnden Prozesse, erfasst mit dieser Stimme,
nehmen uns die Sprache ab.

Dann…dann.. dann….?

Was dann? Ein Stimmern?

Nein, dann haben wir die Fackel verloren, äh..ich meine die Stimmer, die Sprache..

Dann gibt’s keine Metapher mehr. Für immer.

Wenn das trojanische Pferd aufplatzt

…dann hat’s sich ausmetaphert.

Das Platzen schafft den Platz.

Sollen wir drin bleiben?

Dienst an der Klarheit?

Sodium-Laser, adaptive Optik, Polemik der Technik.

Das Hüten der Schärfe geht –

mit dem leisesten Bauch.

Es ist so dunkel hier drinnen.

Halt die Klappe

auf.

Wie jeder Ton sich hebt und senkt in seiner Kehle, so wiegt ein Stern sich jeder Seele auf und ab. Kein Meer ist glatt, kein Segel platt, kein Sturmwind hängt ganz gerade. Der Mast ist Baum, das Holz ist Raum, das Schiff kennt sein Gestade. Pferde schnaufen in den Planken, der Boden bäumt sich in den Flanken – Troja – heißt die Stadt.

Diese Lyrik kommt mir hölzern vor.

Dann geh‘  jetzt los und öffne das Tor.

roots of the blues: Physik des Fragens


Novalis und Uwe Greßmann gewidmet, den wenigen echten Dichtern unter den hunderttausend Dichter-Imitaten.

Zum Schönen des philosophischen Fragens an die Natur ge(hört), dass der Fragesteller sich selbst immer als – in die Frage kommender – begreift,  dem die Frage (von vor_ her) zukommt.  Er hat mit seinen Fragen  „zu tun“ – noch bevor er sie als Frage be-greift. Novalis war ein Dichteringenieur, weil er etwas vom Bergbau verstand und demzufolge nicht nur über den Bergbau redete. Demzufolge verstand er auch etwas von Dichtung und redete nicht nur über Dichtung.

Das philosophische Fragen an die Natur, das zugleich ein dichterisches Fragen ist, kennt eine Art Handwerk des Fragens.

Wenn der Philosoph-Dichter-Ingenieur eine „Wie“- Frage stellt, – „Wie funktioniert das?“ –

– dann ist in dem WIE bereits ein Vergleichsprozess mit eingeschleift.  WIE funktioniert das? – fragt ebenso der Wissenschaftler und der Ingenieur.  So bleibt eine WIE-Frage an die Natur durchaus  eine philosophische Frage.  Jeder Ingenieur und Wissenschaftler ist, ob freiwillig oder unfreiwillig ein Philosoph, wenn er eine WIE-Frage stellt.

WIE? meint einen Vergleich zum „Funktioniert das WIE dieses oder jenes?“

WIE funktioniert das?- setzt also als WIE-Frage etwas voraus, mit dem man etwas vergleichen kann.

Dreht sich ein Rad (so) ähnlich WIE dieses oder jenes? WIE (so) dreht sich das Rad? Es dreht sich (so) ähnlich WIE…

WIE funktioniert das?

WIE macht als Frage einen SINN, wenn ich etwas habe, mit dem ich es vergleichen kann: WIE funktioniert das? – meint immer schon: Funktioniert es etwa (so) ähnlich WIE dieses oder jenes?

Daraus folgt: Es kann gar keine einsame WIE-Frage nach Funktion geben, die dem Fragesteller aus dem Nichts heraus zufliegt. Das WIE in einer WIE – Frage beinhaltet immer schon einen Teil der Antwort als Teil eines Ver-Gleichs-Prozesses.

Schon die Frage wird ge-geben. WIE-BITTE? geht denn das jetzt?

Daran kann man sehen, dass alle WIE-Fragen zunächst immer an die Natur gestellt werden und nicht an die Formalie von Texten.

(Der Stumpfsinn und der Schwachsinn aller Textkritik und Literaturkritik  ergibt sich aus einem Mißverstehen der WIE-Frage.
Die abgestumpfte und verblödete Form der WIE-Frage an einen Text begnügt sich im Vergleichen von Formen mit Formen. WIE schreibt er? WIE setzt er das Versmaß? WIE behandelt er die Hebungen und Senkungen?  WIE setzt er die Vokale. WIE handelt er seine Metaphern?

Daraus ergibt  sich dann die Kitschkultur der formalen Exegese, die nur noch Formen mit Formen vergleicht und den eigentlichen Hintergrund (Kosmos, Natur) einer echten WIE-Frage stumpf macht und schließlich abtötet.

Dann entsteht Lyrizitäts-Lyrik und Literarizitäts-Literatur als künstliches und wurzelloses Gebilde, die ähnlich wie superkünstlich gezogene Fabrik-Tomaten kein Aroma mehr haben, keinen echten Boden mehr durchschmecken lassen und keine echte Heimat. Eine Heimat, die der Kosmos ist.  Diese Situation  beschreibt dann die Hölle der „Kennerschaft“ – in der „Kenner-Künstler“ für „Kunst-Kenner“  Künstlichkeits-Kitsch produzieren.

Höhepunkt des Stumpfsinns der verblödeten WIE-Fragerei vergleicht schließlich nur noch Namen mit Namen.
„Dieses schreibt er WIE Goethe. Jenes schreibt er WIE Beckett. Anderes schreibt er WIE Schnitzler. Hier spintisiert er WIE Borges. Dort alegorisiert er WIE Proust. Hier träumt er WIE Novalis…etc…“

Das ist schweres Nervengift für Kultur. Damit bekommt man „Kenner-Orden“ als Mitredner aber man bekommt kein Denken, kein Dichten und auch keinen Menschen.

(Der Weinkenner ist meistens jemand, der den Wein eigentlich nicht kennt.)

***

Eine WAS-Frage im Sinne von: Was ist das? oder: Was funktioniert hier? oder auch „Was ist los? -Was ist lose? “ –  meint als Frage die offenste und zugleich verwunderlichteste Grammatik, weil hier die WAS-Frage – ein DAS immer schon mit einschließt, DAS zunächst mal nur eine Vermeldung von Gegenwärtigkeit im Gehör ausfragt, aber ohne jede Historie. – WAS?

– fragt immer in der Überraschung des Auf-Hörens oder des Auf-Horchens – WAS? What happens?

Das Auf-Hören. Hör auf.  Auf WAS?
Auf was soll ich hören?

ETWAS?  ETWA?  ET WAS?   UND WAS?

Die- Was-Frage besetzt ein starkes Gegenwärtigkeits-Feld des JETZT.
WAS JETZT? Und meint den ersten Impuls von Wahrnehmung.

Schließlich fragt man: WARUM funktioniert das? In einer Warum-Frage ist immer schon, halb-unausgesprochen ein Bezug zur Kausalität und damit zur zeitlichen Dauer gesetzt. Warum meint immer: Aus welchem Grund? Aus welcher Be-GRÜNDUNG heraus funktioniert etwas. Wo dreht die U(h)r-Sache für…und schließlich meint eine Warum-Frage immer: Aus welchem VOR-HER heraus funktioniert dieses oder jenes in sein NACH-HER hinein.

Eine erweiterte und anspruchsvollere Funktion des Fragens fragt sehr konkret nach der Involvierung des Fragestellers. Dieses Frage lautet deshalb:

Warum zeigt SICH mir dieses oder jenes? Warum ZEIGT sich MIR dieses und jenes?

In welcher Haltung VER-HALTE ich mich gerade? Dass SICH MIR dieses oder jenes ZEIGT. Welches VER-HÄLTNIS hält mein VER-Halten gerade INNE? Warum zeigt „ES SICH“ ?

Beim Ranque-Hilsch-Wirbelrohr, das nichts mit irgendeinem Maxwell-Dämon zu tun hat, könnte man also zunächst fragen – WIE- funktioniert das? Die philosophische Frage fragt nach einem Vergleich.

Funktioniert es WIE…?

Wie was?

Es genügt eigentlich völlig, sich hier klarzumachen, dass im Wirbelrohr ein
Winkel-Verhältnis wirkt.

Ein Luftstrom wird tangential, sozusagen im „rechten“- „richtenden“ Winkel eingeblasen und DREHT dann in eine Wärmearbeit der Kühlungshandlung hinein.
Es wird hier ein GRAD-Unterschied in der Temperatur erreicht mittels eines tangentialen Winkel-GRAD-Verhältnisses.

Woran erinnert mich das??

… wenn man sich klar macht, dass bereits jede Denkleistung, auch die mathematische, immer in einem Durchfluss in einem Ge-denken des Durchfließens operiert.)

Deshalb kann man an dieser Stelle auch einmal sagen, warum Temperatur eigentlich ist.

Temperatur ist ein UNTER-Schied. Eine Differenz. Eine Differenz aber kann immer nur im Unter-Schied zu ETWAS angegeben werden.

Da kein Mathematiker und auch kein Physiker oder irgendein Rechner im Universum starr und steif dasteht, ohne Temperatur,  ist auch Mathematik und die Arithmetik immer nur ein Ver-HÄLTNIS im INNE-Halten eines Ver-Haltens.  Selbstadjustiert.

Die Zahl Pi beschreibt keinen geschlossenen Kreis.

Sie beschreibt ein VER-HÄLTNIS in einem VERHALTEN zwischen Umfang und Durchmesser einer WENDUNG UND DREHUNG.  Sie ist immer unabhängig von der Größe des Kreises „die Selbe“.  SELBST-ADJUSTIERT.

Die selbe Zahl PI muss aber nicht unbedingt „die gleiche“ Zahl PI sein.

Wenn PI aber unabhängig von der Größe des Kreises ist, dann ist klar, dass alle Mathematik ein VER-HALTEN im Ver-Hältnis meint und keine starre oder steife Geometrie.

Die Mathematik be-GREIFT, womit sie es zu TUN hat.

Die wohlfeile Identifikation von Rationalität mit „Kälte“  –
(zum Beispiel Nietzsches kleinfritzchenhafte Behauptung, Parmenides sei ein kalter Denker gewesen…war es in Griechenland etwa kalt??) –

– ebenso die unbedachte Gleichsetzung von Gefühlen mit „Wärme“  –
– die kleinfritzchenhafte Gleichsetzung von Kunst mit „Intuition und Schönheit“
– bei gleichzeitiger Denunziation von „Wissenschaft und Forschung“ als „kühle Funktion“

dürfte sich hiermit erledigt haben.

( Für die Kosmologie: Wenn Temperatur ein „Verhältnis“ (Verhalten) in einem bewegten Universum ist, dann muss man sich die Frage stellen, ob weit entfernte Objekte tatsächlich im „gleichen“ Ver-Hältnis zu betrachten sind oder im „selben Ver-Hältnis“ zum  Betrachter.  Also kann man die Frage danach stellen, was „nah“ und „fern“ ist oder auch „groß“ und „klein“. Außerdem sollte man beachten in welchem Temperatur-VER-HALTEN ein in-formiert Betrachtender sich zu einem schwarzen Loch verhält. Also was bedeutet die Winkelstellung eines Betrachters zur Akkretionsscheibe eines Schwarzen Lochs. Was bedeutet das im evolutionären DAUERN seines Evolulutions-Zeit-Raums?)

Roots of the Blues…laut zu hören auf einer guten Anlage…
Andrew Wyeth – einer von den wenigen Malern des 20. Jahrhunderts, die tatsächlich auch Künstler waren
*

Entropie – Kreativpotential der Natur. Interview mit Prof. T.S.W. Salomon

ZUR ROLLE DER ÄSTHETIK IN DEN MATHEMATISCHEN NATURWISSENSCHAFTEN AM BEISPIEL DES MAXWELL-FARADAYSCHEN ELEKTROMAGNETISMUS

Erstes Gespräch: Hochtechnologie – über das Risiko moderne
Kathedralen zu bauen.

„The mathematicians and the physics men have their mythologie; they work alongside the truth never touching it; equations are false but things work.“
-Robinson Jeffers –


Eigentlich wollte ich hier nur ein Buch rezensieren. Das Buch heißt:

Eine Geschichte des Glasperlenspiels. Irreversibilität in der Physik. Irritationen und Folgen. Birkhäuser Verlag: Basel – Boston – Berlin 1990.

Aber ein durchaus nicht zufälliger Umstand gab mir Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Autor des Buches. Mit einem Raumfahrt-Ingenieur und Autor, der sich in Gefilden der Hochtechnologie ebenso auskennt wie in höhermathematischen Regionen der Wissenschaft – und hier mit einer exzellent ausgeprägten Kompetenz für die methodischen Basics  theoretischer und praktischer Physik  aufwarten kann.

Zwischenmeldung:
Zu diesem Buch gibt es eine aktuelle Anekdote, die ich kurz erwähnen möchte: AMAZON bewirbt ab Mitte 2010 die neuen Bücher der zwei Spitzenphysiker Stephen Hawking und Leonard Susskind. SH ist Astrophysiker & Kosmologe („Die Randbedingung des Universums besteht darin, das es keinen Rand hat.“), LS sieht sich als Kosmologe („Black Hole Information Paradox“) und ist einer der Gründer der Stringtheorie. Beide Autoren führen über ihre Bücher eine heftige Kontroverse („Krieg“) um Sinn & Unsinn der Schwarzen Löcher. Im Zentrum steht dabei die Rolle der ENTROPIE.
AMAZON wendet sich nun mit der Kaufempfehlung für Susskinds Buch explizit an jene Leser, die Straubs ‚Geschichte des Glasperlenspiels’ (GPS) gekauft haben. Diese Begründung ist schon deshalb erstaunlich, weil das GPS seit mehr als zehn Jahren vergriffen ist, und antiquarisch inzwischen teilweise astronomische Preise erzielt. Absurd wird sie indes für jene Leser, die das GPS nicht nur gekauft, sondern auch gelesen haben. Ihnen wurde gewiss schnell klar, dass der Autor eher zu jenen Kritikern gehört, der die Theorien von SH und LS gleichermaßen zurückweisen würde. Er würde beiden zweifellos bescheinigen, ein ‚Glasperlenspiel’ reinsten Wassers eher im Stil scholastischer Spekulation zu zelebrieren als eine in der Tradition Kants an experimentell fundierter Wissenschaftlichkeit orientierte Kontroverse zu führen. Dafür spricht auch SH’s lapidare Bestätigung Nietzsches ‚Gott ist tot’. Konkreter wird LS; er bescheinigt dem Wiener Kardinalerzbischof Christoph Schönborn in Bezug auf das von ihm vehement vertretene »string-landscape-concept« den richtigen Blick für die ‚Ironic Science’: *There is evident irony in the fact that the cardinal seems to grasp the issue much better than some physicists.*

Die Generalüberschrift des vorliegenden Interviews deutet bereits an, dass ich auf die durch AMAZON angestoßene Problematik später zurückkommen möchte, zumal der Autor des GPS mit guten Gründen zur Skepsis oder auch Kritik gegenüber diesen Glasperlenspielen aufwarten kann.

Kurz vorab: Es darf ausnahmsweise eine kleine Lese-Anleitung gegeben werden. Der Text kommt nicht sofort auf die angekündigte Thematik seiner Hauptüberschriften. Warum das notwendigerweise so ist, wird sich dem Leser später erschließen. Zudem werden im nachfolgenden Interview immer wieder „schwierige Passagen“ durchwandert, die nicht weiter vereinfacht werden konnten, ohne dabei den Anspruch auf Seriosität und Integrität des Gesprächspartners zu beschädigen.
Deshalb empfehle ich dem geneigten Leser, hier den lesenden Blick ab und zu auch auf „weit“ zu stellen und mit einem „unscharfen Blick“ zu lesen, wie in einer Text-Landschaft, in der er bestimmte Passagen gegebenenfalls zunächst umgeht und vielleicht später noch einmal aufsucht.

  • Universitätsprofessor Dr. Dieter Straub, geboren 1934, war von 1974 bis zu seiner Emeritierung Ende 1999 Ordentlicher Professor für Thermodynamik sowie Wärme- & Stoffübertragung an der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik der Universität der Bundeswehr München (UniBwM).
  • Als Diplomingenieur promovierte er 1964 mit der »Theorie eines allgemeinen Korrespondenzprinzips der thermischen Eigenschaften fluider Stoffe« zum Doktoringenieur an der Universität Karlsruhe (TU) beim “Kälte-Papst” Professor Rudolf Plank, sowie bei Prof. Kurt Nesselmann.
  • An der Universität Karlsruhe (TU) Fridericiana habilitierte er 1971 mit »exakten Gleichungen für die Transportkoeffizienten eines Fünfkomponenten-Gemisches als Modell dissoziierter Luft in Re-entry-Strömungen«.
  • Von 1971 bis zu seiner Berufung an die neu gegründete Hochschule/ Universität der Bundeswehr München war er Privatdozent für Theoretische Thermodynamik & Gaskinetik an der Fakultät für Chemieingenieurwesen und Verfahrenstechnik der Universität Karlsruhe (TU).
  • Dr. Straub bildete zusammen mit Kollegen aus Mathematik, Numerik und Physik die erste bundesdeutsche Arbeitsgemeinschaft für Grenzschichtprozesse in Hyperschall- Plasmaströmungen.
  • Das Hauptprojekt der AG betraf die thermodynamischen Prozesse beim Wiedereintritt von Raumflugkörpern in die Atmosphäre (Rückkehr-Technologie). Nach erfolgreichem Abschluss des Projekts begann Dr. Straub 1971 sein außeruniversitäres Berufleben im Umfeld des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT). In der im Auftrag des BMFT tätigen ›Gesellschaft für Weltraumforschung (GfW)‹ in Bad Godesberg arbeitete er unter anderem als Fachgruppenleiter für Aerodynamik, Flugmechanik, Thermodynamik.
  • Schon 1972 wechselte er zur Hauptabteilung Space Technology der (ehemals) Deutschen Versuchsanstalt für Luft- & Raumfahrt (DFVLR – heute DLR) – in Bonn/Porz-Wahn. Dort initiierte und leitete Dr. Straub im Rahmen des Raumfahrt-Basisprogramms der Bundesregierung die ›Arbeitsgemeinschaft RÜCKKEHRTECHNOLOGIE (ART)‹. Die ART realisierte den ersten Zusammenschluss der deutschen Kapazitäten in Industrie, Großforschungsanstalten und Universitäten in einem Mehrjahresprogramm zur Grundlagenforschung für die Rückkehrtechnologie (in nationaler Verantwortung und internationaler Kooperation).
  • Nach Auskunft von Prof. Straub wurde das ART-Programm wegen seiner Erfolge auf Druck der NASA und der französischen Regierung gegen Ende der 80er Jahre eingestellt. Deren Motiv waren die raschen Fortschritte in der systematischen ART-Grundlagenforschung bei gleichzeitig drohender langjähriger Stagnation der unterfinanzierten US-Basisforschung in bemannter Raumfahrt zugunsten des laufenden Space-Shuttle-Technologie-Projekts und der damit verbundenen Missionen. Und die agilen Franzosen? Sie hofften durch den Stopp des ART-Programms, ihren damaligen technologischen Rückstand verringern zu können, um dann die Führungsrolle in einem geplanten europäischen ART-Nachfolgeprojekt zu übernehmen – ein Ziel, das sie dann einige Jahre später zwischen 1985 und 1992 mit dem letztlich erfolglosen Programm »(bemannter) Raumgleiter Hermes« der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) erreichten.
  • Als einziger Europäer war Prof. Straub vom BMFT – auf dringende Bitten des Marshall Space Flight Center (MSFC), Huntsville, Ala – zur Sonderkonferenz der NASA im Februar 1985 in Huntsville als Fachberater für Thermodynamik abgeordnet – betreffend alle verfügbaren und vor allem zukünftigen ›Haupttriebwerke der Space-Shuttle-Flotte (SSME). Die Konferenz endete mit einer einstimmigen Empfehlung der US-Experten: Die NASA sollte ‒ für Korrekturen & Verbesserungen des im Westen längst zum Standard erklärten »NASA-Lewis-Code« zur Leistungsermittlung für die wiederverwendbaren Flüssigkeitsraketentriebwerke ‒ die so genannte Münchner Methode (MM) verwenden, die von Prof. Straub und Mitarbeitern entwickelt wurde.
  • Im Auftrag des BMFT verfasste Prof. Straub eine Dokumentation der MSFC-Konferenz in Buchform betitelt:
    Thermofluiddynamics of Optimized Rocket Propulsions. Extended Lewis Code Fundamentals. Birkhäuser Verlag: Basel – Boston – Berlin 1989.
  • Mit dem Marshall Space Flight Center arbeitete der Autor bis Ende 1991 zusammen. Alsdann kooperierte er und sein Münchner Institut bis 1999 mit dem Mathematiker Prof. W. Ames am Fachbereich Applied Mathematics des ›Georgia Institute of Technology‹ in Atlanta.
  • Neben vielen anderen, oft umfangreichen wissenschaftlichen Publikationen hat Prof. Straub ca. 50 Dissertationen betreut. Als seine originärste Arbeit nannte er das Buch, welches auf der Re-Formulierung der Thermodynamik durch J. Willard Gibbs & Gottfried Falk fußt:
Alternative Mathematical Theory of Non-equilibrium Phenomena. Academic Press: San Diego, London 1997.
Erhaltene Auszeichnungen: 1997: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für besondere Verdienste: – beim Aufbau der UniBwM u.a. die Planung für Studiengänge, personelle und räumliche Ausstattung, Geräteausstattung…etc..
2002: Verleihung der Goldenen Herrmann Oberth-Medailie durch den Internationalen Förderkreis für Raumfahrt Hermann Oberth – Wernher von Baun (IFR) e. V. in Anerkennung seiner außergewöhnlichen Verdienste um die Raumfahrt-Wissenschaften, insbes. NASA. Thermodynamik. Space-Shuttle-Main-Engines)

Besonders die Gibbs-Falk-Dynamik verbindet mein Gesprächspartner mit einigen signifikanten Eigenschaften der heutigen Quantentheorie, gar mit genuinen Aspekten der theoretischen Ökonomik. Dass sich Prof. Straub darüber hinaus sogar für die Wissenschaftsgeschichte und -Philosophie seiner eigenen Fächer interessiert, und sich hier extrem gut auskennt, macht ihn zum seltenen Glücksfall für einen „Widerspruchsforscher“.
Für die Öffentlichkeit – so auch für unser Gespräch – benutzt Prof. Straub schon seit Jahrzehnten aus schriftstellerischen Gründen den Namen T. S. W. Salomon. Die Initialen TSW stehen exemplarisch und austauschbar für Themistokles, Schrödinger, Whitehead, ergo für Persönlichkeiten, deren Namen TSWS derzeit aus diversen Motiven & Gründen als Orientierungsmarken favorisiert. Man darf sie aber auch lesen als Abkürzungen für naturwissenschaftliche Schlüsselbegriffe wie z. B. die »allgemein-physikalischen Größen« Entropie (S), Zeit (t) oder Temperatur (T) oder Leistung bzw. Arbeit (W).

Ich selbst benutze mein Pseudonym Tim Boson. Unser Gespräch ist mehrteilig konzipiert; es wurde und wird per Email bzw. Telefon geführt. Es mag in fachlichen Fragen vom Leser als Antwort nach bestem Wissen bezüglich wissenschaftshistorischer, physikalischer und technischer Zusammenhänge bewertet werden. „Errare humanum est, ignoscere divinum“ (Cicero).

Tim Boson:
Herr Professor Salomon, was mir an ihrer Forscherbiografie spontan auffiel: Ich entnehme aus ihr, dass es in der bemannten Raumfahrt beinahe ein und dieselbe Kompetenz braucht, um mittels mächtiger Raketentriebwerke von der Erde aus zu ‚flüchten’, als auch per ausgefeilter Rückkehrtechnologie wieder zu ihr zurückzukehren. In beiden Fällen hat man es mit überschallschnell strömenden Gasen sehr hoher Temperatur zu tun – verbunden mit extremer Materialbelastung. Deshalb meine erste Frage: Wie kam es zu Ihrem Engagement beim Space-Shuttle-Programm der NASA?

TSWS:
Die Sache war die: Die US-Raumfähren werden ja nicht nur je von den beiden weißen wieder verwendbaren Feststoff-Boostern (an der Seite) ‚hochgeliftet’ – jede Raumfähre verfügt selbst auch noch über einen fest eingebauten Antrieb. Das sind die 3 Kegeldüsen, die man hinten direkt am Orbiter sieht. Dieser Antrieb schiebt von der Startphase an mit und wird von der ‚dicken braunen Tank-Zigarre’ mit einem Gemisch aus Flüssigtreibstoff versorgt. Und genau dieser Antrieb konfrontierte die Ingenieure der NASA von Anfang mit gravierenden technischen Schwierigkeiten, weil er relativ eng dimensioniert sein und dennoch eine große Leistung erbringen musste. Vor allem aber, weil die Raumfähren der NASA durch ihre jahrelange Wiederverwendbarkeit und ihren steuerbaren Gleitflug besondere Anforderungen bei extremen Sicherheitsstandards zu erfüllen haben.

Tim Boson:

Flüssiggastriebwerke kannte man zu diesem Zeitpunkt doch schon länger? Musste hier das Rad neu erfunden werden? Was war also das eigentliche Problem?

TSWS:
Einfach ausgedrückt, das Dauerproblem waren die zu erwartenden Belastungen und Leistungen und wie man sie berechnet. Diese Hochleistungsraketentriebwerke waren in ihrer Art ein Neuentwurf und mit heißer Nadel gestrickt. Schon der Jungfernflug 1983 hätte schief gehen können.

Tim Boson:

Sie meinen einen Unfall?

TSWS:

Sagen wir es so: Diese Art der Raumfahrt birgt immer ein hohes Risiko. Man konstruiert in Grenzbereichen, denkt in Neuvorstößen. In solchen Bereichen von Leistung und Materialbelastung hat man es bei jeder Entwicklung immer mit Pionierarbeit an Prototypen zu tun. Das Einzige was hier normal ist – dass nichts normal ist. Da greift man nur selten auf ‚angestaubte Langzeiterfahrungen’ zurück, keine gepflegten Großserien wie in der Rüstungsindustrie sind verfügbar, keine langjährigen Praxisbeweise wie in einer Fabrik für Nähmaschinen. Dazu kommen die menschlichen Ressourcen an Erfahrung. Ein Ingenieur kann in seinem ganzen Arbeitsleben vielleicht an einem – wenn es hochkommt – an zwei verschiedenen Großtriebwerken mitentwickeln, dann gehen er und seine vielfältigen Erfahrungen in Rente.

SSME (SPACE SHUTTLE MAINE ENGINE)SSME (Space Shuttle Main-Engine.) Das Objekt der Begierde – 50 Millionen Dollar pro Stück. Das SSME wird von Pratt & Whitney Rockedyne gebaut und wiegt 3,2 Tonnen. Die Schubdüse hat eine Länge von 2,87 Metern und einen maximalen Durchmesser von 2,39 Metern. Jeder Orbiter hat drei Stück davon in einem Cluster eingebaut. Beim Start beträgt die Brenndauer achteinhalb Minuten. Im Gegensatz zu den Feststoffraketen kann jedoch bei diesem Triebwerk der Schub geregelt werden oder im Flug abgestellt werden. Jedes Treibwerk liefert mehr als 2000 Kilonewton (200 Tonnen) Schub. In der Brennkammer erreicht die Temperatur über 3300 Grad Celsius. Durch Turbopumpen wird der Treibstoff mit einem Druck von ca 450 Bar und der Oxidator mit ca 300 Bar zur Brennkammer befördert. Dabei erreichen die Pumpen Drehzahlen von ca 35 000 U/min. Der Erstlauf eines SSME fand im Oktober 1975 statt. Auch noch nach fast 35 Jahren zählen die SSMEs zum Hauptrisikofaktor der Shuttle-Flüge.

