Ich kann die Garage nicht einparken

stonehenge…stirnhenge…kontemplation

Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen. Manchmal fielen mir die Augen dabei zu wie Worte und Gedanken. Thymian. So heißt das wilde Gewächs, nach dem es hier überall riecht. Eine Ziege meckert hintergründig verzagt gegen die brandende Dunkelheit an. Sie steht gebunden mit einer Schnur an einen haardünnen Mond. Durst hat sie und erwartet noch etwas zu trinken. Sehr heiß war der Tag, aber jetzt herrscht zirpende Nacht.

Ich befinde mich in der Nähe von Milet im Jahre 604 vor der Zählung unserer Zeit, neben einer –  in der  Tat –  sehr großbusigen Magd am Rand eines Brunnens. Die Nacht scheint nicht sehr schwarz, denn der große Busen der Magd ist: Die Milchstraße.

Thales von Milet, der erste bekannte Philosoph und Astronom des Abendlands war in den Schacht eines alten Brunnens  – nicht gefallen, sondern geklettert, nach tief unten, darin er den Lauf der Sterne besser erkenne.
Der Schacht des Brunnen war sein Fernrohr. Der Gründer des Denkens hatte seinen Grund in der Tiefe nahe am Wasser. Die bewusste Entscheidung für einen Tunnelblick in das Hinauf eines Abwärts der Sammlung war ein Akt des Ge-Fallens. Sein Blick in der Achse der Gravitation.
Das erste Fernrohr der Weltgeschichte ragte ebenso hinunter wie hinauf.
Der Brunnenschacht ein doppelseitiger Zeugungs- und Schöpfungskanal.
Thales, der Philosoph und Astronom schaute das All. Sternenklar und
erdennah, himmelwärts versunken.

Ich wittere den Thymian und die Haut der funkelnden Magd. Ich stehe vor dem Brunnen des Thales. Ich finde Ge-Fallen an der Quelle und dem Grund von Erkenntnis. Über den Oliven zirpt das Licht. Es ge-fällt mir.

Martin Heidegger. Er sprach einmal von einem anderen Anfang. Den wollte er denkerisch vorbereiten. Wie präsent war ein Philosoph gewesen, dessen Schriften sich beim ersten Kennenlernen so wenig aufmunternd anfühlen? Die Attraktivität seines Ernstes, sie kam nicht wirklich überraschend. Eine Gemeinschaft kann sich nicht ewig totlachen.

—dem Seyn ENT-SPRECHEN….

Als hätte dieser Denker absichtlich einen Zaun von operativer Humorlosigkeit um sein Werk gelegt, den man immer erst durchkneifen muss mittels Spezialwerkzeug.  Wenn man sich den Durchgang freigebissen hat –

dann erinnert man sich, was Humor auf griechisch heißt – Feuchtigkeit. Wasser. Fluss. Martin Heidegger war dann im poietischen Sinne unter den Philosophen der humorvollste. Dann bekommt man eine Ahnung, wie sich in den letzten Jahren eine Spekulationsblase an den Artikulations-Märkten regelrecht aufgebläht hatte.
So kann es passieren, dass etwas sehr Großes relativ unbemerkt aufspringt, oder nur kurz vorübergeht.  Jemand schrieb einmal, ich glaube Max Frisch, die sicherste Art, eine Wahrheit zu verbergen, wäre, sie einfach zu sagen.
Da hatte er Recht.

Ja, der Fall Heidegger stand und steht in einer Scham, die man nicht einfach abbürsten kann. Die Scham ist eine Wunde, über die sich in den letzten 40 bis 50 Jahren eine Wund-Be-Handlung gelegt hat. Das Kühlspray der Ironien, der ganze Sprachschorf der Postmoderne. Das gepuderte Syntaktieren, die Gelehrsamkeits-Täuschung, der immer-zuspäte Jugendstil, das angestemmte Spontanitäts-Gebahren, der sich unwohlfühlende Zivilisations-Verdacht, das hilflose Herumkünstlern, das bequem Kritische – das „witzig“ Analytische, ein Wundverband also …

…den man jetzt – einmal –  kurz abnehmen kann  — zur Visite:

Wie ein Stück rosazart über die Wunde gewachsener Neu-Haut liegt das Heidegger-Denken hier. So verletzlich. Von Zeit zu Zeit wieder auflegen muss man den Verband….darf man ihn abnehmen? Wann darf man ihn abnehmen endgültig?? Das Heilende und die Scham. Die selbe Wundheilung, die sich erinnert, wie der Kosmos immer schon anwesend war auch in den schlimmsten Schrei- und Elends-Sümpfen der Geschichte.

