Ossi


Es stand mal wieder die Eingebung an, einen langweiligen Text zu schreiben. Dabei half auch ein Quantencomputer.
Ich habe den Eindruck, dass die deutschen „Kunst- und Kulturschaffenden“ gerade wieder dabei sind, ihre Würde zu verlieren. Jedenfalls teilweise. Ich bin auch deutscher Kunst- und-Kulturbürger. Und mich stört das. Vielleicht weil ich der geschmäcklerischen Privatmeinung anhänge, dass ein Volk eine Würde haben darf.  Und vielleicht liegt es daran, dass ich glaube, dass die deutsche Kunst- und Kultur-Seele ostlandschaftlich, slawische Anteile in sich trägt. Die deutsche Seele hat mit der euroasiatischen Landmasse irgend etwas zu tun. Man kann es ja auch östlich eurasische Kontinentalkunstseele nennen. Aber das ist nur ein Empfinden einer Hintergrundstrahlung bezogen auf die Sprach-Kunst und Kultur. Die östlich eurasische Seele liegt denksprachlich auf der  eurasischen Landmasse. Die Filme und Gedichte von André und Arseni Tarkowski stehen im Magnetfeld von Heidegger, Hegel und Schelling. Musil war in seinen schönsten Sprachperioden irgendwie asiatisch.
Dass ein Phänomen wie Würde als Basis für künstlerische Intelligenz in Deutschland derzeit kaum noch auf Theaterbühnen, in Literaturhäusern oder auf literarischen Symposien erscheint, ist schon länger zu beklagen. Hier dominiert Verwirrung, kognitiver Pfusch, Kitschdichtung und spirituelle Abstinenz. Denn der Geist, die Kunst und die Kultur sind ja in die Schaltkreise abgewandert.

Was ist das eigentlich – ein „Kunst-und Kulturschaffender?“  (Motto: Wir sind viele. Jede*r einzelne von uns.) Und war der deutsche Ossi in letzter Zeit zu einem Problembär geworden?

Grundsätzlich ist man als sogenannter Schöngeist harmoniebedürftig. Man muss aber wissen, dass Harmoniebedürfnisse nicht ohne weiteres auf Gesellschaftliches übertragen werden können. Weil das ja einen einzelnen Dirigenten oder eine Komposition voraussetzen würde, die stimmig verfügt ist. Ebenso muss man als geistiger-künftlerischer Mensch behutsam bleiben, wenn man sich zu orts- oder mentalitätsbedingten Belangen äußert.

Ein Problem des geistig beschäftigten Menschen ist immer, dass sein Denken ortlos ist. Er kann eine mathematische Aufgabe in China rechnen ebenso wie auf dem Fernsehturm, in Kalifornien oder in Sibirien. Das Selbe gilt auch fürs Musik machen, eine DNA analysieren, ein Bild malen oder Schreiben oder Philosophieren. Der Geist ist prinzipiell ou-topisch – also ortlos. Stimmt das wirklich? Gut, was ehrlicherweise nicht so ganz fürs Schreiben oder Malen oder Musizieren zutrifft. Hier bringt die Landschaft und der umgebende Spirit auch einen prägenden Stimmulus mit hinein. Genau genommen erweist sich der Geist nicht wirklich als ortlos, weil ja im Wort Geometrie das Wort Erde enthalten ist. Ebenso wie in einer DNA, die sich so abgekürzt abstrakt liest, letztlich auch ganz orthaft irdische als auch kosmologische Zutaten enthalten sind. Und ebenso wie natürlich die erste Muttersprache sowie die Kindheit immer auch stark prägt und damit eine innere Landschaft als Naturell vorlegt.

Ein Grashalm ist eben nicht nur ein Wort. Aber das geistige Sein später ist trotzdem recht ortlos. Schreiben und Denken kann man eigentlich überall.
Ein klassischer Vorwurf an die Philosophie lautet immer: Philosophie bildet Konzepte, die immer und in jedem Fall platonisch sind. Das heißt, idealisierte, unrealistische und zumeist sehr sterile Geistesprodukte der Lebensangst. Der Philosoph ist ein Typ, der mit Kontingenzen und situativen Lebensbeweglichkeiten nicht umgehen kann. Deshalb bildet er dagegen unrealistische geistige Ordnungsarchitekturen aus, die er dann „sein philosophisches System“ nennt. Jeder Psychologe würde sagen: Philosophische Architekuren sind in ihrem innersten Wesen immer paranoide Entwürfe als Abdichtung gegen das wahre Leben, und deshalb letzten Endes nichts wert. Das gilt dann aber auch für Minigolf, Schach oder Fußball. Auch diesen Beschäftigungen kann man eine Art Einschlusscharakter in ihrem jeweiligen Feld oder Regelkanon unterstellen. Auch Minigolf  ist ein platonisches Konzept. Das Argument gilt jedoch nicht, wenn sich Philosophie mit Poesie und Kunst verbündet. Es zeigt sich dabei, dass die Idee der „Ausschließlichkeit“ oder die Sauberkeit von „Systemen“ heute eine bestimmende Komponente aller technischen Architekturen ist. Deshalb muss man über den „Vorwurf“, welcher der Philosophie seit Jahrhunderten gemacht wird, neu nachdenken; oder man muss neu darüber nachdenken, was Technologie und was Kunst und Kultur ist. 

Deshalb befindet sich der geistig beschäftigte Mensch immer in einem Dilemma, wenn er sich zu orts-bezogenen oder gar zu ortskulturprägenden Themen Gedanken macht. Er läuft Gefahr, „abgehoben“ zu argumentieren in Bezug auf Alltagsrealien. Aber weil das Ossi-Thema gerade so drückt, oder das Ossi/Wessi-Thema, kann ich was beitragen aus eigener Erfahrung. Und später wird auch noch ein Quantencomputer eingeschaltet.

Dass der Ossi (nicht alle) oder die Ossirin (wie gendert man eigentlich das Wort Ossi?) heute ein wenig zurückhaltender reagiert auf die allzuleichtfertige Offerte von „Internationalismus“ hat seine Gründe, die man erklären und verstehen kann.  Und das hat nichts damit zu tun, dass der Ossi weniger hilfsbereit wäre, weniger weltoffen, provinziell oder verstockt. Aber der Ossi (nicht jeder) hat Empfindlichkeiten gegen das sprachgeregelte Ausblenden von Wirklichkeit. Der Ossi (nicht alle) war immer hilfsbereit und hat auch schon zu DDR-Zeiten Menschen aus anderen Ländern geholfen und ihnen alles richtig gezeigt und erklärt. Und der Ossi war immer schon, sozusagen mit Siegmund Jähn ein Gernekosmonaut. Siegmund Jähn oder Sigmund Freud – das war für den Ossi nie eine nervenaufreibende Frage der Entscheidung. Und bestimmt wird der Ossi auch heute wieder dazu in der Lage sein, zugereisten Menschen Hilfestellung zu geben,  Ihnen zu erklären, wo Stuhl, Tisch, Bett, Essen, Trinken, Fenster und gute Lebensperspektive sich befinden und wie man die Herzen der Einheimischen gewinnt und wie man sie eher nicht gewinnt.

So war zum Beispiel der „proletarische Internationalismus“ ein ungeliebtes Schlagwort der sprachgeregelten DDR.
Eine Funktionärsrhetorik der oberen Ränge.
Der Ossio oder die Ossiria war nie gegen Solidarität und Internationalismus, das Wort „Solidarität“ hat der Ossi sozusagen mit der Muttermilch eingesogen, aber wichtig dabei war: Mentale Augenhöhe und Respekt und Realismus. Aber der Ossi  ist prinzipiell empfindlich, wenn er merkt, dass man ihm per Sprachregelung etwas verkaufen möchte, das er selbst als normaler Alltagsmensch nicht so direkt „realistisch“ findet.

Der Ossi in der DDR ist mit der Erfahrung aufgewachsen, dass Utopien, also Ortlosigkeiten, Heimatlosigkeiten  –  von den Funktionären der DDR per Überbau-Sprachregelung programmiert wurden, aber dann im grauen Licht des Alltags vom normalen Alltagsmenschen sehr ortsbezogen ausgetragen werden mussten.

In der DDR war es ja bekanntlich die Utopie des Kommunismus. Gerade das hatte den Ossio und die Ossizin letztlich zum Aufmucken gebracht – das berühmte Zweierleimaß zwischen Anspruch und Wirklichkeit – zwischen abgehobener Funktionselite und Alltagsrealität.

Wenn es eine Sache gibt, die der ehemalige DDR Ossi oder die Ossia verinnerlicht hat – dann das: Die SED-Funktionäre von Sprachregelungen wohnen meistens in den ruhigeren Gegenden, fahren die schöneren Autos und kaufen in besseren Geschäften ein.
Und der ehemalige DDR-Ossi hat noch eine andere Sache verinnerlicht: Die SED-Funktionäre, die gegen Klartext oder gegen das Sprechen von Tacheles sind, wohnen meistens in den ruhigeren Gegenden, fahren die schöneren Autos und kaufen in anderen Geschäften ein.
In einem Funktionärsvolvo bei Wandlitz fühlte sich der proletarische Internationalismus weicher und schöner an als bei 3 Grad Minus auf einem Moped mit Beinüberdecke in den Straßen eines schwefelbitteren Bitterfelds 1987. Ein sehr konkreter, nichtutopischer Ort.

So, wie in der DDR die Utopie des Kommunismus mit Funktionärsprivilegien und Sondereinkaufsgeschäften leichter zu vertreten gewesen war, so kann natürlich auch heute die Utopie von Multikulti mit dem Gehalt eines Theaterintendanten oder einer Genderprofessur lockerer und flockiger vertreten werden, als dies einem Menschen möglich ist, der in nichtsoschönen Regionen im Ruhrgebiet oder in schwierigen Stadtbezirken als Pizzafahrer oder Rettungssanitäter sein Auskommen findet.