Die NASA verfügte zum Zeitpunkt der Entwicklungen über keine wirklich zuverlässigen numerischen Verfahren; sie benutzte standardisierte, aber teilweise veraltete Berechnungsmethoden zur Dimensionierung eines solchen neuen Triebwerks wie es die SSME (Space Shuttle Main Engine) ist. Die Physik, die sich in solchen Strömungsprozessen im Verhältnis zwischen Gasgeschwindigkeit, Druck, Temperatur und Materialverhalten abspielt, gehört zum Anspruchsvollsten, was man heutzutage mathematisch zuverlässig formulieren und numerisch mit ausreichender Genauigkeit berechnen kann. Und die mathematischen, vorrangig numerischen Methoden, die man dafür benötigt, um z. B. turbulente Strömungen reaktiver Gase berechnen zu können, sind oft mindestens unter zwei Aspekten unzureichend: Erstens fehlen auf der numerischen Seite gewöhnlich die adäquaten Lösungsalgorithmen, und zweitens herrscht ein eklatanter Mangel vor an zuverlässigen Materialfunktionen. Beispielsweise gibt es nur die rein mechanistische kinetische Gastheorie, 100 Jahre alt, um die Viskositäten, oder die Wärmeleitfähigkeiten oder die polynären Diffusionskoeffizienten eines reaktiven Vielkomponenten-Gasgemisches bei hohen Temperaturen zu ermitteln. Eine experimentelle Überprüfung dieser Daten ist in aller Regel ohnehin unmöglich!

Tim Boson:

Können Sie das Problem ein bisschen näher beschreiben?

TSWS:

Sie müssen sich Folgendes vorstellen: Die elektrische Zündung eines solchen Triebwerks verursacht zunächst eine gewaltige Explosion in der Brennkammer. Alles fliegt auseinander. Das können Sie wörtlich nehmen. Da gibt es sozusagen keinen einzigen Punkt in den strömenden Gasen, der sich im Laufe des Startvorgangs nicht irgendwie bewegt und verschiebt. Temperatur, Druck, Gegendruck, Gaszusammensetzung und Gasströmung sorgen dafür, dass kein Teilchen an der Stelle bleibt, an der es vor der Zündung war.

Im Endeffekt resultiert eine Vorzugsrichtung im Raketenmotor, in die sich das Gas rasch ausbreitet, um die Brennkammer zu verlassen. Das gilt indes nicht für die Wandmaterialien, welche die Brennkammer begrenzen und schützen. Übrigens expandiert ein solches “explodierendes” Milieu nicht homogen, sondern zeigt in aller Regel ein nichtlineares Verhalten – ergo, es explodiert zum Beginn der Zündung anders als in der Mitte und am Ende der Startphase, weil sich die Temperaturen und Drücke des Gases nicht plötzlich, sondern kontinuierlich einstellen und sich entlang der Vorzugsrichtung verändern. Außerdem muss man beachten, dass das ganze SHUTTLE ja mit jeder Sekunde an Gewicht verliert, weil der Treibstoff verbrennt. Außentemperaturen, Luftdruck und Luftdichte variieren ebenfalls. Besonders charakteristisch verändert sich die Gasgeschwindigkeit entlang der Brennkammer-Düsen-Achse.

Wenn Sie so wollen, hat man es also bei einem Raketenstart ‒ ingenieurtechnisch und praktisch von innen betrachtet ‒ mit einem Bewegungsvorgang ´ohne Konstanten` zu tun. Das einzige, was man kennt, sind Grenzwerte für Gas- und Materialverhalten, für Temperaturen oder Drücke, statistische Mittelwerte der Gaskonzentrationen und natürlich die ‚Außenkonstanten’ wie die Erdanziehung oder das Wetter. Alle Daten sind miteinander ‚vernetzt’ und sollen nun so reguliert werden, dass aus einer Explosion eine irreversible, stationäre Strömung wird.

Und hier kommt die Mathematik ins Spiel: Die Mathematik der Thermodynamik; sie optimiert über den ›Massenstrom pro Zeiteinheit‹ das ganze SYSTEM – das heißt das reaktive Gasgemisch hoher Machzahl. (Anmerkung T. B.: 1 Mach ist die Maßeinheit für die Schallgeschwindigkeit, die strömenden Gase können mehrfache Schallgeschwindigkeit erreichen – in der Wiedereintrittsphase erreicht der Orbiter Mach 25) Die Verbrennungsgase ‚bewegen’ das Triebwerk durch den resultierenden Schub. M. a. W.: Je nach gewähltem Betriebszustand muss der Durchsatz des reaktiven Gasgemisches an die charakteristischen geometrischen Kenndaten des Triebwerks optimal angepasst werden. Dazu ist ein geschlossener Regelkreis ausschlaggebend – betreffend die zulässigen, d. h. materialbedingten Maximaltemperaturen sowie die passende chemische Kinetik des SYSTEMS.

Tim Boson:

Sie haben SYSTEM hier groß geschrieben. Das wird uns an anderer Stelle sicher noch beschäftigen. Zunächst einmal wurden Sie angefragt….

TSWS:

Ja. Auf meine Bitte hin, hatte das Marshal Space Flight Center auch meinen Münchener Kollegen, Herrn Professor Rudi Waibel † im Februar 1985 nach Huntsville zu einem Meeting eingeladen. Dem war in den USA eine jahrelange Geschichte vorausgegangen, die bereits ca. 20 Jahre früher – ich möchte sagen – einen äußerst riskanten Anfang genommen hatte. Diese Story würde ich im Nachhinein als hochgefährliches Spiel zwischen der NASA und dem Lockheed-Konzern bezeichnen, zumal die Verantwortlichen des Marshall Space Flight Center ‚offensichtlich jetzt’ (1985) plötzlich kalte Füße bekommen hatten. Das war zweifellos der Hauptgrund, weshalb mein Kollege und ich als neutrale Gutachter ins MSFC nach Alabama kommen sollten.

Tim Boson:

Ich schätze, diese Vorgeschichte müssen Sie jetzt etwas näher ausführen…

TSWS:
Im Jahre 1969 erstellte Mr. P. R. J., Ingenieur und damals Mitarbeiter der Lockheed Corporation, Bethesda, Maryland, im Auftrag des MSFC eine gutachterliche Stellungnahme zur Auslegung der geplanten leistungsstarken Antriebsaggregate für die US-Raumfähre „Space Shuttle“. Besonderes Interesse zeigte die NASA an einer theoretischen Analyse über den Einfluss der endlichen Brennkammer-Querschnittsfläche auf die Antriebsleistung eines Hochleistungs-Raketenmotors ‒ am Ende der Brennkammer, im Vergleich zu der bei Leistungsberechnungen üblicherweise unterstellten (theoretisch) unendlich großen Querschnittsfläche – dort, wo letztere in die nachgeschaltete Düse übergeht.

Tim Boson:

Moment,…die Brennkammer ist ja wohl der Raum, in welchem der Treibstoff zur Explosion gebracht wird? Warum hat man bis zum Jahre 1969 mit einem unendlich großen Brennkammerquerschnitt gerechnet? In Wirklichkeit gibt es so etwas doch gar nicht – sagt mir mein gesunder Menschenverstand…

TSWS:

…ja, aber für Berechnungen war es bis dahin angeblich praktikabler, einen unendlich großen Querschnitt zu unterstellen. Der Wert der Explosionsgeschwindigkeit eines Gasgemischs ist im Prinzip immer derselbe, ob innerhalb oder außerhalb einer Brennkammer. Die Frage war immer nur, ob die Kammer mechanisch stabil bleibt und die oft hohen thermischen Belastungen aushält. Denn die Triebwerke werden je nach Nutzlast, die gestemmt werden soll, leistungsseitig natürlich verschieden beansprucht. Im Falle des Gutachtens von Mr. P. R. J. ging es indes zunächst um die Leistungsberechnung für die Durchführung von Forschungs- und Beobachtungsmissionen, dann um ›Space-Station-Projekte‹, heute konkret um die Versorgung der ISS (bemannte Internationale Raumstation) sowie für bestimmte „weltraumnahe“ Missionen – betreffend „weltraumnahe“ Objekte (z. B. Satelliten oder Weltraumschrott).

Die Planungen der NASA erforderten dafür zuverlässige Informationen über die jeweils erforderliche ›Schubleistung pro SSME‹ und ihre adäquate Bestimmung. Dazu benötigte man vorrangig einen ›idealisierten Ersatzprozess‹ (Idealized Replacement Process = IRP), der es mittels der ab 1975 geplanten Testprogramme erlauben sollte, das an der realen SSME experi-mentell ermittelte Leistungsspektrum sicher beurteilen und systematisch verbessern zu können.

Entscheidend ist: Die NASA muss davon ausgehen, dass das den IRP definierende Modell nach dem ‚State of the Art’, ergo nach den in den USA geltenden Regeln der zeitgenössischen Ingenieurkunst gestaltet ist. M. a. W.: Die NASA schuf sich – was die wissenschaftlichen Grundlagen der Gasdynamik, Thermodynamik, Gas- & Reaktionskinetik, etc. angeht, einen eigenen Standard, der für alle ihre Vertragspartner verbindlich ist.

Das Raketentriebwerk der SSME selbst wurde für den ERSATZPROZESS abstrahiert, d. h. ‚realistisch’ konzipiert, bezogen auf zwei charakteristische Bauteile: Erstens auf einen Zylinder konstanten Durchmessers. Das eine Zylinderende ist abgeschottet; am anderen Ende wird –zweitens– eine so genannte (rotationssymmetrisch gestaltete) Lavaldüse (Sie dürfen Kegeldüse sagen.) derart angeflanscht, dass Brennkammer und Düse eine gemeinsame Achse bilden; zudem ist die Austrittsquerschnittsfläche des Zylinders mit der Eintrittsquerschnittsfläche der Düse identisch. Noch ein wichtiges Detail: Der variable Querschnitt der Lavaldüse verengt sich zunächst und weitet sich bis zum Gasaustritt wieder auf, wodurch ein durchströmendes Gas auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt werden kann, ohne dass es zu starken (verlustreichen) Verdichtungsstößen kommt. Die Schallgeschwindigkeit des Verbrennungsgases wird genau im engsten Querschnitt der Düse, ihrer ‚Kehle’ (Throat) erreicht.

In diesem Video sind die Girls im Vordergrund sehr dekorativ, aber der Ton auf jeden Fall bemerkenswert. Das “Knattern” wird durch die Überschallbeschleunigung der Verbrennungsgase erzeugt, die in Verdichtungsstößen ihre eigene Schallmauer durchbrechen. Der Vorgang ist so laut, dass sich die Frau links im Bild kurz bekreuzigt – fast könnte man sagen: wie es sich in einer modernen Kathedrale auch gehört.

Tim Boson:

Ich verstehe einen Aspekt immer noch nicht: Was bedeutet für die Auslegung einer SSME, wenn man einerseits beim Gebrauch des NASA-LEWIS-CODE mit einem Brennkammerquerschnitt von (theoretisch) ‚unendlich’ rechnet, andererseits aber für den ERSATZPROZESS bei sonst gleichen Abmessungen der Lavaldüse mit dem realen Wert des Brennkammerquerschnitts kalkuliert?
Um mir eine konkrete Vorstellung machen zu können, habe ich hier mal die wahren Querschnitts-werte A der SSME aus ihrem ‚Raketenbuch’ herausgesucht:

Brennkammer AC; Throat AT; Austrittsquerschnitt der Lavaldüse AE:

AT = 538 cm2; AC / AT = 2. 96; AE / AT = 77.5.

Können Sie damit besagten Unterschied einigermaßen plausibel begründen?

TSWS:

Mein Versuch, dem Laien die Sachlage halbwegs verständlich zu machen, muss für manchen Leser vielleicht zu ‚formal’ ausfallen – leider! Je nach Gemütslage sollte er reagieren: die Textpassage überspringen und einfach glauben, ohne sich zu ärgern oder aber sich zu quälen und die Chance zu nutzen, auf sich selber ein bisschen stolz zu sein: Common Sense und Geduld genügen!

Maßgeblich für die Auslegung des Raketenmotors mittels des ERSATZPROZESSES (IRP) sind die Strömungsverhältnisse in der Lavaldüse. Die Massenerhaltung entlang der Düse bedeutet, dass der Massenstrom ż (in kg/s) sich durch die simple Formel ż = ρvA ausdrücken lässt; mit ρ ist die mittlere Massendichte (in kg/cm3) der Verbrennungsgase, mit v (in cm/s) die gemittelte Gasgeschwindigkeit und mit A (in cm2) die jeweilige Querschnittsfläche bezeichnet. Da sich der Massendurchsatz ż entlang der Düsenachse nicht ändert, gilt nach der o. a. Formel einfach die Kontinuitätsbedingung ρTvTAT = ρEvEAE = ż für die Lavaldüse mit zwei ihrer drei ausgezeichneten Querschnittsflächen. Diese physikalisch vorgeschriebene Zwangsbedingung muss aber sowohl für die Brennkammerquerschnittsfläche gelten als auch gleichermaßen für die Eintrittsquerschnittsfläche der Lavaldüse: ż = ρC vC AC.

Die Auflösung des Rätsels ist einfach: Bei finitem (endlichen) Wert der Massendichte ρC muss für den Grenzfall AC → ∞ das Produkt (ρC vC AC) einen ‚mathematisch unbestimmten Ausdruck’ (ρC 0 ∞) ergeben. Nach den mathematischen Spielregeln darf man diesen Grenzwert durch jeden Wert ersetzen, der einer wahren Lösung des Produkts (ρC vC AC) entspricht. Letzere ist aber durch die o. a. Kontinuitätsgleichungen der Düse festgelegt und bekannt.

Es ist evident, dass bei dieser Rechnung ein beliebig großer Wert von AC → ∞ auf der Brennkammerseite ebenso wie der korrespondierende Geschwindigkeitswert vC → 0 nur bedeuten, dass sie zur Definition des ERSATZPROZESSES gehören. In diesem Sinn ist der originale NASA-Lewis-Code (bis 1988) Teil dieses Modells. 

Ergo gilt, dass eine Berechnungsprozedur ohne Berücksichtigung der Querschnittsfläche AC der Brennkammer zunächst einmal nicht falsch ist. Die Konsequenz wird erst in der MÜNCHNER METHODE (MM) von Dieter Straub & Stefan Dirmeier gezogen. Die Münchner Methode (MM) benutzt demgegenüber keinen IRP im Sinn der o. a. Definition, sondern den ›idealen Vergleichsprozess‹ (Ideal Comparative Process = ICP); er richtet sich nach rein wissenschaftlichen Kriterien. Der ICP erlaubt eine strenge Modifikation der Berechnungsprozedur, die darauf hinausläuft, durch Einbeziehung der dritten Fläche AC ein Iterationsverfahren zu konstruieren, das den Durchsatz ż als Problemlösung zu berechnen gestattet, wobei die gesamten komplexen Berechnungen der chemischen Reaktionen des Verbrennungsgases entlang des Strömungswegs vom Brennkammeranfang bis zum Düsenende iterativ mit einbezogen werden. Darin besteht der grundsätzliche Unterschied zwischen dem IRP (idealer Ersatzprozess) und dem ICP!

(Anmerkung T.B. : “Iteration” – schrittweises wiederholendes Annähern, Rechnen)

Tim Boson:

Für Spezialisten scheint die von Ihnen präsentierte Beantwortung meiner Frage leicht nachvoll-ziehbar. Vielleicht ist es indes für den Nicht-Spezialisten nützlich zu wissen, dass es nur in der Thermodynamik noch einige andere streng ›naturwissenschaftlich begründete VERGLEICHS-PROZESSE‹ gibt, wie z. B die Schwarz-Körper-Strahlung. (Das Thema IDEALER VERGLEICHSPROZESS werde ich mir merken. Es scheint mir verbunden zu sein mit der kognitiven Problematik des UNTERSCHIEDS. Ich kann nur dann etwas UNTERSCHEIDEN, wenn ich es vor einem (gemeinsamen) Hintergrund VERGLEICHE.) Aber erstmal zum Thema. Gibt es darüber hinaus zur Münchner Methode noch relevante Kommentare, die kurz zur Sprache kommen sollten?

TSWS:

Diese Anregung nehme ich gern in Anspruch. Zwei Konsequenzen ergeben sich aus den Erfahrungen mit der Münchner Methode: (1) Das Konzept der idealtypischen Konfiguration, bei dem der reale Triebwerkstyp abstrahiert wird, ermöglicht den Übergang vom ‚geschlossenen’ Raketenmotor auf durchströmte, luftatmende Flugantriebe mit & ohne Kühlung. Wichtige Beispiele sind Leistungsberechnungen für Staustrahltriebwerke mit Unterschallverbrennung, den so genannten Ramjets. (2) Der NASA-Lewis Code, das amerikanische Standardverfahren zur numerischen Berechnung komplexer chemischer Gleichgewichtsreaktionen, enthält in seiner Originalfassung bezüglich der o. a. besprochenen »Infinite Area Combustion Method« einen Fehler: Bei dieser Methode werden die kinetischen Anteile der Erhaltungsgleichungen für Impuls und Totalenthalpie in der Brennkammer (Zustand C) fälschlicherweise vernachlässigt.

(Anmerkung T.B. “Totalenthalpie” als grober Vergleich: Man kennt den Effekt von der Strömung in einer Luftpumpe. Kompression erwärmt. Expansion kühlt ab. Die Bedeutung der Totalenthalpie bei Raketenmotoren liegt darin, dass Enthalpie als “Maß für den Wärmegehalt” einer Strömung auch in kinetische Energie des strömenden Mediums überführt werden kann. Im ersten Fall kommt es zur Expansion und meist zur Abkühlung; und umgekehrt: kinetische Energie – kann in Enthalpie überführt werden (Staudruck, also Kompression – damit einhergehend meist Temperaturerhöhung. Das Problem bei der Dimensionierung von Raketenmotoren liegt in dem “guten” Verhältnis von Staudruck und Expansion bezogen auf Leistung und Temperatur. Die Strömung dann auch noch stationär zu regeln – das ist die Kunst.)

Tim Boson:

…und dann brachte das Lockheed-Gutachten 1969 von Mr. P. R. J. die NASA auf die Idee, dass ja auch der endliche Querschnitt der Brennkammer selbst ein Leistungsfaktor sein könnte…?

TSWS:

Ja, weil es notwendig geworden war, Triebwerke kompakter und kleiner zu bauen, begann man sich dafür zu interessieren.

Tim Boson:

Und was hat Mr. P. R. J. denn eigentlich gemacht?

TSWS:

Der hat eine Art von Gutachten erstellt, das mit endlichen Querschnitten einer Brennkammer rechnete, und er kam für das Triebwerk J-2 auf phantastische Leistungssteigerungen. Und zwar schon bei Gastemperaturen in der Brennkammer von nur(!) 2600 Grad – im Gegensatz zu einem Wert von über 3300°C, wie man sie aus dem originalen NASA-Lewis-Code erhält.

Tim Boson:

Das war phantastisch?

TSWS:
Ja, es war voller Phantasie, hatte aber nur wenig mit der Realität zu tun.

Tim Boson:

Was geschah dann?

TSWS:

Die NASA begann Anfang der 1970er Jahre damit, die ersten SSMEs in Kenntnis dieser Lockheed-Studie zu planen und der Raumfahrtindustrie Entwicklungs- & Produktionsaufträge zu erteilen.

Tim Boson:

Sie wurden dann von Rocketdyne gebaut, getestet und in die Space-Shuttles integriert?

TSWS:
Ja, drei Stück davon jeweils in einen Orbiter

Tim Boson:

Das würde bedeuten, dass die Tests ebenso wie die allerersten Flüge der Missionen mit Haupt-triebwerken unternommen wurden, die bezüglich der Brennkammertemperaturen falsch ausgelegt waren mit der Folge, dass sie chronisch ‚überhitzt’ werden mussten, denn der missionsbedingte Schub war ja unabdingbar. Warum hat man das bei Tests nicht bemerkt?

TSWS:

Das Problem bei Tests ist, dass sie kostspielig sind und ein solches Triebwerk sehr viel Geld kostet: Sie müssen bei einem Test immer einkalkulieren, dass sie 50 Millionen Dollar zerstören, wenn Sie so ein Triebwerk bis an eventuell notwendige Leistungsgrenzen bringen oder kurzfristig darüber hinausgehen. Ab einem bestimmten finanziellen Volumen sind solcherart Tests immer – harmlos ausgedrückt – ‚kompromissbelastet’.

Tim Boson:

Und nicht harmlos ausgedrückt?

TSWS:
Man testet solche Triebwerke so, dass sie beim Test nicht kaputt gehen.

Tim Boson:

Gut, aber es wird ja einen Grund gegeben haben, dass sich die NASA an Sie nach München wandte?

TSWS:

Nun, der Grund wird gewesen sein, dass sie z. B. bei den Missionen über verschiedene Optionen verfügte, die zur Folge hatten, dass bei der Besatzung sowie der Bodenstation von einander abweichende Temperaturen registriert wurden und es Leistungseinschränkungen in der Vollschub-Phase gegeben hat. Zumindest wird es immer sehr eng mit den ohnehin kritischen Temperaturen geworden sein.

Tim Boson:

Genauer bitte,…..!

TSWS:

Sie werden durchschnittlich höhere Temperaturen gemessen haben als die ca. 2600°C, die ihnen seit 1969 Mr. P. R. J. wie das ‚Gelobte Land’ prophezeit hatte. Sie waren die Messlatte! Oder sie haben 2600 Grad gemessen, als das Triebwerk noch nicht unter Volllast lief. Sie werden sich bei jeder Mission gefragt haben. Sind wir wirklich korrekt dimensioniert? Dürfen wir den Gashebel wirklich so weit aufdrehen, wie wir es tun? Der Leser sollte wissen, dass diese Triebwerke geregelt werden können und etwa 40 Sekunden nach dem Abheben auf Voll-Last von der Besatzung des Shuttles hochgefahren werden. Die geben dann noch mal richtig Gas. 
Solche Missionen sind aber energieseitig immer sehr eng berechnet, weil die Shuttles oft große Lasten transportieren und damit die Erdanziehung überwinden müssen. Sie können also, wenn Besatzung und Bodenstation feststellen, dass das Triebwerk zu heiß läuft, nicht einfach sagen, dann nehme ich den Gashebel eben zurück, weil sie dann ihr Ziel einfach nicht erreichen und die Mission scheitert. Wenn sie sich einmal dazu entschieden haben, abzuheben, dann sind sie gezwungen, Gas zu geben, (fast) ganz egal, was die vielen Messeinrichtungen und Computer an Bord und am Boden signalisieren. Auch wenn sie dabei ein mulmiges Gefühl haben – sie müssen da durch!

Ein sehr vollständiges Video. Auf dem Video erkennt man, wie die Haupttriebwerke ca 5 Sekunden vor den Feststoffboostern gezündet werden. Nach dem Abwurf der Feststoff-Booster schieben die Haupttriebwerke allein weiter. Auch das kann man noch sehen. (Etwa bei 1:17 des Videos hört man von Houston das Kommando: “Atlantis – Go at problem.” – eine sehr sprechende Kurzversion für “Machen Sie ihr Ding.” oder “Erledigen Sie den Auftrag.”)

Tim Boson:

Die NASA hatte also sehr heiße Triebwerke und ziemlich kalte Füße.

TSWS:
Ja, und wie. Dazu muss ich Ihnen eine Episode erzählen, die ich erst kürzlich erfahren habe. Meines Erachtens handelt es sich um eine Schlüsselszene für alle Dimensionen unserer Story.

Sie erinnern sich gewiss an den Dienstag, dem 28. Januar 1986. Beim Start zur 25. Space-Shuttle-Mission explodierte die STS-51-L – CHALLENGER; die gesamte Besatzung kam ums Leben.

Mitglied der Regierungskommission zur Aufklärung dieser Katastrophe war auch der damals vielleicht renommierteste US-Naturwissenschaftler, der theoretische Physiker & Nobelpreisträger Richard P. Feynman. Wir werden später noch viel von ihm hören. Hier geht es um seinen sehr persönlichen, sehr lesenswerten Bericht über seine Erfahrungen in Washington D. C. bei dieser Kommission-sarbeit. In der deutschen Übersetzung trägt der Bericht den Titel „Mr. Feynman geht nach Washington, um die Challenger-Katastrophe zu untersuchen“. (in R. P. F.: Kümmert Sie, was andere Leute denken? Piper: 2008).

Zur Vorbereitung seiner Untersuchungstätigkeit ließ er sich gründlich von Ingenieuren des Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena instruieren. In seinem Bericht findet sich die folgende für mich entlarvende Notiz (S. 116):

Die Ingenieure verrieten mir sogar, dass etliche der für die Triebwerke zuständigen Fachleute bei jedem [Space Shuttle]-Flug den Daumen halten und sich, als das Shuttle explodierte, sicher waren, dass es an den Triebwerken lag.

Tim Boson:

Formulierung und Inhalt der Bemerkung klingen tatsächlich irritierend, aber warum „entlarvend“?

TSWS:

Weil sich die Notiz Feynmans auf eine Zustandbeschreibung im Jahr 1986 bezog. Die in ihr zum Ausdruck kommende Befürchtung wurde aber mir und meinem Mitarbeitern gegenüber nahezu wortgleich von den Mitgliedern der NASA-Abordnung geäußert, die mich drei Jahre früher im August 1983 in München aufsuchten. Unmissverständlich berichteten sie, dass die Ingenieure jahrelang bei jedem Flug die Explosion eines der Haupttriebwerke befürchteten.

Endlich nach 10 Jahren entschied das Management des MSFC, das Lockheed-Gutachten von Mr. P. R. J. von einer anderen Firma, der Continuum Inc., Huntsville, Ala ´gegenchecken` zu lassen. Der »Witz« – sofern es einer war – war aber der, dass Mr. P. R. J. mittlerweile Karriere gemacht hatte und zu Continuum Inc. gewechselt war, und nun sein eigenes Gutachten noch einmal begutachtete und – wer hätte das gedacht – nichts beanstandete!

Tim Boson:

Die Neutralität war nicht mehr gegeben…?

TSWS:

Das klingt aber sehr ‚diplomatisch’: Nein, es war eigentlich skandalös – und die Öffentlichkeit sollte nichts erfahren. Sie können sich ja nicht vorstellen, wie viel Menschlich-Persönliches an Eitelkeiten in so einem gewagten Unternehmen mit unübersehbaren Optionen die Sicherheit gefährdet….

Tim Boson:

Doch, kann ich mir gut vorstellen…aber es ist erstaunlich, dass es immer wieder passiert. Und dann bekamen sie den Anruf?

Charlie Brown: When the music stops…

„Musical Chairs.“

Möglich, das Spiel erzählt  einen physikalischen Seins-Ablauf
Eine Ordnung verändert sich, indem sie streut, peu a peu
an das Offene abgibt. Die Anzahl der Stühle nimmt ab,
die Moleküle einer Formation streuen. Dabei kopiert sich ein Vorgang.
Man könnte auch sagen: So existiert diese Ordnung, in dem sie abgibt.

Oder als ein Prinzip von Wahrnehmung: Der Moment
einer Beobachtung hält einen Prozess an und er-zählt ihn.
Das Quantisieren aber, die Er-Zählung, ist nur zu haben
um den Preis der aussetzenden Musik.
Ein kurzer Stillstand, der einen Verlust an Bewegung bedeutet.
Die Wahrnehmung quantelt. Sie hackt. Die Musik stoppt. Still.
Die Musik „stillt“ Aber dieses „Stillen“ , das  Aussetzen der Musik formiert etwas.
Ein Bild. Und dieses Bild ist eine In-Formation. Still.

Nachdem man lange nichts mehr von seinen Experimenten mit rotierenden gekühlten Massen gehört hatte – findet sich nun doch wieder ein Eintrag des österreichischen Forschers Martin Tajmar aus dem Jahre 2010, der nahe legt, dass der gravitomagnetische Effekt sogar mit flüssigkaltem Helium registriert werden kann.

Von hier aus kann man dem Forscher nur alles Gute wünschen und viel Erfolg beim weiteren Experimentieren mit rotierenden und gekühlten Rädern, Ringen und Massen. Auf dass er auch noch andere Rotationswinkel und Achsenstellungen ausprobiert. Dass es bei den Experimenten weniger auf die Supraleitung ankommt und mehr auf die thermische Kühlung und die Rotation, wurde von ihm ja schon des Öfteren bestätigt. Zudem übertrifft er den vorher bereits bekannten Lense-Thirring-Effekt um ein vielfaches.