Leider kann man den Wach-(t)raum vom Kosmos nicht einfach so –  für heute und hier – haben –  unschuldig. Man kann den Kosmos nur nehmen mit der Wunde. Als müsste man ihn immernoch gesundpflegen. Man wechselt ihm kurz den Verband.

Das Wund-Heile darin meint das, was Heidegger die „Verwindung der Metaphysik“ nannte. Oder auch: Den anderen Anfang.

Eine Verwindung wirkt immer als bedauernd dauernder Akt. Eine Verwundung.

Drehung meint Verwindung – wörtlich – meint eine, 2500 Jahre nach Pythagoras/Platon, Windung und Wendung aus der ersichtlich wird, wie die Metaphysik nur eine kurze, not-wendige Episode, der mathematisch technischen Ermächtigung war; die jetzt wieder einläuft  – nach vorn sich berückend –  in das – wiederwahre – Verhältnis, in dem alles, was der Mensch tut, denkt oder sagt  –   physisch Anteil am Kosmos nimmt. Ausfließend.  Seine techné, seine poiese…ihm ent-sprechend.

Sich damit abfinden, sich der Natur beugen und dem Geist, der ein Denken, im Heideggerschen Sinne nur im Stillen erlaubt, im Gebeugten, eben weil sich das von den vegetativen „Philosophie-Bewegungungen“ unterscheidet. Deshalb war und ist nie verschwunden dieses Denken. Heidegger würde sagen: Es wehst jederzeit – an. Als eine Hoffnung.

Das Wehsen (wund) mit h.

Die philosophische Poietik war nach dem Tod Heideggers weggetreten. Das Denken hatte den Saal verlassen. Es hatte seinen Stuhl vom Tisch abgerückt, war auf eine Zigarette nach draussen gegangen und nicht mehr gesehen bis auf den heutigen Tag.
Dafür wurde bald, geradezu hektisch, wie mit dem Gabelstapler auf LKW-Paletten ganz viel Ersatz-Stoff in die Kulturzone geliefert: Das Gendersprech, die Musicboxen, die Müdigkeit, die Schnelligkeit, die Langsamkeit, der kleine und der große Pop, die Paare, die Passanten, der Hochtonkies, die Metaphernwirtschaft, die hübschen Sätze, die Ironien…Psychopolitik – so nannte sich das. Nur um das Denken, als die sehr nahe liegende aller Tätigkeiten, hatte sich niemand mehr gekümmert.

Wieder erstarkt war dazu die gardinenschlüssige Gewissheit,
wesentliche Philosophie oder die Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung beweise sich hauptsächlich im Paarungsverhalten mehr oder weniger irritierter Menschenwesen auf dem Sexualienmarkt.
War Immanuel Kant nicht entkräftet worden als zielgenauer Vor-den-Baum-Wichser? Als trockengelegter Sinnlichkeits-Apath, dessen Aufklärungs-Ersuchen leider nicht hatte verhindern können die schlimmsten und aller-schlimmsten Verwerfungen der letzten 200 Jahre ?
War das nicht gewesen die große schulterklopfend entlastende und zugleich schwer anklagende Erfahrung?

Das große Versagen aller Philosophie vor der endlichen Spanne jedes Menschen, vor dem Glücks- und Erledigungs-Druck in seinem Lebensanspruchsformular?

Unsinn. Philosophie funktioniert ganz anders. Der kosmologische Eros ist vordergründig nicht an gelingender Lust interessiert oder an Sex – stark jedoch an Überlieferung. Darin wirkt nicht immer Güte, darin wirkt Alles.

Manche Paare im letzten Jahrhundert sollten sich nur geliebt haben, manche Kinder sollten nur gezeugt worden sein, um die Schützengräben zu beliefern und damit das Bedauern. Wie umgehen mit so einer Wunde? Auch sie haben dabei immer etwas überliefert: Den Schrecken, das Opfer. Das tut bis heute weh.

