Coronalogie: Der Virus an und für sich

Die wesentliche Eigenschaft von Viren, so heißt es, ist ihre Unselbstständigkeit. Ohne den Anderen als Gegenüber oder als Wirt – sind sie nichts. Ohne Wirtszellen können Sie nicht existieren. Das stellt sie noch unter die Bakterien. Oder weit über sie – wie man’s nimmt.

Viren wollen nichts. Sie gehen keinem Auftrag nach. Sie verrichten keine Arbeit. Sie „verfolgen“ keine Agenda. Viren unterhalten keinen eigenständigen Stoffwechsel. Viren sind einfach nur da, um sich zu vermehren.
Viren sind „schiere“ Information.


Viren sind zugleich der Brief und die Schrift.


Doch ihre Funktionsweise zeigt die nackte und schiere Informationalität als evolutionären Ursprungsquell der Natur:

Dass etwas nur da ist, um sich zu kopieren, zu verändern, zu vermehren.

Viren „haben“ keinen „Sinn“.

Viren sind der Sinn.

Einen Virus kann man nicht „interpretieren“.

Ein Virus „macht“ nichts. Er ist.

Ein Virus „zeigt“ auch nichts. Außer sich selbst.

Ein Virus tut, was er ist. Und was ist er?

Er ist eben da.

Es „steckt“ nichts dahinter.

Das Tun des Virus ist sein Dasein.

Der Virus „tut“, was er ist. Mehr nicht.

Der Virus „will“ auch nicht gefährlich sein.

Der Virus „will“ überhaupt nichts.

Er ist, was er ist.

Der Virus „hat“ kein Bewusstsein. Der Virus ist bewusstlos.

Der Virus tut nichts. Er lässt sich treiben. Aber dieses Nichtstun des Virus macht ihn zugleich so virulent und ansteckend.

Denn ansteckend heißt: Es passt.

Es gibt eine Passung. Es gibt einen Reim.

Der Virus verändert sich solange, bis er sich auf etwas „reimt“

Der Reim „passt“ zum Eingang der Wirtszelle.

Der „Reim“ gewährt ihm Zugang zur Wirtszelle.

Die natürlich gegebene und deutungslose Primitivität
eines Virus gibt ihm eine große Ähnlichkeit mit der Sprache.

Denn auch die Sprache ist nichts ohne den „Wirt“ des „Anderen“.

Die Sprache sucht sich Wirtsgehirne,
um sich weiterzusprechen und zu vermehren und zu verändern.

Das Gehirn ist die Wirtszelle der Sprache.

Demzufolge „tut“ auch die Sprache nichts.

Die Sprache selbst „will“ nichts, sie verfolgt keine Agenda.

Die Sprache „hat“ keinen Sinn. Sie ist der Sinn.

Die Sprache vermehrt sich. Aber es „steckt“ nichts dahinter.

Deshalb ist es auch sinnlos, Sprache „interpretieren“ zu wollen.

Die Sprache spricht. Das ist alles.

Der Virus vermehrt sich.

Der Virus ist, was er tut. Und er tut, was er ist.

Der Virus und die Sprache sagen:

Es gibt ein Du. Und dieses Du ist der Wirt.

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