Das kann von hier aus auch deutlich unterstrichen werden, da ja die Entropie mit der Temperatur konjugiert ist und demzufolge auch mit der Energie überhaupt, also mit der Masse also mit der Raumzeit, zu der man aber besser ZEIT-RAUM sagen müsste, wenn die wissenschaftliche Gemeinde einsehen würde, dass die Raumzeit-Krümmung eben in Wirklichkeit nicht (nur) „-Geometrie“ ist, sondern eine thermische Dynamis als Fluss, der verwirbeln kann. Ich würde Martin Tajmar auch empfehlen, mal einige hochgenaue Atomuhren in der Nähe seines rotierenden Experiments aufzustellen.
Wir erinnern uns, was Entropie auf altgriechisch heißt: Hinein-Drehen. Um-Wandeln. Wobei man das „Um“ – hier wörtlich nehmen kann – im Sinne von: um-drehen.

Skeptisch gegen die Skepsis:
Hesekiel Kapitel 10/13 Und die Räder wurden genannt „der Wirbel“, daß …
Luther Bibel (1545) Und es rief zu den Rädern: Galgal! daß ich’s hörete. Elberfelder Bibel (1871) Die Räder, sie wurden vor meinen Ohren „Wirbel“ genannt ….

hebräisch-„Galgal“ : Rad, Wirbel, ….

Was war mit Albert Einstein los?

Neulich bin ich erschrocken.

Den Mann muss man nicht mehr erklären.
Kennt man, den Mann. Und jeder weiß ungefähr, was mit dem lustigen
Strubbelhaar – und Strickjackenprofessor in Verbindung zu bringen ist.
Das habe ich auch gedacht – bis ich herausfand, dass
Albert Einstein vor allem eins war. Er war……

…und das in einem – sozusagen – extremen Sinne.

Atombombe

Einstein: „Mein größter Fehler.“

Seine Leistung, die eigentliche Leistung bezeugte sich weniger darin, dass er Raum, Zeit, Masse, Energie in ein Verhältnis gesetzt hat; diese Entdeckungen sind beinahe pille palle gegenüber der eigentlichen Grundbewegung – nein, sind sie nicht – aber mindestens ebenso – äh, nein, doch, ich sage jetzt einfach: noch viel erschreckender ist die bewusstseins-seitige Grundbewegung, die zu diesen Entdeckungen geführt hat.
Der eigentliche Punkt, und das wirklich Haarsträubende an der Vorgehensweise Albert Einsteins war eine Grundbewegung von Bewusstsein.

Das habe ICH bisher nicht gewusst.
Das war MIR gar nicht so klar – bisher.

MAN hat das bisher immer ein wenig versachlicht,
in dem MAN von Beobachter-Verhältnissen gesprochen hat
Der Beobachter und sein Standpunkt.

Ein Beobachter in einer beschleunigten Rakete…

MAN stelle sich einen Beobachter auf einem Lichtrahl reitend..usw

Zu den ersten Überlegungen Einsteins – noch von Ernst Mach inspiriert,
gehörte ja, dass ein Mensch in einer beschleunigten Kiste die
selbe Schwerkraft erfahren könne, wie wenn er still auf der
Erde stünde.

…oder viel mehr auch: dass er sich ebenso in einer fallenden
Kiste als schwerelos empfände. Wenn sie verschlossen ist,
weiß er nicht, ob er im Weltraum schwerelos oder hier in
einer Kiste fällt, schwebt oder steht. Das war tatsächlich Einsteins
originärer Funke –

Das nimmt man heute so hin und denkt sich – naja, coole Überlegung, klar.
Aber mir war neulich klargeworden, dass diese Überlegung, und damals,
eigentlich überhaupt nicht klar war, und sie war –
und als ich dann länger darüber nachgedacht hatte – wurde mir immer klarer:

Sie war auf wundersame Weise asozial.

Wer so etwas denkt oder denken konnte, muss ein asozialer
Typ gewesen sein.

Weil eine solche Überlegung, das ICH relativiert.

Eine asoziale Überlegung.

Denn dass „ICH“ in der Welt ist normalerweise etwas,
dass eine Meinung verteidigt, eine Haltung, einen: Standpunkt.

Seine ontologische Gravität. Sein Gewicht. Seine Nichttauschbarkeit.

SEIN Wissen. SEIN Können. SEIN Machen. SEIN Tun.

Heute würde man wieder sagen: SEIN Mensch. SEIN Subjekt. SEIN Schicksal.

Dieses ICH hat einen Ort und der ist nicht tauschbar.

Und manchmal behängt sich dieses Ich noch
zusätzlich mit schweren ICH – Mänteln und ICH -Blei-Gewichten
aus Überzeugungen, „Erfahrungen“, und das Unschönste
eines solchen schwer behängten ICHs ist dann: Die Haltung.

Das ICH ist grundsätzlich etwas, dass verteidigt gehört
gegenüber….

….gegenüber was?

Gegen die Tauschbarkeit seines Standpunkts.

Nichts ist ja bedrohlicher, kaum etwas ekliger als ein
Hinweis, der sagt: DU und dein Standpunkt bist tauschbar.

Nicht Unhöflichkeit, nicht Ignoranz, nicht Gleichgütltigkeit ist asozial.

Wenn jemand sagt: „Alles schön und gut, aber ich kann deine Kiste sehen.
Deine ICH-Kiste, in der DU so wunderbar zu Hause bist. DU denkst DU
bist SCHWER, dabei bist du nur fremdbeschleunigt.“

Fahrstuhl

Fahrstuhl

Ich…

Einstein nimmt dieses Ich und sagt,
DU kannst deinen Standpunkt haben, aber er ist in jedem Fall
– eine Kiste, ein Fahrstuhl, oder ein Fall….

Dein Standpunkt ist beweglich, tauschbar.

So etwas zu denken, ist asozial.

Wenn DU DICH wichtig, schwer und massiv fühlst, dann könnte es sein, dass DU nur
ein ganz feines Häärchen bist, das in einer sehr schnell beschleunigten
Kiste liegt, die nicht mal DIR gehört, von der DU noch nicht mal etwas weißt.

Und wenn ICH gerade so schön schwebe, dann könnte es sein,
dass ICH einfach nur falle.

Ach Albert, ich bewundere Dich für deine Theorie, aber ich liebe
Dich für diese gigantische Asozialität.

Asozial ist nicht, wer die Anderen durch Andersheit in Frage stellt.
Asozial ist, wer das ICH in Frage stellt. Seinen Standpunkt grundsätzlich relativiert.

Dem ICH seine ICH-KISTE aufzeigen, das ist asozial.

Nicht Feindschaft ist asozial, sondern die Relativierung von Standpunkten,
und zwar von allen Standpunkten.

Wer sich gegeneinander Feind ist, kommt bestens miteinander klar.
Feindschaft ist sozial. Streiten ist sozial. Widerspruch ist sozial.
Selbst der Krieg – in gewisser Weise – leider leider – gehört zur Sozialität.

Etwas das noch nie ausreichend gewürdigt wurde.
Dieser Albert Einstein könnte heute oder hätte damals auch
gelesen werden können – als ein Gesellschafts-Utopist.

Manche ekligen Iche, die heute so schwerstbeinig sozial in der Gegend herumstapfen,
Stark-verhaftete ICH-Gebisse in den ICH-Gesichtern und ICH-Mänteln
in den schweren ICH-Möbeln…

…na was denn?

…sitzen vielleicht nur in einer fremd beschleunigten Kiste?

Und die Schwebenden, die Leichten, die Tanzenden? – fallen sie?

Jut, jut, ist unappetitlich, solche Fragen letztgültig zu übertragen
oder zu beantworten.

Aber schön wäre, eine Gruppe, ein Häuflein, ein Gesellschaftchen
gelegentlich mit einem Klima dieser Frage zu versehen.
Jede einzelne Psyche gehört mit einem Deo dieser Frage besprüht.
Das Deo Albert

Einsteinisch desodorierte Psychen, weniger schwere ICH – Gerüche.

Manche ICH-Psychen riechen einfach zu streng unter ihren ICH – Achseln.

Das Irre, das wirklich Verückte, zeigt sich darin, dass es eine
Bewusstseins-Bewegung war, die diese Welt damals in ein energetisch heißes
und physisch und kosmologisch neu aufblitzendes Zeitalter überführt hat.

Einsteins Ideenleistung war vielmehr eine Kongenialität als eine Genialität.

Der Beginn dieser neuen physischen Epoche war eine Hinterfragung
von Beobachterstandpunkten.

Genau das hätte eigentlich eine riesige Chance sein können.

Eine Epoche der bewegten Bezugssysteme.

Aber es wurde die Epoche der irritierten Systeme
(Heiner Müller, Hamletmaschine, Der Auftrag: Mann im Fahrstuhl)

Leider später bald: Ein paar Millionen Grad Celsius im Kern dieses Ereignisses.

Aus Kisten wurden Särge.

Nein, Albert Einstein, Du bist nicht Schuld an der Atombombe.
Schuld sind die, die es nicht aushalten, einfach nur zu sein.

Schuld sind die, die unbedingt ICH sein müssen.

Die schweren Kerne des ICH, die schweren ICH – Uran – Kerne.

Sind sie instabil? Wie schnell zu spalten? Wie süchtig nach Spaltung? Nach Strahlung?

Die schweren ICH-Kerne sind künstliche Isotope. Sie müssen in jedem Fall angereichert
werden. Künstlich. Sie kommen in der Natur nicht vor. Schwere ICH-Kisten.

Aber auch das ist so nicht wahr. Es wäre zu einfach….

Man hat das nicht verstanden damals und es war nicht auszuhalten,
bis heute nicht. Das ICH darf nicht relativiert werden.

Zu Not wird es bis aufs Blut verteidigt.

Und ja: Das ICH darf nicht verdampfen.

Ein soziales Ich, muss ganz unrelativ ICH sagen dürfen,
damit ein DU überhaupt möglich wird.

Denn wo kein ICH, da kein DU.

Trotzdem. Die allzu schweren ICHe, wie sind die?
All diese ICHs und DUs, die vor lauter ICH und DU kaum laufen
können. Sie sind nicht immer sympathisch, weil man
ihre Kisten sehen kann. Ihre ICH-Kisten.
Immer wenn ich eine ICH-Kiste sehe…dann…

…ist es langweilig

Nee nee, da falle ich lieber und schwebe ein bisschen.
Ist aber auch eine Kiste. Oder: Kann eine Kiste
werden. Man muss in jedem Fall aufpassen.

Unsympathisch ist, wenn Leute ihre Kisten
an den Mann oder die Frau bringen und das für
„authentisch“ halten.

Es wäre vielleicht besser, wir würden alle nur noch SIE und ER
zu uns sagen.

ER habe Hunger. Er habe Durst. Er liebe Sie.
Sie reibe sich mit der Lotion ein.

Ja, sorry, aber so ganz ohne Asozialität geht es nicht,
wenn man wirklich mal etwas wuppen will.
Da muss man auch mal eine asoziale Schiene fahren.

Albert verzeih, du warst ein guter bis sehr guter Physiker, ein eher
mäßiger bis fauler Mathematiker, ein mäßiger Geigespieler.

Nur zu einem Großen darf man so etwas sagen.

Denn du warst ein umso gigantischerer Naturwissenschaftler.

Du unglaublich asoziale dumme schlaue soziale coole Sau.

Du kannst die Zunge jetzt wieder reinstecken.

Transmission zwischen Form und Fehler.

Aus einem Gespräch.

Hier zum Kontext

Lieber Martin B. Zu ihren Fragen:
Was ist denn ein Wärmeverbrauch?
Gut, exakter: Jeder kognitive Vorgang, also auch das Bilden von Zahlen, Funktionen oder das Denken von Begriffen – kann ganz unmöglich ohne Energieumsatz geschehen. Soll heißen: Das Gehirn ist ein Energieverbraucher. Es muss Transmitter-Vorgänge zwischen den synaptischen Spalten fügen, bewegen, koordinieren: Also leistet es Arbeit. Diese Arbeit, die hier beim Denken geleistet wird, setzt Energie um in komplexe Transmitter-Prozesse, Parallel-Kontexte, Gedächtnis etc….. Sie können diese Aktivität als Arbeitsleistung betrachten. Bei dieser Arbeit und für diese Arbeit muss ein Stoffwechselprozess aktiviert sein, der Glukose-Sauerstoff-Wechsel plus eine per Ionenaustausch aktivierte elektromagnetische Trans-mitteraktivierung – Wenn der Entropie-Satz gilt, dann gilt er auch hier: Dieser Vorgang streut auch einen Teil Wärme. Das heißt, ein Teil der Nährstoffe, die dem Gehirn über die BHS zur Verfügung gestellt werden, wird nicht in Denkleistung umgesetzt, sondern in Wärme abgestrahlt.

Was soll es bedeuten, sich selbst quantitativ zu stabiliseren?

Das bedeutet, noch bevor Sie selbst „1“ sagen oder „2“ und „2“ zusammenzählen, sich bereits selbst als „Ich“ g e g e n ihre Gegenstände, die sie zählen, stabilisert haben müssen. Das heißt: Dass Sie selbst quantisieren können, setzt stillschweigend vorraus, dass Sie sich vorher bereits selbst als „1“ – in die Welt hineingezählt haben. Diese Selbstquantisierung ist so selbst-verständlich, dass sie nicht wahrgenommen wird.
Jeder Quantisierung geht eine Selbstquantisierung vorran, die eine Unterscheidung zwischen „Ich“ und „Welt“ leistet.
Mit anderen Worten: Willst du etwas erkennen, musst du es unterscheiden/Willst du etwas unterscheiden, musst du es erkennen.
Die aller erste Beobachtung, die allen anderen Beobachtungen vorrangeht, ist aber eine Unterscheidung zwischen „Ich“ als Zähler und der „Welt“ als Gezähltes. Schon diese Unterscheidung ist eine physische Leistung. Schon diese Unterscheidung, die unser Bewusstsein von der Welt da draussen diskretiert, hat einen Energie-Verbrauch.

Was ist eine Wärme-Streuung?

Eine Wärme-Streuung resultiert aus der  Tatsache, dass jeder Arbeitskreislauf als Schwingung oder Sinusrotation, als Richtungs-Tausch-Prozess beschrieben werden kann, der aber nicht ganz dicht ist: Im Gehirn ist dies der Austausch von Transmittern am synaptischen Spalt.
Tausch deshalb, weil es jeweils ein Abgeben (Verlieren) und ein Anehmen (Gewinnen) zwischen den Spalt-Enden beschreibt, „INFORMATION“ setzt sich aus beiden Vorgängen zusammen, dem Abgeben und dem Annehmen. Da auch der Transmitterwechsel am Synaptischen Spalt eine Arbeit (Kraft mal Weg) im physikalischen Sinne ist, kann man diesen Tausch auch als Arbeits-Maschine betrachten, der nach Clausius einen Energieverlust verursacht. Ein gewisser Anteil von Energie (Glukose- Sauerstoff-Wechsel) wird also nicht in Bewegung von Transmittern umgesetzt, sondern strahlt als Wärme an die Umgebung ab.
Deshalb ist jede „Zahl“ das Ergebnis einer Arbeit, und auch diese Arbeit als Maschine betrachtet, kann keinen Wirkungsgrad 1 haben. Kein perpetuum mobile.

ABER DIESER VERLUST BEIM DENKEN EINER ZAHL; DIESEN VERLUST
KANN DAS DENKEN SELBST NICHT ERFASSEN ALSO SYNCHRON –
MITRECHNEN ODER AUSDRÜCKEN IM MOMENT DES DENKENS.

Aus diesem Grunde, verursacht alle Mathematik einen ontologischen Fehler, weil sie den Wärmeverlust ihres eigenen Rechnens im Moment des Rechnens nicht mitrechnen kann. Deshalb ist alle Mathematik nicht nur mengentheoretisch undicht (Goedel) sondern auch thermodynamisch undicht. (Clausius)

Deshalb ist ihr Hinweis auf reversibel computing nicht zielführend gewesen, weil auch reversibel computing einen uneinholbaren Wärme-Verlust (Abtrahlung) nach aussen produziert, den das Rechnen selbst synchron beim Rechnen nicht abbilden kann. Reversibel computing ist eine logische simulation des Fließgleichgewichts. Aber auch ein Fließgleichgewicht hat einen thermischen Streuverlust an die Umgebung. Auch ein Fleißgleichgewicht (oder ein stationärer Zustand.) ist kein perpetuum mobile, es ist nur per Zuführung und Abführung von Energie stabilisert.
Dieser Streu-Verlust sammelt sich beim reversibel computing aber in form von bits an, die über kurz oder lang die speicher verstopfen oder eben wieder operativ gelöscht werden müssen…
Das alles ändert aber nichts daran, dass Mathemtik ganz grundsätzlich kein abstraktes, also temperaturloses Geschehen ist, sondern sie tut so, als seien Zahlen temperaturlos – aber das ist bereits die diskrete Entscheidung eines Beobachters.
Aber auch jede Beoabachtung ist schon eine Diskretion und als solche ist jede Beobachtung eine physikalische Arbeit, die einem Stoff-Wechsel unterliegt, den die Beobachtung aber selbst nicht vollständig abbilden kann.
(Der ontologische blinde Fleck des Beobachters)
Jede Beobachtung schneidet etwas aus der thermodynamischen kontinuierlichen Realzeit aus. Jede Beobachtung diskretiert und stabilisiert damit eine Form, einen Unterschied. Dies war uns bisher nicht bewusst, weil die allererste Diskretion, die Diskretion ist, die unser Bewusstsein von der Umwelt diskretiert (Evolutionär mit der Blut-Hirnschranke)
Das Problem bei der Entropie ist, dass jede Beobachtung einen Zeitausschnitt als eine Grenze definiert, die sagt:
Zu diesem ZEITPUNKT fängt mein System an und zu diesem ZEITPUNKT hört mein System auf.
Jede Beobachtung ist eine Zeit-Entscheidung.
Deshalb beobachtet der Beobachter streng genommen nur ZEIT- MOMENTE, die er dann aber als RÄUME – sprich SYSTEME stabilisert.
Das kleinste SYSTEM, dass er stabiliseren kann ist die Planck-Konstante. Aber auch die Planck-Konstante, das Quantum ist nur ein thermodynamisches ZEIT-MOMENT – ein Beobachtungs-Event, in diesem Falle eine konstruktive Resonanz zwischen der thermisch verlusthaften Zahl in unserem Kopf und der thermischen Verlusthaftigkeit, also OFFENHEIT aller Ränder im Kosmos.
(Die tiefere Erklärung für den Tunneleffekt liegt auch hierin begründet. Was hier „tunnelt“, ist kein Quantum. Wir können aber nur Quanten diskretieren. Was hier „tunnelt“ ist in Wirklichkeit die normal Öffnung aller Ränder. Materie und alles, was wir quantisieren können, ist nur eine Verdichtung, ein pseudo-diskreter Wirbel des thermodynamischen Entropie-Zeitpfeils. (Da sind keine Quanten. Es gibt nur die thermodynamische Realzeit, den Zeitpfeil)
Da wir aber selbst als Beobachter in einer probabilistisch stabilisierten Primär-Diskretion stehen ( Blut-Hirn-Schranke),
können wir selbst die Welt kognitiv in Diskretionen abbilden (Zahlen) oder in Diskretionen erzeugen (Technik)

Aber alle diese „Diskretionen“ sind immer nur Pseudo-Diskretionen. Alle Zahlen haben einen offenen Rand – ebenso wie alle Maschinen keinen Wirkungsgrad 1 erreichen können. Keine geschlossenen Ränder, nirgends.
Da aber der Beobachter selbst ein pseudo-diskretiertes System ist (ein Arbeitskreis der nicht zu 100 Prozent thermisch geschlossen ist) kann er selbst nur pseudodiskretierte System erzeugen und beobachten.

Deshalb ist die Mathematik, die quantisiert – ebenso wie die Quantentheorie ontologisch falsch aber konstruktiv richtig.
Wenn man aber das Geheimnis der Masse enträtseln will, muss man sich von der Quantentheorie verabschieden und von einer Mathematik, die so tut, als seien Zahlen zeitlose, abstrakte, kalte, also temperaturlose Gebilde.

Alle „Teilchen“, die bis jetzt diskretiert und kategorisiert wurden, waren nur wieder konstruktive „Diskretionen“ – von denen nicht gesagt werden kann, ob sie beobachtet oder von einem Beobachter erzeugt wurden.
Die „Stimmigkeit“ – als Übereinstimmung von Mathematik und diskretierten Teilchen entspricht ungefähr der Stimmigkeit und mathematischen Übereinstimmung des Ptolemäischen Epizyklen-Modells, welches den Planeten mathematisch berechenbare Schleifenbahnen andichtete. Es hat mathematisch eine Weile gut mit der Beobachtung übereingestimmt:
War aber trotzdem falsch.
Die heutige Quantentheorie ist das falsche aber „stimmige“ Epizyklenmodell der postmodernen Rationalität.
Die Quantentheorie, die mit Teilchen rechnet und solche erzeugt ist stimmig aber falsch.
Es gibt im ganzen Universum nur eine einzige Wechselwirkung.
Und diese Wechselwirkung ist die zwischen Energie und Information, mit anderen Worten:
Die Wechselwirkung von Symmetrie und Symmetrieverlust. Aber diese Wechselwirkung hat keine „Teilchen“. Sie ist eine Rotation. Eine Routine. Ein Wirbel, der keinen „Kern“ hat, ausser einen informationellen Anfang.
Mit noch anderen Worten: Die Tatsache, dass es keine idealen Kreise gibt, sondern nur Ellipsen, beschreibt die Dialektik zwischen Symmetrie und Symmetrie-Verlust.
Man kann alle Teilchen als Verwirbelung der thermodynmischen Entropie-Zeipfeil-Raumzeit beschreiben,
die einen Strömungsdruck hat und zugleich vortreibt.
Ob Wirbel sich abstoßen oder anziehen hängt von ihren Rotationsachsen ab.
Wirbel mit unterschiedlicher Drehachse treiben aufeinander zu. Wirbel mit gleicher
Drehachse stossen sich ab. Wirbel mit senkrecht dazu gestellter Drehachse können als Teilchen ohne Ladung beschrieben werden.
Die thermodynamische Entropie ist nicht Ordnung oder Unordnung. Sie ist eine Tendenz, ein Strömungsdruck mit einem Zeitpfeil, der alle Ränder sowohl schließt (Formung durch „Gravitation“ zur Masse) als auch öffnet (Verlust durch Entropie – Wärme- Streuung).
Ordnung oder Unordnung, Mischung oder Entmischung sind beobachter- also zeitabhängige ENT-SCHEIDUNGEN. Das menschliche Bewusstsein ist selbst schon eine ENT-SCHEIDUNG (Blut-Hirn-Schranke) und kann deshalb selbst nur ENT-SCHEIDUNG erzeugen, reflektieren, produzieren (Diskretionen, Zahlen)

Aber alle Diskretionen in diesem Universum sind Pseudo-Diskretionen. (Verwirbelungen der thermodynamischen Realzeit zu Raumzeiten.)
Da sind keine Parallel-Univeren, and no Strings und auch keine 16 Dimensionen, die irgendwie eingerollt wären.
Das sind alles Epizyklen- Modelle, die versuchen, die Primär-Diskretion ICH und WELT auf ein Aussen zu übertragen.
In Wirklichkeit: Keine einzige Diskretion, nirgends.
Und alle Symmetrien sind schon gebrochen, wenn wir sie erzeugen oder erkennen.
Es gilt nur: DIE ZEIT.

Am Illusionenbeschleuniger: Seltsames Roulette im CERN bei Genf.

Im Ring des CERN läuft bald eine seltsame Roulette-Kugel.

Der Ring ist eine Maschine zur wissenschaftlichen Erzeugung
von Irrtümern.

Vorab: Hier soll nicht das CERN schlecht gemacht werden.
Ganz im Gegenteil. Der hier schreibt, ist sogar ein großer Fan.
Da aber selbst ein Irrtum auch eine Information erzeugt, war das
CERN in keinem Fall umsonst. Insofern erzeugt das CERN immer
eine Information.

Hier kann überlegt werden, warum die Idee der Physiker,
man könne sich mit einem Aufwand von Energie dem Urknall
annähern, um soundso viel zigstel Sekunden hinter dem Nullkomma,
um dann das Geheimnis der „Masse“ zu enträtseln –
warum also diese Idee einen mathematischen-Fehler enthält.

Denn das würde ja bedeuten – nach Einstein – das „Geheimnis der Energie“
zu enträtseln. Masse und Energie sind ja äquivalent.

Man kann aber nicht Energie benutzen, um Energie zu analysieren.
Hier klafft ein Mengenwiderspruch im Hinblick auf die Mathematik.
Nach Kurt Gödel kann man nicht mit einer Zeichenmenge (Energie)
die selbe Zeichenmenge (Energie) vollständig abbilden, oder man
müsste dabei in eine andere Reflektionsmenge ausweichen.

In welche?

(Münchhausen kann sich nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.)

was wiederum bedeuten würde – zeitlich „hinter“ den Urknall
zu kommen. Das wäre dann aber ein informatorischer Modell-Fehler oder
das Experiment erzeugt selbst einen echten Urknall.
Ein „Miniatur-Urknall“ – ist als Redewendung nett – aber Humbug.

Warum die Quantentheorie und mit ihm das Higgs-Modell objektiv falsch ist
aber sozial – evolutionär – technologisch richtig, wurde hier schon beleuchtet.

Der Urknall selbst kann nicht „unendlich heiß“ oder „unendlich dicht“ gewesen sein.

Was ist Information?

Erkenntnistheoretische Vorbemerkung:

Wenn wir in der Lage sind, zwischen Kausalität
und Nichtkausalität zu unterscheiden, dann hat diese
Unterscheidung eine Ursache.

Entweder: Die Unterscheidung zwischen Kausalität und
Nichtkausalität hat nie stattgefunden, oder der
Begriff „Kausalität“ ist insgesamt sinnlos.

Dann kann es aber auch keine Nichtkausalität geben.

Das menschliche Bewusstsein und mit ihm die Welt
wäre – ad-hoc – ohne Ursache – einfach so da.

Da wir aber zwischen Kausalität
und Nichtkausalität unterscheiden,
gibt es eine Ursache dieser Unterscheidung.
Deshalb muss im ganzen Universum Kausalität
Geltung haben. „Nichtkausalität“ ist demnach ungültig.

Weil jeder Unterscheidung als Ursache ein
Nichtunterschiedenes vorrangeht, scheint die
Annahme eines Urknalls als allererste Unterscheidung
vor allen folgenden Unterscheidungen plausibel.

Dann muss aber jedes Experiment im Kosmos, so
auch das CERN-Experiment lediglich eine Folge-Unterscheidung
von vorrangegangenen Unterscheidungen sein, und sich
somit – kausal vom Urknall entfernen. Es kann sich nicht
„annähern.“

Weil das hieße: Vorlaufende Entscheidungen rückgängig machen.

(Geht nicht – weil dann das Cern-Experiment selbst unmöglich würde.)

Wo die Mathematik versagt,
hilft nur noch die Sprache weiter:

Was sagt das Urknall-Modell:

Es heißt: Man soll sich das ganze All
auf einen einzigen Punkt zusammen denken.

Aber dieser mathematische Punkt

ist noch keine Singularität.
Denn dieser Punkt hat ja noch jemanden,
der den Punkt als Mathematiker denkt.
Also ist dieser Punkt noch nicht allein, singulär.

Der Punkt kommuniziert noch mit dem Denken – und streut dabei Zeit.

Es muss dieser Punkt – ohne Denken – gedacht werden. Ohne Mathematik.

Dann hätte man einen „punktlosen Punkt.“

Aber jetzt hat man immer noch keine Singularität.

Weil das Punktlose des Punktes noch immer mit dem Punkt
bilateral – informativ (unterschieden) zeiträumlich kommuniziert.

Erst wenn man die Punkt-losigkeit des Punktes allein stellt,
also den Punkt löscht – bleibt „losigkeit“ übrig.

Dieses „Punkt-los“ ohne „Punkt“ ist jetzt nur noch das – los.

DIE SINGULARITÄT.

Das los ist die ALL- EINHEIT als Alleinheit.

Keine Zeit. Kein Raum. Keine Bewegung. Kein Name.

STILL. (Hier müsste der Autor und der Leser selbst verschwinden.)