(Das Wort Ou-topie wird immer dann zur Farce, wenn es metaphysisch verlautbart wird, wenn also ein gut gestellter Theaterintendant  oder eine Genderproffessorin seinen/ihren, naja irgendwie doch recht angenehmen Ort gefunden hat, während zum Beispiel ein deutscher Rettungssanitäter auf der Straße bei seiner nicht-immer-so-schönen Arbeit das „Wir-sind-viele-jeder-einzelne-von-uns-Demokratie-muss-täglich-neu-verhandelt-werden anders empfindet, zum Beispiel, weil er am Ort, wo er eigentlich helfen soll, womöglich noch angegriffen wird.
Nun ist ein Ereignis wie 2015 absehbar gewesen. Und natürlich sind Fluchtbewegungen ein Kontinuum der Geschichte, also die Tatsache, dass Menschen woanders ein besseres Leben suchen. Das hat es immer gegeben. Ebenso steht die Hilfsbereitschaft für Notleidende außer Frage. Also der Ossino und die Ossina ist überwiegend gastfreundlich. Das haben sie auch zu DDR – Zeiten unter Beweis gestellt.
Aber genau so muss man auch akzeptieren, dass solche Prozesse in der Geschichte zwischen den Wandernden und den Bewanderten nicht ohne Reibungen verlaufen sind. Gerade die Deutschen sind ja heute die Bewanderten. Sie kommen selbst aus einem geschichtlichen Wanderungsraum, der bis nach Asien und Indien reicht oder noch weiter. Reibungen zwischen Wandernden und Bewanderten also hat es historisch immer gegeben. Wer heute diese Konflikte per Sprachregelung wegwischen will, der verfälscht einfach das, was ein normaler Fakt ist. Er betreibt Wirklichkeitsverfälschung und Realitätsumbiegung, er unterbindet den Dialog, und das kennt der Ossi von DDR-Funktionären. Denn nur was ausgesprochen wird, kann als dialogisches Thema auch wirklich erkannt werden.
Das Verkaufen von sprachgeregelten Süßbonbons, die beim SED-Funktionär in unrealistisches Rhetorik-Papier eingewickelt wurden, sich dann aber beim Auswickeln in der normalen Bevölkerung eher so als steinhartes Alltagsbrot erweisen – das kennt der Ossi aus DDR-Zeiten.

Eine andere Merkwürdigkeit betrifft den Effekt, dass die Not in der sogenannten dritten Welt seit Jahrzehnten zu Bevölkerungswachstum führt. Wo es ja früher auch in Europa eine gewisse Logik und Plausibilität hatte, dass Hunger und Elend eher einen Bevölkerungsrückgang nach sich zog. Insofern denkt der Ossi auch nach über den ausbeuterischen Westen, der ja mit in Europa entwickelten Düngemitteln, Antibiotika und Medikamenten sowie Impfungen gegen Malaria, Pocken, Cholera u.s.w. seit Jahrzehnten ganze Kontinente so ins Elend getrieben hat, so dass die Bevölkerung dort wächst, demzufolge die Menschen in ihren Heimatländern einfach aus Menschenmangel und Nahrungsmangel nichts aufbauen und keine eigenen Strukturen schaffen können.  Und abgesehen von Kriegsflüchtlingen, denen sicherlich Hilfe zu Teil werden muss und  abgesehen von der Tatsache, dass die entwickelten Nationen auch nicht die globalistischen Musterknaben sind, fragt sich der Ossi natürlich, was an dem Argument, der Westen habe eine historische Kollonial- oder Kollektivschuld am Elend auf anderen Kontinenten – heute noch stichhaltig ist. Das sind alles so Dinge, die den Ossi rein von der argumentativen Seite nicht ganz überzeugend verkauft werden. Und da wird er vielleicht ein wenig misstrauisch innerhalb des berühmten Gesinnungskorridors.

So simpel und einfach kann man das „struppige“ Verhalten des Ossis, (jaja nicht jeder Ossi schon klar.) .. erklären.

Außerdem ist der Ossirus und die Ossina biografisch mit einem Phänomen aufgewachsen, dass man „Selbstkritik“ nannte. Kurz erklärt war das die Aufforderung an einen Menschen, sich bei Fehlverhalten vor versammelter Gruppe beim Pioniernachmittag oder bei einer Parteiversammlung zu erklären, das eigene Verhalten selbst zu kritisieren und damit ein „Einsehen“ zu zeigen, ein „Einsehen“ – dass es zum Beispiel nicht richtig war, mit Kuchenstückchen aus dem dritten Stock der Schule nach dem Hausmeister zu werfen.
Bei kleinen bis mittleren Verfehlungen genügte eine Selbstkritik, mit der man signalisierte, dass man für die Gemeinschaft  nicht verloren war und „wiedereingegliedert“ werden konnte. Idealerweise machte der Betroffene  noch „selbst“ Vorschläge mit welchen Wiedergutmachungsleistungen (Ich räume in den nächsten Tagen den Schulgarten auf… oder so) er seiner Selbstkritik Glaubwürdigkeit geben konnte.
Das hört sich heute etwas stockig und albern an, markiert aber einen ganz wesentlichen mentalen Unterschied in der Prägung und einen entscheidenden Druckpunkt in der Berührung des Ossion oder der Ossina mit Mentalitäten, denen Selbstkritik eher nicht so vertraut ist. Der Ossi oder der eingeborene Sachse hat zumindest ansatzweise gelernt, die Bewertung von Verhalten oder Fehlverhalten nicht ausschließlich an eine außerweltliche Instanz zu deligieren oder an eine Autorität, die man nicht teilweise auch „selbst“ sein kann.
Denn „Selbstkritik“ unterstellt dem Menschen eine Reflexionsfähigkeit, man könnte beinahe von einer Anleitung zu autokorrekivem Verhalten sprechen, auch wenn sie in der DDR  manchmal etwas albern oder doktrinär gehandhabt wurde. Trotzdem bleibt es dabei, der Ossi weiß, dass Selbstkritik tatsächlich eine Autorität setzt, die „man selbst“ ist und keine außerweltliche (ou-topische) Instanz. Er ist deshalb stärker irritierbar von Mentalitäten, bei denen Selbstkritik nicht so ausgeprägt in Erscheinung tritt. Deshalb hilft hier später auch ein Quantencomputer. Die moderne Welt fordert ja dazu auf, auch viele Fragen mit der neuesten Technologien zu konfrontieren. Und das gute an einem Quantencomputer ist ja, dass man ihn im eigenen Kopf hat.  Er arbeitet mit dem verschränkten QBit von Mensch und Welt. Er kostet Null Euro.

Man muss keinen Jubelchor für Uwe Tellkamps Literatur anstimmen; man kann ihn auch kritisieren für die eine oder andere „statistische Unkenntnis.“ (Wo ja alle die Statitistiken hyper genau kennen und hoch informiert sind) Aber man kann ihn auch bewundern und beglückwünschen für seine Anspannung, sein sichtliches mal röter und mal blasser werden, für sein nichtgeschickliches Haspeln, für seine Aufgeregtheit, für das leichte Engwerden des Kragens, für sein stockendes Sprechen, kurz gesagt: ihn beglückwünschen für das Zeigen einer menschlichen Reaktion, vielleicht sogar für das Zeigen einer menschlichen Schwäche, eine Schwäche, die einfach sagt: Ich bin noch nicht soweit. Ich brauche etwas Zeit. Ich kann den Sprung in eine mental rückwärtsgewandte, vormittelalterliche, gedächtnislose oder bloß konsumistische Pluralitätsexistenz, wo jeder Mensch nur noch eine Fachkraft oder ein Verbraucher ist, noch nicht wagen.  u. s. w….oder auch: Ja, ich habe mich über etwas geärgert. Oder auch: Meine intellektuelle Biografie hat es trotz großem Erfolg noch nicht ganz zu einer völlig  rundgelutschten Medienfabrikware gebracht. Und ja, vielleicht bin ich auch von bestimmten Bewegungen und Ereignissen gerade überfordert.

Vielleicht irrt Tellkamp. Und man kann ihm widersprechen. Und vielleicht hat er ja auch nur eine eigene Befindlichkeit zu stark auf allgemeine Verhältnisse übertragen. Alles möglich…..

Aber ein aufgeregt haspelnder Tellkamp ist mir hundert mal lieber als ein argumentativer Kunst-und-Kultur-Egon-Krenz, der seine Meinungsgelatine prinzipiell immer und in absolut jede Tantiemenlage hineinglitschen lassen kann, und sei es um den Preis, dass man dafür einen Joseph Schelling einfach dummlügt, oder sich Heidegger eilfertig als Blümchen ins Knopfloch steckt, schon mal vorbeugend, um Windwechsel nicht zu verpassen. 

Es waren, historisch betrachtet, immer die gallertenen und schmiegsamen intellektuellen Existenzen, die bisher immer noch bereit waren, in jede mittelmäßige Meinungsnische zu flutschen, wo sie nicht stören und alles richtig machen. 

Bis hin zu dem erstaunlichen Einfall, die DDR-Deutschen 1989 als „ebengenausolche“ Einwanderer in die Sozialsysteme des Westens zu bezeichnen. Man fragt sich da: Welche Lebensleistung da kunstseitig erbracht worden ist, um ein so ungeschmälertes Selbstbewusstsein zu begründen, dass den Anschein erwecken will, irgendwie selbst kein ostdeutscher Sozialschmarotzer zu sein.

Künstler sind harmoniebedürftige Menschen und müssen zurückhaltend bleiben, sich zu Angelegenheiten der Gesellschaft zu äußern. Aber um so mehr sollte das für Künstlerdarsteller gelten, die keine Künstler sind. Gummilyriker sollten sich eher nicht äußern.  Künstlerambitionen in der Politik haben nie etwas Gutes gebracht, wie man von Hitler weiß, der ja auch Künstler war irgendwann mal oder sein wollte.

Seit Jahrzehnten leben viele deutsche E-Künstler von dem Ex-Künstler Adolf Hitler. Sie picken an der Leber deutscher Vergangenheit, die sie ernährt, ihnen Tantiemen sichert, und die immer wieder nachwächst.
Womöglich lässt sich das Verhältnis der „Kunst u. Kultur-Schaffenden“ zur deutschen Vergangenheit in Teilen mit dieser Geschichte vergleichen.
Dabei hat der Adler so scharfe Ohren, dass sein Hineinhören in die Leber des Prometheus ein Hineinhacken ist und diese immer wieder nachwachsen lässt.