Der kosmologische Eros will die Überlieferung, das ist alles. Aber leider nicht wenig. Er will weder gezielt das Leben noch will er gezielt den Tod; diesem kosmologischen Eros ist es gleich-gültig (mit Bindestrich), ob er ein Lächeln überliefert, eine Trauer, warme Haut, ein Vemissen, die technische Erfindung, den Geist. Überliefert wird immer etwas. Etwas ist geraten – etwas gerät.
Etwas wird Gerät.  Manchmal nur ein Schweigen, ein Satz, ein Vergessen, ein kleines Wort.

Der Eros will die Folge, die Folgen hat. Das meint immer auch den Error.
Luther hatte den Error begangen, als er vergaß oder vergessen musste, wie auch seine Bildung, sein Meditieren über Paulus nur aus einem „Vor.Her“ auf ihn gekommen war. In Techniken, die er nicht erfunden. Bibliotheken, die er nicht gebaut. In Büchern, die er nicht geschrieben. Er musste im Strom gegen den Strom  – agieren. Und kam doch aus einem VOR_HER. Dieser Error aber hat – geformt.

Noch das große Versagen  – formt –  eine Überlieferung.
Das Überlieferte „erinnert“ das Versagen.

Die Philossophie erinnert an diesen kosmologischen Ernst.
Das macht ihr inneres Wa(h)rsein. Ihr Wa(h)r gewesen ein.
Der überliefernde Eros ist unbesiegbar.
Vor dieser unbesiegbar mächtigen Überlieferung kann es nur die Demut geben, in einem aktiven, bewussten Verhältnis. Wenn Aus-Lieferung  eingedämmt werden soll.
Schweigen leistet Überlieferung. Es kann gelesen werden.
Das Vermissen überliefert  das Vergessen.
Das Vergessene und Beschwiegene wird ebenso gelesen, stumm.

Die Fehler waren  die Eltern des Mathematikers.

Stummer Atem die Gebärmutter der Sprache.

Ein anderer Satz von Kant wird damit, wenn man ihn wörtlich liest, wieder aktuell: „Freiheit ist Einsicht in die NOT-WENDIG_KEIT.“

Aber warum und wozu Freiheit?
Die Antwort kann nur lauten:
Um Schiffe zu bauen, Schiffe in bewusster Fahrt, die keine starren Häuser sind, sondern bergende Geräte, im dauernden Geraten; das heißt: Schiffe auf dem Weg. Wir können nicht anders – als da raus fahren. Wir sollen da raus. Das ist die Not-Wendigkeit. Das All „meint“ uns. Der Atraktor heißt: Gerät. Techné. Schiff. Poiese. Raumfahrung. Das ist ein Nicht-anders-können. Mit der Techné, in der Techné. Im überliefernden BOGEN (Heraklit) der Techné, in einer iterierenden BEUGE.
Aus dieser Perspektive wird klar: Der narrativ sensationierte „Trieb“ als Dreh-und Angelpunkt von Psychologie oder Philosophie war eine halbdumme, vielleicht notwendige Ver(wund)erung der bürgerlichen Epoche. Der psychologistisch sensationierte „Trieb“, zumal, wenn er nur den Sex als großes Narrativ in den Vordergrund rückte, war immer – um ein Wort von Enquist aufzunehmen – „das kleine Verbrechen“ – das sich vordrängt, um eine anderes „Verbrechen“ zu überdecken. Der psychologisierte und narrativ aufgeladenen „Trieb“ schob sich vor den physio-logischen Eros, damit dieser sich „stumm“ in die Techniken hinein-erzählen konnte. Seine nächste Windung, Wendung, Überlieferung.
Die Erfindung der „Psychologie“ als Schaumschlag der Illusionen.

Seit der not-wendigen Erfindung der Psychologie, konnte Gesellschaftsbeschreibung nur noch idiosynkratisch erfolgen, sozusagen pervers – aber nicht mehr in kosmologischer Anbindung. „Der Trieb“ bleibt ein leerer, blinder Begriff, solange ihm seine physikalisch kosmologische arché fehlt.  Ein Motor ohne Schiff. Nichtssagend.
Oder noch anders: Die kultur-narrativ aufgeladene „Trieb-Erzählung“ war der falsche Schlüssel, den man nach Siegmund Freud unter der hellen Straßen-Laterne suchte, obwohl man den passenden Schlüssel unter der kaputten (dunklen) Straßen-Laterne verloren gehabt hatte.
Man ging im 20igsten Jahrhundert seinen „Trieberzählungen“ nach, derweil drehten sich die Dampf-und Trieb-Maschinen zwei Straßen weiter ungestört nach vorn. Das wirkt der Eros. Eine Verwindung und Verwundung.

