Der kleine Prinz auf erdähnlichen Planeten

Bisher glaubte man, die größte Herausforderung einer Fahrt zu erdähnlichen Planeten wäre die Über(WINDUNG) der Distanzen – ein Pseudoproblem, verglichen mit den Überraschungen, die sich ergeben können, wenn man erstmal da ist. Das Max Planck-Institut für Alles hat dazu eine Liste aufgestellt mit möglichen Problemen, auf die man vorbereitet sein muss.

1. Der Planet ist der Erde zu ähnlich. Die Forscher langweilen sich zu Tode.

2. Der Planet ist dermaßen schön, dass es kein Mensch aushält.
(Ununterbrochens Weinen der Forscher und deshalb Arbeitsunfähigkeit, ausserdem Minderwertigkeitskomplexe. Sie müssen von den total schönen Bewohnern des Planeten dauerhaft joviales Schulterklopfen und Tröstungen entgennehmen. Besonders lästig ist ihr ständiges: „Ach, kommt, so schlecht seht ihr doch garnicht aus.“)

3. Der Planet hat alles, was man so braucht, nur von einem wichtigen Spurenelement findet sich keine Spur: Natrium.
Ein Forscher schreibt den ersten außerirdischen Vers per Email nach Hause:
„Finden viel Wasser, nur leider kein Salz.“

4. Man trifft auf eine Species, deren Entwicklungsstand unserem heutigen  entspricht. (Warum werden wir von Ufos nur überflogen, warum bleiben die nicht?)

5. Alles ist gut, die Schwerkraft stimmt, das Klima herrlich, atembar die Luft, angenehm die Landschaft. Nur eine kleine Chlorid-Ionen-Abberation der Luft als minimale Spur verschiebt die erdgeprägten  Vergleichsmomente am Nasen-Rachenraum der Forscher.
Der unangenehme Effekt: Brot schmeckt immer nach abgegriffenen Messingmünzen. Das Messing schmeckt immer nach Brot. Der Planet bleibt schön, eigentlich bewohnbar, aber er kann als Planet nicht „gelesen“ werden. (Refrain: Warum werden wir von Ufos nur überflogen, warum bleiben die nicht?)

6. Der Planet kennt nur zwei Farbtöne in Flora und Fauna: Tausende Schatten von Grau und ein stechend wirkendes Signalgelb. Diese beiden Töne jedoch in allen möglichen Strukturen und Anordnungen.
Graugelbe Pflanzen wiegen sich in einem graugelben Ozean zwischen graugelben Fischen unter graugelbem Himmel an graugelben Küsten vor graugelben Felsen. In den Nächten leuchtet das Gelb ein wenig, und das Grau zeigt sich als ein hochinteressantes Nachtgrau. Außerdem lesen die Bewohner graugelbe Zeitungen und graugelbe Bücher, sitzend dabei auf graugelben Stühlen an graugelben Tischen. Graugelbe Philosophen halten graugelbe Vorträge vor graugelbem Publikum. Graugelbe Lyriker schreiben graugelbe Lyrik mit graugelber Tinte auf graugelbes Papier.

In graugelben Akademien wird darüber diskutiert, ob graugelbe Texte sich mit einem belehrenden Zeigefinger (in graugelb) an den graugelben Leser richten sollten, oder ob ein graugelbes Kunstwerk erst dann ein Kunstwerk ist, wenn es die graugelbe Freiheit der Interpretation (in alle möglichen graugelben Richtungen) offen lässt.

Auf graugelben Kongressen diskutieren graugelbe Experten, ob die nächste graugelbe technologische Innovation als graugelbe technologische Revolution aufgefasst werden müsse und wie das die graugelbe Gesellschaft des Planeten für die graugelbe Zukunft beeinflussen wird.

In graugelben Literaturhäusern diskutiert man in graugelben Argumenten über graugelbe Bücher, sowie über die Frage, ob graugelbe Literatur sich auf die graugelbe Realität beziehen sollte oder ob ihr graugelber Weltzugriff eher im graugelb Fiktionalen oder im Spiel mit einer graugelben Mischung aus graugelber Fiktionalität und graugelber Realität liegt.