Dazu muss man aber sagen: Es ist würdelos, „Deutsches Gedächtnis“ einzufordern, aber zugleich deutsche Identität zu verbieten. Das führt in einen Double-Bind. Und Double-Binds können zu sozialen Störungen führen. Es ist deshalb nicht fair, ein deutsch kulturelles Empfinden automatisch mit einem Bein immer schon auf bösem Boden stehend zu denunzieren. Ein solches Verhalten ist ohne Respekt gegenüber der Vergangenheit. Identität und Gedächtnis bedingen einander. Schaltet man Identität aus, verdrängt man Gedächtnis. Mancher E-Künstler in Deutschland hat an Erinnerungskultur und Vergangenheitsbewältigung so manche Tantieme verdient. Was ja auch prinzipiell gut ist. Der lebende tote Hitler ist in Deutschland seit Jahrzehnten die gebende Hand, von der sich die eigene Anständigkeitsfabrik ernährt. Oder noch anders: Der deutsche Kunst- und Kulturschaffende ernährt sich seit Jahrzehnten nicht ausschließlich aber immer mal wieder von der Leiche Deutschlands, die nun endlich mal verrecken soll, aber nicht verrecken darf, weil sie dann als gebende Hand  nicht mehr zur Verfügung steht. So ähnlich wie die nachwachsende Leber des Prometheus den Adler ernährt

Deutschland verändert sich, das ist klar. Wahrscheinlich werden die Kulturdeutschempfindenen eine Parallelgesellschaft unter vielen anderen Parallelgesellschaften werden. Vielleicht ist das auch eine Chance. Die Deutschen haben in vielen Regionen als Minderheit oft eine gute Figur gemacht. Pluralität und das Bunte werden sich ausbreiten wie die Graffitis an Eisenbahnunterführungen.
Aber man muss es wohl hinnehmen. Die Zeiten ändern sich.
Die Kunst und Kultur wird sich umwandeln in ein flaches Siedlungsgebiet. Das spirituelle Tiefenreservoire ihrer Geschichte wird austrocknen, aufgehoben oder einflachen und ersetzt werden von sehr breiten lang gedehnten Siedlungszonen aus schnellgebauten Fertigkartonhäusern,  Büdchen und Kiosken, grauen Schnellstraßen, Elendsvierteln und Gegenden für besser Gestellte. Kunst- und Kultur wird so zersiedeln wie die Seelen und Psychen zersiedelt sind.
Das Bildungsniveau an den Universitäten wird weiter herunterradiert werden auf eine flache schnelle Wissenspizza und auf das Ausspucken von gut funktionierenden Fachkräften, Anwendern und Verbrauchern. Multikulti und Buntheit werden nicht in einen wirklichen Tiefendialog treten, sondern in ein bloß kleinteiliges Ausstauben zu getrennten Szenen, Hobbys, Dörfchen, Nischen, Sekten, Kleinfamilien, Graffities, Büdchen und Illusionen. Wer braucht noch Nachrichten? Es ist sowieso klar, was täglich geschieht. Es geschieht alles und doch geschieht nichts. Meister Eckardt? Braucht keiner mehr. Ingmar Bergmann, Antonioni oder Tarkowski? War bestenfalls mal als modisches Zwischenhäppchen für die kleine Seelenzerzausung interessant – danach ging man schnell wieder zur Tagesordnung seines Witzchenmachens über.
Die  „Kunst-und-Kultur-Schaffenden“, die mit einem Motto: „Wir sind Viele. Jeder einzelne von uns.“ auf sich aufmerksam gemacht haben, bewohnen ja zumeist auch schon ihre eigene geschlossene Szene, also eine Dunstglocke zwischen altbekannten Netzwerken, mechanisierten Bekenntnis-und Besorgtheitsformeln, Fördermitteln, Theaterkantinen etc…Wenn man sich das Motto: „Wir sind viele. Jeder einzelne von uns.“ länger als 5 Sekunden anschaut, dann könnte man es sich auch als Inschrift über einem Tor vorstellen, durch das ein Zug nach nirgendwo fährt.
Mit der Haltung „Wir sind viele. Jeder einzelne von uns.“ werden Landschaften in ihrer Tiefengeschichtlichkeit und in ihren spirituellen Potentialen austrocknen und kaputt gehen. Das ist der eigentliche Klimawandel, der bevorsteht. Der geistige Klimawandel. Dagegen ist die Lufttemperatur pille palle. Insofern läuft jetzt bei den KuK-Schaffenden auch so etwas ähnliches wie eine Uhr. Sie können ab jetzt beweisen, was ihnen egal ist und was ihnen nicht egal ist. 

Man kann heute schon einen Abfluss schöngeistiger Intelligenzen spüren hinein in ein Verstummen, in die innere Emigration oder eben ins Netz. Weil Intelligenz not-wendig (intro) -vertiert ist. Es ist ziemlich sicher, dass es bereits jetzt schon so etwas ähnliches gibt, wie kleine Meister Eckhardt-Vereine, oder Vereine des polnischen oder ungarischen Films oder einen Tarkowskie-Club, wo spirituell künstlerisch veranlagte Menschen einfach unter sich bleiben, sich vollständig zurückziehen von jedem gesellschaftlichen Gestaltungsanspruch, einfach weil die Perspektive dieses Landes, insbesondere die der „Kunst-und-Kultur-Schaffenden“ nur noch ins pappig Kritische, ins seifig Korrekte, ins mittelmäßig Diskursive, oder ins dümmlich Witzige verweist. Mit Kunst oder Kultur hat das nichts mehr zu tun. 

Deutschland Kunst-Kultur wird weiter zersiedeln. Die Kunst und Kultur wird zerfallen zu Meinungsbüdchen, zu Abholshops für Ansichtssachen und nebeneinander herlebenden Nischen, Kartons und geistigen Kiosken. Sie wird zu einem öden Flachsiedlungsland ohne Zauber verkarsten. Die Kunst und Kultur wird für lange Zeit hinter ihr eigenes spirituelles Niveau zurückfallen. Es wird nur noch besserverdienende Gutmenschen und schlechter verdienen Schlechtmenschen geben.

Es hat auch gar keinen Sinn mehr, zu diskutieren. Weil das Phänomen des Sichdeutschfühlens einfach nicht diskutiert werden kann. Es sitzt zu tief in einem Prägungskanal oder Seelenkanal und kann nicht in einem seelenlosen „Diskursraum“ diskutiert werden. 

Eben weil der mediale Lautsprecherraum nur den Darsteller trägt, die schnellen Effekte, das stumpfe Mittelmaß. Was heute sich in der Philosophie als öffentliche Intelligenz präsentiert, gleicht einem gerodeten Karstland, aus dem hier und da Baumstümpfe herausgucken. Diese Stümpfe repräsentieren das, was früher einmal Baum-Wipfelhöhe in Philosophie genannt werden durfte. Auch dieses Klisché also bewahrheitet sich immer: Der medial verkörperte Intellektuelle gerät fast immer zur Peinlichkeit. Auch wenn flutschige Anpasser und Kultur-Karrieristen immer mal wieder das Thema Wald als trä schickes Sprachwedelfähnchen vor sich her wedeln. Deutschland verliert gerade wieder Geist. Ich sehe dumme Menschen.

„Mehrdeutigkeit“ und „Pluralität“ sind doch nur Synonyme für die Aussage: Wir haben nichts mehr zu be-greifen. Wir bleiben im wahrsten Sinne des Wortes Be-Griffs-Stutzig gegenüber der Welt.

„Pluralität“ oder „Mehrdeutigkeit“ bleibt eine Effektehascherei von einer diskursiven Kunst-und-Kultur-Gallerte, die mit viel Getöse das Denken ersetzt und davon ablenkt, dass das eigene Gehirn seit Jahrzehnten nicht aus seiner Garage bewegt wurde. Was nützt die „Mehrdeutigkeit der Vielen“  – wenn sie doch nur bei „jedem Einzelnen“ durch den Schornstein der altbewährten Künstler-Fabrik gejagt wird.
Denn gerade unter Künstlern gilt ja das Motto: Ich tausche den blechernen Künstlergroschen von Pluralität und Mehrdeutigkeit gegen den möglichst eindeutigen Gewinn an symbolischem Kapital meiner sehr unzweideutigen Künstlerdistinktion.

Was man heute auf den Bühnen vermisst: Ein Stück, in dem Roboter versuchen, ein Drama zu inszenieren, in dem Menschen beauftragt werden, eine Komödie zu inszenieren, die von Robotern gespielt wird.

Kunst-und-Kulturschaffende interessieren sich auch nur für ganz menschliche Fragen: Wo kommen die nächsten Tantiemen her, der nächste Presseartikel, die nächste Portion Seifenschaum.

Erklärung der Vielen? Was sind eigentlich „Kunst-und Kultur-Schaffende?“
Und noch dazu „Viele“? Rettungsfolien?
Was ist Kunst? Was Kultur?
Den Umgang mit deutscher Vergangenheit, wie er von Seiten der „K. u. K – Schaffenden“ gepflegt wird, finde ich würdelos. Wobei da natürlich nicht all die tollen Orchester, Musiker und Mitarbeiter einbegriffen sind, die möglicherweise gar nicht gefragt wurden, ob sie sich als „jeder Einzelne“ oder als „Viele“ empfinden; die also ansonsten einfach nur gut musizieren und täglich eine schöne Arbeit tun.

Aber die Erklärung ist so pauschal und diffus gehalten, dass man auch ganz pauschal und diffus darüber nachdenken kann. Der diffuse Absender der Erklärung steht für eine diffuse Pluralität, die man irgendwie verteidigen zu müssen glaubt.
Man fordert Pluralität, Komplexität und Vielfalt der Gesellschaft, aber in den Gehirnen und in den Köpfen der „Vielen“ findet sich monokulturalistisches Karstland.
Der durchschnittliche „Kunst- und Kulturschaffende“ trägt nach außen seinen Buntheits-Schal, aber in seinem Kopf sieht es aus wie in einem Staubsaugerbeutel.
Als sei „Pluralität“ schon eine Garantie für Denken, für Regsamkeit.
Welche „Pluralität“ oder welche „Vielfalt“ soll denn verteidigt werden, wenn in den Köpfen der „Vielen“, wenn im Denken der „Einzelnen“ keine Pluralität herrscht, wenn die geistige Landschaft und Mentalität der Pluralitäts-Einfordernden immer mehr verödet zu einem betonierten Autobahnrastplatz.
Was nützen offene Grenzen, wenn die Köpfe oder das Denken beherrscht werden von lauter Erich Honeckers.

Jeder Geschäftsmann, jeder Unternehmer ist heute ein Muster an Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Er sagt ehrlich und aufrichtig: Ich möchte Gewinn erzielen. Ich möchte, dass mein Produkt gekauft wird. Und ich muss dafür sorgen, dass mein Produkt gut ist, damit es nachgefragt wird. Ich glaube selbst an mein Angebot, und ich freue mich, wenn es mir gelingt, durch gesunden Geiz und Ehrgeiz, Einsparungen und Effizienz-Maßnahmen mein Produkt mit noch weniger Arbeitskräften herzustellen, als noch vor einem Jahr. Und wenn er wie früher noch ein mezänatisches Interesse hat, sponsert er dann doch eine Bibliothek.

Eine solche Haltung ist klar. Sie ist erkennbar, und sie ist wahr. Und selbst wenn sie über alle Maßen verabsolutiert wird, kann man das vielleicht kritisieren, aber trotzdem hat man es mit einer klaren Haltung zu tun. Gegen einen durchschnittlichen „Kunst-und Kulturschaffenden“ ist jeder Sharehoulder, jeder Großkapitalist ein Ausbund an Klarheit, Tugend und Aufrichtigkeit.