Man glaubt, das Phantastische sei die Phantasie, derweil das Wirkliche als Ungedachtes von hinten – ungeheuer –  um den Nacken schleicht.

Man betastet die Geschlechtsteile, während Marie Curie das Uran betastet, das Radium und die Radioaktivität entdeckt und Fritz Haber die Amoniaksynthese – und damit die Welt irreversibel verändern.
Marie Curie mit ihren ersten mobilen Röntgenstationen im 1. Weltkrieg.
Plötzlich stellt sich heraus, dass Marie Curie eine große Dichterin und Erotikerin war, so ungeheuer nahe am kosmologischen Eros.

Was hat die Welt bewegt? Die Stickstoffsynthese oder die Psychoanalyse?

Genau diesen Zusammenhang zwischen Analyse und Synthese hatte Adam Müller schon beschrieben 1808. Alles war bereits gesagt. Man  hätte um die Dynamiken schon wissen können.

Man sucht den Schlüssel immer unter der falschen Laterne.

Was man ergreift, dreht sich aus dem Griff nach vorn.

So hatten im 19. Jahrhundert die „Synthese-Diskurse“ und die „Analyse-Diskurse“ sich gegeneinander – miteinander – voreinander  – in Ihr jeweils „Blindes“ hineingeschraubt.  Und bildeten dabei doch eine wirksame Einheit.
Bei einer Doppelhelix sieht der eine Strang den anderen nicht.
Er „dreht“ sich aus dem Sichtfeld in einen Blind-Zusammenhang und bildet trotzdem ein Wirken des Wirkens.

(Der Themodynamiker schreibt sein „System“, in dem er den  Systemausschnitt festlegt (analysiert),  sich dann rechnend ab-wendet und danach prüfend wieder zu-wendet, in dem er es liest. (synthetisiert)  Auch das eine Drehung und Wendung in der Dauer.  Eine Wendung. Aber dabei – vergeht – trotzdem Zeit. )

Das All-Ein-Seyn – funktioniert nach allen Seiten. Das Philosophische ist menschlich. So menschlich wie nur jedes Rendezvous. Es braucht keine strenge Askese und keine besondere Keuschheit, nur etwas Konzentration von Zeit zu Zeit. Man braucht auch kein einsamer Mensch zu sein – damit man dem Geschäft des Denken etwas abgewinne.  Normal sein reicht völlig aus. Heidegger hat es vorgemacht. Hanna Arendt auch. Denken kann jeder. Philosophie ist keine Mystik und keine Zauberei. Ge-Denken reicht völlig aus.

In einem sehr kurzen Abschnitt des Lebens ist jeder Mensch ein Philosoph. Das sind die Momente an einem Sommernachmittag – man ist 9 oder 10 Jahre alt und sitzt auf einem Sandhaufen, zählt Ameisen – lässt gelangweilt ein paar Körnchen rieseln durch die Finger…weil die Spielkameraden gerade gerufen worden waren „zum Kaffeetrinken“ in die Stube.

Die große Langeweile eines vogellosen Sonntags.
In einem Moment, in dem man groß gelangweilt ist, mit 9 oder 10 Jahren, schaut man vor sich auf den Sand – und plötzlich erscheinen direkt vor Dir ein paar Schuhe.

willst wissen, wer dort steht, schaust an den Schuhen nach oben, aber da ist er schon wieder weg – der Geist. Keine Hosenbeine, ein kurzer Moment nur. Aber der kommt wieder.
Manche Menschen nehmen die Gewohnheit an, später, wenn sie heranwachsen oder älter werden, die Langeweile zu vertreiben. Sie halten es für tapfer, wenn sie von sich sagen können: Ich habe nie Langeweile. Ich bin immer beschäftigt.

Aber dann wird sich der Geist der Philosophie in seinen Schuhen nicht mehr zeigen, wie er nur in den Momenten der allergrößten und gepflegten Langeweile erscheint, im vogellosen Sommersonntags-Sand.

Etwas Großes tritt heran.