Ein graugelber Lyriker setzt zu einer großen graugelben Irritation an, in dem er behauptet, der graugelben Rationalität der Welt müsse man mit graugelber Emotionalität, graugelben Phantasmagorien, graugelber Poesie und einem Schuss graugelber Albernheit entgegentreten; oder wenn schon nicht graugelbe Albernheit, dann mit einer sehr deutlich in graugelb aufgearbeiteten Erotik, die auch manchmal ins graugelb-deftige hinüberspielen kann.

Graugelbe Komiker erzählen einer graugelben Zuhörerschaft graugelbe Witze. Dabei brechen alle in ein graugelbes Schmunzeln aus, das sich zu einem graugelben Lachen steigert, bis sich Tränen zeigen – natürlich in graugelb.

Ein graugelber Philosoph protestiert. Man müsse dem graugelben Schein ein graugelbes Sein entgegensetzen! In graugelben Ateliers mischen Maler ein graugelbes Blau an, ein graugelbes Rot und ein graugelbes Weiß.

Auf graugelben Pressekonferenzen stellen graugelbe Journalisten graugelbe Fragen und bekommen graugelbe Antworten.

Die Forscher können sich aussuchen, ob sie an grauem Star erkranken oder an der Gelbsucht. Als sie bemerken, dass ihre Träume allmählich graugelb werden, entscheiden sie sich für die Abreise.

(Refrain: Warum werden wir von Ufos nur überflogen. Warum bleiben die nicht?)

7. Alle Lebewesen des Planeten haben für alles nur eine einzige Körper-Öffnung, sind aber sonst total lieb und extrem zutraulich und wollen die Forscher-Ankömmlinge sofort küssen. (Refrain…)

8. Der Planet weist etwas auf, dass unseren Bäumen sehr ähnlich ist. Es zeigen sich auch Vögel und kleine Insekten. Was die Forscher  nicht beachten: Die Vögel sind die verlängerten Sinnesorgane der Bäume, die auch zu – tja, Forschungszwecken – ausschwärmen können. Eine Tatsache, die den Forschern erst nach vielen unheimlichen Erfahrungen allmählich bewusst wird. Der Planet wird fortan eher gemieden.

9. Die Forscher landen in einer Steinwüste und suchen lange nach intelligentem Leben. Aber sie finden nichts. In einigen schattigen Felsen-Nieschen, wachsen immerhin ein paar Philosophen, Schriftsteller und Lyriker. Wenn man ihre zusammengerollten Blätter berührt, rollen sich die Blätter auf und rufen Sätze wie: ALLES IST SO VIELFÄLTIG! WIR HABEN EINE GROßE VIELFALT!
DIE WELT IST VIELFÄLTIG! KEIN DING GLEICHT DEM ANDEREN!
ALLES IST SO VIELFÄLTIG! HIER REGIERT DIE GROßE VIELFALT!  WILLKOMMEN IM REICH DER VIELFALT!
(Nach dreimonatiger Suche reisen die Forscher enttäuscht (traurig) wieder ab. Was sie in der Stein-Wüste leider übersehen haben: Die Steine.
( Refrain?)

10. Der Planet wird nie besucht, weil jeder  interessierte Forscher weiß, dass es im Universum auch Provinzen gibt, wo niemand wirklich gerne landet, wenn er nicht unbedingt muss.  S-Bahn-Stationen, an denen man nie aussteigen würde. Regionen und Planeten, die samt Einwohnerschaft ungefähr so anregend sind wie eine Fußgängerzone in Bad Fallingbostel mit Rudis Reste-Rampe, Änderungsschneiderei Bölke und Inges Wurstimbiss.

…was noch?..aktuelles Forschungsthema

COCA COLA

O    A     O    A
Dunkel im Glas
Flüssige Pupille
schwarz weiß rot
Oh schluck!

 

 

 

 

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