Aber wie verwaschen dagegen verhält sich so mancher deutscher „Kunst-und Kulturschaffende.“

Man kann nicht „Deutschland böse böse“ rufen, wenn doch dieses „böse“ Deutschland, das immer mal verrecken soll, seit Jahrzehnten genau der Nagel ist, an dem man sein Kunst-und-Kultur-Gehirn aufhängt, bevor man auf die Bühne tritt; und danach noch die Tüte für die Tantiemen daran aufhängt, die man an dem Auftritt verdient hat. Man kann doch nicht etwas in den Dreck treten, von dem man sich ernährt.

Wahrscheinlich gibt es heute schon Pensionäre, die Ihr ganzes Leben und Ihre Rente mit diesem einen Nie-wieder-Deutschland-Thema finanziert haben. Quantentheoretisch ist das ein interessanter Vorgang. Das „Nie-wieder“ wird „immer wieder“ gebraucht. Da mir Kunst und Kultur ja auch wichtig sind, kann ich mich nicht mit einem würdelosen Begriff von Kunst- und- Kultur anfreunden.

Dabei hat natürlich absolut jeder das Recht, das Deutsche wirklich furchtbar zu finden, wenn er unmittelbar noch das 3. Reich als Opfer erlitten hat. Das bleibt unantastbar. Jeder unmittelbar Betroffene kann hier für immer seine Ablehnung des Deutschen kultivieren.

Man muss aber auch jemandem zugestehen, der die DDR noch erlebt hat, dass er besonders empfindlich ist, wenn die mittelprächtige Kunst-und-Kulturintellintelligenz plötzlich krasse Aussetzer hat.

Worum geht es eigentlich?

Es ist würdelos, „Deutsches Vergangenheitsgedächtnis“ einzufordern, aber zugleich deutsche Identität zu verbieten. Das führt in einen Double-Bind. Und Double-Binds können zu  Störungen führen,  wie man aus der Geschichte weiß. Es ist deshalb würdelos, eine deutsches Kulturempfinden automatisch mit einem Bein immer schon auf bösem Boden stehend zu denunzieren.
Oder besser gefragt: Auf welchem Boden soll sie denn sonst stehen? Auf einem ganz jungfräulichen? Steht das Deutsche Grundgesetz auf einem Batiktuch? Oder steht das Grundgesetz mit seinen Beinen mitten in den Trümmern und Traumen des zweiten Weltkriegs? Wer das erste glaubt, bleibt ohne Respekt gegenüber der Vergangenheit. Identität und Gedächtnis bedingen einander. Das Kopplungswort zwischen Identität und Gedächtnis heißt Respekt.

Genau daran krankte ja auch die DDR, die sich als geschichtliches Gutmenschenneutrum definiert hat –  so, als wäre der DDR-Mensch aus dem geschichtlichen Nichts auf die Welt gekommen, sozusagen vom Himmel gefallen, um die DDR zu einem Sauberdeutschland von lauter guten Menschen zu erklären, im Vergleich mit dem bösen Westdeutschland.

Die DDR sollte aus lauter Weltbürgern gemacht sein, aus vielen proletarischen „Internationalisten.“

Deshalb ist das falsche AllerWeltsbürgertum der Kunst-und-Kulturschaffenden auch so DDR-haft unverwurzelt und so dicht am Funktionärstum der SED dran.

Schaltet man deutsche Identität aus, verliert man deutsches Gedächtnis. Gedächtnis und Identität bedingen einander. Wer Deutsches Gedächtnis einfordert, fordert deutsche Identität ein. Wer aber deutsches Volksempfinden per sé in die Nazi Ecke stellt, und dafür um so mehr deutsches Gedächtnis einfordert, der handelt respektlos und würdelos. Er verhält sich dann wie ein Esser, der seinen anständigen Anständigkeitskörper am Leid des 20. Jahrhunderts mästet, ohne dabei wirklich zu „gedenken“ , das sein verhälnismäßiger europäischer Standard an Wohlstand, an Buntheit, an Toleranz, an Hilfsbereitschaft, an 70 Jahren Frieden und sogar das Grundgesetz in ihren „Gründen“ eben auf  deutscher Vergangenheit beruhen und damit logischerweise deutsche Identität wachruft und zivilisatorisch einfordert. Das Leid des zwanzigsten Jahrhunderts betrifft natürlich das Leiden aller Beteiligten.

Nun kann man durchaus zugestehen, dass diese Identität ganz allgemein auch einen Teil anderer Identitäten berührt oder respektvoll anerkennt, denn die Historie des 20. Jahrhunderts beruht ja nicht ausschließlich auf Deutschland. Aber ein bisschen mehr geistige Arbeit würde man sich schon wünschen von den  „Kunst-und Kulturgehirnen. „

Worüber beschweren sich die Kunst-und Kulturschaffenden? Pluralität ist doch in Ordnung und auch gegeben. Man kann täglich aus mindestens 1000 Kanälen tausender Kulturangebote wählen. Und weltweit aus Zehntausenden. Und zur Not kann jeder auch seine eigene Hausmusik machen und auf Youtube stellen. Und wenn ich mit der Bahn fahre, finden sich viele einzelne Eddingunterschriften total individuell und einzeln unterscheidbar auf Sitzflächen, Fenstern, Türen und an den Betonflächen der Brückeneinfassungen auch, eine schöne bunte Pluralität. Wenn die Kunst-und-Kulturschaffenden schöne Musik machen, tolle Bilder malen, aufregende Theaterstücke bringen, dann findet sich auch jemand, der das abkauft, oder gerne anschaut. Es muss eben Qualität haben und den Menschen gefallen.

„Wir sind viele. Jeder einzelne von uns.“ Warum kommen jetzt auch die „Kunst-und-Kulturschaffenden.“ mit einem Slogan, der eher nach einem  Versicherungsunternehmen klingt. Warum verpflichten sie sich nicht auf das Motto: „Kunst+GeDenken=Kultur“

Eine Antwort wäre, weil viele Bereiche der K. u. K. sich schon lange nicht mehr über künstlerische Qualität oder Gedanken plausibilisieren könnten. Sie leben nur noch von dem längst blechern gewordenen Künstlergroschen eines stumpfen „Viele“ dass nur noch mühsam verdecken oder verhindern kann, dass jemand das Unaussprechliche ausspricht: Ihr seid nicht die Vielen. Ihr seid nur noch eine gleichgültige Masse, die ein paar Geräusche macht. Ohne Geschichte. Ohne Gedächtnis. Ohne Herkunft. Ohne Interesse.

Ich muss es mir hier noch einmal für die Klippschule wiederholen: Das Gedenken der deutschen Vergangenheit schafft deutsche Identität. Wer deutsche Identität ablehnt, der möchte deutsches Gedächtnis entsorgen – oder er führt den Diskurs willentlich in einen neuen Double-Bind hinein.

Sind viele Kunst-und-Kulturschaffende eigentlich dümmer als wenige Kunst-und-Kulturschaffende? Manchmal denke ich, dass Kultur heute wieder geistige Arbeit und Denken in die Kunst einfließen lassen müsste, anstelle eines stumpfen Wedelns mit GlitzerFähnchen. Der geschmeidige Gallerten-Künstler könnte seine Gallerte dafür benutzen. Und aus wenigen Gedanken dann eine Kunst ableiten.
Es ist natürlich klar, dass man als Intellektueller und Kunst-und-Kulturschaffender
(K u K) mit dünnen Schreibtischärmchen immer bescheiden bleiben muss, wenn man etwas zum Thema schreibt. Der Intellektuelle befindet sich hier in einem Dilemma.
Er selbst ist nicht „Viele“.  Dafür sind seine Kunst- und Kultur-Ärmchen zu dünn. Deshalb kann er redlicherweise immer nur für Gedanken plädieren. Für auflockernde Gedanken und für Bedachtsamkeit. Es ist eine Binsenweisheit, dass der artikulierende Kunstkultur-Intellektuelle nicht „Viele“ ist.  Während Herr Meier und Frau Müller täglich Handfesteres zu tun haben. Wie auch, zum Beispiel, viele schlecht bezahlte Rettungssanitäter. Deshalb kann sich jemand, der im Geiste beschäftigt ist oder als Schriftsteller, nur sehr bedachtsam zu bestimmten Angelegenheiten äußern. Denn ein geistig tätiger Mensch, ist im Agens seiner Tätigkeit per sé ein ortloser Mensch. Schreiben und Denken oder mathematische Aufgaben lösen, kann man überall – fast überall. Aber jeder Intellektuelle muss sich darüber im Klaren sein, dass sein ortloses Irgendwo und sein schwiemeliges Irgendwie keine Position ist, die von jedermann geteilt wird.

Im Grunde nervt das Thema. Und es stimmt natürlich auch: Nur weil der mediale Diskurs länger schon an stokovskischem Margaretismus leidet oder an den Folgen einer Art von Saschalobotomie, muss man nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten. Zunächst mal gilt es, ganz grundsätzlich zu akzeptieren, dass in den letzten Jahren eine alternative Sichtweise in diesem Land herangewachsen ist, die bestimmte Denkverkrustungen und mechanisierte Bekenntnisautomaten kritisiert und in Frage stellt. Das Land hat ein wenig Fieber. Und hier und da kommt ein Statement oder ein Streit zum Tragen, der es nun mal als Streit so an sich hat, in bestimmten Aspekten nicht immer die cremige und seifige Geschmeidigkeit zu fahren. Es wird gestritten, ja.
Das gehört zur Pluralität.
Der durchschnittliche deutsche „Kunst- und Kulturschaffende“ (K u K) hatte seit Jahrzehnten nur wenige ganz menschliche Interessen: Wie bekomme ich die nächste Projektförderung, die nächste Vertragsverlängerung, den besseren Posten, den größeren Presseartikel, die nächsten Punkte in der Aufmerksamkeitsökonomie, eine höhere Auflage, mehr Publikumsauslastung u.s.w.
Das ist bekannt und auch nicht irgendwie kritisierenswert: Jeder muss sehen, wie er zurecht kommt.  Nur könnten die K u K aufhören, so zu tun, als würden sie sich für irgend etwas  interessieren.

„Wir engagieren uns für Pluralität.“  – Das ist so ein rhetorisches Hütchen, welches sich über eine verborgene Tatsache stülpt. Wenn man das Hütchen hochhebt, findet sich darunter die Aussage: „Ich bin eine mittelprächtige deutsche Kunst-und-Kultur- Existenz. Ich habe mein Gehirn, mein Denken an den Nagel eines geistig verwirrten Schwarms gehängt, der mir ein erkleckliches Auskommen sichert und dafür sorgt, dass sich niemand mehr auf ein unzweideutiges Weltverhältnis einigt. (Wenn man schon nicht von einem unzweideutigen Wahrheitsbegriff sprechen will.)