Philosophie ist Gedächtnisbau in der großen langen Weile. Interpersonales Zeichen und Markierung.
Zwar wird sie zumeist von einzelnen Menschen erschrieben und gedacht, aber eigentlich schreibt und erdenkt sie sich als symphatischer Strom aus anderen Menschen kommend – durch wieder andere Menschen hindurch –  aus diesen Menschen heraus –  in andere Menschen hinein und wieder weiter…
Philosophische Werke wie die von Kant, seinen Vorgängern oder seinen drei bis vier Nachfolgern plus Kleist plus Heidegger gehören dem stonehenge des Geistes an. Sie sind stirn-henge und stern-henge.

Sie stehen in einer kosmologischen Ausleuchtung, das heißt: In einer veränderlichen Ausleuchtung. Ruhend in ihrer UHR wirken sie flutend nach vorn, nachdem sie von hinten angeflutet  – worden – waren.
Deshalb sind Philosophien immer am dichtesten verquickt mit dem, was man Dichtung nennt, also Schöpfung. Die großen Philosophien sind Ho(h)lspiegel. Sammlung, Verdichtung – so wie die großen Monumente.
Ein Stück Literatur kann eine Vase sein, eine lesbare Scherbe oder ein gut gearbeiteter Armreif  –  die  Philosophie dagegen meint immer das ganze Hünen-Grab einer Epoche. Sie ist die UHR in der RUHE. Heroglyphe in der Landschaft. Philosophie ist Gründung, Grab und Dichtung, während die Literatur die Beigaben spendet.

Die Erde ist ein blauer Kugelschreiber.

Das Doppeldeutige an einer Hieroglyphe wie stonehenge zeigt sich darin: Es wurden schwere Steine, gesetzt, damit die verrückende und berückende – lichtende –  Flut des Kosmos spürbar und sichtbar werde. Deshalb steht ein stonehenge immer als ein paradoxes Monument, zugleich als flutender und gefluteter Stein.
Errichtet gegen die Schwerkraft, inmitten der Schwerkraft.
Gravitätisch – antigrav zugleich.

So wirkt auch die große Philosophie. Wo sie als Werk sich scheinbar abgeschlossen präsentiert, bleibt sie Weg oder Markierung. Denk-mal.
Philosophie wird  nicht in einem trivialen Sinne vom einsamen Denker erfunden oder von irgendwelchen Nerds herbeigeschriftstellert, damit die zukünftige Welt besser oder gerechter werde, oder damit der  Mensch seine kleinen glitzernden Verlustierungen in Frage stellt oder das schöne Kitzeln und Vögeln vergisst –

– Philosophien können auf die schnelle Art im Ganzen leider auch nicht die Welt verbessern. Auch wenn sich die Philosophie selbst  – in ihrem Innern – zum jeweiligen Zeitpunkt ihrer Ausarbeitung  – mit Moral oder Moralien befasst – sich vielleicht im jeweiligen Philosophen über ihren eigentlichen Auftrag notwendig täuscht, vielleicht sogar das Gute will, bleibt ihr Auftrag ein anderer.

Philosophie ist in ihrem Anspruch bescheidener, aber in ihrem Auftrag gewaltiger: Philosophie will – sie erfragt – wie ihr Name sagt –  die Wa(h)r-Heit.
Die große Philosophie ragt. Sie ragt berückend verrückt als lichtender Hieroglyph innerhalb ihres chronischen Dessins, das sich in ihr zusammengeschoben hat an einem bestimmten Zeitraum-Ort – überragt sie als lichtende Flutung ihr eigenes zeitgeschichtliches Milieu.
Etwas rätselhaft manchmal, dann wieder erstaunlich, oder sehr wuchtig.
Sie gibt Verweise, die auf Mögliches verweisen oder auf das, was möglich ist, möglich gewesen war, möglich wieder sein könnte, möglich wird.
Denkbar – also machbar, also wirklich.

Man kann die Monumente besuchen und begehen, das heißt: sie lesen.
Als Tourist oder als Archäologe.
Ihr belehrender oder kultivierender Effekt wirkt ruhend in der Ruhe und in ihrer Unübersehbarkeit von Präsenz. Er wirkt viel weniger durch direkte Ansprache im Kitzel des Effekts. Das unterscheidet sie von der Literatur. Philosophie ist immer dicht, als Verdichtung – eine Potentialität der Dauer.