Diese Singularität kann deshalb sowohl unendlich
kalt als auch unendlich heiß sein.

Von Temperatur zu sprechen – ist hier sinnlos.

Aber auch „unendlich“ ist hier sinnlos, weil es keine
Refferenz für eine Unterscheidung nach „endlich“ gibt.

Denn eine Singularität hat keine informellen Skalen,
und keine Sprache, ist temperatur-los

Schon ein Sprechen von Hitze oder Kälte oder Energie
würde die Singularität ent-zweien.
Denn es existiert noch kein bilaterales
Informations-Verhältnis zu einem „Sprecher“ der „Hitze“ oder
„Kälte“ – s a g t – also selbst davon UNTER-SCHIEDEN ist.

Und es existiert noch kein Mathematiker,
der dem ..l0s einen „Punkt“ zeichnet.

Das los der Singularität ist absolut unentschieden.

Das los der Singularität ist unterscheidungs-los

Es hat keinen Namen, trägt keine Information.
Es ist kein Zeichen.

Es ist nicht „Ewigkeit“ und auch nicht das „Nichts“

Es ist das absolut stille los ohne Punkt.

Es ist: Eine reine Schwelle. Hier können auch
keine „Zahlen“ gelten.

Es kann weder eine zeitliche noch eine
räumliche noch eine energetische noch eine
mathematische „Nähe“ zu dieser Schwelle formuliert
werden.

Wenn also die Physiker davon sprechen,
sie würden sich mit der und der Energie einer Zeit
von 0,000000000…..Sekunden „nach dem Urknall“ annähern,
dann ist es in Wirklichkeit umgekehrt:

Mit Erhöhung der Energie entfernt man sich vom Urknall.

Weil jede Handlung in diesem Universum, so auch jede
technische Konstruktion in Zahlen, Gehirnen oder
Beschleuniger-Ringen, die INFORMATIONEN des
Universums vermehrt. Die Zahl der Ereignisse/unterschiedene Ereignisse
irreversibel vermehrt – und damit die Expansion

Da der Mensch selbst ein Ereignis des Universums ist,
vermehrt auch jede menschliche Handlung als pseudodiskretes
Ereignis, die Wärme-Verteilung und Wärme-Streuung irreversibel.

Und damit also – entfernt sich jegliches energetische Ereignis
wärme-streuend vom Urknall.

Wie schon berichtet, sagt die
Quantenphysik also nichts über die Natur aus, sondern
lediglich etwas über das Funktionieren einer gekoppelten
Resonanz zwischen Mensch und Kosmos – in Ausdehnung.
Das Ergebnis dieser Kopplung heisst: „Funktionierende Funktion“,
heisst: Bewusstsein und Technik.

Heisst aber nicht: „Wahrheit Natur“

Dieses „Funktionieren“ wurde bisher
immer für eine „Bestätigung der Richtigkeit“ der
Quantentheorie gehalten.

Bestätigt wurde aber lediglich immer nur die Funktion
des Universums mit dem – technischen – Menschen darin.

Mit der Quantentphysik erreicht die mathematisch-technische
Disketion die Auflösungsgrenze ihrer eigenen Materialität und ihrer
eigenen Energie-Dichte. Deshalb löst sich mit der Quantenphysik
auch der Beobachter in seine reine Zeitlichkeit/Wahrscheinlichkeit auf.

Das „Detektieren“ von Teilchen und das „Erzeugen“
von Teilchen ist das Selbe.

Information und Energie sind äquivalent.

Form und Beobachter der Form können nicht mehr
unterschieden werden.

Die Idee eines diskretierbaren Wechselwirkungs-Teilchens
für die „Masse“muss deshalb versagen, weil Masse der
Symmetriebruch selbst ist.

Der Urknall war das erste Ereignis und
damit die allererste
Reflektion von „Form“ und „Stoff“

Eine Reflektion aber kann nie wieder rückgängig
gemacht werden, es sei denn sie reflektiert auf sich selbst,
aber damit würde sie nur weiter reflektieren – expandieren,
weil auch eine Rückreflektion auf sich selbst, wieder Zeit
verbraucht (schafft) und damit Raum vergrößert.

Masse ist der Unterschied, die In – FORMATION jeglicher „denkbaren“
Skala von UNTERSCHEIDUNGEN. (Formen)

Und die Skala der Unterscheidungen dehnt sich
unterscheidend (reflektierend) immer weiter aus.
Das ist die Expansion des Kosmos.

Mit dem „Urknall“ als erste Unterscheidung,
wurden auch alle Skalen erst geschaffen.

„Masse“ ist DIE informationelle UNTERSCHEIDUNG zwischen „Punkt“ – und dem „los“

Materie/Masse = Prozess= Zeit = Raum

Die sichtbare Materie ist eine Verdichtung, eine Verwirbelung
– der INFORMATION.

Die dunkle Materie ist unverdichtetes informationelles Potential.

Die dunkle Energie ist eine Reflektion des Universums auf sich selbst,
dass sich mit jedem Ereignis selbst reflektiert.
Wie zwei zu einander gestellte Spiegel die Reflektion ins Unendliche
ausdehnen, so dehnt sich auch das Universum sich
mit jedem Ereignis (Reflektion) immer weiter aus – und immer schneller.

Es schafft Ereignis und damit Zeit und damit Raum.

Sollten am Cern „neue“ Teilchen gefunden/erzeugt werden,
haben sie mit „Masse“ nichts zu tun.

Es wären lediglich neu erzeugte Unterscheidungen (Beobachtungen.)

Das umklappbare Bewusstsein.

Es könnten bald Zeiten anstehen,
in denen es als phantasielos gilt, eine Idee
zu haben, und in denen das Vermeiden von
Ideen eine Qualifizierung darstellt.

Herrmann von H. Genius der Einfallslosigkeit

Ein kommendes Zeitalter, in dem man sich der Kreativität, der Ideen und der Phantasie nur noch erleichtert erinnert, wie an ein abgelegtes Laster. Der so genannte Kreative oder überhaupt: die alte Kreativität wäre, sofern man noch von ihr belästigt wird – dann nur noch prollig. Wer in diesem Zeitalter noch mit Projekten durch die Gegend läuft, ist einer von Gestern.

Die Kraft der negativen Effizienz

So wäre bald auch ein Nobelpreis für das Nichtentdeckte zu erwarten.
Ein Ehrenpreis für das Verborgene.  Ein Literaturpreis für das Ungesagte.
Dem Genius des größten ausbleibenden Einfalls.

Patente für ungesagte Sätze, Fördergelder für nichterfundene Patente,
Lesungen ungeschriebener Bücher (Schweigungen.)

Diese alte  – hysterische Produktivität – wie war die?

Jahrhundertelang waren Menschen in Mitteleuropa Ideenhaber
und Produzenten, darauf trainiert – gegen – die natürliche Knappheit
und Verfalls-Tendenz aller Dinge stark anwirtschaften zu müssen.
Der Imperativ lautete immer: Tue etwas.

Das Produzieren und Erfinden hatte zur Plausibilisierung als Gegenstand
den natürlichen Verlust, das Abwesende.

Schaffe Anwesendes gegen das Abwesende.
Lass Dir was einfallen. Sei Kreator, denn
der Tod, der Verlust, der Fehler, ist mächtig.

Die Maschine, die den Ingenieur erfindet.

Wenn ein tüchtiger Ingenieur – damals –  eine Maschine konstruierte,
dann erzeugte er sich selbst zugleich mit als Handelnden,
der eine möglichst positive Energiebilanz – im Gerät –  anstrebte.

Die beste Funktion.

Aber die Maschine erzeugte immer auch den Ingenieur.

Dieser Ingenieur hatte versucht, eine Maschine zu bauen,
die möglichst wenig thermische oder informelle „Verluste“ streute.

Er wollte: Dichtigkeit. Positive Effizienz.

Er wollte: Einen Arbeitskreislauf erfinden, entwickeln, bauen, verbessern,
der möglichst viel von der hinein-investierten Energie in möglichst hohen
erwünschten und nutzbaren Effekt/Arbeit umwandelte (Hoher Wirkungsgrad.)

Ein Naturgesetz sagte ihm, dass ein perfekter, optimaler,
Wirkungsgrad 1 nie erreicht werden kann. (Kein perpetuum mobile.)

Und der vorbildliche Ingenieur kannte dieses Naturbeschränkung auch,
aber das trübte seinen Ehrgeiz nicht. Im Gegenteil, er wurde davon
angestachelt, seine Konstruktion noch besser, noch dichter zu verfügen,
denn er wusste, dass er sich diesem Wirkungsgrad unendlich dicht
annähern konnte, obwohl er ihn nie zu 100 Prozent erreichen würde.

Auch wenn er noch so perfekt konstruierte –
ein winziger Verlust blieb – ihm –  immer.

So zeigte sich ein Movens der Evolution erkenntlich.
Der kleine Verlust, der nie und nimmer einzuholende
kleine thermische Fehler –

– dieser Fehler, dieser nicht einzuholende Verlust bewegte den Ingenieur dazu
Ingenieur zu sein – und immer noch eine bessere Idee der Abdichtung zu haben.

Der kleine thermische Fehler – war die Maschine, die den Ingenieur erzeugte.

So gesehen war der Ingenieur, auch der Unternehmer,
eigentlich kein autonom Handelnder, er war logische Folge
eines thermischen Verlustes, einer undichten Stelle.

Der Ingenieur war selbst ein Produkt der Thermik.

Der Verlust, der kleine, die undichte Stelle,
der nächste Fehler – wärmte den Ingenieur, beleuchtete ihn
und ließ ihn beruflich wachsen..in die nächste, bessere Konstruktion.

Der Verlust – erfand den Erfinder.

Das Abwesende zeugte das Anwesende.

Das Gerät schenkte Verluste. Der Konstrukteur bot „Dichtungen“,
und positive Effizienz. Die nächst bessere Funktion. Ein Tausch.

Rudolf C. Vater des Verlustes

Der Verlust war die Mutter des Ingenieurs.

Der Fehler war der Vater des Mathematikers.

Die Fehlstellen waren die Eltern von Ideen.

Ohne Verluste, ohne Fehler, keine Mathematik.

Hier, an dieser Stelle, könnte bald einmal
das ökonomische, das gesellschaftliche Bewusstsein umklappen.

Wenn die Produktivität einer Informationsgesellschaft eine gewisse Schwelle
erreicht, dann kippt etwas, dann macht die alte Plausibilisierung:
Produziere und konstruiere das Anwesende
gegen den Verlust an. – keinen Sinn mehr.

Weil die Abschüssigkeit der verlusthaften Thermik nunmehr
nach der Seite der Produktivität gekippt ist.

Die Entropie streut jetzt nicht mehr Wärme. Sie streut Dinge, Produkte,
Teile, Varianten, Diversifikationen.

Die Ökonomie wird jetzt selbst zu einer undichten Maschine,
die sich immer mehr unerwünscht öffnet. Und ihr Ausstoß wird
jetzt plötzlich zu einer Belastung wie bei einem undichten
Motor in früheren Zeiten.

Die Produktivität selbst ist dann der Verlust.

Undicht ist jetzt immer weniger die einzelne Maschine.
Undicht wird die Ökonomie als solche. Die Produktion,
die Wärmestreuung in unendliche Diversifikationen,
in Klein und Kleinstdifferenzen, Phantsamen, Farb-
kombinationen und Individualabspaltungen in Teilen und Teilesteilen –

Plötzlich ist „die Produktivität“ der Verlust. Ab jetzt gehört „Kreativität“
zu den Verlusten, die zu vermeiden sind.

Jede neue Idee wäre eine Belästigung.

Die vielen Ideen und Verbesserungen werden zum Fehlerbösen,
zum Krebs einer Ökonomie, die in Produktivität hinein wuchert,
sich hinein streut: Die Sinnerzeugung ohne Zeugen. Die Effizienz
ohne natürliche Verlust – Plausibilität.

Ideen, Bücher, Projekte, Konzepte werden zunehmend mechanisch
abgesondert. Die Ökonomie kann – ihr Wasser nicht mehr halten.

Sie wird selbst – undicht.

Schließlich wird sogar die Fortpflanzung der Produzenten selbst
fragwürdig.

Weil „Die Pille“ – oder „Die Verhütung“ nun die Funktion einer „weichen Bombe“ der Menschenvermeidung als informationelle Bombe übernimmt.

Evolution der Anwesenheit: Ein besonders bewegliches Stativ.

Wenn das einmal angekommen ist, dann wäre es möglich,
dass eine Politik, eine Gesellschaft, eine Ökonomie mit Abwesenheiten
ebenso produktiv und konstruktiv umgeht, umgehen muss,
wie mit Anwesenheiten.

Abwesenheit würde plötzlich wertvoll.

Die Kunst, die Herausforderung, bestünde,
dann nicht mehr darin, etwas zu produzieren,
eine Idee zu haben oder ein Buch zu schreiben,
sondern genau umgekehrt:

Man müsste jetzt damit beginnen,
Ingenieure des Nichtstuns auszubilden,
Professoren der Unterlassung,
Spezialisten der Einfallslosigkeit,
Erfinder von klassischen Verlusten…

Universitäten für Irrtümer.

Kurz gesagt: Die Gesellschaft müsste ein produktives
Bewusstsein für „negative Effizienzen“
entwickeln.

Man erkennt  hier, dass die Realität selbst immer und überall
ontologisch „undicht“ ist.

Das thermische  und informationelle Undicht-Sein der Realität
treibt jede Entwicklung voran – in die nächste Funktion/Expansion.

Bis jetzt funktioniert unsere Realitätsmaschine als eine
klassische Maschine, die Fehler gegen Funktionen, Abwesendes
gegen Anwesendes eintauscht.

Da das  klassische Bewusstsein
aber nur mit Anwesenheiten rechnet,
kennt es nur die „positive“ Effizienz.
Die „positive“ Maschine der Anwesenheit.

Weil das eine einseitige Ökonomie ist, häufen sich in ihrem Rücken,
die nicht-bewirtschafteten Fehler an: Umwelt, Kreditblasen, Überproduktion.

Sie selbst aber kennt bis jetzt nur das „Fehlerböse“ – dass der Effizienz
entgegensteht.

Unser Bewusstsein ist  heute noch nicht in der Lage, mit
„Abwesenheiten“  rational  zu rechnen – und sie als
Produktivkraft zu entwickeln, zu pflegen und zu gestalten.

Ein umklappendes Bewusstsein müsste realisieren, dass ab
einer bestimmten Schwelle von Produktivität jedem Tisch,
jedem Ding, jeder Glühlampe – ein Nicht-Tisch, ein Nicht-Ding,
eine Nicht-Glühlampe gegenübersteht.

Ein umklappendes Bewusstsein könnte irgendwann damit beginnen,
dem Nichtvorhandenen, dem Abwesenden, genau so viel Produktion
zu schenken wie dem Anwesenden.

Der Nicht-Tisch würde plötzlich wertvoller
und schwieriger zu realisieren als der Tisch.

Das umklappende Bewusstsein sollte wissen,
dass auch eine Unterlassung, ein Nichthandeln
genau so produktiv ist – also realitätserzeugend, wie
ein „positiv effizientes“ Machen und Tun und Herstellen
und Konstruieren.

Denn ab einer bestimmten Schwelle ist jedes Produzieren simpel,
ontologisch brutal.

Etwas zu produzieren und zu konstruieren kann dann so brutal
und einfallslos sein, wie heute etwas zu zerstören oder kaputt zu machen
oder zu töten.

Es könnte sogar sein, dass ab einer bestimmten Schwelle
der Produktivität den 10 Geboten noch ein 11 hinzugefügt
werden müsste:

Du sollst nicht produzieren.

Und zwar in dem Moment, wenn das Abwesende ontologisch
in der Minderheit ist.

Weil es aber heute für Abwesenheiten nur eine Sprache
und ein Zeichensystem gibt, dass  Abwesenheit sofort
in den Zeichenhaushalt einer Positivität einspiegelt:

„Es ist kein Tisch da.“ – so ist das Bewusstsein selten in
der Lage, sich bewusst produktiv zur Abwesenheit zur verhalten.

Es könnte ja auch anders reagieren – so als Techniker der Abwesenheit:

„Da ist kein Tisch. Warum nur ein Tisch? Wäre es nicht besser,
es würden alle Tische da nicht sein.

DA – ist kein Tisch!

Die Produktion von „positiven Effizienzen“ eskaliert heute
oft noch in die Brutalität des Anwesenheits-Schwachsinns,
weil ihr keine Entsprechung in Produktivität von
„negativen Effizienzen“ gegenüber – gedacht wird.

Der Tisch, der nicht DA ist.

Gäbe es ein ausgeglichenes bewusstseins-seitiges
Verhältnis zur Abwesenheit, könnte sich eine Ökonomie
zumindest teilweise von einem permanenten krebsartigen
Wachstums-Stress emanzipieren, die all ihre „positive“ Effizienz-
produktion irgendwann auf das brutal „Fehlerböse“ eines
Totalzusammenbruchs einer Hyperkrise abläd.

Eine Ökonomie, die bewusst immer kleine Minikrisen produziert,
wäre dann gegen die große sich als Potential anstauende Hyperkrise
abgesichert.

Früher waren Kriege für negative Produktivitäten verantwortlich.
Und heute ist es die Pille als weiche Bombe, welche die Wachstumsraten
in den Industrienationen an den „Entscheider“ oder die „Entscheiderin“
deligiert. Dies aber blind. (Die Pille und die Verhütung sind  als informationeller „Tausch – Effekt“, als Gegenwendung gegen den Produzenten, noch nicht verstanden.)

Eine Gesellschaft, die keinen Krieg mehr will, und auch den weichen Krieg der Menschenvermeidung nicht mehr blind führen will, braucht eine andere
Form von bewusster – negativer Effizienz.

Die Gesellschaft, eine Ökonomie, braucht
in Zukunft mehr Ingenieure des positiv Undichten.

Denkbar wären in Zukunft „negative“ Maschinen zur
geregelten Produktion von Verlusten. Realitätsmaschinen
mit einer offenen Stelle, durch die wir entweichen können.

Gemeint wäre hier also nicht die Abschaffung des Kapitalismus,
die bloße Faulheit oder Lässigkeit, eher ein wissendes,
bewusstes und  produktives Verhältnis zur Abwesenheit, das
die Abwesenheit selbst kapitalisiert. Ein positives Verhältnis zur
negativen Effizienz, dem ein negatives
Verhältnis zur positiven Effizienz gleichberechtigt gegenübersteht.
Ein Unternehmertum dem ein Unterlassertum bewusst
gegenübergestellt wäre, um in der Ballance von positiver und negativer
Effizienz ein Klima der ontologischen Gelassenheit zu erzeugen.

Briefmarke ohne Erfinder

Briefmarke ohne Erfinder

Meta-Thermik: Zeit als Form

Der Zusammenhang war mir noch nicht ganz klar.
Deshalb griff ich nach einem weißen Blatt Papier,
und knüllte es in meiner Hand zu einer Knüll-Kugel.

„Was habe ich getan?“ – frage ich Kaminskie.
„Habe ich dem Papier Zeit zugefügt?
Oder Energie ?

Kaminski sagt: „Beides. Du hast eine gewisse Arbeit
in das Papier gesteckt. Kraft mal Weg.“

„Ich habe es geformt.“

„Ja, du hast es geknüllt.“

„Geformt, darauf bestehe ich.“

„Na gut, geformt“

„Interessant daran ist aber, – sage ich zu Kaminski –
„das diese Knüllpapierkugel jetzt belastbarer ist
als ein Stück Papier, wenn es ungeknüllt bliebe.
Ich kann mit dem Knüllball jetzt Fussball spielen,
Es verändert ihn nicht großartig.
Er ist sogar elastisch jetzt, flexibel, stabil.

(Ich werfe ihm die Kugel zu.)

„Worauf willst Du hinaus.“ – fragt er .

„Ich frage mich“ – sage ich zu Kaminski -„ob es einen ganz
direkten Zusammenhang gibt zwischen Form und Zeit –
oder vielmehr: Information – und Zeit. Ich frage mich,
ob in dieser Papierkugel Zeit gespeichert ist.
Und ich frage mich, ob ich die Zeit, die in der Papierkugel steckt,
wiederhaben kann.“

Kaminskie antwortet: „Also es ist so, du hast genau genommen
Energie als Arbeit in die Form der Kugel investiert. Du hast eine
Kraft mal Weg – Funktion investiert, um die Fläche des Papiers
auf eine Kugel zusammen zu knautschen.“

„Aber das Knüllen des Papiers hat auch Zeit in Anspruch genommen.
Warum steckt in der Formel für Arbeit: Kraft mal Weg – keine Zeit?“

„Ich kann dich beruhigen“ – sagt Kaminski – „wenn man den
Vorgang als Energieumsetzung betrachtet,
hast du die Zeit wieder drin.“

1 Joule = 1Newtonmeter = 1 Wattsekunde.

„Verstehe, in „1 Joule“ steckt also immer auch die Zeit
als Watt-Sekunde.“

„Ja, das Knüllen der Kugel hat eine gewisse Zeit in Anspruch genommen.
Aber diese Zeiteinheit ist ein beweglicher Faktor.
Denn du hättest das Blatt Papier ja schnell oder langsam falten können.
Auf die Form der Kugel hat das keinen Einfluss.“

„Moment, Kaminski, dass heißt aber dann, wenn ich die Kugel
ganz langsam und gemächlich gefaltet hätte, wäre genau so viel
Energie sprich Wärme umgesetzt worden, als wenn ich
sie blitzschnell zusammengeknautscht hätte?“

„Ja, prinzipiell, wenn du sie in beiden Fällen exakt gleich formst,
wenn man sie also als absolut form-identische Fälle von
Zusammenknüllung betrachtet, bleibt der Energieaufwand der selbe.“

„Was schätzt du?“

„Na ich schätze mal, du hast beim Knüllen ungefähr 50 Wattsekunden
umgesetzt oder 50 Joule oder etwa eine Arbeit von 50 Newtonmetern geleistet.“

„Gut Kaminski, aber du musst zugeben, dass ein Teil dieser Energie oder der
Zeitanteile jetzt irgendwie in dieser Form gespeichert ist.
Warum ist diese Knüllkugel um so vieles formstabiler als ein offenes Blatt Papier?
Habe ich dem Papier nicht, in dem ich es knüllte, eine Art Zeitvorrat gegeben?
Ein Zeitvorrat, der sich darin zeigt, dass diese Papierkugel nun
resistenter gegen weitere Veränderung durch Entropie ist.
Der Zusammenhang ist doch irgendwie offensichtlich….“

„Das musst du mir näher beschreiben, damit ich deine Frage besser verstehe.“

„Gut, also stell dir vor, dein Leben würde von ein paar Sekunden abhängen,
die den Unterschied ausmachen, ob ich eine fest geknüllte Papierkugel
in einen Ofen werfe oder ein loses Blatt Papier.
Welche Form würde schneller verbrennen?“

„Das Blatt Papier würde schneller verbrennen.
Bei der Knüll-Kugel würde es länger dauern.
Weil das offene Blatt Papier mehr Angriffsfläche
für die Hitze bereitstellt. Bei der Knüllkugel würde es
eindeutig länger dauern.“

„Richtig. Das heißt aber doch dann, dass mir die Form der geknüllten Kugel
jetzt sozusagen mehr Zeit schenkt. Sie schenkt mir möglicherweise ein
paar Joule wieder zurück, in Sekunden, aber jetzt nicht als Energie –
sondern als reine Zeit, die sie länger dem Feuer stand hält.
Und das, obwohl es ja nicht irgendwie „mehr“ Papier oder „mehr“ Materie ist.“

„Das stimmt“ – sagt Kaminskie – „aber nur immer im Verhältnis
zu diesem ungefalteten Papier.“

„Müsste man aber dann nicht“ – frage ich Kaminski –
„über einen Zeiterhaltungssatz“ nachdenken, der über
das Phänomen „Form“ vermittelt ist? Es stellt sich doch die Frage,
ob in diesem Sinne nicht vielleicht jede „Form“, also jede Materie
letztendlich nichts anderes ist – als thermodynamische ZEIT – FORM.
Ich habe nicht umsonst die Wärme des Ofens bemüht.

Anders ausgedrückt: Zeit und Form wären äquivalent.

Oder noch anders: Zeit = Form = Wärme = Materie= Gravitation.

Was ist mit diesen Sekunden, die es länger dauert,
bis eine geformte Knüllkugel verbrannt ist, im Gegensatz
zu einem losen Blatt Papier?

Oder noch anders: Materie wäre ein thermodynamisches
Fließgleichgewicht der Zeit.
Eine temporär stabilisierte Form der Zeit. Ein Wirbel in einem Fluss.
Eine Fluss-Faltung der Entropie.

Eine geknüllte Papierkugel wiegt zwar genau so viel, wie das lose Blatt,
aber dafür – „hat“ – sie mehr ZEIT. – im Feuer – in der Wärme.“

„Darüber muss ich nachdenken.“ – sagt Kaminskie.

Es ist ein Gedankenexperiment, dass eigentlich danach fragt,
was genau Form ist. Wie kann man den abstrakten Begriff „Form“
definieren unabhängig von einem Stoff, der die Form „hat“..
Also anders ausgedrückt: Was heißt: „Form haben“ ?
Denn „Form“ und das, was sie bezeichnet, hat ja keine Temperatur,
sie ist ein Akzidenzbegriff.
Deshalb die Idee der Untersuchung, was Formung bedeutet,
ohne dass ich dem Material etwas wegnehme oder hinzufüge – das Knüllen.
Die Spekulation überlegt hier, ob es nicht ganz grundsätzlich so sein könnte,
dass im Prinzip jeder „Stoff“ also jede „Materie“ lediglich „Form“ ist.
Ob „Form“ und „Stoff/Materie“ eigentlich das selbe sind.

Normalerweise nimmt man nach Einstein an, dass Zeit relativ zur Masse ist.
Aber es gäbe noch eine andere Betrachtungsweise.
Was, wenn die Thermodynamik kosmologisch so dominant ist, dass eine
Art Strömungsdruck der Entropie wirkt, weil alle Ränder offen sind.
Ein Strömungsdruck, der zu Massen verwirbelt. Und diese Massen wären dann
quasi Zeit-Wirbel, Zeit-Formungen?
Dann wäre die einzige echte Konstante des Universums die thermodynamische
Strömung von warm nach kalt. Als gerichteter Prozess.

Die „Form“ entspricht hier in diesem Fall offenbar einem
höheren Ordnungsgrad. Aber von was?
Thermodynamisch hieße das: Ich habe das Blatt Papier verdichtet,
oder innerlich beschleunigt wie ein Gas.
Die Knüllkugel müsste dann also – im übertragenen Sinne –
eine höhere „Temperatur“ haben. Oder eine Art „innere Beschleunigung“
Die relativ chaotischen Faltungen innerhalb der Kugel –
was bedeuten sie eigentlich?
Oder ist es umgekehrt: Hat die geknüllte Form innerlich
eine geringere Temperatur? Aber eigentlich habe ich nicht das Papier,
sondern lediglich seine Struktur verändert.
Seinen Raum-Bedarf. Oder seinen Raumanteil auf ungefähr
den einer Kugel verringert? Aber was das eigentlich bedeutet, ist mir nicht
ganz klar. Mir ist auch nicht klar, was die Prozessverzögerung Verbrennen
der Kugel thermodynamisch oder zeit-raum-dynamisch
eigentlich aussagt.
Witzigerweise ist das ja hier alles noch klassische Physik vor Einstein.
Allerdings ist das Szenario thermodynamisch gewählt, weil alle thermischen
Prozesse einem gerichteten Prozesspfeil von Warm nach Kalt unterliegen,
der auch als thermodynamischer Zeitpfeil bezeichnet wird.
Was hier interessant scheint, ist dieses seltsame Umtauschverhalten zwischen
investierter Arbeit, die eine Raum-Größe enthält (Weg) und eine
Zeitgröße in den Wattsekunden – dann aber wieder durch verlangsamten
Abbrand in einem Tauschverhältnis steht. Denn ich könnte ja selbst, in den
Sekunden, die die Papierkugel länger dem Fauer standhält,
auch einen Weg zurücklegen……Fluchtweg (Sorge?)
Oder ist vielleicht schon die Formung selbst Sorge –
nämlich Sorge um eine Form, Sorge um ein Blatt Papier…

Physik der Antiphysik

Teil 1: Schwellen.

