dOKUMENTA 8000: Universität der Künfte

Das Blog hier entspricht in allen übrigen Rubriken einem Forschungsinstitut mit klarem Frageschwerpunkt. Daran angegliedert wird in diesem Thread die Universität der Künfte.

In Absprache mit der ungarischen Kün(st)lerin Virág Utazási wird hiermit die Universität der unfreien Künste in eine Universität und Akademie der Künfte umgewandelt.
Da das Wort Kunst oder Künstler mittlerweile aus verständlichen Gründen ziemlich abgegriffen erscheint und heute nicht mehr eindeutig bestimmt werden kann (Ist das Kunst oder kann das weg? )erscheint dem Gründungsgremium das Wort Kunft besser, genauer, frischer aber zugleich auch älter und näher. Denn Kunft kann in Übereinkunft mit Herkunft, Abkunft, Auskunft, Einkunft und Zukunft all das fassen, worum es früher bei der Kunst gegangen war.
Daran wiederum angegliedert wird die Universität der Nünfte. Hier vernimmt die Vernunft alles Annehmbare, Annehmliche und Abnehmende ebenso das Zunehmende und Vornehme.

Die ungarische Künftlerin Virág Utazási (geb.: 1972) lebt und arbeitet in Budapest als Einkäuferin und Lagerverwalterin in der großen Filiale einer  Supermarktkette. In ihrer Freizeit entwirft und konstruiert sie Kunstwerke, Installationen, Enviroments, Objekte – zumeist  für die Schublade.

Einige ihrer Objekte sollen hier kurz erzählt werden. Das erste war ursprünglich als 200 Meter lange Installation für den ungarischen Puszta Nationalpark Kiskunság geplant, wurde dann aber von der Künftlerin umgelenkt in eine etwas kleinere aber dafür aktivere Form, die so auch in jedem etwas geräumigeren Stadtpark passen könnte.

Ungarischer Titel: „a hídon a löd ember“ (Brücke über den grünen Mann.)

Die Konstruktion entspricht einem begehbaren Steg von etwa 80 Metern Gesamtlänge aus hochfestem Aluminium in statisch korrekt dimensionierter Stahlseilabspannung.  Man könnte es einen Bogen nennen.
Steht man auf der Mitte des Stegs, an seinem höchsten Punkt, kann man etwa 4 Meter in die Tiefe schauen, dorthin, wo die Künftlerin eine grüne, etwas überlebensgroße, grobe Stoffpuppe  (mit Gras befüllter Sackleinen und Weidenzweige) auf dem Boden der Puszta direkt unter dem Steg platziert hat.

In einem noch nicht geführten Interview wird Virág Utazási später sagen, dass noch niemand die Brücke über den grünen Mann wirklich gegangen sei. Ihr Kunftwerk sei noch nicht  – wirklich.

Ein Kunftwerk würde es dann, wenn wenigstens eine einzige Person nicht nur über die Brücke, zudem auch „über den grünen Mann“  gegangen wäre. Ohne in der Mitte stehen zu bleiben  – und ohne  –  nach unten auf den grünen Mann zu schauen.

Eine  – wirkliche – Kunft wäre es gewesen, die Brücke über den grünen Mann  zu gehen.

Zwar seien mittlerweile sehr viele Menschen über die Brücke gegangen, aber niemand sei über den grünen Mann gegangen. Das Kunftwerk sei damit noch nicht realisiert.

„A hídon a löd ember“ ist heute sehr bekannt. Wer sie überquert, ohne Zwischenstopp und ohne Blick nach unten auf den grünen Mann, kann sich etwas wünschen.

Nur ist das eben jetzt keine Kunft mehr.

Das Chemälion:

Der Künftlerin Virág Utazási war aufgefallen, wie Chemiker beim Hantieren und in Gegenwart von besonders schnell und heftig reagierenden Substanzen sich sehr sehr langsam und umsichtig bewegten. Je schneller eine Substanz reagieren konnte, desto langsamer bewegten sich die Laboranten.

Das brachte sie auf die Idee, ein Chamäleon in einen Glaskasten zu setzen, in dessen Mitte sich ein kleines Reagenzglas mit einer unbekannten ganz leicht eingetrübten Substanz befindet.

Die kleine Echse bewegt sich hier fortan mit vorbildlicher Langsamkeit und ebenso umsichtig wie nachsichtig und vorsichtig.