Alle Philosophien der andauernden Welt sind untereinander verbunden oder miteinander bekannt. Wie die Pyramiden. Auch wenn die Philosophen selbst nicht immer voneinander wissen – die Philosophie weiß immer „von sich“. Deshalb eben bleibt sie zugänglich.

Man muss keine Angst vor Hegel haben, weil er so riesig oder klotzig dasteht. Man kann einen Philosophen genau so schlendernd, stockend, zweifelnd, hin- und herblickend, sich ab und zu wendend entdecken wie ein bretonisches Hügelgrab oder eine bemalte Höhle in Südfrankreich.
Man liest Philosophien  nicht von hinten nach vorne „durch“ so wie ein Roman. Man „versteht“ eine Philosophie auch nicht, so wie man eine Zeitung versteht.  Stone henge  oder eine Pyramide „versteht“ man auch nicht. Man nimmt sie – wa(h)r. Man – ahnt – sie. Weil alle Fragen, welche die Philosophie stellt, von jedem Menschen gestellt sein können.

Wenn man hier auf rätselhaftes oder undeutliches stößt, lässt man es zunächst bei Seite, schaut sich nach woanders um und kehrt übermorgen zur Stelle zurück. Aus der Richtung eines anderen Herantritts. In einer neuen Zeit.
Die großen Philosophien sind groß genug. Weit genug. Man kann sie weder verfehlen, noch kann man sich in ihnen hoffnungslos verlaufen. Dafür sind sie zu stark gezeichnet. In den großen Philosophien liegt manchmal Schutt und Geröll herum, das auf garnichts verweist, außer auf sich selbst oder einen Arbeitsgang, der darunter liegt –  oder womöglich völlig verwittert ist. Auch Philosophien verwittern und tragen in sich selbst Witterungsbruch.
Trotzdem bleiben sie so stark gezeichnet, so dass man nach tausend Jahren bemerkt: „Das hier war und ist ein Hünengrab. Das hier ist und war: Philosophie.“

Was war – ist wahr.

Wa(h)r ge-wesen.

Ein Denk mal. Ein Ge-Denken.
Heideggers großes Verdienst bleibt es, auf diese sich denkende Wa(h)rheit aufmerksam gemacht zu haben im Verlauf und im zeitlichen Wege-Fluss des Denkens. Auf den Flut-Charakter der Hieroglyphe, die Flussrichtung des Monuments in seinem Unterwegs-Seyn.
Oder man liest sie eben nicht. Niemand muss zwingend Kant oder Schelling oder Heidegger gelesen haben – und kann doch ein nichtdummes und vernünftiges, halbwegs gelingendes Leben führen. Genau so, wie man nicht unbedingt stone henge oder die Pyramiden besucht oder gesehen haben muss, um gescheiter zu werden oder eben dumm zu bleiben. Aber wer hat sie nicht gesehen?

Deshalb: Dass da ein stonehenge steht, dass da die Pyramide ragt, setzt einen großen Vergleichsprozess in die Welt, der einen Unterschied macht zu einer Welt davor- und einer Welt danach. Das Setzen meint ein Sagen, das sagt:

Ab sofort ist hier eine Welt mit stonehenge gegen eine Welt ohne stonehenge – gesetzt. Irreversibel – aber nicht starr. Es bleibt in Be-wegung. Gegen-Wartend.

Nach dem Tod Heideggers also hatte sich das Denken und Sprechen irgendwie verlegt auf ein Herumfühlen, auf ein Beobachten und Beschreiben. Die durchaus vorhandenen intellektuellen Potentiale blieben sehr stark fasziniert und affiziert vom so genannten „Erlebnis“.

Das „Erlebnis“ war der Chicita-Aufkleber auf der Banane des Schreibens.

Das Wahre konnte doch  immer nur das Hautnahe sein, die unmittelbare oder plötzliche Sensation in den „unwiederbringlichen“ – Momenten.

Der Attraktor ging jetzt hin zum „Detail“, zum „Moment“ , zum „Unverwechselbaren“ – zum NICHT-VER-GLEICH-BAREN.

Gefragt war deshalb der unver-gleich-bare Stil. Der un-ver-wechsel-bare  Sound. Die nicht-ver-füg-bare (sich nicht fügende Fuge)  Ästhetik des jeweils ganz EINMALIGEN und Subjektiven bestimmte die Denk- und Schreibstile nach Heidegger.