Warum etwas opfern. Ein Opfer ist eine Kommunikation mit einer metaphysischen Macht.
So schreiben es die Lexika.
So sagt es Eliade, der Religionsforscher. Alle Religionen dieser Welt kennen eine solche Kommunikation. Der Angesprochene, der Herbeikommunizierte ist ein Geist, ein Ahne, eine Göttin oder ein Gott. Oder ein Zeichen.
Ein Zeichen von Physis oder Nichtphysis.
Der Opfernde gibt etwas hin. Öl, Reis, eine Maske, Rauch, ein Tier, Feuer, ein Tanz, den Rausch, ein Stück Rinde…. auch ein Menschenleben.
Der Grund: Kommunikation. Aber mit wem? Steht hier nicht Physis gegen Metaphysis, das Unsichtbare?
Und überhaupt, ist diese Art zu kommunizieren nicht eher eine Einbahnstraße?
Gibt es Antworten?
Die Mythen gehen immer selbstverständlich davon aus. Und noch die Sagen berichten davon. Der Drache sagt: Bringt mir jährlich eine Jungfrau und ich lass Euch in Ruhe. Dionysos fordert den Rausch, den Ritus, und sogar das Mysterienspiel, das Theater, die frühe griechische Tragödie. Alles soweit klar. Aber wer hat sie wirklich gesehen die Götter, die Geister, die metaphysischen Mächte?
Vielleicht hat man sie früher einfach öfter gesehen. Sie ließen sich eben blicken, kamen vorbei oder zeigten sich in der Extase. Traten hervor.
Als moderner Mensch, der auch gerne mal zwei oder drei Gläser über den Durst trinkt, kann man sich gerade noch vorstellen, dass man etwas hervortreten sieht.
Dafür tanzten früher Befugte, Beauftragte, Priester, Schamanen, Zaubermänner, Spezialisten – mit der Lizenz zum Betrunkensein, zum Rasen, zum Durchdrehen, zum Rausch, ja, auch zum Töten. Ein Hieb mit der Keule, ein Schnitt mit der Klinge und ein langer roter Faden floss vor der ebenso roten Sonne bald über die heiligen Stufen der Stadt Tenochitlan.
Es geht auch weniger brutal. Ein Paar Kokablätter in den Fluss gerieben, damit der nicht oder gerade deshalb über die Ufer trete. Ein Schluck Wein auf die Erde gegossen für den Gott der Ähren und Ernten. Olivenöl für den Olymp…
Opfern bewegt Physis, ist Handlung. Handeln. Ein Handel. Es müssen auch nicht immer Gaben sein. Handlung kann auch Tanz sein, oder ein Rausch, ein Ritus, eine Zeremonie, eine Liturgie. Auf jeden Fall aber meint das immer: Physis. Physis im Rausch, im Tausch. Aber im Tausch gegen was?
Gibt es das Wesen da draußen? Da oben? Im Fluss? Im Himmel? Im Olymp?
Für den Opfernden ist das keine Frage. Denn indem er handelt, Handlung vornimmt, beweist er es. Er bewegt die Luft, zündet Feuer, lässt bluten, schwitzt, tanzt, raucht, schwenkt Töpfe, zündelt in Schalen – und handelt. Schon die Handlung gehört dazu, zur Zeremonie des Opfers. Auch eine Handlung ist Gabe, Hingabe, Physis, Opfer. Zuhören. Sie ist Anspruch auf Ansprache. Kommunikation. Aber mit wem? Wer ist da draußen? Sind es die Ahnen, die Wesen, die Geister, die Götter? Kann man sie sehen?
Wozu der ganze Aufwand? Muss das sein?
Ja. Es muss sein. Der Wald, das Feld, der Fluss, der Himmel, die Frau, der Mann, das Kind müssen einen Sinn haben. Es muss ein Sinn in ihnen wohnen. Es muss da wer sein, den ich ansprechen kann, den ich bitten kann, dass der Regen kommt, bei dem ich mich beschweren kann, wenn er ausbleibt, oder auch, bei dem ich mich entschuldigen kann, wenn ich ihm zu nahe getreten bin. Dafür muss das sein. Wenn der Fluss überläuft, der Wald brennt, oder die Ernte verdorrt, die Tiere brüllen, da draußen muss es einen Bevollmächtigten geben, mit dem ich sprechen kann. Der mit sich reden lässt. Und mit dem man handeln kann. Die Welt ist so eingerichtet. Ich muss etwas tun, handeln, dann handelt sich etwas, verwandelt sich etwas, dann kriege ich etwas. Regen, Rat, Vergebung oder den Sieg, die Frau, die Heirat, die Schlacht, das Kind. Von nichts kommt nichts. Also handle ich, damit der Regen kommt. Oder damit das Blut ausbleibt. Ich rufe den Bevollmächtigten. Den Abschnittsbevollmächtigten. Ich biete einen Tausch an. Ich kommuniziere. Ich opfere. Ich opfere bis es regnet. Ich opfere bis der Arzt kommt. Ich entzünde mein Feuer, ich brenne eine Maske, vergrabe meinen besten Bogen, oder ich stampfe einfach mit den Füßen auf diesen Grund voller Sinn.
Ich opfere. Gebe eine Gabe, ein Leben, meine Kraft – also, lieber Gott, lieber Geist, mach dass es gut wird. Komm schon.
Opfern ist Handeln für einen Sinn. Handeln. Handlung. Gabe. Gebet.
Pflanze, Blut, Fleisch, Rauch, Feuer, Stimme, Physis. Der Opfernde gibt das Wesentliche und erfährt dabei – das Wesen, den Geist, den Gott. Darin, in diesem Handeln im Wesentlichen zeigt er sich schon. Die Metaphysis zeigt sich in der wesentlich erregten Physis. Das ist das Opfer. Das ist der Handel, die Gabe, das Gebet. Die Handlung ist der Handel. Ein Tausch.
Das Wesen des Ganzen wird sichtbar. Sein Sinn. In der Handlung, im Handel, im Tausch mit dem Wesentlichen. Gott wird sichtbar, ohne dass ich ihn anschauen muss. Und der Geist berührt mich in der aufgewühlten Physis, ohne dass ich ihn anfassen muss. Das ist ES. Das ist SIE. Das ist ER. Das bin ICH. Das sind WIR. Mitten im Rauch, im Tanz, im Feuer ahne ich ihn, den Ahnen. Ich ahne den Ahnen, den Geist; im Blut des Geopferten kann ich ihn auch sehen. Ich spüre ihn. Die Kommunikation ist hergestellt. Das System ist stabilisiert. Das Wesen zeigt sich mir im Wesentlichen, in einer mächtigen physischen Bewegung.

So funktionieren fast alle Religionen. Bis heute. Auch die asiatischen. Nur setzen die ein starkes Minuszeichen vor die Physis, dann folgt aus der Beruhigung eine Verwandlung in den Sinn.

Der tiefere Grund für alle Religion:
Das menschliche Bewusstsein ist als „Form“ ebenso offen wie auch geschlossen.
Es ist ein elektrodynamisches Fließgleichgewicht. Um bewusst zu „sein“, muss es eine permanente Fließgleichgewichts-Verhandlungsroutine „tauschen“ zwischen innen und aussen.

Zeichen lesen tauscht gegen Physis schreiben tauscht gegen Zeichenlesen tauscht …etc..

Die Sinne sind die elektromagnetischen Einlasskanäle (Auch Wärme ist eine elektromagnetische Erscheinung im Spektrum) Die Reflexe – als Reaktionkanäle sind als „Gegen“ – Steuerungskanäle die reaktiven nach aussen gerichteten Stabilisatoren. Das Bewusstsein vibriert oder zittert  in einer Oszillation – innen – aussen. Bewusstsein haben heisst: Eine Innen-Außenbalance zu „verhandeln“ Daher auch der Eindruck, eine Person habe „Schwingung“

Das Gehirn muss – um steuern zu können – eine gewisse Autarkie gegenüber der fließenden reinen Physis der Themodynamik behaupten. Es muss einen UNTERSCHIED behaupten, um steuern zu können. Es braucht eine Isolation. Es muss „schwimmend“ gelagert sein. (Der General darf nicht die Schlacht selbst sein) Es muss selbst  – wie eine – autarke Zelle durch eine halbdurchlässige Membran von der nurfließenden Physis abgeschirmt sein.
Dies Abschirmung leistet die Blut-Hirnschranke – bei allen höheren Säugetieren.

Je stärker die Abschirmung durch die Blut-Hirn-Schranke, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Teil der Oszillation von physisch – elektromagnetischer Aktion – Reaktion innerhalb der Zelle gespiegelt – also reflektierend hin und her geworfen wird. Ein Teil der Oszillation kann den Kopf  nur noch stark verzögert sowohl erreichen als auch verlassen.
Dieses Hin – und Her-Spiegeln von Anteilen der flexiven und reflexiven Balance-Handlungen erreicht irgendwann einen „Schwelle“ – an dem das Gehirn so viele Anteile elektromagnetisch re-flextiv hin und her-spiegelt, dass es selbst „Form“ wird – also „WELT“ – in sich selbst spiegelt und mit dieser Spiegelung zu allem was „da draussen“ physisch ist oder von aussen physisch auf es eindringt ein neues Wort sagt – DU!
Das Wort, das zugleich das ICH miterzeugt.

So trennt aber dies Blut-Hirnschranke auch alle höheren Funktionen von der Physis des eigenen Körper ab.

Deshalb externalisiert der frühe Mensch auch alle unbewussten und phyischen Belange, die Triebe und Gewalten und Mächte des eigenen Körpers mit einem „DU!“

Religion ist und war nichts anderes als diesem „Du“ – da draussen vor der Schranke einen Namen zu geben – also den Namen „Gott“

Drogen und Extasen sind eine Möglichkeit die Blut-Hirnschranke zu überwinden und zu diesem Gott Kontakt aufzunhemen. Opfern, Beten, Sprechen sind Opfer – Techniken(!) eine andere Möglichkeit.

Der größete Anteil des Gehirns ist eine schwimmend – gepuffert gelagerte Blase – eine dissipative offen-geschlossene Form in der Zeit. Innerhalb des Cortex fließt keine Realzeit. Das Gehirn und der Cortex selbst exisiteren für sich –  zeitlos.

So bilden Religionen auch Gemeinschaften bis heute. Aber das ist hier nicht wichtig. Ob die ganze Gemeinschaft den Ritus beging, ein einzelner für sich oder nur ein Schamane oder Priester als Stellvertreter im Schauspiel für alle, ein Ritual aufführte, dessen die Umstehenden ansichtig wurden – das eine große Prinzip von Religionen ist der Tausch. Der Tausch Physis gegen Metaphysis. Und dieses Prinzip hat auch die Bauten erstehen lassen, die Sakrale, die Pyramiden, die Menhire, die Werke und Gewölbe, die Kirchen, Tempel, Kathedralen und Moscheen. Ganze Kulturen wären ohne die Physiken des Opfers, und seien es die Opferphysiken der Arbeitskraft, nicht denkbar gewesen. So wirkt das physische Opfer auch als eines der ersten vornehmsten Kräfte der Techniken und der Ästhetiken, der Wirkungen und Anschaungen. Was dem Abwesenden gewidmet war, hat Anwesenheit geschaffen. Die unsichtbaren Metaphysiken haben also doch geantwortet und sich sogar als Baumeister betätigt. Wer oder was hat den Petersdom gebaut? Die Physik oder die Metaphysik? Das Sichtbare oder das Unsichtbare? Geist oder Materie?

Die Kirche als Bau. Die Kathedrale. Sie ist eine Statik, geweihter Ort, Grabstätte, sakraler Raum, Immobilie. Woraus besteht sie? Besteht sie aus Physik oder Metaphysik? Wer hat die Kirche gebaut? Gott oder die Menschen? Was macht ihre Statik? Geist oder Materie?
Ist eine Kathedrale Stein gewordenen Metaphysik? Die heilige Stadt Jerusalem, was ist sie? Physik oder Metaphysik. Ist sie Energie oder Information, Körper oder Geist, Mensch oder Gott? Oder Beides? Sind es zu Ziegeln und Gewölben auskristallisierte Kommunikationen mit Gott?  Sind es statische Opfer?
Ist ein sakraler Bau wie der Kölner Dom vielleicht schon die frühe Verwandlung von religiöser Energie in Masse, in Stein? Viele Jahre vor Einstein? Was ist dieses Gehirn, das nach Antworten sucht und zu kommunizieren beginnt, Kräfte, Energien zu opfern bereit ist? In die Umwandlung hinein gibt und in das Wesen, in die Masse. Um was zu bekommen?

Klick.

Die Kirche war Ende des 15 Jahrhunderts eine solche Masse. Eine ungeheure Masse. Sie war Weltmacht. Eine Masse, ein Brocken, eine Wucht, ein Brocken auch, und ein schöner Konzern. Ein Weltkonzern nach damaligen Maßstäben. Ihr gehörten ganze Gebiete, Wälder, Seen, Landschaften. Bistümer. Sie war reich. Eine große Immobilienbesitzerin. Ihr gehörte die halbe Welt, gut vielleicht nicht ganz, aber fast, jedenfalls regierte sie heftig mit, der damalige europäische Raum stand unter ihrer Fuchtel, obschon die weltlichen Fürsten darüber murrten. Doch sie war das Wirtschaftsimperium ihrer Zeit. Sie war Physik. Aber diese Physik war recht ordentlich organisiert. Sie hatte ihre Tochter und Franchise-Unternehmen in den klösterlichen Orden. Zisterzienser, Augustiner, Benediktiner, Dominikaner. Ganz ordentliche Tochterunternehmen eben, die wie kleine und große Filialen als Geist-Tankstellen die Karte Europas dicht an dicht mit roten, blauen und grünen Stecknadelköpfen übersähten, hätte es damals schon solche Stecknadeln gegeben. Das Netz lag sogar so dicht, dass es eben durchaus möglich war, als Mönch zu Fuß von Köln nach Rom zu pilgern, was nicht selten vorkam. Wenn es auch dauerte. Man liest von erstaunlich vollen Wegen und von Klöstern und kirchlich oder zwielichtig verwalteten Herbergen, die sich eben beinahe alle 50 Kilometer den Wandernden anboten. Es muss einiges los gewesen sein auf diesen Wegen, wenn sie auch nicht unbedingt ganz sicher waren. Und in Rom saß die Konzernzentrale. Sehr üppig. Sehr weltlich. Die Päpste, zuletzt aus weltlichen Advokatendynastien, namen es eher lässlich, vergnügten sich mit ihren Geliebten hinter den Mauern oder scharmützelten mit Venedig herum. Alles in Butter. Und schließlich, auf dem Höhepunkt ihrer Dekadenz ließen sie sich von den Raffaels und Michelangelos dieser Welt beeindruckende Bilder malen. Rom wurde nun Hollywood. Gott auf Breitwand.
Der Konzern funktionierte gut. Abgesehen davon, dass es immer mal wieder Probleme gab mit dem Besetzen von Posten und Pöstchen, dem Unterbringen Nepoten, dem Versorgen von unehelichen Töchtern oder irgendwelchen Bischöfen, die man loswerden musste, weil sie sich als Dummköpfe untauglich zeigten.
Aber auch diese hierarchische Struktur glich exakt dem heutiger Konzerne. Oben saß Gott als der Vorstandsvorsitzende, es folgten der Papst als sein Stellvertreter und dann die Bischöfe, Bosse, Abteilungsleiter, Äbte, Priester, Diakone, Mönche bis hinunter zu den Schafen und Schäfchen, die geweidet und geschoren wurden. Diese Kirche war eine physische Welt. Eine sinnlich greifbare und anschauliche. Sie hatte alles. Neben ihrem ungeheuren Besitz an Immobilien und Länderein gehörten ihr auch die Universitäten und viele Bibliotheken, Schnappsbrennerein und Kräutergärten. Sie bestimmte wesentlich das Geistesleben. Und das war eigentlich gar nicht mal so schlecht. Wahrscheinlich muss man sagen, dass die Intelligenteren damals eher in den Klöster anzutreffen waren als auf dem Feld oder der Straße. Ach was, natürlich, es gab dort alles an Charaktären, vom Taugenichts, zum Drückeberger, der adligen Tochter, die versorgt sein musste, Fett-und Pfropfmönche, hohlwangige Asketen  Gelehrte. Diese Klöster waren eher selten Sündenpfühle, wie es uns Der Name der Rose erzählt, aber es gab auch solche und solche. Solche, in denen arme Nonnen sich prostituierten und solche in denen gearbeitet und gebetet wurde, solche die verlottert waren und solche die wie straffe Wirtschaften funktionierten und Überschüsse verkauften und wo man sich Witze über den Papst erzählte, solche in denen geforscht, geschwiegen und geschrieben wurde und solche in denen es von allem etwas gab; oder solche, in denen kirchliche Kontrollbeamte, die nach dem Rechten sehen wollten auch schon mal verprügelt und nackt wieder vor die Tür gesetzt wurden. Das Leben in den Klöstern war mindestens so bunt wie draußen. Und es war wesentlich vom Charakter des Ordens bestimmt. Trotzdem blieben auch für die Klöster die Sommer kurz und die Winter lang. Die Kirche gab Arbeit und Aufträge. Für Architekten, Baumeister, Künstler und Statiker. Obschon sie Grundlagenforschung kritisch beäugte, reglementierte oder gar repressierte, förderte sie die technischen Wissenschaften und Fertigkeiten erheblich. Vieles was an Wissen über Wirkungen, in der physische Herstellung und des Handelns war, ging auf ihr Konto. Die Kirche war wissenschaftsskeptisch, aber sie war nicht technikfeindlich. Im Gegenteil.

Woher hatte sie das alles? Woher hatte sie diese enorme Physis? Ja, es waren Eroberungen und Politik und Nepotismus im Spiel und Korruption, wie das bei Konzernen und Imperien so üblich ist. Aber ihre Macht und ihren Reichtum und das Gewicht ihrer Stimme gründete letztlich auf etwas Unsichtbares. Auf etwas Metaphysisches. Es gründete sich auf Angst. Und zwar hatten viele Menschen damals nicht unbedingt Angst vor der Kirche als weltliche Macht, das sicherlich auch, aber vor allem hatten sie Angst vor einem ungnädigen Gott, dessen Stellvertreter die Kirche war, und der sie in der Hölle brennen lassen konnte, für immer brennen. Es fällt heute schwer, sich vorzustellen, wie real, wie ernst zunehmen, wie wirklich entsetzlich wirklich und nah und verzweifelt möglich es für die Menschen damals schien, es vielleicht nicht in den Himmel zu schaffen. Wie greifbar war diese Angst? Das Fegefeuer war so nah wie ein Stück Brot.
Eine Welt, in der es diese Möglichkeit ganz real gab, dass man nach dem Tode im Feuer brennen könnte. Diese metaphysische Größe der Wirkung der Angst vor dem Fegefeuer hatte ein solches Gewicht, flößte solchen Schrecken ein, in ihrer Nähe, dass sie eine Wirklichkeit war. Heute würde man sagen: Der Tod selbst war ein Scheißdreck dagegen. Eine greifbare Angst, so greifbar, dass man damit Handel treiben und ein großes Opfertauschgeschäft in Gang setzen konnte.
Ängste, Hoffnungen, der Glaube, all dies sind Wirkungen des Unsichtbaren. Metaphysische Wirkungen. Aber sie schufen Wirklichkeiten.
Die Wucht, die Masse, der Brocken, die Physis, dieses Imperiums Kirche gründete in einem gut organisierten Handel und Tausch von Opferphysiken gegen – nicht gegen Gott, auch nicht gegen den Teufel oder Geister, nein, man ertauschte sich – Gnade. Es war ein Gnadenhandel.
Gnade war das begehrte Gut, dass nur der Klerus als Vermittler im Tausch anbot. Die Gnade des Gottes zu seinen Sündern. Und sündig waren natürlich immer alle. Daran bestand kein Zweifel. Schließlich war man ja Mensch und spielte als solcher auf der Klaviatur der Begierden, Triebe, Sünden und Register.

So waren im Laufe der Jahrhunderte die Gnade und die Angst in die Schlachten gen Jerusalem gezogen, so hatte die Gnade und die Angst Kirchen, Städte, Stifungen, Klöster und Bistümer erbaut. Die Gnade und die Angst hatten Europa physisch möbliert und ihm eine erste supranationale Infrastruktur gegeben. Die Päpste waren so die ersten Vorsitzenden einer Europäischen Gemeinschaft.
Aber auch die Ehrfurcht, Hoffnung und die Emphase hatten mitgebaut. Und  –
Die Liebe.
Aber Fleischeslust gehörte damals zu den Sünden. Und sie war dies notwendigerweise. Denn diese Liebe, obschon sie sich nicht ganz unterbinden ließ, war streng reglementiert. Sie gehörte ja irgendwie doch zur Physis. Ein Reglement, das ihre nicht reglementierbaren Anteile des Sexus und der Lust und der Übertretungen und das Vergnügen und den Rausch den Sünden zurechnete. Und damit die Wirkung der Angst, wie über ein Hebelgesetz in die Routinen der Entlastungen und des Gnadenhandels trieb. Beichten. Gebete. Opfer. Ablässe. Geisselungen. Kniefälle. Nerven-und körperaufreibende Pilgerorgien und zum Teil blutiger Askesen.
Die katholische Kirche bediente sich eines metaphysischen Hebels, indem sie die Liebe, die Lüste und Genüsse und alle definierten registrierbaren Vergehen aus dem Fleisch in Steine trieb. In Technik verwandelte, wo sie zu hohen Räumen, und kathedralen Kristallen gefror. Bezahlt mit Abgaben und dem schlechten Gewissen der Schäfchen. Aber natürlich auch mit Eroberungen.
Angst und Hoffnung auf Gnade, das sind die Steine ihrer Gründungen und Bauten. Die Angst und die Gnade benutzte sie als Werkzeug.
Und dieses Werkzeug baute Großes. Sehr Hohes.
Denn die weltlichen Fürsten und Könige arbeiteten fleißig mit. Sie betätigten sich als Stifter. Auch sie gaben ein Teil ihres Reichtums an die Kirche hin. Davon zeugen die Stifte, die deshalb so heißen. Auch wenn diese weltlichen Stiftungen für die Kirche oft auch von einem taktischen Interesse motiviert waren, immer ein bisschen Korruption auch im Spiel blieb, letztlich konnten sich auch die mächtigsten weltlichen Herrscher nie sicher sein, wie nah oder fern auch ihnen die Hölle lag.
Und noch die Bilder und Meisterwerke der so genannten Renissance sind mit solchem Hebel-Werkzeug erschaffen, dass sie mit Ablässen, Opfern und Gaben finanzierte aus der Registrierkasse der Sünden.
Die Kirche baute und strukturierte und unterhielt ein metaphysisches Imperium, mit einem unsichtbaren Herrscher an der Spitze.

Klick.

Aber wie gerecht war dieses System? Wie gnädig war diese Physis? Sie funktionierte und war zweifellos gut organisiert. Ein Körper, der hierarchisch von einem Gott-Oben genährt wurde und an seinem Hölle-Unten die Angst-und Gnadenbauten ausschied, die wiederum steil nach oben wiesen.

Aber war dieser Gott wirklich gerecht? Murmelte man nicht schon längst hier und da? Flüsterten man nicht schon längst an den Universitäten aber auch hinter den scholastischen Kathetern, dass hier irgend etwas nicht stimmen konnte? Wenn ein Armer, der fast nichts hatte, auch noch etwas geben musste, und infolge dessen noch ärmer wurde, so dass er womöglich von der blanken Not getrieben erneut sündig wurde. Und was waren das für Bischöfe und Päpste und Manager, die sich einen Dreck um das Sündenregister scherten, aber nur weil sie reich waren und in der Hierarchie weiter oben saßen, sich der Gnade näher wähnen durften. Sie sich erkaufen durften. Wer bestimmte eigentlich die Preise? Waren sie nicht auch, ob sie es wollten oder nicht in einem Sündenmechanismus gefangen?

Wie kriege ich einen gerechten Gott?

Und wie kriege ich einen Gott, der bei diesen
Widersprüchen wirklich gnädig sein kann?

Über diese Frage stürzte Luther in tiefe Verzweiflung.

Diese Frage stellte sich Luther. Sie wurde ihm gestellt. Aber von wem? Wer stellte Luther diese Frage? War es der Zweifel selbst? Ein Reflektionsüberschuss, die Verhältnisse?
Hier muss nun abgekürzt und auf einschlägige Werke verwiesen werden. Es dürfte auch schwierig sein, dass exakt nachzuweisen. Denn diese Frage lag damals in der Luft. Die Zeit war reif. Und er war nicht der einzige, der über diese Frage nachdachte.

Scheinbar exakt nachzuweisen, oder jedenfalls Luthers eigener Aussage nach, ist der Zeitpunkt und der Anlass, der ihm Antwort gab.

Luther kam zu diesem Zeitpunkt als Mönch selber aus der kirchlichen Hierarchie und kannte die einschlägigen Argumente und die inzwischen eigentlich ziemlich festgefahrenen Diskurse der Scholastiker, die in hoch verfeinerten Argumentationen sehr klug durchaus auch stritten, sich fetzten und diskutierten. Aber in den Klöstern gab es Hierarchien und viele Mönche, ja wahrscheinlich die meisten, bekamen ihr ganzes Leben lang die Originalschriften der Testamente, der Bilbel, gar nicht zu Gesicht. Sie hatten die Scholastiker zu studieren und betrieben Kommentarstudien oder Abschreibungen der großen Kirchengründer und Lehrer von Augustinus  über den Gründer der Scholastik wie Thomas von Aquin, bis hin zu den Spätscholastikern wie Wilhelm von Ockham oder Duns Scotus, die ihrerseits verschiedene Ansichten vertraten und so immer mal wieder Anlass zu gepflegten Disputen gaben.  Die Diskurse der Scholastiker waren nicht dumm, sie waren auch nicht in dem Sinne dogmatisch, dass sie Überlegungen oder Diskussionen gänzlich ausschlossen. Ja, es wurde sogar gestritten. Aber worüber stritten sie?

Sie stritten durchaus über sehr interessante Fragen:

Stehen Glaube, Liebe, Wille höher als Vernunft?
(Duns Scotus – Ja! Thomas von Aquin – Nein!)

Kommt den metaphysischen Begriffen wie „Glaube“, „Wille“ oder den Klassebegriffen wie „Zahl“
oder den Kategorienbegriffen wie „Form“ eine reale Existenz zu oder sind es nur abstrakte Benennungen, Nomina?

(Wilhelm von Ockham – ja, sie sind real existierend!
Anselm von Canterbary – nein, sie sind es nicht, aber…!)

Dazwischen andere Fragen, gemäßigte Positionen und Haltungen. Frühe sehr kluge Diskurse. Philosopheme, die sich letztlich auf die Grundprobleme zurückführen lassen, die schon die Vorsokratiker auf ihre Weise und dann auch Platon und Aristoteles aufwarfen und bis ins 20igste Jahrhundert die philosophischen Köpfe erhitzten. Und es gab auch immer schon Positionen des Ausgleichs. Die Nein-abers und Ja -abers wucherten und näherten sich an, bis sie sich in einer Art metaphysisch-physischen Unschärferelation verloren.
(Ganz sicher stecken in der ganzen reichen Scholastik eigentlich schon fast alle Debatten und ein Großteil der Philospopheme des 19. Jahrhundert und mehr noch des 20igsten Jahrhunderts. Nur dass im 20igsten Jahrhundert nicht über Realien und Nomina gestritten wurde, sondern über Phänomene (Husserl) und Sprache (Wittgenstein) )
Auch diese Debatten haben sich scholastisch und diskursiv in die Ja-abers, und Nein – abers ausdifferenziert. Haben Lehrstühle erschaffen, Posten genährt, kleine und Große Meister, Schüler, Kirchlein, Väter und Söhne. Und es gab da bis zu Luther durchaus auch interessante Bewegungen, in denen ein Kopf geächtet, und dann, nach einem Jahrhundert, wieder zugelassen war.

