Coronalogie: Begründungsmythen

Im Moment zeichnet sich die Tendenz ab, dass man die Corona-Krise in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren als einen neuen „Begründungsmythos“ für Entscheidungen etablieren wird, die auch nachfolgende Generationen tragen müssen. Besonders eklig ist außerdem, wenn die Krise für Profilierungen oder profilneurotische Anwandlungen von wem auch immer mißbraucht wird.
Das Problem dabei ist: Wenn die Corona-Krise in der Zukunft zu einem argumentativen „Heiligtum“ mit einer kryptoreligiös aufgeladenen „Tabuzone“ heranwächst, dann bekommt Deutschland oder Europa eine neue „Gottheit“. Diese neue „Gottheit“ heißt dann „Corona-Krise.“
Das ist antiaufklärerisch, irrational und gefährlich. Politische Entscheidungen sollten sich nichts von einem Virus vorschreiben lassen, das über Maßnahmen zur Eindämmung und Nothilfe hinausgeht.

Rationales, sachliches und faktisches Aufarbeiten und sachlich erwägendes Handeln im Sinne von Emanuel Kant und der Aufklärung/Aufklarung ebenso wie eine tabufreie Diskussion im Sinne von Demokratie und Meinungsfreiheit dürfen nicht durch ein neues „Heiligtum“ mit dem Namen „Coronakrise“ ersetzt werden.

Mit der „Begründung“ durch die Coronakrise können in Zukunft neue Pseudoreligionen des „Gut-Gemeinten“ sachliches und faktisches Erwägen ersetzen.
Gerade die Deutschen mit ihrem Hang zur Übertreibung im Guten wie im Schlechten müssen sehr aufpassen, dass die Coronakrise jetzt nicht zu einem neuen „Begründungsmythos“ für ein neues Gutseinwollen oder für ein neues Schlechtwerden durch Fehlentscheidungen oder kryptoreligösen Schwachsinn wird.

In der heißen oder akuten Phase von Krisen sollten erstmal keine Entscheidungen getroffen werden, die nicht unmittelbar mit Nothilfe oder Eindämmung zu tun haben. Vorsicht ist geboten bei allen Entscheidungen, die mit heißem Kopf in der akuten Phase getroffen werden, jedoch Auswirkungen auf die nächsten zwanzig bis dreißig Jahre haben.
Was geschehen ist, muss erst einmal rational, sachlich, und in aller Ruhe tabulos und in Für- und Wider-Argumenten aufgearbeitet und verstanden werden. Bevor diese Krise nicht wirklich verstanden ist, und das ist sie nicht, sind hektische oder hysterische Bewegungen oder Entscheidungen mit sehr langfristigen Konsequenzen gefährlich bis kontraproduktiv.

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