Und meinte dabei immer auch Widerstand gegen die – totale – Verfügbarkeit. Diese Bewegung nach Heidegger war  – nach all den Katastrophen der totalverfügenden Totalitäten – verständlich.
Was daran aber trivial bleibt: Jeder Mensch ist ein Freak-Event, einmalig, jeder Augenblick fügt sich, weil er unverfügbar ist, in sein Geschick hinein oder das Mißgeschick. Darin erzählt sich nichts Besonderes, nur der kosmologisch überliefernde Fluss.

Die Natur kennt keinen verwechselbaren Sound – sie kennt nur das empfindliche oder weniger empfindliche Ohr.

Wem das Ohr unempfindlich geworden war, dem musste der unverwechselbare „Sound“ herbei gefuhrwerkt werden.

Wem das Auge sich trübte, der flüchtete sich in die „Anschauung“. (Ästhetik)

Wo vieles nicht mehr richtig schmeckte, hatte man plötzlich  „Geschmack.“

Und als das Leben dünner wurde, ging man zum Leben ins „Erlebnis“.

Ebenso verständlich wie vergeblich tauchten aus der Melange
der un-ver-füg-baren Einmaligkeiten  plötzlich –  zum Beispiel mit Habermas, „Kommunikationstheorien“ auf. Oder auch „System-Theorien“ ,
was  – unter einem bestimmten Blickwinkel – eine Komik produziert.

Eine Gesellschaft von lauter „un-ver-füg-baren“ Individuen und Momenten hatte plötzlich doch wieder Theorie-Bedarf, wie das nun wieder alles unter einen Hut zu bringen wäre…

Man kann es an dieser Stelle kurz machen: All diese Theorie-Versuche waren nett, auch notwendig, aber leider zu einem großen Teil nicht besonders durchdacht, weil das Wesen der Techné im Sinne Heideggers und die dringende Seyns-Frage darin nicht verhandelt wurde. Es wurde in diesen „Theorien“ nicht mehr gedacht.
Das gilt auch für weite Teile des so genannten Poststrukturalismus, der sich in irgendwelche Metaphern-Wirtschaften, Wortschöpfungen und Jargons hineinmanövrierte.

Der poeta jedenfalls wendete sich nach Heideggers Abgang wieder den kleinen Details zu, den feinen Beobachtungen, dem raffiniertem Sprechen, den  „Verwerfungen“ der Zivilisation.  Er kultivierte und betastete die Haar-Risse in der Sprache, in seinem Haus, in seinem Leben. Probleme verwandelte er in „problematische Dichtung“. Pathologien in „pathologische Literatur“. Und Versionen wälzte er erneut in die Versionen seiner Verse. Zuletzt wurde der poeta zu einem gewitzten, manchmal hochdotierten Experten für Sprach-Versprengungen aller Art.

Der Rest der intellektuellen Potentiale glaubte, die Gesellschaft sei schon besonders befühlt oder gefasst, wenn man nur ihre kleinen oder großen Bewegungen auf dem Paarungs- und Sexualienmarkt immer wieder anders empfinde, beleuchte, beschreibe und darstelle…..

Was unzureichend erschlossen war. Der Paarungs-Erfolg in der Geschichte des Eros kommt immer aus und meint immer zuerst den technischen Erfolg. Die Geschicklichkeit im Überleben, beim Jagen, der Werkzeugherstellung, der Raumeroberung und Reviersicherung. Und er meint die Notwendigkeit der Mischung und der Diversifikation.
Auch der Konflikt ist eine Paarung. Sogar der schwere Konflikt ist immer eine Paarung zwischen Konfliktparteien. Ob unentschieden oder entschieden, der Kampf der  Dauer er-folgt in der Dauer und hat: Eine Folge.
Er „zeitigt“ vorrübergehend ein Er-Gebnis.

Paarungs-Erfolg – folgt – im Technik-Erfolg dem überliefernden Eros. Ob hundert Kinder geboren werden oder eine technologische Errungenschaft, ist dem Eros gleich-gültig (mit Bindestrich).  Es müssen immer erst die „Organe“ technisch geraten sein. Aber das stärkste und potenteste Organ – des Menschen – bleibt nach wie vor der Geist.