Man kann hier fragen, was macht ein Mensch, ein gottesfürchtiger Denker, der klug ist, der weiß, dass es einen unbezweifelbaren Gott gibt, was macht ein solcher Mensch mit seiner Freizeit? Er wendet sich den durchaus interessanten Detailfragen zu. Er richtet seinen Reflektionsüberschuss auf Detailfragen, die keine Detailfragen bleiben müssen. Die Beschäftigung mit ihnen kann durchaus plötzlich ans Ganze rühren und gefährlich werden, wie bei Duns Scotus, der auf Grund seiner Haltung Schwierigkeiten bekam.

Reflektionsüberschuss? Warum gibt es den?

Es gibt ihn, weil sich im Laufe der Jahrhunderte das physisch-metaphysische Opferritual aus der Balance der Räusche und Extasen und im Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus auf der einen Seite in einen sich verdünnenden Zustand der gemurmelten und geflüsterteten Zeremonien, der  Lithurgien und Beichten, der Gebete und Gaben hinein beruhigt hatte, während die Physis, der Rausch, das Stampfen, das Blut, der Trieb, die Lust über den Werkzeugkasten des Sündenkatalogs und des von der Kirche betriebenen Gnadenhandels zum großen Teil erst in die Rgistrierkassen und dann per bezahlter Arbeitskraft in die mächtigen Bauten und Kathedralen, in die festen Strukturen der Orden und Unternehmen geflossen war, die eine erste wuchtige physische Infrastruktur errichteten. Physik gebaut mit Metaphysik.

Und das hat Nietzsche nicht gesehen. Diesen Tausch hat er nicht gesehen. Er hat lediglich gesehen, dass der Mensch „gezähmt“ wurde. Aber er hat nicht gesehen, dass die physischen Energien in die physischen und energetischen Strukturen und Bauten der Kirche, der Kathedralen und Stifte geflossen sind und dort auskristallisiert waren. In die erste große reale Infrastruktur Europas.

Nicht Zähmung hat hier stattgefunden, sondern Tausch.

Aber zurück zur Scholastik. Was die Scholastik betrifft, gab es interessanter Weise einen „Sieger“, jedenfalls einen Dominator.
Und der heißt Thomas von Aquin.

Thomas von Aquin also setzt die reflektorischen Erkenntnismöglichkeiten in eine ganz klare und eigentlich sehr durchschaubare rationale Hierarchie, in der es ein Oben und ein Unten gibt. Ganz „oben“ ist das „Sein“, das doppelgesichtig und unscharf ist (analog) In ungeteilter Gänze kommt es nur Gott zu, alles was darunter liegt hat lediglich „Anteil am Sein“ und splittet sich dann in Teilen von Teilen zu Teilen des Seins.

Diese Art der Hierarchisierung hat er von Aristoteles übernommen, der in seiner Art zu denken und zu kategorisieren ebenfalls einen Zug zur Matroschkapuppe hatte.

Warum ist das so erfolgreich? Es ist deshalb erfolgreich, weil man das Problem der Doppelgesichtigkeit – dass also das „Sein“ zu beiden Anteilen aus Physis und Metaphysis (Energie und Information) besteht – ans Jenseits, zu Gott hin delegieren kann. Was man erkenntnistechnisch reflektorisch nicht lösen kann, schiebt man weg. Das Ungelöste bleibt dann eben Gott.

Somit hatte man dann zwar im Reflektorischen die Möglichkeit, unendliche Begriffsbildungen und Nominalien zu erzeugen,mit denen es sich durchaus operieren lässt, über die es sich dann auch streiten und disputieren lies, aber was in den blinden Fleck gerät, ist die Physis, sind die Energien.

Die nämlich, also die Physis, die Physik, die Energien, die Handlung, das Handelnde rutschen dann hierarchisch „hinunter“ in die Ethik und in die Frage nach dem richtigen Leben.
Aber damit geraten sie notwendig hierarchisch u n t e r die Meta-Physis. Werden von Ihr getrennt und nähren fortan den Streit um Substanz und Akzidenz, um Potentialität und Aktualität.
Was de fakto ins unglückliche Bewusstsein (Hegel) oder in die unglückliche Praxis führt (Quantenphysik)
Nur die Mystiker (Meister Eckhard oder Johannes Tauler) und Alchimisten als dialektische Praktiker ahnten immer schon von diesem Tausch, und dass hier an dieser Trennung etwas nicht stimmen kann.
Ebenso später der deutsche Idealismus mit seiner Dialektik auf der Reflexionsseite. (Hegel – Phänomenologie des Geistes: Unglückliches Bewusstsein)

Die abendländische Philosophie nach Aristoteles musste deshalb immer trennen zwischen Metaphysis und Physis, Nomina und Realien, Handeln und Erkennen, zwischen Praxis und Theorie, zwischen der praktischen und der reinen Vernunft, zwischen Phänomenen und Begriffen.
Und schließlich hat sie getrennt die „Zwei Kulturen“ von Wissenschaft und Kunst. Explosion und Ästhetik. Ansicht und Blendung. Und gesellschaftlich zeigt es sich in einem eingependelten Zustand zwischen Stoizismus und Skeptizismus oder im Gegensatzpaar von Statik und Dynamik, Gnosis und Emphase.

Warum aber war damals Thomas von Aquins Denken außerdem so erfolgreich? Weil sich seine Hierarchie der Matroschkapuppe, in der es ein Innen und ein außen gab, ein „Oben“ und ein „Unten“ wunderbar dazu eignete, die hierarchische Struktur der Kirche zu rechtfertigen und zu stützen. Und diese Struktur, die zugleich einen Ernährungszusammenhang begründete, setzte sich noch für Jahrhunderte erfolgreich fest und erschuf bis zu Luther eine metaphysische Moderne, das metaphysische Europa mit seinen Kathedralen als hochragende Abschussrampen.

Klick.

Bis Luther und andere darüber nachdachten, ob diese Struktur gerecht war. Und ob man einen Gott, der in einer Hierarchie oben stand, als gerecht bezeichnen konnte, wenn er doch durch diese Hierrarchie seine Untergebenen mehr oder weniger zur Sünde zwang.
Das Opfern der Religionen, dass ursprünglich immer als Kommunikation um den Ausgleich von Physis und Geist gerungen hatte, war heruntergekommen auf einen Handel der Bereicherung, der den Kirchenfunktionär reich machte, und das unterste Schäfchen ärmer aber beide gleichermaßen nicht frei von Sünde ließ, während die ehemals die in Staub, Blut und Extase der Riten aufgewühlte Physis über die Arbeitskraft in die steinernde Infrastruktur der Bauten, der Klöster, der Technik abfloss.

Luther, talentiert und begabt, arbeitete sich in der Kloster-Hierarchie nach oben, wurschtelte sich mühsam durch die Diskurse  und Kommentare und immer feiner werdenden Argumente der Scholastiker, blieb unzufrieden, und durfte schließlich auch die Quelltexte studieren, besorgte sich die Bibel und las. Und irgendwann las er da im Römerbrief einen Satz des Paulus:

D<em>enn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt; wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.</em>

Luther guckt diesen Satz an und überlegt. Er versteht ihn erst nicht ganz, aber er spürt, dass hier irgend etwas sehr wichtiges gesagt wird. Etwas ganz wichtiges.

„…welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt? “

Was soll denn das heißen? Glauben tun wir doch alle irgendwie.

„Der Gerechte wird aus dem Glauben leben…“  Was soll das dann?

Und wann, verflixt, ist denn jemand bitteschön – gerecht?

Luther hat jetzt ein Problem. Dieser Satz ist ein logischer Zirkel, etwas das seit in der aristotelischen Logik verboten ist, weil es sie aufhebt und weil es die klare Hierarchie von Aquin, der ihm allerdings immer unsympathisch war, von oben und unten, von innen und außen in Frage stellt, in dem es sie kurzschließt. Dieser Satz zerstört die schöne Matroschkapuppe, macht sie unmöglich.

Aber dieser Satz ist weder eine klare Aussage, noch eine eindeutige Frage. Er liegt dazwischen.

Luther hat später berichtet, dass er über diese Stelle „meditierte“.

Tagelang? Wochenlang?

Meditieren heißt eigentlich: sich in die Mitte begeben. Vermitteln (meditare)

Der komplementäre Ausdruck für meditieren heißt: Verzweifeln.

Aber ein Sprichwort sagt: Unentschieden ist nur der Tod.

Also meditiert Luther, verzweifelt und stirbt, überwindet den Tod und wird wieder lebendig, indem er für sich eine Entscheidung trifft.

Luther deutet: Der Mensch wird a l l e i n aus dem Glauben leben.

Später steht der Satz auch so da. Das a l l e i n  – ist Luthers Entscheidung und Präzision. Es steht so nicht im griechischen Original, was heute auch allenthalben bekannt ist.

Aber diese Entscheidung hat noch eine Konsequenz. Und Luther ist konsequent.
Wenn der Mensch a l l e i n aus dem Glauben lebt, dann kann Gott nur a l l e i n
aus Gnade gerecht sein.

Dass heißt aber: Es findet kein Handel mehr statt! Kein Opfer!
A l l e i n der Glaube vermittelt jetzt zwischen Gott und dem Menschen. Keine Extasen, keine Räusche mehr, aber auch kein Ablasspredigen und quälenden Busspraktiken mehr.

Allerdings: Das Register der Sünden bleibt.

Glaube, das wäre ein Nomina, eine Metaphysis. Aber was ist mit den Energien, der Physik, der Entlastung, der bequemen Möglichkeit, mich von meinen Sünden frei zu kaufen und frei zu beichten? Was ist mit den Bauten?

Gibt’s alles nicht mehr, sagt Luther. Tut mir leid, wer einen gerecht gnädigen Gott will, muss darauf verzichten. Oder jedenfalls auf das Allermeiste. Und das gilt jetzt für alle Menschen. Für die Schäfchen, wie für den Papst.

Die weitere Geschichte ist bekannt. Luther wollte nicht die Kirche in Frage stellen, auch nicht die Hierarchien. Schon gar nicht die weltlichen. Aber das war naiv. Denn welches Gesetz gab es noch wirklich, außer diesen in sich selbst verschlungenen Glauben.

Und die weltlichen Fürsten, denen die weltliche Macht der Kirche insgeheim immer schon nicht geschmeckt hatten, beschützten Luther nun. Denn sie ahnten oder wussten, dass damit das gesamte meta-physische Kircheneuropa ins Wanken geriet, und die Macht der Kirche gebrochen wurde. Was ihnen nur Recht sein konnte. Schließlich mussten sie sich jahrhunderte lang mit dieser Kirche die Macht teilen – auf ihren eigenen Territorien.

Und so kam es dann auch – wie man weiß.

Luther hatte meditiert und war durch die Mitte des Zweifels und den Tod des Unentschiedens hindurch für sich selbst und für die, die er dann durch glänzende Rhetorik und brilliante Ableitungen überzeugte zu einer Entscheidung gelangt. Aber er konnte nicht sehen, dass diese Entscheidung noch ganz anderer Fragen berührte, die er nicht oder nur wieder apodiktisch beantworten konnte.

Die Folgen sind bekannt. Luthers Entscheidung war eine systemtheoretische und kommunikative Katastrophe. Woher und wie jetzt noch weltliches Recht definieren, wenn vor Gott alle gleich waren?

Unentschieden ist der Tod.

Und dieser Tod kam  über die Bauern, die auch a l l e i n gerecht und also nicht mehr fremdbestimmt leben wollten. Er kam über Thomas Münzer.

Und schließlich fegte der Tod des Unentschieden wie eine metaphysische Atombombe als Krieg durch Deutschland und halb Europa 30 Jahre lang.

Immer hin und her gingen die Fronten.

Glocken wurden zu Kanonen umgegossen und Kanonen zu Glocken.

Die Physiken, die Energien, die im Gnadenhandel der Kirche so gut gebunden waren, für die Luther aber kein Gefäß und keine Verwendung mehr hatte, keine Sammlungsmöglichkeit bereit stellte, wurden destruktiv frei in einer Spaltung dieser Masse mit Namen Kirche. Als plötzliche Bindungsenergie einer metaphysischen Spaltung, die diese Kirchenspaltung war. Viele Klöster und beinahe die gesamte Infrastruktur der Kirche wurden dem Erdboden gleichgemacht, bis die Bevölkerung durch Pest und Krieg und Hunger und das gesamte Land so müde und erschöpft war, so dass es dann nach 30 Jahren endlich zum Frieden kam.

Dieser Krieg war die reine Physik, die Luther aus der Kommunikation mit dem Gott verbannt hatte. Indem er das Opfer verbot, brachte er Opfer hervor.

Es blieben Ruinen und verbrannte Felder und ein Mensch, der fortan zweifeln musste, wenn er Protestant war.
Dieser zweifelnde Mensch, a l l e i n mit seinem Glauben und a l l e i n mit seinem Gott ist der Mensch der Neuzeit.
Der Zweifel Descarts’ der sich dann zu einem ungeteilten „Ich“ überwand ist ohne Luther nicht zu denken.

So erlebt sich der neuzeitliche Mensch sich heute als ein Isotop, als ein Kern mit einer met-physischen Disballance in einem  meta-physischen Zwiespalt, immer unsicheres Überbleibsel, hervorgegangen aus einer Verzweiflung, Meditation und einer Kirchenkernspaltung.

Heiner Müller lässt in seiner Hamletmaschine den Hamlet, der in Wittenberg studiert hat, aber auch den Hamlet, der in jedem ein wenig steckt, einen Text sprechen:

„Ich sitze zu Hause und schlage die Zeit tot mit meinem ungeteilten Selbst.“

Das ist die Situation des neuzeitlichen Menschen nach Luther, und dann nach Descartes.

Denn der protestantische Mensch der Neuzeit, kann sich nie mehr ganz sicher sein, ob er wirklich alles richtig macht, ob er tief und fest genug glaubt. Ob er gerecht ist, und ob er Gott wirklich erreicht in seinem A L L E I N S E I N nach Luther.

Er darf nicht mehr opfern. Er ist das Opfer.

Oder: Er muss wieder handeln.

Aber was handeln, wenn ihm die Opferhandlung, der physische Ritus verwehrt ist?

Er muss tüchtig werden. Tüchtig und gut.

Und an Stelle der hingebenden Physik des  handelnden Opfers tritt eine Form der Tüchtigkeit und des Interesses. Da ihm habituell der Rausch und die Extase und der Ritus als die direkte und handelnde Verbindung zur Physis aber auch der Gnadenhandel verwehrt ist, entdeckt er die Physis neu. Ganz anders. Sie wird ihm Gegenstand nicht der Vermittlung, aber der Anschauung. Er opfert ihr das Licht seiner Augen und einen Großteil seiner Aufmerksamkeit.

Diese Bewegung Luthers hat den Gott dezentralisiert. Der protestantische Gläubige ist nun jeweils mit seinem Gott allein, und agiert nun als mobiler Server. Die Hierarchie wandelte sich aus einer fest wurzelnden  Oben – Unten – Struktur – in eine Flächenstruktur. Eine Art religiöses Internet begann die Welt zu überziehen. Erst die protestantische Wende machte die Religion flächig, beweglich. Es gab keine Zentrale mehr.

Und er erkennt nun eine Natur die keine Geister mehr kennt und keine Götter. Es ist eine Natur mehr des Wissens als des Glaubens. Mehr des Zwecks als des Sinns. Mehr des Konstruierens als des Hinnehmens. Und mehr des Hineinschauens als des Davorstehens.  Mechaniken, Apparate, Geräte und Maschinen entstehen. Amerika wird bald auch protestantisch/puritanisch tiefer entdeckt besichtigt und besiedelt. Die Erde neu vermessen.

Der von der Physis getrennte Mensch der Neuzeit wird Wissenschaftler, wird Physiker und darin zum Betrachter der Natur und schließlich zu ihrem genauen Beobachter. Er erforscht.

Physis wird Physik.

Oder, wenn er die Metaphysik betrachten und untersuchen möchte, wird er zum wissenden Metaphysiker, zum Mathematiker. Es entstehen die Kraftgleichungen, die Differenzial – und Integralrechnungen von Leibnitz, Descartes, und Newton, die Wahrscheinlichkeitsrechnungen werden weiter entwickelt oder schon angewandt.
Das zweifelnde Ich Luthers und Descartes hat sein Betätigungsfeld entdeckt.
Das Rechnen und die Beobachtung.

Der Zweifel verwandelt sich in Analyse.

Auch dieses ist ein Tausch im Opfer. Wenn auch leiser, defizieler.
Eine Kommunikation innerhalb eines Systems.
Der Tausch heißt nun: Entbergung gegen Geheimnis.
Hypothese gegen Eperiment. Theorie gegen Praxis.
Gesetz gegen Zufall. Wissen gegen Glauben.

Und schließlich: Bild gegen Fluss. Konstruktion gegen Chaos.

Bis im 19. Jahrhundert sich ganz allmählich erneut ein Kreis zu schließen beginnt.

Denn wer die Physis betrachtet, und Physik betreibt, kommt irgendwann nicht darum herum, zu erkennen, dass er selbst zur Physik gehört. Die Entdeckungen Darwins machten die Runde, die Humboldts, die Maxwells, die Fahradays, die Jouls, die Boltzmanns verloren sich in der Physik, dringen immer tiefer in den Dschungel der Physis vor und finden und entbergen und verknüpfen.
Physis wird nun nicht mehr aufgewühlt oder verschwendet oder nur analysisert. Sie wird nun auch neu verknüpft und in Konstruktionen zurückverwandelt.

Das Feuer, die Wärme wird als Kraft erkannt. Als eine gerechte Kraft, denn sie bleibt erhalten. Der Erhaltungssatz ist ein Gerechtigkeitssatz. Der Magnetismus und die Elektrizität werden zusammengeführt und so zur Dynamik, zum Strom.
In der Extase der durch Anschauung und Erforschung hervortretenden Physis zeigt sich dem Aufmerksamen erneut ein Geist, eine Metaphysis. Der Geist zeigt sich als: Das Gesetz. Ein Naturgesetzt. Ein Axiom. Eine Ableitung. Eine Theorie.  Im Umkehrschritt werden sogleich die Begriffe, Gesetze und Zahlen wieder reinvestiert, verknüpft und zu einer neuen zweiten Natur umkonstruiert.

Neue Manufakturen. Die Hebel der angewandten Naturgesetze, die über Forschung und Konstruktionen in die Technik geflossen sind, haben auch den Menschen verändert, sein Weltbild hat einen neuen Kompass bekommen. Und die Welt neue Bauten. Aber diese Bauten sind jetzt nicht mehr so sehr aus Stein wie vor Luther. Sie sind aus Eisen und Stahl, aus Kohle und Koks.
Es sind Bauten nicht aus Gnade oder Glauben, sondern Bauten aus Wissen, aus Gesetzen, Wärme, Luft und aus Feuer. Es sind Wärmekraftmaschinen. Der Mensch ist selbst zum Schöpfer geworden. Er erschuf:

Eine Natur der Technik.

Und der Mensch?

Luthers Frage nach Gerechtigkeit war nie ganz zur Ruhe gekommen, Weil der Zweifel, die Zweiheit, die Ballance, die in dieser Frage steckt, nie ganz eindeutig entschieden werden kann.

So war sich der Mensch erneut selbst in dieser Frage entgegengetreten. Aus der Neuen Welt, die von Mutigen oder verzweifelten bereist erforscht und entdeckt wurde, drangen Nachrichten zurück nach Europa. Eine erste Rückkopplungsschleife, ermöglicht durch die forcierten Techniken der Seefahrt. Man hörte von wilden Völkern und einem Leben in Ballance. Fast paradiesisch. Rousseau hatte das aufgenommen und träumte vom „reinen Wilden“ als freien Menschen.
Das Bürgertum, unterdessen als technische Produzenten selbstbewusst geworden, wurde zunächst tatsächlich wild. Es erfand ein sauberes Gerät. Es opferte auf diesem Gerät, der technischen halbautomatischen Guillotine, Köpfe gegen Freiheit, tauschte Leben gegen Mechanik, befreite die und sich zu einer neuen Kraft.

Was ist der Mensch? Wenn die Physis im 19. Jahrhundert sagt, Wärme ist eine Kraft, die nicht zerstört, nicht erschaffen, sondern nur umgewandelt werden kann, wenn es einen Erhaltungssatz gibt, dann gibt es innerhalb der Physik eine Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit zwischen Plus und Minus stellt den Strom her. Die Gerechtigkeit zwischen Kälte und Wärme im Ausgleich erzeugt die Arbeit in der Maschine.
Aber was ist dann die Gerechtigkeit in der Gesellschaft? Was ist hier der Ausgleich?
Wenn der Mensch auch Physis ist – was ist dann die Wärme für den Menschen? Muss er frieren, während die Maschinen unter Dampf stehen? Muss er hungern, während die elektrischen Pole sich abwechselnd übersättigen und auskotzen im Blitz?
Wenn man eine Maschine regulieren kann, kann man dann nicht auch eine Gesellschaft regulieren? Denn was sind wir anderes als Physik?

Wie kriege ich eine gnädige Gesellschaft? Wie kriege ich einen gerechten Menschen?

Luthers verzweifelte Frage war wach geblieben und wieder zurückgekehrt.

Und weil Marx und Engels ihre Beobachtungen wie gute Naturwissenschaftler und Physiker ihrer Zeit an der Physis der arbeitenden Wärmekraftmaschinen und der dort Arbeitenden vornahmen, kamen sie auf eine Antwort, die der Luthers damals bei seiner Frage nach dem gerechten Gott ganz ähnlich war:

Wenn die gerechte Wärme (Erhaltungssatz) Arbeit leistet, indem sie sich in der Maschine in Arbeit eintauscht, dann kommt die Gesellschaft zur gerechten Wärme, indem sie die Arbeit gerecht verteilt.

Was soviel heißt wie: Arbeit muss so gerecht verteilt werden können wie Wärme.
Und der gerechte Mensch kommt zur Arbeit nur von der Arbeit allein.

Das bedeutet aber, dass die Arbeit allen gehört. Niemand hat mehr das Recht, die Arbeit sein eigen zu nennen und an die, die keine haben, zu verkaufen (gegen Physis der Arbeitskraft)

Ergo: Wer arbeitet, dem muss die Arbeit auch gehören. (Volkseigentum an Produktionsmitteln)

Es geht auch so rum: Die gerechte Gesellschaft kommt zur Arbeit (allein) aus der Arbeit.

(Römerbrief: Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt.)

Und schon wieder war da ein Gedanke, mit einem furchtbaren Potential der Unentschiedenheit und des Zweifels. Das selbe Problem wie bei Luther.

Aber da man diese Unentschiedenheit selber per Reflektion produziert hatte, brauchte man nun wieder eine Praxis, eine Handlung, eine Physik des Opfers.

Denn Gerechtigkeit der Gesellschaft war vorerst eine abwesende Metaphysis, die im Tausch gegen Physis eingelöst werden muss.

Ein neuer Gnadenhandel war gefragt. Ein neuer Sinnhandel. Man brauchte eine neue hierarchisch strukturierte Kirche, die diesen Sinnhandel organisierte Und diese Kirche hieß jetzt Kommunismus.

Und ihre neue Physik des Opfers, der neue Gnadenhandel und Sinnhandel hieß: Klassenkampf. Hieß: Sich opfern für die Gerechtigkeit. Sich entscheiden gegen eine friedliche Gegenwart im Vertrauen auf eine Zukunft, die keine Hölle mehr war, dafür der Himmel auf Erden, in denen schließlich jeder nach seinen Bedürfnissen leben könnte.

Der Tausch hieß nun wieder wie vor Luthers Zeiten: Physik gegen Sinn (Metaphysik) Ein neues Opfern stand ins Haus. Wie bei den ganz frühen Christen. Die Gerechtigkeit der Wärme musste auf die Gesellschaft übertragen werden. Und dazu musste man sie neu entfesseln. Ekstatisch entfesseln.

Endlich. Endlich wusste man wieder wo der Feind stand. Endlich wusste man wieder, wofür man opfern sollte. Also wofür man selbst stand. Man wusste wieder wo Gott wohnte. Und diese neue Kirche mitsamt ihrem Sinnhandel gab sich eine Infrastruktur, bekam ihre verschiedenen Orden, ihre neuen Scholastiken und Streitigkeiten und doch eine neue Weltgeltung. Sie wurde stark. Seid es sie gab, standen die alten zumal noch von einem schwachen König oder einem reinen Bürgertum regierten Gesellschaften unter Spannung, unter Positionszwang. Sie standen zur Disposition.

Sie standen auch zur Disposition, weil die neue zweite Natur der Technik mit ihren Bauten aus Wärme, Eisen, Luft, und Feuer, die Landschaft weiter verändert hatte. Schienen begannen Europa zu durchziehen. Und die elektrodynamischen Funkstrecken sorgten für neue schnelle Rückkopplungsschleifen und eine Beschleunigung des Nachrichtenwesens, wie es sie vorher nicht gegeben hatte. Die zweite neue Natur heiß Industrie, hieß Elektrizität, hieß Mobilität, Eisen, Öl, Kohle, Stahl und Wärme. Viel Wärme. Dynamit und Wärme. Hitze. Die neue zweite Natur zeigte auch eine Tendenz, ebenso schlagartig und katastrophisch auszubrechen oder umzuschlagen, wie es die alte Natur seit Urzeiten konnte.
Der Mensch war in Ihre wieder etwas kleiner geworden. Obschon ihr Schöpfer, sah er darin plötzlich müde und schwach aus. Er konnte ein paar Hebel bewegen, Ventile öffnen oder schließen, einen Abzug betätigen.

Welche Ventile öffnen oder schließen?
Welche Abzüge betätigen? Welche Knöpfe drücken.
Welche Klappen waren es noch mal?