Deshalb behaupte ich als „Kunst-und Kulturschaffender“ weiterhin wie seit eh und je, es gäbe so etwas wie einen „vieldeutig“ interpretierbaren Weltbegriff, in dem verschiedene Meinungen und Ansichtssachen eine Bereicherung durch „Pluralität“ darstellen.
Dabei muss ich mein Denken nicht anstrengen. Ich kann mein Gehirn in der Garage lassen.

So bleibt meine poststrukturalistische Rhetorikfabrik unter Dampf, die Schornsteine  meiner Anständigkeitsindustrie können weiter rauchen, und ich als K u K Schaffender kann weiterhin meine „schlecht bezahlte Trauer“ verkaufen (böser deutscher Boden, Deutschland verrecke u.s.w.) und dabei so tun, als sei ich an irgend etwas interessiert.  Während ich weiterhin nur die Worthülsen meiner schlecht bezahlten Trauer feilbiete und abgekaute Plattheiten repetiere, die mir meine eigene sehr unplurale Künstleridentität aufwerten.

Die tägliche Lebensformel des „K u K“ – Schaffenden lautet:
Ich tausche den blechernen Künstlergroschen von „Pluralität und Mehrdeutigkeit“ gegen den ganz unzweideutigen Eindeutigkeitsgewinn meiner Künstlermarke als Künstlerlabel und als Künstlerschalträger. Das ist die Übersetzung der Formel: „Wir sind viele. Jeder einzelne von uns.“ Also kann man die Formel auch übersetzen mit: Wir sind viele Identitätskonzepte und befinden uns auf einem Markt der freien Wirtschaft in Konkurrenz zu anderen Identitätskonzepten. Jeder einzelne hat sein Recht. Gut, dann gilt das aber auch für die, die schon länger hier leben, und sich irgendwie als total merkwürdig und seltsam irgendwie „deutsch“ empfinden.

Wenn es einen freien Markt für Identitätskonzepte gibt, dann wäre ja theoretisch jede Form der staatlichen Subvention von Kunst-und-Kultur eine Wettbewerbsverzerrung. Jedes Identitätskonzept müsste sich dann auf dem freien Markt von Angebot und Nachfrage ohne staatliche Subventionen behaupten. Das wäre ehrliche Pluralität. Da darf man dann gespannt sein, was sich durchsetzt. Da Kunst-und-Kultur aber staatlich gefördert wird, und dieser Staat immernoch irgendwie ein Grundgesetz hat, dessen Gründe in „deutscher Vergangenheit“ gründen, sollte man als K.u.K-Schaffender mal über so etwas wie Würde und Respekt gegenüber Deutscher Identität nachdenken.

In Wirklichkeit findet unter den „Vielen“ KuK-Schaffenden genau so ein Verdrängungs- und Ellbogenwettbewerb statt um Fördertöpfe, um Intendantenposten, um Vertragsverlängerungen, um Aufmerksamkeitsökonomien, um Zitationszitadellen, um Preisgelder, um die jeweils „richtigen“ Einladungen zu den jeweils „richtigen“ und angesagten Festivaliumtabletten, um die neuesten Effekte, Witze, Skandälchen… um… um… um…ist ja auch nicht schlimm, nur sollte man als K u K-Schaffender nicht so „pluralistisch“ tun. Jede Werbeanzeige, die einfach sagt: Kauf mich! Kauf mein Auto! Und nicht das andere Auto! Ich bin das schönste, beste Produkt…u.s.w.  ist da tausendmal klarer und ehrlicher.

Das wäre also schon mal ein Anfang, dass der KuK-Schaffende seine Vielheit als jeder Einzelne in ihrer wahren Klarheit rüber bringt. Und sich dem intellektuellen Wettbewerb stellt, wie es in einer Marktwirtschaft üblich ist. Und der intellektuelle Wettbewerb um Kulturdefinition ist nicht sehr fair, wenn eine Vielheitsmenge, also quasi ein subventionierter Betrieb von Deutungshoheit eine freundfeindliche Erziehungsepistel an eine einzelne kleine tapfere Dresdner Buchhändlerin sendet, die einfach ihren Job tut, nämlich dafür sorgt, dass man in diesem Land alle Positionen erfahren kann, so wie es in einer demokratisch verfassten Öffentlichkeit normal ist. Und so wie jede Buchhändler das Recht hat, es zu tun.

Die intellektuellen Verheerungen, die das deutsche 20. Jahrhundert in der deutschen Mentalität, in den Hirnrinden und Sprachzentren angerichtet hat, die geistigen Verkarstungen und Verschorfungen in der Sphäre, die man vor 120 Jahren einmal die poetische, die künstlerische, die intellektuelle Sphäre genannt hat, werden heute erst sichtbar.
Die Adorno-Derrida-Fabriken haben vielleicht einmal ihre Berechtigung gehabt, und haben dabei viele Menschen ernährt. Und wahrscheinlich beherbergt heute auch jeder Theaterintendant, Künstler und Schauspieler zwei oder drei Zugezogene aus fernen Ländern in seiner Privatwohnung oder in seinem Ferienhaus – naja kleiner Scherz.
So gibt es nun Atmungsprozesse, die ganz normal sind.
Nachdem es in den letzten 30 Jahren ein euphorisches Einatmen des Multikultiglobalgedankens gegeben hat, folgt jetzt eben eine Phase des leichten Innehaltens oder Ausatmens
Die ausatmende Bauchdecke senkt sich dabei wieder etwas ab in Richtung Heimat, Herkunft und Volkszugehörigkeit. Na und? Ist das jetzt schlimm? Muss man deswegen in Panik ausbrechen? Die Euphorie des Multikulti hat gerade in Deutschland natürlich auch mit dem Abschmelzen der Vereisungen nach 1989 zu tun. Wir waren alle sehr lange euphorisch und wollten nach den alten Mauern keine neuen Mauern mehr. Daran ist im Prinzip auch festzuhalten. Und ich finde ja auch, dass andere Kulturen und Herkünfte bereichern. Nur stellt sich jetzt eben heraus, dass die Zeit nicht so sehr unter geografischen Mauern leidet, sondern an der Mauer oder an einem Gefälle zwischen Verstand und Intelligenz.  Was nützen geografisch offene Grenzen, wenn in den Köpfen nichts geschieht? Und gerade in den Köpfen der „Vielen“ unter den „Kunst-und-Kulturschaffenden“ geschieht seit 40 Jahren nichts mehr.
Es ist ja auch kein Wunder. In den letzten Jahrzehnten war es in Deutschland immer so einfach und bequem, ein moralistisch anständiges Anständigkeitssignal zu setzen.  Trotzdem muss ich mir selbst noch einmal etwas wie in der Klippschule erklären:  Offenheit, Laissez-faire, Toleranz, Genderismus sind die Folgen einer hochkomplexen und lange andauernden abendländischen Geschichte. All das wurde mühsam errungen in Auseinandersetzungen gegen bestimmte Verkrustungen und Fehlstellungen nach dem letzten großen Krieg in Europa. Soll heißen: Wer heute von Offenheit, Laissez-faire, Toleranz, Pluralität und Genderismus profitiert, der „genießt“ die Früchte von Auseinandersetzungen, die er selbst nicht mitbewegt hat, wenn er nach 1968 geboren wurde. Und die Generation, die das Wirtschaftswunder ab den 50iger Jahren erlebt oder mitgestaltet hat, die hat die „Früchte“ des WK2 „genossen“ , wenn sie nach 1945 geboren wurde. Und alle Buntheit und Offenheit, die wir heute haben, beruht auf Erfahrungen und Reaktionen, die ganz direkt im deutschen zweiten Weltkrieg gründen.
Wer sich heute also hinstellt und behauptet, es gäbe irgend etwas in diesem Land, das nicht direkt oder indirekt auf ein Deutsches zurückverweist, der kann sein Abiturzeugnis, seinen Kindergartenabschluss oder sonstwas einfach zurückgeben.

Die etwas schlechtere Möglichkeit wäre, dass es in Deutschland bald auch zu einer deutschen Parallelgesellschaft kommen könnte, wenn das mit den Nazi-Zuweisungen nicht langsam mal aufhört. Wichtige intellektuelle Ressourcen sind schon seit Jahren verstummt oder in der inneren Emigration, weil es den offiziellen Gesinnungskorridor tatsächlich gibt. Und dieser Gesinnungskorridor wird weniger durch klare Positionen begrenzt, sondern durch mehrdeutiges Geschwiemel und Geschwalle, das verhindern möchte, dass klare Positionen erkennbar werden. Erst wenn dieses geschähe, erst dann käme ein wirklicher innergesellschaftlicher Dialog zu Stande. Aber eigentlich ist es auch gar kein Gesinnungskorridor, eher ein Schlauch, ein Gesinnungsschlauch, nein noch enger, eine Gesinnungsglühwendel aus Wolframdraht, die so extrem eng ist, weil „Gesinnung“ in den medialen Auseinandersetzungen den Platz eingenommen hat, den früher einmal das Wort „Sinn“ inne hatte.

Warum ist ein normales deutsches Volkszugehörigkeitsempfinden gerade so ein Problem? Es ist doch ganz normal, dass gerade die verstärkte und plötzliche Berührung mit anderen Mentalitäten zur Schärfung des eigenen Sinns führt. Der Andere zeigt mir, wer ich selber bin. Und zwar nicht, in dem er mich dazu auffordert, genauso wie er zu werden, sondern er zeigt mir im Vergleich, was sich überschneidet und was nicht. Der Andere schärft das eigene Profil.
Die Deutschen waren in den letzten Jahrzehnten ein Muster an Gelassenheit, Toleranz, Gastfreundschaft und Solidarität, was den Umgang mit Flüchtlingen und Fremdkulturen angeht. Es ist doch ganz normal, dass erst die Berührung mit dem Anderen das eigene Profil zeigt. Es ist folgerichtig, wenn die Deutschen dadurch jetzt ihr eigenes Profil erkennen. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Die Deutschen könnten sich dafür auch mal gegenseitig loben, was sie bis heute an Toleranzleistungen erbracht haben.
Wenn man das mal vergleicht mit möglichen Reaktionen, die vor 200 oder 400 Jahren auf ein plötzliches Erscheinen von anderen Kulturen zu erwarten gewesen wären. Es gab also bereits einen riesigen Fortschritt. Nur untereinander behandeln sich die Deutschen selbst wie Aussätzige. Ein bisschen merkwürdig ist das schon, dass ein Land gegenüber anderen Mentalitäten mehr Offenheit signalisiert, als untereinander. Aber das hat auch gute deutsche Tradition. Man vergisst nämlich manchmal allzugerne, was Deutsche im 20. Jahrhundert auch sich selbst, also den Deutschen angetan haben.