Der EIN/AN – Schalter.

Die Künftlerin hatte einen Schalter entworfen, mit dem sich das Licht einer Lampe wahlweise EIN-schalten oder AN-schalten lies.

Der echte Zauberer.

Virág Utazási lernte einen Mann kennen, der zauberte.
Immer wenn er eines seiner Kunststücke dem Publikum zeigte, sagt er:

„Es sind echte Tricks. Was ich zeige, sind Tricks und keine Illusion.
Ich bin ein echter Zauberer.“

Manchmal dachte sie sich mit ihm
zusammen die echtesten Tricks der Welt aus.

Das Krugbild:

Die Künftlerin Virág Utazási hatte einen Krug entworfen, in der Form nachempfunden einer antiken Gebrauchskeramik. Nicht in Ton hatte sie ihn gebaut. Das Gefäß um-wandete und formte sie aus einem flexiblen Display, das sich als Bildschirm erhellte.

Sie kann jetzt Wasser oder Wein in ihn hinein füllen oder Bier, dann hebt sie den Krug an die Lippen, während ringsum seine Gefäßwände abspielen einen kleinen Film, der Wälder zeigt, Städte, Wüsten oder einen Atombombenversuch.

Wer aus dem Krug trinkt, umfasst mit seinen Wänden die Hände seines Gefäßes.
Sie zeigen rauschende Baumwipfel, aufflatternde Krähenschwärme, Autobahnen scheuende Pferdestärken; oder – wer das will – kann den Krug auch –  programmiersprachlich speisen –  mit einer Micky Mouse Sequenz.

Das „Bose-Einstein-Kondensat“:

Die Künftlerin Virág Utazási hatte lange überlegt, wie man ein Bose-Einstein-Kondensat als Grammatoplastik oder Semiostat in einen Kuns(f)t-Zusammenhang stellen könnte. Vorläufiges Ergebnis ist ein Tabellengedicht, in dem semantische und semiotische Anteile miteinander
per gegenseitiger Rechts-Links-Kommentierung widerstandslos interagieren.

Arbeitstitel: Picassoziationen

Die 80iger Jahre Mode Design 80iger Jahre

Inhalt:

Die 80iger Jahre letzten Jahrhunderts: Die 80iger Jahre letzten Jahrhunderts:
waren Punk und dark geschminkt viel Punk und schwarz geschminkt.
Anne Clark sang „Our Darkness“/ Bose-Sound-System Radio
Sleeper in Metropolis“

Neue Deutsche Welle: „Fred vom Jupiter.“
Nietenbänder, Lederjacken, Schulterpolster Nietengürtel, Lederjacken, Schulterpolster
glänzten schwarz und blitzten rein. glänzten schwarz und blitzten rein.
Und alle hatten Recht. Und alle hatten Recht.
Die 80iger Jahre letzten Jahrhunderts: Die 80iger Jahre letzten Jahrhunderts:
waren hell und Miami weiß
man trug geschminkt/ Florida/Houston
Raffaelo-Werbung
waren hell und weiße Schokolade vice geschminkt
Billy Idol sang „White Wedding“ Billy sang „White wedding“
springt im Dreieck gutgelaunt ums Kareée im Dreieck-Muster, gutgelaunt zur Fee
Schulterpolster, Sakko-Ärmel hochgekrempelt: Digitaluhren gold und fein das Sakko hochgekrempelt: Uhren garnicht klein.
Falco war aber auch nicht schlecht. Und alle hatten Recht.
Die 80iger Jahre letzten Jahrhunderts: Die 80iger Jahre letzten Jahrhunderts:
Ein Schiff war schwarz und weiß geschminkt Das Space Shuttle mit 50 Kanonen stand schwarz und weiß geschminkt am Quai
Die Flügel im Dreieck und schwarz-weiß, die Farbe kam
VOKUHILA/ Fußballer-Frisur
No future!
im Dreieck-Muster, schwerbetankt zur See
Vorne Kurz, hinten lang
die Düsen black, die Flügel white Die Düsen Koks, die Flügel Schnee
im Dreieck-Muster, schwerbetankt zur See Bunte-Kaugummi-Kugeln, das Gesicht verklebt. Bubble-Gum Teleskop
Apple introducing Macintosh
And you’ll see, why Ninteeeneightyfor
won’t be like „Nineteeneightyfor.“
Und alle hatten Recht.appl_12
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