Die neue zweite Natur hatte die Landschaften schlagartig verändert. Die neuen Geschwindigkeiten und Techniken der Übermittlung die Räume verkürzt. Die Kirchen der Gerechtigkeit suchten noch nach ihrer Struktur und ihrer Statik, lieferten sich Scharmützel und Dispute, hatte aber auch Erfolge zu vermelden, wie bürgerliche Gesetze und ein Unternehmerethos, der an manchen Orten seinen Arbeitern ein würdiges Leben in betriebseigenen Siedlungen und Häusern ermöglichte. Unterdessen aber die neue zweite Natur immer weiter wuchs. Die Fragen der Gerechtigkeit waren plötzlich nicht mehr so einfach zu beantworten. Denn den Zwängen und Drücken, die früher von Menschen gegen Menschen ausgeübt wurden, von der Natur gegen den Menschen oder von Menschen gegen die Natur, gesellten sich nun dazu ganz neuartige. Die Drücke in den Kesseln und die Zwänge der Pleuls, Sachzwänge, Dingzwänge, Termin- und Zeitdrücke. Zudem entstanden neue Priesterschaften innerhalb dieser neuen zweiten Natur der Technik. Igenieurspriester waren gefragt, Expertenschamanen, die sich hier noch halbwegs auskannten und diese Natur der Technik zu beschwören verstanden.
Neue Hierarchien wuchsen. Ein Technikadel, nicht von Gottes Gnaden, oder Geburtsrecht aber von Sachverstand und Zweckmäßigkeit, etablierte sich. Auch diese Hierarchien sprachen dem immer unruhiger werdenden Gerechtigkeits – und Austauschgedanken Hohn. Sie trieben die vielen Benachteiligten weiter hinein in eine erhebliche Sinnsuche. Zwar hatte die neue Infrastruktur mitsamt der wissenschaftlich durchdrungenen Landschaft, auch vom rein menschlichen Standpunkt betrachtet, Erfolge erreicht. Die Hygiene hatte sich verbessert, die Medizin, die Kindersterblichkeit war gesungen, die Lebenserwartung gestiegen. Aber diese vielen Lebenden gehörten nicht alle dem Technikadel an und auch nicht den wenigen Glücklichen in den Arbeitersiedlungen der fairen Unternehmer mit Ethos.  Bei diesen weniger Glücklichen und trotzdem aber Lebenden etablierte sich eine Haltung die nach irgend etwas fahndete, wofür es sich zu opfern lohnte, denn Gerechtigkeit und Ausgleich war ein kompliziertes Feld in dieser neuen technischen Landschaft geworden, wo so viele menschliche und nichtmenschliche Verfahren, Drücke und Zwänge sich miteinander vermischten. Die neuen industriellen Zustände förderten immer mehr das Empfinden, dass Wärme sich ganz und gar nicht gleichmäßig verteilte, wie es die Physik versprach. Dafür floss sie sehr deutlich in eine Richtung, nämlich in die Maschinen, in die Technik, die davon immer schneller und heißer wurden, während sich die Gesellschaft immer mehr abzukühlen schien. Wohin sich wenden. Wo hinein sich schließen. Man musste zusammenrücken, um sich zu wärmen, musste wieder Gemeinschaften bilden. Und tat dies auch. In Gartenkollonien und Vereinen und Wandervogelverbindungen, Refombewegungen, antroposophischen Gesprächskreisen, spiritistischen Seancen, wo man erneut zu den ganz alten Wämewesen, Weltbewegern, Dämonen, Ahnenbeschwörungen zurückkehrte. Oder man wandte sich der Kunst zu in kleinen Plainairs, machte Picknick oder wohnte, wenn man es sich leisten konnte, in utopischen Dörfern wie in Worpswede, lauschte der alten Natur, entdeckte wieder den Menschen und sein Gesicht, die Frau und das Kind, die eigene ohne Technik vermittelte Schöpferkraft. Nur Farbtuben, Pinsel und Leinwand lies man gelten.
Überhaupt lagen nun eine Menge Ideen in der Luft. Da nun die Maschinen einen nicht unerheblichen Teil der Arbeit übernahmen und dabei dieses Europa im allgemeinen durchaus voranbrachte und die Lebensbedingungen sich letztlich doch sehr stark und schlagartig veränderten, wühlte das die Menschen auf. Wer nicht vollends in den Maschinenhallen eingetaktet war oder, weil er besserer Bildung besaß, konnte sich Gedanken über diese neue plötzliche Welt machen. Und über diese neue zweite Natur. War sie besser, war sie schlechter als die alte? Wen konnte man da jetzt anrufen. Welchen Geist? Wenn sie nach einem Programm lief, die man selbst immer weniger durchschaute, sollte man sich da nicht auch ein eigenes Programm, einen eigenen Algorithmus zulegen? Und so entstanden die neuen Programmatiken, Manifeste, Begriffe, Ismen, andere Ismen, mehr Ismen, neben denen, die man schon kannte. Philospophisch/künstlerische Hybride des halb schöpferichen halb mechanischen Lebensvollzugs. Sie nannten sich Realismus, Naturalismus, Dadaismus, Impressionissmus,Expressionismus, Kubismus, Futurismus, Imagismus, Suprematismus, Vitalismus, Diese Programme waren ein Versuch der Zuordnung und Anlehnung, auch von Gemeinschaftsbildung und entsprachen darin doch einem mehr oder weniger bewussten Bedürfnis sich selbst ebenso einem kontrollierbaren oder beinahe strengen Ablauf zu unterziehen, wie es die neue technische Welt zeigte. Auch wenn viele dieser Ismen, später erst benannt wurden, so gab es sie als Versuch der Spiegelung und Welteinvernahme. Wenn man sich selbst ein Programm gab, dann gab man sich auch in gewisser Weise eine Mechanik, eine Technik der eigenen Lebensmaschine, die man dann künstlerisch oder in der Lebenspraxis abarbeitete, ja beinahe auch ganz leicht mechanisch befolgen konnte, so wie es die Pleul der Lokomotiven taten. Man setzte sich innerhalb dieser Programme feste Freiheitsgrade, definierte Spiele und Passungen, in denen das eigenen Spiel und der Lebensvollzug nach Gesetzen funktionierte, die klar umrissen standen wie Axiome, so wie man es an der Technik und in den Wissenschaften beobachtete. Das leicht mechanistische all dieser Programme rief deshalb bei den Künstlern auch „Serien“ hervor, „Phasen“ „Richtungen“ Man experimentierte mit der Idee, dass man womöglich auch selbst Technik, Mechanik sein konnte, was vielleicht auch gar nicht so schlimm war. Denn so war auch Zuordnung möglich. Einreihung in ein Ensemble aus Funktionen, das wiederum Sinn stiftete, einen Sinn den man dann wieder im physischen Opfer gegen „Werk“ eintauschte. Lebenszeit wurde geopfert und physisch getauscht gegen „Lebenswerk“ , der kubistischen Malerei, dem naturalistischem Buch, dem expressionistischem Gedicht… etc….
Das waren alles auch die Gedanken. Gedanken und Praktiken Und dies taten die Maler und  Schriftsteller,  Dichter und Philosophen.
Bis in diese neu gewachsene technische Zeit und die neuen immer noch ein wenig unheimlich sich gebärdende technische Natur dann ganz plötzlich ein neues großes Sinnangebot einbrach, dass zunächst einmal alle kleinen und privaten und mühsam gesuchten Sinnangebote und Programme weit übertraf.
Gerade hatte man sich eigentlich in diese neue Welt irgendwie einfinden wollen, da geschah etwas Merkwürdiges. Dieses neue technische Europa, dass doch eigentlich so gut gedieh und dabei war, sich über die neuen Eisenbahnstrecken zu vernetzten und über die Telegrafie zu verlinken, eine neue Infrastruktur ausbildete, dieses Europa bekam ein Angebot, ein Sinnangebot wie aus einer anderen Zeit, oder jedenfalls kam es aus einer Richtung, die man vielleicht ein wenig vergessen, nicht mehr ganz so wahnsinnig wichtig genommen hatte. Dieses Angebot kam von den alten Aristokratien, und ihren schon schwach gewordenen Ständen. (Dass es die überhaupt noch gab.) Und aus alten Abmachungen, Bündnissen und Versprechungen, lächerlichen Animositäten und Verquickungen, die man in der Hektik der Gründerzeit einfach vergessen hatte zu hinterfragen, aufzulösen, zu klären oder ad Acta zu legen.. aber nein, so nebensächlich waren diese Dinge nicht, und es lag wohl auch nicht an den alten Aristokratien, denn die Techniken hatte ganz neue Möglichkeiten und Perspektiven des imperialen und globalen Ausgreifens eröffnet. Und das musste jetzt verhandelt werden.
Weil irgendein verzweifelter Mensch in Sarajevo den östereichisch ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau erschossen hatte, kam es von Seiten der KUK – Monarchie zu einem Ultimatum an Serbien, das nicht erfüllt wurde, und damit zur Kriegserklärung und damit zu einem Bündnisfall mit Russland, dem ganz automatisch, ja beinahe könnte man sagen: mechanisch wie in Serie weitere angeschlossene Bündnisfälle folgten und dieses gerade interessant werdende Europa in die Opfer-Ekstasen einer neu aufgewühlten Physis hineinriss, die nun keine Wärmekraftmaschine mehr war, sondern sich von ihrer unheimlichsten Seite zeigte – als aufgewühlte Physis einer heißen Kriegsmaschine. Und Europas Männer waren opferbereit, wollten Physis geben und Vaterland bekommen. Sie gingen da hinein wie in einen Sinn.
Und verteilten sich gleichmäßig wie die Wärme.

Wenn Galaxien zusammenstoßen.

Nach kosmischem Maß offenbar ein alltäglicher Vorgang.
Zum Staunen sind die Größenverhältnisse: Unser Sonnensystem hat den Durchmesser einer DVD. Eine Galaxie wie hier zu sehen – auch unsere Milchstraße – ist dann so groß wie die Erde.

In dem Universum, das sich nachweisbar ausdehnt, scheint immerhin Begegnung möglich. Und sei es die Begegnung von Galaxien.
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Vielleicht eine Form von Karate oder Aikido.
Zwei Gegner prallen hier nicht aufeinander, eher versucht der eine
das Kraftfeld des anderen für sich zu vereinnahmen.

Die Frage stellt sich aber, was man als Alltagsbewältiger und Nichtastronom mit all diesem (zumeist) nutzlosen Wissen macht, das so gut aufbereitet überall herumlungert. Welche Einsichten mir diese Einblicke und Ansichten vermitteln sollen. Oder ob sie letztlich nur für eine postironische Witzelei taugen.

Mir fiel das Wort Wahrnehmungs-Gefüge ein.

Es finden sich dazu auch Simulationen

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Berechnet von wassergekühlten Supercomputern und aufgefüttert mit Beobachtungsdaten, Theorien, Modellen, Algorhythmen,
verdeutlicht man sich die Bewegungsabläufe.

So, wie nach Auskunft der Astrophysiker in ferner Zukunft auch unsere Milchstraße mit der Andromeda-Galaxie zusammenstoßen wird.
Dies alles unter dem Vorbehalt: Nach dem Stand heutiger Erkenntnis.

Als Nichtexperte kann ich kaum einschätzen, wie grob oder genau, wie vorsichtig oder wie annähernd sich eine solche Simulation bemüht, ein über Jahrmillionen ablaufendes hypergigantisches Ereignis in die niedliche Bildschirmübersicht einer kurzen Filmsequenz zu sperren.
Aber als Realist und Techniknutzer denke ich, dass gewisse Simulationen heute mit einer hinreichenden Wirklichkeitsnähe auch an – zum Beispiel – Flugzeugkonstruktionen beteiligt sind, die hinterher tatsächlich in ihren realen Eigenschaften ein simulationsnahes Verhalten zeigen.
Warum also einer solchen Simulation von vorn herein misstrauen.

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Ich sehe zwei spiralförmige Gebilde, die um sich selbst rotierend gleichzeitig aufeinander zu treiben.
Ich sehe auch, das der schwarze Raum um die Galaxien herum relativistisch eingerechnet wurde, oder zumindest, und das ist merkwürdig – „spüre“ ich es beim Anschauen. Der Raum selbst ist, nach den Verhältnissen der Relativität von Massen beeinflusst, gekrümmt, gezerrt etc….

So habe ich beim Anschauen der Simulation das Gefühl, als würden die beiden Spiralgalaxien in einem schwarzen viskosen Honig sich bewegen.
Aber der leere Raum ist keine Substanz, kein schwarzer Honig. Oder ist er vielleicht doch so etwas ähnliches? Eine Dynamik?
Ich sehe eben nur, dass die beiden Spiral-Galaxien, in ihrer Bewegung zu einander hin so ein „Wahrnehmungs-Gefüge“ von einem Verschmiertwerden in einem viskosen, zähfließenden Material vermitteln.

Was mich weiter an der Bewegung interessiert, ist die Wirbelstruktur.

Die Simulation zeigt mir, dass die beiden Spiralgalaxien nicht etwa beim ersten Aufeinandertreffen einfach so miteinander kollidieren und dann miteinander verschmelzen, sondern sie begegnen sich beim ersten Mal in einer Art Streifschuss, der sie beide schon stark verformt. Aber sie treiben noch einmal aneinander vorbei, wobei sie offenbar einen Teil ihrer Bewegungsenergie abgeben.
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Erst dann, nachdem sie noch einmal aneinander vorbei gedriftet sind, geraten sie in eine Rückholbewegung, die sie endlich ein zweites Mal aufeinander zu treiben lässt – in die endgültige Kollision und den Beginn einer Verschmelzung.

Der Vorgang hat eine gewisse Grazie, obwohl er real über riesige Zeiträume gedehnt und im einzelnen katastrophisch chaotisch ablaufen dürfte.
Im einzelnen bleibt außer Betracht, was dabei mit den einzelnen Sternen und Bahnen, den kleinen Umrundungs-Uhrwerken in den beteiligten Galaxien-Armen geschieht.

Aber der Simulationsfilm liefert mir das Bild für eine elementare Überlegung, die sich mir, wenn ich sie sprachlich aufgreife, mit einem kleinen Erkenntniswert anbietet.
Ich sage mir:

Hier sind sich also zwei Weltorte begegnet – und schließlich miteinander verschmolzen.

Wenn sich zwei Weltorte in Vereinigung begegnen sollen, dann prallen sie nicht einfach so platt aufeinander und kleben dann zusammen.
Nein, sie flirten vorher, sie drehen sich in ihre Begegnung hinein, öffnen ihre spiralige Form, verformen sich, ihre Arme, und kommen so – sich ziehend – ineinander verwindend – trotzdem jede für sich weiter rotierend – auf einander zu…

„Halb zog er sie, halb sank sie hin“ – fällt mir dazu ein,
und finde es beinahe in dieser Riesensimulation bestätigt.

Die Galaxien-Welten aber lassen sich Zeit. Sie lassen sich nach dem „Streifstoß“ noch einmal ganz aneinander vorbei treiben, als würden sie sich verfehlen, um erst in einer zweiten Rückholbewegung sich ineinander eindrehend, zusammen zu wirbeln

Ein Tanz, denke ich mir, und finde es noch plausibler, diesen Bildern wenigstens eine gewisse Realitätsnähe zu unterstellen.

Die Simulation zeigt, dass auch nach der zweiten Rückholbewegung,
es nicht bei einem einfachen Verschmelzen oder Zusammenkleben bleibt.

Vielmehr begegnen sich die beiden Galaxien in einem weiteren permanenten Ineinanderschwingen, ihren gemeinsamen Schwerpunkt suchend, findend, und noch einmal verlierend und wieder findend zu ihrer irgendwann neueren – größeren – Formation. Die sich aber ebenfalls immer weiter drehen wird. Nach Angaben der Astronomen verschmelzen dabei auch jeweils die inneren supermassiven Schwarzen Löcher zu noch größeren Monstern.

Was sagt mir das? Was soll ich damit?

Ich sage mir, dass immer dort, wo etwas aufeinander trifft, es eigentlich immer Welten sind, Galaxien – oder zumindest Wirbel – die hier aufeinandertreffen.

Mensch trifft Mensch – in der Kommunikation (Gespräch, Kampf, Liebe., Handel…)

aber auch:

Epoche trifft auf Epoche,

Kultur trifft auf Kultur.

Weltzeit-Raum trifft Weltzeit-Raum.

Text auf Leser u.s.w.

Die Galaxien-Begegnung regt mich zu dem Gedanken an, ob es möglich ist, über die Reflexion von Naturabläufen, wie sie sich in solchen Simulationen zeigen, ein besseres Verhältnis zu Bewegungsmomenten zu erlangen, seien sie nun privater oder gesellschaftlicher Art.

Entwicklungsmomente in der Zeit und dem Raum. Formationsmomente.
Auch psychische.
Auch politische.
Auch gesellschaftliche.
Auch historische.

Bewegungsmomente. Wahrnehmungs-Gefüge.

Die bildgebenden Verfahren der Wissenschaft zeigen mir Prozesse und Formationen, die alle nicht geradlinig ablaufen, Bewegungsmomente, die in ihrer Eingedrehtheit, in ihrem geradezu tänzerischen und schwingenden, ihrem sich ein – und auswirbelnden Charakter so mir präsentieren, dass es kaum wirklich direkte, umweglose Formbildungsprozesse gibt – dass Formfindungen und Formbildungen sich erst über umständliche Streifstöße, Kraftfeldschnitte, über Hin – und Rückholbewegungen etablieren, in sich einfließen. Die aber trotzdem nie in irgend einen festen Endzustand hinein stoppen, vielmehr sich diesem immer nur weiter rotierend annähern.

Ja.. ich komme dann irgendwann wieder zu einem Motiv, dass mir sagt: Auch das, was man als Seele, als Menscheninneres mehr suchend als findend bezeichnet, wahrscheinlich mit so einer Galaxie gut zu vergleichen ist.
Das Schöne an so einer Galaxie ist ja, dass sie eine offene Form ist. Ihr gelingt als Form jederzeit das, wonach Menschen immer fahnden: Form zu sein, quasi-geschlossen, aber doch auch mit offenen Gezeitenarmen in der Welt wirbelnd, anschlussfähig, veränderbar – um nicht zu sagen: elastisch – viskos. Ansprechend, In der Zeit kommunikativ.

Kurioserweise aber können diese Bilder nur erzeugt werden nach einer langen Historie wissenschenschaftlich exakter Ermittlungsarbeit.

Was passiert, passiert, nach bestimmten Gesetzen, von denen einige auf exakten Axiomen fußen.

Da wäre dieser erste „Streifstoß“ zum Beispiel.

Ein erstes „Aneinandervorbeireden“ der Galaxien, das offenbar ebenso normal wie notwendig ist.

Könnte man daraus eine Kultur des Aneinandervorbeiredens ableiten, die positiv grundiert ist?

Wissen, dass ein Aneinandervorbeireden notwendig ist, um sich irgendwann besser zu finden, zu verstehen?

Wissen, dass man vielleicht immer auch ganz notwendig aneinander vorbei redet.

Dass Ziel nicht genau anvisieren, damit man es erreicht?
(chinesische Strategie)

Hier schließlich laufen relativ komplexe Simulationen in uralte Volksweisheiten ein.

Ich gehe nicht auf einen Basar, um zielgenau irgend etwas Bestimmtes zu kaufen.
Ich gehe auf einen Basar, um erstmal bei einer Tasse Tee aneinander vorbei zu reden.
Oder um „an der Sache vorbei“ zu reden. Vielleicht kauft man. Vielleicht nicht.
Aber erst dieses Vielleicht, diese Streifschüsse der Wahrscheinlichkeit, fördern das Zusammentreffen.

Das Feilschen als ein Aneinandervorbeireden, ein
Schwingen, bis man sich irgendwann – vielleicht – geeinigt hat.

Oder ich denke mir: Wenn zwei zusammenkommen wollen, müssen sie sich beide dafür verändern, ihre Spiralarme ausbreiten, sich insgesamt neu formieren.

Der Blick, der mehr sieht, wenn er nicht genau hinschaut. Wenn er vorbeischaut.

Der eine zieht den anderen in sein Kraftfeld hinein. Aber das verändert beide.

In diesem und in weiteren Sinnen vielleicht wären die neueren Bilder und Ergebnisse der Wissenschaft auch philosophisch zu interpretieren.

In einem – Wahrnehmungs-Gefüge.

Im angedachten Fall so, dass sie nicht nur wissend machen, sondern – vielleicht – auch schlauer.

Kaminskie zu Besuch.

Der Sonntag brachte  eine willkommene Ablenkung. Kaminskie (Sektion Physik) stand wieder mal vor meiner Tür. Er hatte „das Bedürfnis zu denken“ – wie er es nennt. Ich kenne Kaminskie und seine Frau vom Powerpoint-Karaoke-e.V. Wir treffen uns dort alle paar Wochen einmal zusammen mit Freunden oder Kollegen von der Fakultät. Ein gemütlicher Raum mit einem Beamer und einem Computer. Jeder bringt einen USB-Stick mit einer Powerpointpräsentation mit, die er irgendwo gefunden oder aus dem Netz gezogen hat. Bier, Chips, und dann geht es los. Die Präsentationen werden gemischt und so per Zufall auf die Anwesenden verteilt. Sinn der Übung ist es, eine plausible Präsentation zu halten, die man selbst nicht kennt und möglichst über ein Thema, von dem man garantiert nichts versteht.
Man könnte nun zu Recht fragen, warum man das nun auch noch in seiner Freizeit macht. Die Antwort wäre: Einfach um zu trainieren. Um im Nichtsverstehen noch besser zu werden. Denn darum geht es im Leben. Nicht nur. Aber meistens.
Sehr beliebt sind Präsentationen, die chinesisch oder arabisch erstellt wurden. Aber auch gefürchtet, nicht weil sie wegen der unlesbaren Schriftzeichen besonders schwierig zu improvisieren wären, sondern ganz im Gegenteil (ggW) Gerade die besondere Fremdheit einer Sache, eines Aufbaus, einer Struktur, entlässt den Präsentator und die Zuhörenden, nach dem man sich engagiert durchgeklickt, durchgestammelt und improvisiert hat, mit dem frapierenden Eindruck, dass man mit dem scheinbar Fernliegensten verspielter, mutiger, produktiver, beinahe vertrauter umgeht als mit Themen, die das so genannte eigene Fach berühren. Diese Einsicht wirkt gleichermaßen frustrierend wie ermutigend. Gegenüber dem Fremden, dem Neuen, ist jeder Mensch ein Anfänger. Und Anfänger haben bekanntlich das sprichwörtliche Glück.
Wie weit dieses Anfängerglück reichen kann, zeigte sich an dem Abend, als Kaminskie zum ersten Mal beim Powerpoint-Karaoke-ev. erschienen war. Ich kam dran und erwischte eine Präsentation zum Thema: „Berechnung lokalisierter Strukturen in dissipativen Systemen im Spezialfall diskreter Dynamiken bei Trajektorie in einer subharmonischen Bifurkation.“ Wirklich nicht mein Fach. Schließlich bin ich Widerspruchsforscher. Eine mathematische Beweisführung in kyrillischer Schrift, die jemand von einem russischen Server gezogen hatte, gehört nicht gerade zu den Gebieten, auf denen ich mich auskenne. (Den Titel habe ich mir hinterher von Kaminskie, der aus dem Baltikum stammt, aber russisch kann, übersetzen lassen.)
Ich erinnere mich, dass Kaminskies baltische Ostseeaugen, während ich mich nun durch das Powerpointdokument hindurchstotterte und improvisierte, erst irgendwie einen bewölkten bis erloschenen Ausdruck annahmen, dann aber öfter heftig blinzelten, schließlich immer konzentrierter schauten, bis er schließlich einen Zettel und einen Stift hervorkramte und sich Notizen machte. Ich hielt Kaminskie für humorlos und mich für komplett ahnungslos aber wenigstens ein bisschen witzig.
Dass sich jemand während einer solchen Präsentations-Karaoke Notizen machte, war selten aber immer schon mal vorgekommen, aber meistens hielten diese Notizen nur ungewöhnliche Formulierungen fest, oder Strichmännchen, wenn die Präsentation gar zu uninspiriert ausfiel, was auch möglich war.
Natürlich fragte ich ihn nach meiner Präsentation, die beim Publikum diesmal für nur mäßigen Unterhaltungswert gesorgt hatte, was er sich denn notiert habe.
Er antwortete mir darauf, dass ich gleich am Anfang und im letzten Drittel zwei Thesen aufgestellt hätte. Eine davon sei interessant. Die andere genial. Er müsse es in der Sektion überprüfen lassen. Ich sagte ihm, dass ich ja wüsste, dass ich genial sei, (Kopernikus, Luther und so weiter), aber ich selbst hätte von dem, was ich geredet hätte, kein Wort verstanden und nun auch alles wieder vergessen.
Kaminskie stellte sich mir also vor. Er sei Physiker. Er erklärte mir, die Präsentation, die ich improvisiert hatte, behandelte Rechenmodelle, die in der Chaosforschung eine Rolle spielten: Dichteverteilung bei Wetterphänomenen, Kristallisiationsbildungen bei Materialsynthesen, aber auch spontane Strukturbildungen in komplexen Molekülverbänden, fließende Dynamiken, Wirbel etc… was ich gesagt hätte, könne er mir nicht weiter auseinandersetzen, weil ich es sowieso nicht verstehen würde. Es sei zu komplex.
Also ein ganz klassischer Fall von Anfängerglück. Wenn ich bedenke, dass mir weder die Formeln noch die kyrillischen Buchstaben der Präsentation auch nur das geringste erdeutet hatten und ich in Wirklichkeit weder Luther, noch Kopernikus, noch Napoleon bin, weder Mathematiker oder Russe, noch genial, also ich muss schon sagen.. stolz bin ich allemal.
Dabei darf es als Widerspruchsforscher für mich kein Gebiet geben, dass mich nicht interessiert. Denn einen gepflegten gutbürgerlichen Widerspruch gibt es überall.
Kaminskie wusste das auch schnell zu schätzen. Wir freundeten uns an, aber wirklich nicht nur wegen seiner Frau, die übrigens auch sehr reizvoll ist.
Kaminskie also, Balte, Physiker mit Ostseeaugen, eher klein in einem teuren und taillierten sandfarbenen Hemd, Liebhaber des Käsekuchens, den ich extra für ihn immer bei Kaisers kaufe, wenn er mich besucht, oder bereithalte, denn manchmal kommt er unangemeldet; Kaminskie, der Mann mit einem unklaren Sonderbereich in seiner Sektion, beinahe kreisrunden Fingernägeln und einem erschreckend guten Deutsch; Kaminski, der aussieht wie jemand, der auch die Nachrichten im Fernsehen sprechen könnte, wenn nicht eine Besonderheit in seiner Mimik ihn oft spontan stark blinzelnd dreinschauen ließe, als würde er von einem plötzlichen Licht geblendet, sei es nun da oder auch nicht.
Das erste Mal nach unserem Kennenlernen und einigen weiteren Powerpoint-karaoke-Abenden, als er vor meiner Tür stand, unangemeldet, so erinnere ich mich, sagte Kaminski: „Entschuldigen Sie die Störung,“ – und es klang genau so, wie es die S-Bahn-Verkäufer von Obdachlosenzeitungen immer sagen – „Entschuldigen Sie die Störung, aber ich suche jemanden, mit dem ich ein wenig denken kann.“
Ich habe ihm sofort das Du angeboten.

Dabei weiß ich nie genau, ob ich mich einfach so freuen soll, wenn Kaminskie vor der Tür steht. Wenn er kommt, wird es oft schwierig. Dann gibt es Arbeit. Er kommt, um mit jemanden zu denken, das sagt er selbst. Dass er als Physiker da so ein ausgesprochenes Bedürfnis hat, wundert mich trotzdem. Kaminskie hält mich für einen Philosophen. Ein Missverständnis, dass ich nur ganz schwer aufklären kann. Ich bin Widerspruchsforscher. Das ist etwas ganz anderes. Ich komme in meinem Bereich nicht ganz ohne Denken aus, das gebe ich gern zu. Bis heute habe ich Ihm nicht erklären können, worin der Unterschied besteht. Wenn ich ihm sage, ich beschäftige mich mit Widersprüchen, nicht mit Philosophie, dann meint er da immer abwinken zu müssen mit der Bemerkung, das eben sei ja Philosophie. Nun habe ich selbst noch nicht definiert, was genau den Unterschied ausmacht. Ich weiß nur, dass ein Widerspruchsforscher kein Philosoph ist. Ganz sicher nicht. Es kann mir aber auch egal sein, was Kaminskie darüber denkt. Es würde auch nichts ändern, wenn er verstünde was ein Widerspruchsforscher tut. Unsere Gespräche sind so oder so für mich erhellend. Ich schneide sie mit und protokolliere die wichtigen Teile. Er weiß das und hat nichts dagegen, weil er es als Wissenschaftler versteht. Gespräche gehören zu meinen Forschungsgegenständen. Dafür hat er das Privileg, mich aufzusuchen wann immer er will. Und er nutzt es. Meistens fängt es ganz harmlos an.

Letzten Sonntag zum Beispiel wollte ich von ihm wissen, ob seine Sektion schon „meine“ Thesen überprüft habe.
Nein, das sei noch nicht geschehen. Es dauere. Das Kauderwelsch, das ich verzapft hätte, müsse erst noch algorithmisiert werden werden, erst dann lasse sich feststellen, ob er sich auf offene oder geschlossene Strukturen anwenden lasse. Das müsse aufwendig berechnet werden. Zudem sei es nicht das Fachgebiet seiner Sektion. Deshalb habe man einen Experten aus Russland angeworben, der sich auf diesem Gebiet gut auskennt. Aber die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Da es meiner Eitelkeit unendlich schmeichelt, dass ich als mathematischer Blindgänger und Clown einer Powerpoint-Karaoke nun eine Arbeitsgruppe beschäftige, die zudem noch einen russischen Experten anwerben muss, hake ich hier willkürlich ein und tue jetzt so, als ob ich der große Auskenner bin. Und sage folgendes zu Kaminskie:

Beginn des Protokolls

„…allgemein betrachtet sind wir alle doch offene Gebilde. Während wir hier sitzen wird unser Gehirn durchblutet, beatmet, ernährt: Temperiert. Ja, es konnte nur aus dieser Offenheit erwachsen. Zeitlich: Im Prozess der Bildung von Struktur. Räumlich: Im Prozess der Konzentration von Struktur. Von daher und als Ort, an dem eine bestimmte Temperatur und ein Ernährungsstand im Zufluss und im Abfluss geregelt, gehalten und immer wieder neu ermittelt wird, muss es ein offenes Gebilde sein und bleiben. Es schwimmt in und mit der Welt. Wie eine vorübergehende Konzentrationserhöhung, Kräuselung, Strömungs-Verdichtung im allgemeinen Fluss der zeitlichen und stofflichen Bewegtheit, sprich: der stofflichen Weltbewegung. Sein „Innen“ schwimmt im Blut des „Außen“. Und wird von ihm genährt.