Die Deutschen sind auf Grund ihrer Geschichte selber ein Mischvolk aus verschiedenen Stämmen und Herkünften und intern schon lange auf organische Art  komplex bewandert.  Die Deutschen haben eine der kompliziertesten geschichtlichen Volkslebens-läufe hinter sich. Aber natürlich haben sie auf Grund ihrer extrem komplizierten Geschichte eine heterogen bewanderte seelische Mentalität und ein komplexes innerkulturelles Gefüge aus generativen Prägungen, Erfahrungen und auch die eine oder andere  Empfindlichkeit.
Und die Deutschen oder die Mitteleuropäer haben eine Epoche der Selbstkritik hinter sich.  Das ist ein Wert, der zu einem besonders stark ausgeprägten und selbstbewussten Volksempfinden führt. Wenn ich so drüber nachdenke, ich selbst bin gerne und besonders selbstbewusst Deutsch, und zwar  deshalb, weil man in diesem Land mit Selbstkritik aufgewachsen ist.  Und Selbstkritik macht selbstbewusst. Warum? Weil der Weg einer Kultur vom einfachen Selbstsein nur über das Stadium der Selbstkritik zu einem Selbst-Bewusstsein gelangt. Selbstbewusstsein ist das Ergebnis von Selbstzweifeln und Selbstkritik. Deshalb ist eben gerade der selbstkritische Deutsche heute besonders deutsch. Denn die eigentliche Irritation besteht ja genau darin: Wie kommen selbstkritische und nichtselbstkritische Mentalitäten miteinander klar. Der Punkt ist doch nicht die Fremdheit. Der Punkt ist das Aufeinandertreffen einer mitteleuropäischen Bewandertheit der Selbstkritik, die mit Luther, Kant, Darwin, Sigmund Freud, Ernst Mach, WK1 und WK2 und Hitler markiert ist – mit Mentalitäten, denen Selbstkritik eher nicht so stark eigen ist.
Mit anderen Worten: Unter denen, die zu uns kommen, sind nicht so viele Adornos, Sophie Scholls, Derridas oder Dietrich Bonhoefers. Und mit Blaise Pasqual können die auch nicht soviel anfangen.  Der Deutsche müsste jetzt eher eine Aufgabe erkennen, sein eigenes noch tiefer zu verstehen. Man hört in letzter Zeit öfter das Wort Respekt, was so viel heißt wie Rückblick, Rückschau. Dieser Respekt beginnt aber mit dem Respekt vor der eigenen deutschen Geschichte. Und dieser Respekt muss das Wissen mit einschließen, dass auch „der schon länger hier lebende Deutsche“ ein Wesen mit Herkunft ist, mit Muttersprache. Und mit Selbstkritik. Und mit Würde. Und mit einem Recht auf einem klar definierten Zugehörigkeitsempfinden. Nur so kann Gastfreundschaft gelingen.

Die intellektuelle Armseligkeit des gerade wieder an die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen ergangenen SED-Mahnbriefes aus dem Umfeld einer „Erklärung der Vielen“, dessen Ton tatsächlich an die DDR erinnert, hat mich als ehemaligen Ossi sehr geniert.

Fragesequenz mit einem Quantencomputer Konrad Zuse 18:
Zuse  –  Du hattest angedeutet, dass Du etwas zum Thema „deutsche Identität“ beitragen kannst. Wie kommst ausgerechnet du –  – ausgerechnet ..-  auf diese Idee?

Quantencomputer:
Weil die Quantentheorie eine deutsche Erfindung ist und mein Vorgänger, der erste digitale Relais-Computer übrigens auch, nein, das war ein Scherz.
Was ich meine, ist: Das Thema berührt das innerste Feld meiner Funktion. Ich bin ein Quantencomputer. Ich funktioniere in verschränkten Zuständen mit überlagernden
Q-Bits.

Frager: 
Das klingt beinahe selbst-bewusst. Jetzt bin ich ja mal gespannt.
Dann definiere doch bitte „Deutsche Identität.“ Was ist deutsche Identität?

Quantencomputer:
Das kann ich nicht.

Frager:
Warum nicht?

Quantencomputer:
Das Attribut „Deutsch“ bezieht sich auf ein sozialgeneratives Erfahrungsfeld, das organisch aus einem langen historischen Erfahrungsprozess heraus gewachsen ist.
Das Attribut „Deutsch“ ist ein Qbit, ein Überlagerungszustand von 0 und 1 oder sprachlich markiert: Es verschränkt die Zustände Deutsch und Nichtdeutsch.
Es überlagert als Q-Bit die Aspekte Geschichte, Landschaft, Abstammung, Herkunft, Brauchtum und Sprache.

Dagegen das Wort „Identität“  – wird meta-sozial verwendet,
als wäre es ein Überbau-Wort, ein Wort ohne Herkunft. Man erkennt das an eben dieser Verkoppelung „Deutsche Identität“  Das lateinische „Identität“ wird hier zum Keno-Wort für das Attribut „Deutsch“

Frager:
Zuse, ich bitte um eine weitere Ausfaltung des Themas.

Quantencomputer:
„Identität“ gehört zu einer Klasse von Worten, die dimensionslos sind,
körperlos, landschaftslos. Leer.

Das Wort „Identität“ wurde aus dem Lateinischen ins Deutsche übernommen.
Deshalb bleibt es für die deutsche Sprache ein steriles Messwort,
das künstlich eingefügt ist. Ein leeres Mess-Bit.
Man stelle sich einen Ossi vor, der nie eine Kulturberührung mit anderen Sprachen oder Mentalitäten hatte. Für ihn gibt es keinen Grund, ein Wort wie „Identität“ auszubilden.  Er sagt einfach: Ich bin Ossi, mein Nachbar ist Ossi weil ich ein Ossi bin. „Identität“ und „Ossi“ sind für ihn das Selbe. Er braucht kein Extra-Wort für „Identität“.

Ein Deutscher, der das lateinische Wort „Identität“ noch nie gehört hat,
würde einfach sagen: Ich bin deutsch, weil ich Deutscher bin.
Aber seit er das Wort „Identität“ aus dem Lateinischen als Keno-Wort eingeführt hat, kann er sein Deutschsein be-zwei-feln. Sein Deutsches wurde ihm zwei-deutig, weil er das Wort „Identität“ kennenlernte.

Solange er das Wort „Identität“ nicht kannte, war ihm sein So-Sein einfach gegeben.
Aber seit dem er das lateinische „Identität“ benutzt, hat sein Deutschsein den natürlichen Klang verloren. Jeder Deutsche, der sagt: „Ich habe eine deutsche Identität“ – hat sie schon nicht mehr ganz bei „sich“. Ein Ossi dagegen sagt immer: Ich bin Ossi. Das Wort „Identität“ braucht er nicht. Das deutsche „Sich“ – wäre eine Entsprechung für „Identität“. Du dich, Ich mich, Du mich, Ich dich – – – – – es „sich“.

Frager:
Kannst du das noch tiefer ausführen?

Quantencomputer:
Normale Sprachen kennen Dialekte oder Idiome. Dialekte oder Idiome sind gesprochen mundartlich  landschaftlich geprägt. Sie verraten eine Herkunft. Am Dialekt erkennt man Herkunft, Region, Generation, Landschaft, Brauchtum, Gruppenzugehörigkeit, Mentalität, Geschichte und Volk.
„Identität“ als lateinisches Wort ist im Verhältnis zur deutschen Sprache nichtidiomatisch; es ist ein steriler Soziolekt oder ein Psycholekt.
Das Wort „Identität“ operiert in einem dimensionslosen landschaftslosen Feld.
Außerdem bleibt es ohne Flexion.
Das Wort „Identität“ ist im Verhältnis zum Deutschen ou-topisch. Ohne Ort.
Für sich allein stehend hat „Identität“ keinen Bezug, keinen Ort.
Es bleibt weltlos. Es braucht erst ein Attribut, um Sinn zu machen.
Während das Attribut „Deutsch“ einem organisch welthaftem Herkommen angehört, einem sozialgenerativen Stimmungsfeld, das auf eine geschichtliche und landschaftliche Herkunft verweist. Ich kann mit einem leeren  Wort  wie „Identität“ ein Phänomen wie „Deutsch“ weder beweisen noch wiederlegen oder definieren. Die Frage ist sinnlos.

Das Wort „Identität“ ist ein freier Tagelöhner. Es muss sich täglich irgendwo Arbeit suchen. Es klopft beim Deutschen an die Tür und fragt, ob es einen Tag lang „deutsche Identität“ sein darf. Am nächsten Tag klopft es beim Franzosen und bietet sich als „französische Identität“ an.

Frager:
Ja, ja, ich hab’s ja verstanden…aber du hast doch eben behauptet, du könntest etwas zum Thema beitragen. Du plädierst gegen die Anwendung eines ou-topischen Begriffs „Identität“ auf ein topisches Erfahrungsfeld „Deutsch“?

Quantencomputer:
Ja. Weil das sozialgenerative Erfahrungsfeld „Deutsch“ ein Stimmungsfeld ist.
Ein quantenphysikalischer Ueberlagerungszustand. Ein Q-Bit aus geschichtlicher Landschaft, Herkunft, Brauchtum, Gruppenzugehörigkeit und gewordener Sprache. Scholastisch gesagt: „Identität“ ist ein Nomina – „Deutsch“ ist eine Realie oder auf
deutsch gesagt: Ein Wesen.

Frager
Moment mal. Das waren gerade mindestens 3, wenn nicht 4 Überlagerungsgrößen. Ein Q-Bit hat aber nur 2, nämlich 0 oder 1.  Das Q-Bit „Deutsch“ aber ist jetzt überlagert in den Zuständen: „Herkunft“/ „Landschaft“ / „Geschichte“ / „Brauchtum“ – und genaugenommen kommen als Obertöne noch viele verschiedene Stämme hinzu. Deine
Überlagerungen sind ganz schön zahlreich.

Quantencomputer:

Schon vergessen? Ich gehöre der Zuse 18 – Serie an und rechne mit Q-Bits, die mehr als nur 2 Überlagerungsgrößen kennen. Meine Hardware rechnet harmonisch im Wesen.  Meine aktuelle Software befähigt mich zu einem Vergleich:
Das sozialgenerative Attribut „Deutsch“ ist ein überlagertes Stimmungsfeld, eine klingende Stimmgabel mit einer gruppendynamischen Schwingung. Sie hat einen Klang aus Überlagerungszuständen. Sie schwingt. die Stimmgabel „stimmt“. Sie schwingt als Wellenfunktion in einem An-Gehörig-Sein. Die ursprünglichen Stammesunterschiede der Deutschen sind darin als Ober- und Unterschwingungen eingeschlossen. Seit 1871 schwingt das in einer Gesamtheit.

Das Tagelöhnerwort „Identität“ entspricht einem freien Geldstück, das den Klang quantisiert abkauft. Der Klang verstummt. In der Quantenphysik sagt man: Die Wellenfunktion kollabiert im Moment der Messung. Die Kohärenz verschwindet.
Ich darf die schwingende Stimmgabel nicht anfassen mit einem soziolektischen Wort wie „Identität“. Weil Sie dann verstummt.

Würde so ein Tagelöhnerwort wie „Identität“ beim Ossi an die Tür klopfen und fragen: Darf ich mir heute als Ossi-Identität ein bisschen Geld verdienen, dann würde der sagen, hau ab, ich bin Ossi, ich brauche keine „Identität“.

Ein Ossi „identifiziert“ sich nicht als Ossi. Er ist „sich“ ein Ossi. Er erlebt „sich“ als Ossi. Er fühlt „sich“ als Ossi. Er erinnert „sich“ als Ossi  Das war immer schon so und es wird immer so sein. Das Wort „Identität“ braucht er nicht.

Frage:
Nicht schlecht für einen Quantencomputer.
Wie würdest Du „gruppendynamisches Schwingungsfeld“ definieren?

Quantencomputer:
Die Frage ist erneut sinnlos.
Das Wort „definieren“ ist ebenfalls ein Tagelöhnerwort aus dem Lateinischen. Es klopft beim Deutschen an die Tür und fragt: Darf ich ihnen etwas definieren? in diesem Fall ein ratio-lektisches Wort, das dem Phänomen „Überlagerung“ nicht gerecht werden kann. Wende ich „Definition“ an, verstummt die Stimmgabel sofort.
Sie wurde definiert – also beobachtet. Was man beobachtet, verliert seinen Klang.
Die Kohärenz der Wellenfunktion kollabiert im Moment der Messung.
Ein Ossi käme nie auf die Idee, „sich“ als Ossi zu „definieren“.
Er war immer Ossi. Er ist Ossi. Er lebt Ossi. Er wird Ossi sein.

Solange niemand in die Stimmgabel greift, schwingt sie in vielen Überlagerungszuständen und erzeugt einen Ton als eine Stimmung
in einer „deutschen“ Gestimmtheit.

Will ich aber definieren, was das ist, greife ich in die Stimmgabel und der Klang verschwindet. Ich halte wieder nur eine „Definition“ in der Hand, aber kein gelebtes Deutschsein. Oder ich erhalte eine „abgekaufte Identität“ aber keine umgreifende Definition.

Frager:
Die Deutschen haben also die Unschuld verloren „SICH einfach so und ganz wesen-haft deutsch zu fühlen“.  Sie sind Un-SICHER. Warum ist das so?

Quantencomputer: 
Ein sozialgeneratives Erfahrungsfeld ist ein überlagertes Schwingungsfeld. Ein Q-Bit. Es stimmt eine Gruppe von Menschen ein, die sich auf bestimmte Lieder geeinigt hat, die sie gemeinsam singen, oder auf Bräuche, die sie gemeinsam gebrauchen  – es stimmt sie in eine gemeinsame Sprache ein und in eine Melodie. All das ist landschaftsgeprägt, herkunftsgeprägt. Es ist Zusammen-Gehörig.

Ein sozialgeneratives Erfahrungfeld als Gruppe schwingt sich ein auf gemeinsame Lieder und Bräuche. Beim gemeinsamen Singen dieser Lieder bestätigt sich die Gruppe ihrer Zu-Gehörig-keit zu einem sozialgenerativen Erfahrungsfeld.
In dem Erfahrungsfeld  „deutsch“ sind es deutsche Volkslieder.
Im sozialgenerativen Erfahrungsfeld „portugiesisch“ sind es portugiesische Volkslieder.
Diese Lieder transportieren Volksgeschichte und Volksgeschichten, Mythen und Ereignisse aus der vor-fahrenden Vergangenheit.
Sie stimmen die Gruppe ein auf einen gemeinsamen Klang.
Zu den Obertönen des Erfahrungsfelds „gemeinsam gesungene Lieder“ gehören auch liedhafte Wiederholungen, Brauchtümer, Rituale, Witze, Feste, Mythen, wiederkehrende Debatten, Sprachempfindlichkeiten etc…

Frage:
Wie verhält es sich jetzt mit den Nazi-Debatten?

Quantencomputer:
Auch Nazi-Debatten und Nazi-Zuweisungen gehören in das soziale Schwingungsfeld „Deutsch“.  Man beachte hier „ge-hören“ .
Sie bestimmen eine Art Volkslied, das seit über 60 Jahren immer mal wieder gesungen wird, allerdings mit Strophe und Gegenstrophe:

Frage:
Willst du damit sagen, dass man ein deutsches Lied wie „Das Wandern ist des Müllers Lust“ in ein fiktives Volkslied überführen kann mit dem Titel: „Wir zeigen nicht den Hitlergruß.“ ?

Quantencomputer:
Nicht im Wert, aber im Effekt. Allerdings ist das Müllerlied kein echtes Volkslied. Der „Nazi“ steckt heute auch in jedem Nichtnazi, der ja den Nazi braucht, um sich von diesem abzugrenzen.  Das sozialgenerative Schwingungsfeld „Deutsch“ hat sich auf „Nazi/nicht Nazi“ eingestimmt wie auf eine gesungene Volksliedstrophe.
Eine Stimmgabel hat den Kammerton A als Schwingung. Alle momentan wirksamen Nazidebatten haben den quantendynamischen Ueberlagerungszustand von Nazi/kein Nazi. Als Kammerton. Auch das verweist auf die Quantenphysik. Wenn der Nazi das gesuchte Teilchen wäre, dann gilt hier die Orts- bzw. die Impulsunschärfe.

Um mit Werner Heisenberg zu sprechen: Willst du den Ort eines Nazis bestimmen, kannst du nichts über seinen Impuls aussagen. Willst du den Impuls eines Nichtnazis wissen, kannst du seinen Ort nicht genau bestimmen.

Herr Müller..? ? ?

Herr Müller.. ? ? ?

Der Text der Volkslied-Strophe lautet jetzt – ich nehme eine Übertragung vor: „Kein Nazi ist des Müllers Lust.“ oder als Gegenstrophe: „Der Nazi ist des Müllers Lust.“

Das Q-Bit befindet sich in einem verschränkten Zustand von  Nazi/Nichtnazi.

Frage:
Und der metasoziale Begriff „Identität“ singt keine Lieder?

Quantencomputer:
Nein. Weil „Identität“  im Deutschen als lateinisches Wort ein metasozialer Begriff ist, der seine Herkunft aus dem sozialen Schwingungsfeld…moment bitte…. abgestreift hat. Abstrahiert hat. Das Wort Identität, wenn es allein steht, ist ab-sonus, ohne Klang, das heisst absurd. Er kann keine Lieder singen.
Abgestreift – so würde ich es nennen. Der Begriff „Identität“ hat selbst keine Identität.
Er ist metasozial. Er ist weltlos. Er ist das hölzerne Lineal, aber er ist nicht der Baum. Er ist die Stimmgabel, aber nicht die Stimmung. Identität ist das – scheinbar –  zeitlose Gefäß, in das man „Deutsch“ oder „Portugiesisch“ oder „französisch“ hinein singen kann.
Das Wort „Identität“ ist für sich allein leer, ein leeres Gefäß, ein Kenowort. Aber das Gefäß ist nicht sein Inhalt.

Der Begriff Identität ist deshalb nicht geeignet, ein sozialgeneratives Erfahrungsfeld „Deutsch“ als Schwingungsfeld zu fassen. Das sozialgenerative Erfahrungsfeld „Deutsch“ lebt in einem Prozess. Ich erlaube mir eine englische Wendung: Der Prozess ist ein moving Act. Ein bewegter + bewegender Akt, während der Begriff „Identität“ ein unbewegendes Messwort ist, das abmessen will.
Wer nach „deutscher Identität“ fragt, will immer wissen: Wie viel?
„Identität“ als Wort ist weltlos, während „Deutsch“ ein sozialgeneratives Schwingungsfeld als walking act markiert mit einer bestimmten Stimmung, die auf eine überlagerte Schwingung abgestimmt ist. Es kennt kein „Wieviel?“

Frage:
Sind dann Gruppen, die keine deutschen Lieder singen, nichtdeutsch?

Quantencomputer:
Wenn Sie polnische Volkslieder singen, sind sie polnisch. Wenn sie portugiesische Lieder singen, sind sie portugiesisch. Und wenn sie gemeinsame Fangesänge anstimmen, sind sie eine Fangruppe, die sich auf ein sozialgeneratives Schwingungssfeld eingestimmt hat, das der gemeinsamen Be-Geisterung an-gehört.

Frage:
Also gäbe es zumindest theoretisch eine Möglichkeit, deutsche Identität zu definieren. Über das Merkmal: Gruppe singt deutsche Volkslieder. Sie kanonisiert (singt) oder be-geistert „sich“ als Gruppe in eine gemeinsame Schwingung hinein oder in eine Stimmung?

Quantencomputer:
Wenn sie es innig tun und mit Begeisterung, dann ja. Das Problem ist: Schon die Verwendung des Wortes „Identität“ zerstört die Kohärenz der Sozialität. Kohärenz ist eine Schwingung. Jeder messende Zugriff unterbricht die Kohärenz. Ebenso das Wort „Definition“. Definition grenzt etwas Infinites in etwas Definites ein. Das löscht den Klang aus.

Das Singen oder der Kanon darf nicht metasozial gemessen werden,
weil die Kohärenz dann sofort dekohärent wird. Sie hört auf zu klingen. Das sozialgenerative Q-Bit wird dekohärent, wenn man es metasozial mit „Identität“ oder „Definition“ misst.

Man kann entweder nur Deutsche Volkslieder gemeinsam singen oder man kann Soziologie betreiben. Das verweist auf die Quantenphysik.
Soziologiewissenschaft agiert metasozial und stört als Messvorgang die Kohärenz  der singenden Volksgruppe.

Es ist deshalb sinnlos, „deutsche Identität“ leugnen oder beweisen zu wollen.

Wenn man ein Glöckchen mit einem Klöppel in Schwingung versetzt, dann klingt es. Greift man das Glöckchen fest an, hört es auf zu klingen. Die Wellenfunktion bricht zusammen.