Einigermaßen enttäuschend daran ist, dass all dies Gesagte auch von einem Stein gesagt werden kann.

Das behauptet jedenfalls Kaminski.
Und der antwortet so:

„Ein Ort im Universum, wo ein Gehirn ist, verhält sich zu einem Ort im Universum, wo kein Gehirn ist, in gleicher Weise, wie sich ein Ort im Universum, wo ein Stein ist, zu einem Ort im Universum verhält, wo kein Stein ist.“

Kaminskies Terror der Grammatik.

„Willst Du damit sagen, dass es keinen Unterschied zwischen einem Gehirn und einem Stein gibt.“

„Nein. Ich habe noch gar nichts über den Unterschied gesagt. Ich suche nach der Referenz, die einen Unterschied erst ermöglicht. Sinnvoll macht.“

„Wird auch ein Stein beatmet, durchblutet, ernährt, temperiert?“

„Sieh mal, wenn du zwei Objekte voneinander unterscheiden willst, dann brauchst du eine Referenz. Du brauchst einen Hintergrund, vor dem du diese beiden Dinge betrachten kannst. Ein Hintergrund, der die Dinge zunächst einmal gleich macht.

„Das verstehe ich nicht. Wieso „gleich macht“? Ich will sie doch unterscheiden?“

„Gut, also stell Dir vor, du willst eine Kugel und einen Würfel voneinander unterscheiden. Worin unterscheiden sie sich?
„Das eine Ding ist rund. Das andere Ding hat Ecken und Kanten.“
„Und was bedeutet „rund sein“ oder „Ecken und Kanten haben“ ?
„Sie haben eine Geometrie.“?
„Richtig. Siehst du. Es sind geometrische Körper. Aber dass sie „Geometrie haben“ gilt für beide. Mit dem Wort Geometrie hast du sie beide gleich gemacht, um sie unterscheiden zu können.“

„Kamninskie, willst du damit sagen, dass jede Unterscheidung eigentlich eine Gleichmacherei ist? Das wäre ja ein ausgewachsener gutbürgerlicher Widerspruch, Ein sehr gepflegter noch dazu! Danke dir dafür. Das heißt, wir unterscheiden den Würfel und die Kugel, indem wir sie gleich machen und beide als geometrische Körper bezeichnen. Das ist …

„Eben. Wir „vergleichen“ sie. So heißt das Wort. Meine Frage wäre nun, ob es sinnvoll ist, ein Gehirn und einen Stein danach zu unterscheiden, ob sie durchblutet werden oder nicht? Oder ob es denken kann oder nicht. Wenn du einfach nur sagst, die Kugel ist nicht eckig, der Würfel aber schon, was hast du damit gewonnen? Was weißt du dann mehr?“

„Ich könnte mir jetzt zum Beispiel vorstellen, dass man eine Kugel gut rollen kann, einen Würfel aber nicht. Ist doch sehr praktisch.“

„Na schön. Aber du hast sie damit wieder nicht unterschieden, sondern gleich gemacht. Denn „rollen können“ und „nicht rollen können“ haben welchen gemeinsamen Hintergrund?“

„Die Idee der Bewegung. Verstehe.“

„Siehst Du. Man kommt vom Hundertsten ins Tausenste. Zudem könnte auch ein anderer kommen und sagen, Kugel und Würfel unterscheiden sich gar nicht, denn beide sind rot. Zum Beispiel. Weil er als Referenz die Farbe nimmt. Es gäbe noch zig Möglichkeiten, sie voneinander zu unterscheiden oder gleich zu machen“

„Aber Kaminskie, mal ehrlich, so ein bisschen ist das doch Platon für Arme oder?“

„Für Reiche, mein Lieber! Für Reiche! Dass wir diese Unterscheidungen auf Grund einer Gleichmacherei – du nennst das einen gepflegten Widerspruch – vornehmen können, ist eine Riesenleistung!

Aber was heißt das denn jetzt? Gibt es nun einen Unterschied zwischen einem Gehirn und einem Stein oder gibt es ihn nicht?

Im Grunde interessiert mich diese Frage hier gar nicht. Ich bin weder Philosoph noch Hirnphysiologe, sondern Widerspruchsforscher. Aber mich interessiert die Struktur unseres Gesprächs. Kaminskie weiß das. Auch ihn interessiert diese Frage nur mittelbar. Aber er spielt gut mit. Auch er hat schließlich ein Forschungsgebiet. Ein sehr guter Partner.

Kaminskie antwortet, indem er sich ziemlich lässig zurücklehnt, als würde er meine Frage wie Asche von einer inneren Havanna Cohiba abtippen:

„Also, zunächst ist ein Gehirn nichts weiter als irgendwas zwischen 1200g und 1300g Materie. Aber missversteh mich da bitte nicht, wenn ich sage: „nichts weiter“. 1300g Materie sind zwar nicht gerade eine kosmische Größe, aber physikalisch betracht kann man sich damit schon ein kleines Feuerchen anmachen. Und es braucht auch ein kleines Feuerchen, um 1300g Materie zu erzeugen.“

Er rechnet mir vor, dass nach der Einsteinschen Materie-Energie-Äquivalenz 1300g Materie komplett in Energie dargestellt etwa der Jahresleistung von 4 Kernkraftwerken entspräche.

Leider aber gilt das Selbe auch für einen Stein, der 1300g schwer ist, und für ein Stück Holz ebenso wie für eine 1300g schwere Echse.
Ich bin nicht sehr amüsiert.

Kaminskie sieht es mir an meinem Gesichtsausdruck an. Deshalb sagte er:
„Wie kommst du eigentlich darauf, dass ein Stein kein offenes System ist und nicht so wie unser Gehirn an der stofflichen Bewegtheit des Weltgeschehens teilnimmt? War der Stein etwa keiner zeitlichen Strukturbildung unterworfen? Und gilt für ihn nicht auch, dass sich an seinem Ort eine bestimmte Struktur konzentriert hat? Und steht ein Stein etwa nicht im energetischen Austausch? Zieht er sich nicht zusammen wenn es kalt wird, und dehnt er sich nicht aus, wenn es warm wird, und wird er nicht von Wind und Wasser geformt, geschliffen, verändert und sogar wieder zerstreut wie ein ganzer Mensch mit seinem Gehirn?“

„Ja ja, nein nein, doch doch, aber ich meine….“

Kaminskie fährt fort: „Ich wollte dir mit unserem kleinen Smalltalk über die Kernkraftwerke lediglich zu verstehen geben, dass alle Punkte im Universum, egal ob da nun ein Stein liegt, ein Gehirn herumwabbelt, oder gar nichts ist, zuerst ihrer Temperatur nach bezeichnet werden können. (Kaminski spricht perfekt deutsch, aber immer wenn er Temperatur sagt, dann hört man ihm das Baltische an.) Und wenn wir Physiker von Temperatur sprechen, dann meinen wir immer auch: Energie. Aber es kommt noch besser: Wenn wir von Energie sprechen, dann meinen wir seit Einstein immer auch: Materie. Und dass die Annahme dieses Äquivalents seine Richtigkeit hat, ist – leider – bombensicher, davon kannst Du mal ausgehen.“

„Also sorry“, – sage ich zu ihm – „das klingt jetzt beinahe so, als würdest Du gar keinen Unterscheid zwischen einem Stein und einem Gehirn gelten lassen. Damit bin ich aber nicht einverstanden. Immerhin unterhalten wir uns hier. Könnte es außerdem sein, dass wir irgendwie unterschiedliche Temperaturbegriffe benutzen?

Dazu sagt er dann folgendes:
„Ja, du sprichst da wirklich ein Dilemma an, dass bei Laien oft zu Missverständnissen führt. Ich will es so formulieren: Wir Physiker sprechen zwar immer mal wieder entweder von Temperatur oder von Energie, oder auch Frequenz, und wir benutzen auch verschiedene Maßeinheiten wie Kelvin, Elektronenvolt, Hertz oder Joule, tatsächlich aber meinen wir immer das selbe, nämlich Energie. Wann wir was und warum benutzen, ist abhängig von dem Kontext, verstehst du, was gemessen werden soll, von dem Ort auf der Skala, und von den Formen, in denen sie auftritt. Aber Sie können die verschiedenen Maßeinheiten prinzipiell zueinander in ein Verhältnis setzen, ineinander umwandeln. Ich möchte dich nicht mit Formelkram und Lexikoninhalten langweilen, aber was oft verdrängt wird, ist das:
Energie gibt es nicht. Also so, wie es ein Stück Brot gibt. Energie ist eigentlich so etwas wie eine – hier überlegt er sehr lange und blinzelt – sehr reale Halluzination. Mit Energie wurde lediglich ein Begriff gefunden, der die Fähigkeit eines Systems definiert, Arbeit zu verrichten. Und das immer im Unterscheid zu einem vorher definierten Zustand, in dem keine Arbeit verrichtet wird.
Dass sich Wassermoleküle bei einer bestimmten Temperatur bewegen, bescheinigt Ihnen eben die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten. Zum Beispiel andere Moleküle anzustoßen. Bescheinigt Ihnen, dass sie energiereich sind. Nur macht es in diesem Kontext eben keinen Sinn, die Temperatur in Elektronenvolt anzugeben, weil uns hier nicht interessiert, welche Bewegungsenergie die beteiligten Neutronen haben, sondern wann mein Wasser so heiß ist, die Moleküle sich so schnell bewegen, dass sie den Dreck aus der Wäsche lösen. Zwischen Molekülen und Neutronen liegt aber eine gigantische, fast schon kosmische Skala. Deshalb hier Kelvin oder im Alltagsgebrauch Celsius. Du kannst es noch allgemeiner formulieren: Der Begriff Energie ist ein sehr brauchbares Werkzeug, um auszudrücken und zu ermitteln, dass überhaupt etwas geschieht, dass sich etwas bewegt, wie stark es sich bewegt, oder ob eben gerade mal überhaupt nichts passiert…. wobei es den absoluten Stillstand eigentlich nicht gibt.
Ich will also damit sagen, dass die Worte Temperatur und Energie für einen Physiker beinahe das Selbe meinen. Da wir aber Prozesse auf riesigen Skalen beschreiben, wechseln wir manchmal die Maßeinheiten und Begriffe. Weil man mit einer Waschmaschine eben etwas ganz anderes verfolgt als etwa mit einem Teilchenbeschleuniger….“

„Warum kommst Du mir mit diesem Zeug? Damit wären wir ja wieder bei der Idee der Bewegung“

„Ich komme dir damit erstens, damit wir unsere Temperaturbegriffe gegeneinander abgleichen können und zweitens, um dir damit, wie sagt man bei Euch, durch die Blume, mitzuteilen, was hinter deinen philosophischen Begriffen von „Strukturbildung“, „Bewegtheit des Weltganzen“ „Strukturkonzentration“ „Durchblutung“, „Ernährung“ „Beatmung“…“Kräuselung“… und was Du noch so erfunden hast, steckt: Es sind Temperaturprozesse, Energie.
Wenn du dich dem Gehirn als Diskussionsgegenstand und energetisch offenem System nähern willst, reicht es eben nicht allein, dass du dort ein Thermometer hinein steckst und dann abliest: 37 Grad Celsius, ein bisschen Blut, ein bisschen Wasser, Zucker, Salz und hoppla: Es kann denken.
Unser Gehirn hat noch eine ganz andere Temperatur, die du in deiner Sichtweise der Sache immer vernachlässigst. Willst Du wissen, welche Temperatur mein oder dein Gehirn nach Einstein hat? Ich sag’s dir: 1300g Gehirnmasse nach der speziellen Relativitätstheorie verlustfrei in Energie umgesetzt (hier pustet er sich kurz ein Fussel vom Ärmel) bringen 117 000 000 000 Mjoul Energie (sprich: Einhundertsiebzehntausendmillionen Megajoul) Soll ich’s Dir in Hiroshimabomben umrechnen?“
„Muss das sein? Du klingst wie so ein Typ von der Scientology-Sekte“
„Du weißt, dass ich von etwas ganz anderem spreche. Es sind zufällig round about 1300 Hiroshimabomben.“
„Willst Du eine ungefähre Vorstellung von der Temperatur haben, die dabei auftritt?
„Du sagst es mir sowieso.“
„Stell Dir einen Blitz vor, der ungefähr 10 Sekunden lang dauert. Dann sind es
im Zentrum des Ereignisses ungefähr Eintausendmilionen und ein paar zerquetschte Grad Celsius. Zehn Sekunden lang. Sprich die Zahl Eintausendmillionen 4 mal aus und 10 Sekunden sind vergangen. Näherungswerte, sehr theoretisch und grob überschlagen. Aber es wird sehr warm.“

„Das nennst du also Vorstellung. 10 Sekunden sind eine lange Zeit.“

„Ja, eine lang lange Zeit. Da kann man sich schon sein Pfeifchen dran anzünden. Und deine Sonnebrille kannst du hinterher auch wegschmeißen, wenn es noch etwas gibt, wo du sie hinschmeißen kannst.“

„Gut, aber was beweist das? Auch der Dreck unter meinem Fingernagel, nach Einstein verlustfrei in Energie umgesetzt, dürfte theoretisch schon einen enormen Heizwert haben.“

„Ich wollte Dir damit gar nichts beweisen. Ich habe dir nur das Äquivalent von Energie vorgerechnet, die in der Masse unseres Gehirns steckt. Vielleicht versteht man ja das Gehirn besser, wenn man seine Strukturbildung und seine grundsätzliche Offenheit nicht nur biologisch betrachtet, sondern auch physikalisch.“

„Gut, wir haben also einen enormen sehr theoretischen Blitz im Kopf, der in Materie gefangen ist, aber dieser Äquivalenzblitz steckt auch in einem Stein von der selben Masse, oder in einer großen Echse von mir aus. Sie steckt eben überall. Du kannst auch den ganzen Menschen nehmen, oder alle Menschen… damit kannst du wahrscheinlich die ganze Welt in die Luft sprengen….das besagt doch gar nichts. Gefragt war doch, was ein Gehirn von einem Stein unterscheidet.“

„Na eine Antwort wäre zum Beispiel: Es kann auf mehr oder weniger erfreuliche Art Masse in Energie verwandeln.“

„Na toll. Wirklich sehr überraschend. Da haben wir uns ja wunderbar im Kreis bewegt. Ich will aber wissen, warum es das kann. Und ein Stein eben nicht. Und es verwandelt ja auch nicht seine eigene Masse in Energie, sondern die von mühselig angereichertem Uran oder anderen Stoffen Und dazu benutzt es Hände, Stift, Papier, Schaufelbagger….“

„Vielleicht hast du oder haben wir einfach die falschen Prämissen zur Unterscheidung angesetzt. Es wird doch wohl erlaubt sein, das Gehirn zunächst einmal auch als physikalisches Objekt zu betrachten, in diesem Fall als Masse…“

„Entschuldige, aber was soll das bringen?“

Also, du hast mich gefragt, was ein Gehirn von einem Stein unterscheidet. Aber wenn du zwei Objekte voneinander unterscheiden willst, dann brauchst du eine Referenz. Du brauchst einen Hintergrund…..

… „Ich weiß, einen Hintergrund, der die Dinge zunächst einmal gleich macht.“

Genau. „Ich habe nach einem Hintergrund gesucht, vor dem eine Unterscheidung überhaupt erst sinnvoll ist, und habe hierfür, also als großen Gleichmacher, die Temperatur, sprich: Die Energie, sprich: die Materie vorgeschlagen. Ob dieser Hintergrund praktikabel oder ganz falsch ist, wissen wir noch nicht.

„Aber das alles haben wir jetzt mit unserem Gehirn gemacht, Kaminskie.“

„Eine Atombombe funktioniert auch außerhalb unseres Gehirns, das kannst du einfach mal glauben.“

Ende des Protokolls

Die Gespräche mit Kaminskie nehmen oft diesen seltsamen Verlauf. Das Problem an Kaminskie und unseren Gesprächen ist, dass er sich mir gegenüber Lässigkeiten und Verallgemeinerungen erlaubt, die er sich gegenüber seinen Fachkollegen nicht erlauben würde. Er tut das mit einem guten Vorsatz. Er möchte unsere Gespräche nicht durch Details verfilzen lassen. Dabei hält er meine Zumutbarkeitsschwelle für niedriger, als sie tatsächlich ist.

Laborintern zur Weiterbearbeitung:
Wenn Kaminskie von „riesigen Skalen“ spricht, könnte er sich ja durchaus zu einem anschaulichen Beispiel bequemen. Auch deshalb bin ich nie so ganz zufrieden, nachdem ich mit ihm gesprochen habe, weil seine Besuche sich mir oft zu ganzen „Kaminskie-Tagen“ erweitern, an denen ich dann mühsam einigen Details hinterher recherchiere. Wenn er von riesigen Skalen spricht, dann meint er Verhältnisse. Dass etwa der Kern eines Atoms sich zur Atomhülle verhält wie ein Pfirsichkern in der Mitte des Olympiastadions. Wenn ich mir dann vorstelle, dass dieser Pfirsichkern beinahe die gesamte Masse des Olympiastadions enthält, fühlt sich das bereits merkwürdig an. Ein einziges Wassermolekül, dass aus einem H –Atom und zwei O – Atomen besteht, muss ich mir dann als 3 Olympiastadien vorstellen, die aneinander gekoppelt sind, mit jeweils einem Pfirsichkern in der Mitte.
Zudem hat Kaminskie auch allzu lässig die Energieäquivalenz von 1300g Masse nach der speziellen Relativitätstheorie und der berühmten Formel E=mc quadrat berechnet. Obwohl er es besser weiß. Besser als ich. Kann man prinzipiell machen, ist aber dermaßen theoretisch vereinfacht, dass es sich schon beinahe wieder verbietet. Die Vorraussetzungen hierfür sind einigermaßen kompliziert. Wenn sich 1300g Materie einfach so in einem Einsteinofen vollständig in Energie darstellen ließen, hätte man ja alle Energieprobleme gelöst. Bei der Hiroshimabombe wurden aber gerade mal
1 Gramm der beteiligten Uran-Ruhe-Masse (es waren insgesamt ca 50 Kg) auf diese Weise ad hoc in Energie verwandelt. Dass funktionierte aber auch nur deshalb, weil Atomkerne gespalten wurden, die von vornherein instabil waren, angereichert, künstlich aufgepumpt wie übergroße Wassertropfen, die ab einer bestimmten Größe durch einen Anstoß in kleinere Tropfen auseinanderplatzen. Was da an Energie frei wurde, entsprach immer nur der Bindungsenergie von diesen aufgepumpten Urankernen bei jeweils einer Spaltung, schlagartig potenziert in Kettenreaktion.
Zwischennotiz Bindungsenergie – sehr interessanter Effekt, der sich als Widerspruch tarnt, aber keiner ist: Die Teile eines Atomkerns, wenn man ihn spaltet, haben mehr Bindungsenergie, als der Atomkern, wenn man ihn ganz lässt. Dieses Mehr an Bindungsenergie entspricht einer relativistischen Masse, die im Moment der Spaltung nicht als Masse, sondern als Energie, Temperatur und Strahlungsdruck vorliegt. Diese Sache muss ich besser verstehen, weiter untersuchen. Merkwürdiges Phänomen.
Die zwei entstandenen neuen Spaltkerne (Nuklide) wurden dann aber schon nicht mehr in Kettenreaktion gespalten. Sie flogen in der Gegend herum, oder zerstrahlten langsam. Gereicht hat dieses eine Gramm Massedefekt leider trotzdem.
Wollte man 1300g Gehirnmasse auf diese Weise vollständig ad hoc in einen Energieblitz verwandeln, müsste man alle beteiligten Elemente ad hoc spalten, bis sie allesamt zu Wasserstoffkernen mit jeweils einem Proton im Kern zurückverwandelt worden sind. Da aber beginnt schon die Schwierigkeit. Ein Kohlenstoffatomkern ist sehr sehr stabil. Ihn ad hoc einfach zu spalten, fällt sehr sehr sehr schwer. Alle Elemente, die im Periodensystem vor Eisen liegen, lassen sich nur spalten, wenn man mehr Energie dafür aufwendet, als man erhält. Also müsste man sie fusionieren. Alle Elemente schwerer als Wasserstoff sind aber schon Fusionsprodukte, Wasserstoffkinder. Wasserstoffkindeskinder. Wasserstoffenkel.
Dann müsste man zum Schluss auf zauberische Weise alle verbliebenen Wasserstoffkerne mit der gleichen Menge von Antiwasserstoffkernen (ggW?), die man sich auf quantenmechanische Art und Weise irgendwie aus dem Vakuum geborgt hat, zusammenschießen, um alle Materie in einen letzten reinen Energieblitz zu verwandeln. Oder man wartet, bis sie von alleine zerstrahlt sind. Was aber dauert. Kaminskie könnte mir schon etwas mehr zumuten.
Vielleicht geht es aber noch anders. Um an die Energie heranzukommen, die in 1300 g Gehirnmasse materialisiert ist, könnte man alle beteiligten Elemente auf ihren Geburtsweg zurückschicken, durch mehrere Generationen von Sternen hindurch, bei deren Tod sie in ihrem Inneren durch Kernfusion erbrütet wurden, müsste sie noch weiter in ihren Geburts-Zeitkanal zurückstopfen bis zu den ersten Ursternen, die nur aus reinstem Wasserstoff sich bildeten und noch weiter zurück bis in die Zeit als noch gar keine Sterne existierten, sondern nur eine große Wasserstoffwolke, aber auch durch diese Zeit müsste man die Kerne noch rückwärts hindurch tragen, bis zu jenem Augenblick, als noch nicht einmal Kerne existierten und ein ursymmetrischer und ultraheißer Zustand durch eine winzige Unregelmäßigkeit so gestört wurde, dass es nicht mehr genau 50 zu 50 für Materie und Antimaterie stand (Antimaterie – ggW? klären, was das ist.) , die sich in einem Blitz beide vollständig hätten in Energie erlösen können, nein, es stand irgendwie 50,7 für Materie und 49,3 für Antimaterie, vielleicht durch einen Fussel am Ärmel Kaminskies, der dazu führte, dass eben nicht alle Materie wie Antimaterie sich in einen Energieblitz vernichtete, dafür aber ein Dreck von Materie bleiben durfte, aus der wir heute und alles Anfassbare bestehen. Dabei hätte man aber rein gar nichts gewonnen, weil das Energieäquivalent von 1300g Gehirnmasse eben der Energie entspricht, die es brauchte, um sie durch den Geburtszeitkanal in unsere Gegenwart und schließlich in meinen oder Kaminskies Kopf hinein ploppen zu lassen.
Man kann es sich natürlich auch leichter machen, so wie Kaminskie, einfach so
die Masse des Gehirns mit dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit multiplizieren, und dann sein Pfeifchen dran anzünden. Dabei ist er der Physiker von uns. Gut, er will unsere Gespräche nicht verfilzen lassen.

Kurzum: Kaminskie hat mir in seinem entspannten Sonntagsinteresse für Philosophie, und vielleicht auch weil er mich nicht überfordern wollte, unterschlagen, dass die Quantenmechanik bestimmte Bedingungen stellt, damit E=mc quadrat gilt.
Die Formel ist deshalb nicht falsch, aber davor steht die Zicke Quantenmechanik, die ihre Bedingungen stellt. Und diese Bedingungen sind nicht ohne weiteres zu erfüllen, schon gar nicht zu umgehen. Sie stellt Regeln auf, die verhindern, dass bestimmte Sorten von Teilchen zusammenkommen oder sich trennen dürfen und sich nur unter bestimmten Vorraussetzungen ineinander umwandeln. Soll ich dem nun auch noch hinterher recherchieren, Kaminskie?

Insofern war Einstein eigentlich ein ziemlicher Fußgänger. Das muss man einfach auch mal sagen dürfen. Seine Leistung war doch sehr relativ! Er hat uns mit seiner Superformel Hoffnung gemacht auf Zeitreisen und ein energetisches Schlaraffenland, und was ist davon geblieben? Ein abgenagtes Hühnerbein auf einer Toilettengeld-Untertasse. Und das wird auch noch bewacht von der alten Fettel Quantenmechanik, die eine Atombombe in der Hand hat, von der sich herausstellt, dass man sie wahrscheinlich sogar ohne E=mc quadrat zusammenbasteln kann. Ich finde das alles ein wenig enttäuschend.

Ganz ausdrücklich: Ich bin nicht Albert Einstein!

Okey, das nehme ich zurück. Beides.

Grundsätzlich hat Kaminskie Recht: Jede Masse entspricht einem Energieäquivalent. Hat sogar, wie ich jetzt mühsam recherchiert habe, eine Strahlungsfrequenz. (Planck) Nur ist es Blödsinn von einer Umwandlung zu sprechen. Masse IST Energie in einer anderen Form

Problem: Zwischen einer biologischen Betrachtung und einer physikalischen liegen gigantische Skalen.

37 Grad Celsius. Reden Biologen und Physiker eigentlich miteinander? Können sie sich hören?

Worin Kaminskie auch wieder gut war: Mit seinem Hinweis auf die Referenz, die es braucht, um ein Ding von einem anderen Ding sinnvoll unterscheiden zu können. Ein Gehirn von einem Stein. Überhaupt – die Gleichmacherei in der Unterscheidung. Das Ver-Gleichen.

Willst Du etwas erkennen, musst Du es unterscheiden.
Willst Du etwas unterscheiden, musst Du es erkennen.

Vor welchem Hintergrund. Was bestimmt Ihn?

Allerdings wusste das vor Kaminskie schon George Spencer Brown.

Wie ist es möglich, dass wir gleichzeitig unterscheiden indem wir gleichmachen, ohne uns zu verheddern?

Sehr gepflegter, gut gekämmter und gut angezogener Widerspruch. Mit glänzenden Budapester Schuhen.

Muss Kaminskie das nächste Mal fragen, woran er eigentlich genau arbeitet.

Unsere Gesprächskultur justieren.

Käsekuchen einkaufen.

Nachtbild Ernährung/Notiz

Ob man nun will oder nicht, schickt das Gehirn seine ihm zugespielten Reize immer noch einmal in den Toaster, weil es mit der realen Lappigkeit des Wirklichen nicht umgehen will, nicht umgehen kann. Es gehört ja selbst dazu. Also toastet es die Prozesse, die es ergreift, zu Krusten, damit sie Denk-Gegenstände werden, kognitiv Biss haben, al dente sind. Was Fließen, was Bewegung war, wird Gegenstand. Der krachende Biss hält ein Stück Bewegung fest. Erobert sie. Begreifend. Im Gebiss. Aber es ist immer nur ein Stück. Den Rest muss es am Gebiss vorbeischwimmen lassen. Bis es das nächste Mal danach schnappt. Aber so ganz peu a peu hat es überall schon einmal zugebissen und große Körner gekrustet. So entsteht ein grobkörniges Bild von dem, was IST. Noch kein schönes Bild, und man kann noch kaum etwas erkennen. Aber dann zerbeißt es die Körner feiner und feiner und das Bild wird feinkörniger, schärfer. Wenn man sie verstehen will diese Bewegung, kann man Bewegung nicht gleichsam widerstandslos trinken, atmen, lutschen. Kein Beweis, aber eine Stütze der These: Ich habe noch nie jemanden sagen hören, er hätte Durst auf Leben oder Durst nach Liebe? Oder dass jemand gesagt hätte: „Ich habe Dich zum Trinken gern.“ Hier regiert der Hunger. Dabei ist der Durst viel mächtiger als Hunger. Man kommt 40 Tage ohne Essen aus, aber schon nach 5 Tagen ohne Trinken beginnt das Sterben. Trotzdem ist es der Hunger, der regiert. Lebenshunger – Liebeshungrig. Der krachende Biss. Aber weil der Biss regiert, heißt das noch lange nicht, dass nun gleich alles zum Beißen ist. Wie ist der Rest? Wo ist das Andere? Und vor allem: Was ist es? Wissensdurst! Ich geh erst mal ins Bett und stell mich dumm.

Wenn ich aufwache, bin ich Künstler.