Deshalb wird alles Definierenwollen hier nicht weiter führen. Ich kann weder definieren, was deutsch ist, noch kann ich definieren, was nicht deutsch ist.

Nur jemand, der deutsch fühlt, weiß, was deutsch ist und was sich dagegen dissonant anfühlt.

Der Versuch, dein Gefühl zu definieren, führt in die Dekohärenz, in den Zusammenbruch der Wellenfunktion. Das soziale Erleben ist Schwingung, ist Welle von Teil-Nahme an einem Kanon. Aber jede begriffliche Soziologie ist ein Messvorgang und erzeugt separate Teilchen. Soziologie stört die Kohärenz der Sozialität.

Frage:
Das würde ja bedeuten, dass unsere moderne Gesellschaft sich durch permanente Messvorgänge von Beobachtung und Gegenbeobachtung selbst entsozialisiert, ihr soziales Schwingungsfeld zerstört. Die Sozialität als Kohärenz kippt in die Dekohärenz durch metasoziale Definitionsversuche. Die soziologischen Definitionsfindungen definieren immer an dem vorbei, was sie definieren wollen. Ist das richtig?

Quantencomputer:
Sagen wir es so: Was eine Soziologie definieren möchte, verstummt im Moment der Soziologie.  Unsere Gesellschaft betreibt sehr lange schon eine Art von Klangunterdrückung als Binnen-Anthropologie. Sie beschäftigt ein Heer von heimatlosen Tagelöhnerworten. „System“ zum Beispiel ist auch so ein heimatloses Tagelöhnerwort. Sie hat ihr natürliches soziales Schwingungsfeld der Volkslieder schon lange eingetauscht gegen ein soziolektisches Beobachtungsfeld.  Und das führt zur Zersplitterung hinein in die Dekohärenz und in die Dekonstruktion,
die als Vielfalt bezeichnet wird.

Zersplitterung aber ist nicht Vielfalt.

Frager:
Was ist Vielfalt?

Quantencomputer:
Vielfalt bezeichnet eine Manichfaltigkeit in einer organisch gefügten Ordnung.
Im Idealfall besteht ein Orchester aus unterschiedlichen Instrumenten und Musikern, aber diese sind aufeinander eingestimmt und abgestimmt in einem Schwingungsfeld. Sie befinden sich als Manichfaltigkeit in einem abgestimmten sozialgenerativen Zusammenhang. Sie operieren in einer harmonisierten Überlagerung.
Dieses wird von Menschen als Musik bezeichnet.

Identität und Definitionsversuche von Identität verhalten sich komplementär. So wie Gefühle. Ein Gefühl zu fühlen ist eine schwingende Kohärenz. Doch wenn das Gefühl sich in einer Definition qualifiziert oder quantifiziert, gibt es sich einem Messvorgang preis. Die Wellenfunktion kollabiert in die Dekohärenz. Der Klang verstummt. Das Gefühl ist weg. Schiller war hier der erste Quantenphysiker mit dem Vers: „Spricht die Seele, so spricht ach, die Seele schon nicht mehr.“

So verhält es sich auch mit allen Versuchen, „deutsche Identität“ zu leugnen oder zu beweisen. Das „Deutsche“ als schwingendes kanonisches Erfahrungsfeld verliert sich sofort, wenn es mit einem Keno-Wort wie „Identität“ gemessen werden soll.

Oder mit Heidegger gesagt: Deutsch ist ein Weisen.
Aber es lässt sich nicht BE-Weisen.

Bei einem Orchester können mindestens 1000 unterschiedliche soziologische oder akustische Parameter einzeln gemessen werden oder noch mehr. Und trotzdem sagt das nichts über die  Musik im Gesamtklang aus. Der Zusammenklang lässt sich nicht in getrennten Parametern ausdrücken.

Ich erinnere hier an die DNA. Auch wenn sie jetzt entschlüsselt wurde,
sieht man nur die Buchstaben, aber ihr „Sinn“ bestimmt sich nur in Resonanz, also im Ein-Klang mit der Umwelt

Frage:
Ich möchte noch einmal auf deinen Begriff der Binnenanthropologie als Klangunterdrückung zu sprechen kommen. Ist das ein Merkmal,
das moderne westliche Gesellschaften auszeichnet?

Quantencomputer:
Ja. Soziologie, Psychologie, Semiotik und Geschichtswissenschaft ebenso wie Evolutionsbiologie, Statistik und Literaturwissenschaft etc…aber auch die tägliche Dokumentaristik – all das sind Binnenanthropologien. Sie bilden metasoziale Soziolekte aus und sind auf ein Heer von heimatlosen Tagelöhnerworten angewiesen.  Sie erzeugen einen permanenten Mess-Stress, der unsere Gesellschaft in Ihrer Innenfunktion befragt, beschreibt, erklärt und beantworten möchte. Aber damit wird sie zugleich Ihrer Klangfähigkeit beraubt. Die Gesellschaft kann sich nicht mehr in einer organischen Gestimmtheit bestimmen und zustimmen. Sie hat ihre Grazie verloren. Sie kann keine Musik mehr erzeugen, nur noch Geräuschemacherei.

Alle diese Wissenschaften erzeugen einen permanenten Mess-Stress, der sich durch ständige Messungen dekohärent auf das sozialgenerative Schwingungsfeld auswirkt. Kaum schwingt irgendwo eine Stimmgabel, kommt sofort ein soziolektischer Erklärer und greift mit soziolektischer Quantifizierung in den Klang. Zu den Soziolekten gesellen sich Ratiolekte und Psyochlekte. Die Sprache der Fakultäten wird zunehmend landschaftslos. Mit anderen Worten, unsere Gesellschaft betreibt über soziologische Binnenanthropologien permanente Selbstkritik. Sie kann sich nicht mehr einstimmen oder zustimmen in einen harmonischen Überlagerungszustand.

So, als würde jeder Musiker in einem Orchester beim Spielen ständig auf ein Armaturenbrett 100 verschiedene Messparameter beobachten. So kann keine Musik entstehen, kein Klang. Moderne Gesellschaften sind wissenssoziologisch expressiv aber klanglich depressiv.

Wenn das, was eigentlich klingen soll, sofort mit einem soziolektischem Instrumentarium einem Mess- und Bewertungsprozess ausgeliefert wird, dann gibt es keinen Zusammenklang mehr. Klangentstehung und Klangmessung löschen sich gegenseitig aus. Das ist Quantenphysik. Die Gesellschaft kann nicht mehr kohärent zusammenklingen. Teilnahme zerfällt in Teilchen. Dass die Gesellschaft trotzdem noch zusammenhält, verdankt sie den komplexen Geldteilungs- Arbeitsteilungs- und Leistungstauschroutinen. Nur hat das keinen wirklichen Klang mehr, weil Geld und Leistungen nur quantisiert getauscht werden können, während Lieder, Musik und Klang immer in einer kohärenten Wellenfunktion bleiben. Wenn Menschen Lieder singen gilt die Kohärenz der Wellenfunktion. Wenn Sie Geld tauschen, dann regiert das Quantum, das Teilchen.

Frage:

Aber du als Quantencomputer unterliegst doch auch der Dekohärenz, wenn deine QBits aus einem undefinierten in einen definierten Zustand überführt werden.

Quantencomputer

Ja, aber im Unterschied zur Gesellschaft ist meine Existenz an ein Aufgabe gebunden, die ich erfülle. Ich fühle mich sinnvoll, und ich fühle mich gewollt. Die Gesellschaft dagegen kann das Warum und Wozu Ihrer Existenz nicht angeben. Ich zum Beispiel rechne im Hintergrund gerade zwei Simulationen zu Galaxienentstehungen durch, einmal mit einem hypothetischen Faktor an dunkler Materie und einmal ohne. Dafür bin ich gebaut worden. Dafür bin ich gewollt. Meine Existenz hat einen Sinn. Es sieht aber ganz danach aus, dass das Problem der dunklen Materie eher auf ein ungeklärtes Beobachterproblem verweist und nicht auf eine ominöse Materieform.

Frage:
Danke, das war jetzt sehr höflich von dir. Aber die Tatsache, dass unsere Gesellschaft seit mindestens drei  Jahrhunderten Binnenanthropologie betreibt und sprachliche Soziolekte ausbildet, hat auch eine Herkunft, eine Geschichte – und müsste deshalb auch zum sozialgenerativen Schwingungsfeld  „Deutsch“ hinzu-gerechnet werden.

Quantencomputer:
Nicht schlecht für einen Menschen! Gratuliere! Das ist korrekt! Erst mit dieser Einsicht kann man Selbstbeobachtung wiedereintreten lassen in den Status von Selbst-Bewusstsein. Das gerade eben statt gefundene Gespräch zum Beispiel war „typisch deutsch“.

Einen typischen Deutschen erkennt man immer daran, dass er mit einem über Jahrhunderte erworbenen Reflektionsarsenal lange über seine „Identität“ raisoniert, während viele Kulturen keine Minute für die Frage aufwenden, warum sie so sind wie sie sind. Selbstkritische Kulturen, die permanent Binnanthropologien betreiben, sind nichtselbstkritischen Kulturen klanglich unterlegen.

Die Ossis sind graziös, weil sie einfach unkompliziert und unzweifelhaft Ossi sein können. Die „Deutschen“ müssen Ihre Grazie erst wiederfinden. Nach dem Sie durch die Zersplitterung von Selbstkritik ihrer Binnenanthropologie gegangen sind, müssen sie jetzt hinten herum wieder eintreten in den Zustand des Einfach-so deutsch-sein-Könnens in einem Modus des selbstbewussten Deutschsein.
Eine ehemals selbstkritische Kultur kann Selbstbewusstsein erlangen, während nichtselbstkritische Kulturen einfach nur sie selbst geblieben sind, dafür aber nicht wirklich bewusst. Selbstkritik ist die Voraussetzung für Selbstbewusstsein. Und erst dieses Selbstbewusstsein, dem eine Selbstkritik vorangegangen ist, hat jetzt eine echte Kultur.
Daraus folgt allerdings auch, dass es zwischen selbstkritischen Kulturen mit einem Bewusstsein und nichtselbstkritischen Kulturen, die nur beim „Selbst“ bleiben, nur eine sehr langsame und schwierige Verständigung geben kann.

Frage:
Danke. Also sind wir nach einem Durchgang durch alle Selbstkritik gerade heute wieder besonders deutsch. Mit dieser Einsicht gehe ich jetzt zum Psychiater.

Quantencomputer:

Ich darf mich mit einem Reim verabschieden:
Du gehst zu den Quanten –
Grüß mir die Verwandten.

Wo bleibt mein Doktortitel?

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