Nur unter kulturell „eingerahmten“ Bedingungen konnte sich das Mißverständnis ausbreiten, der Sex oder der Trieb sei sozusagen „vorne“.
Das stimmt aber nur unter „eingerahmten“ – das heißt: städtischen und stark geborgenen Vorraussetzungen, in denen viele Menschen nicht mehr direkt in der NOT-Wendung eines unmittelbaren Zeitdrucks stehen, der immer ein technischer Zeitdruck bleibt. (Welches Werkzeug jetzt? Welche Geschicklichkeit jetzt? Welche Gefahr jetzt abwehren? Welche Nahrung jetzt finden? Welche Lösung jetzt erdenken?)

Unter eingerahmten Bedingungen wird die technische NOT-Wendung (die Folge der Folge)  nicht unwichtiger, aber stark überlagert von den Signalen der „Spiele“ der  „Wahlfreiheit“ und den Illusionen vom „Zufall“.
Die Einrahmung erzeugt den Brut-Raum der Illusionen.

Aber dieser Brutraum beschreibt sich irgendwann nur noch idiosynkratisch, nicht mehr kosmologisch.

Die Power des Geistes aber kommt aus der Imagination.

Albert Einstein: „imagination encircles the world.“
(So steht es logischerweise auf der Website des CERN)

Unter nicht eingerahmten Bedingungen im ziehenden Jäger und Sammler-Schub regiert seltener der Zu-Fall, dafür öfter der technische Ernst, die  Ägide des „Falls“. Was du heute nicht kannst besorgen, das wird dir fehlen am nächsten Morgen. Kein Zufall, sondern folgerichtig. In der Bewegung gibt es kaum noch Zufälle, nur noch Fälle.

In Wirklichkeit ist „Vorne“ immer da, wo die Technik ist,  die „organisch“ erfolgreich sich überliefert. Aber zu dieser Technik gehörte immer auch die
KON-TEMPL-ATION. Kontemplation gehört der Technik. Sie ist Sammlung.

Irgendjemand muss den Sonnenschatten in seiner Beuge  zu erst geschaut haben, wie er in der RUHE seinen Kreis zieht – danach erst und all-mählich hat er den Zirkel verstanden – sein kosntruktiven BEGRIFF aus der KonTEMPLation gewonnen.

Etwas war nach Heidegger liegen geblieben, unerledigt.
Häufte sich immer weiter an.

Ein poeta  plausibilisert sich heute nicht allein im Bereich sprachlicher Überlieferung. Er sollte sich zudem auch wenigstens einmal aktiv befasst haben mit dem Wunder der  Funktionalität von Technik und ihrer Anatomie. Und zwar aktiv als Techniker, in dem er selbst einmal mit einem Spannungsprüfer, einem Oszillationsgenerator,  einem Schraubenzieher in der Hand die ertaunliche Lebens-Grund-Erfahrung gemacht hat, dass und wie man etwas  – tatsächlich –  zum Laufen bringen kann. Elektrisch. Mechanisch. Oder wie auch immer….

Solches als sinnliche Lebens-Zuwachs-Erfahrung erfahren und
zu würdigen wissen. Darauf kommt es an.

Der große Leonardo da Vinci war zu seiner Zeit an Technik durchaus interessiert gewesen. Ihn bewegte das berühmte „Warum funktioniert das?“Oder auch „Was kann man damit machen?“ Oder auch: „Was ist da drin?“
Seine Anatomie-Studien zeigen die Studien von Jemanden, der alles auseinandernimmt, um zu wissen, wie und warum es funktioniert.
Der anatomische Blick eines Leonardo war immer ein die Techné ehrender und bestaunender und suchender Blick. Niemals war er zynisch am Zerfall oder bloß ästhetisch an der reinen Anschauung interessiert.
Leonardo war ein Naturforscher. Und deshalb ein so großer Künstler.

Die schöne Poiese  leidet nach Heidegger an einem Leonardo-Defizit-Syndrom betreffend den Blick in die physische Anatomie der Technik und ihrer Methodik.
Das hat Heidegger gewusst, der selbst, für einen Philosophen, erstaunlich aktuell im Bilde war, was die wesentlichen Methodiken der Wissenschaft zu seiner Zeit betraf.

Dabei gäbe es hier viel zu entdecken. Die Spule aus Kupferdraht zum Beispiel, in jedem Motor, in jedem Schwingkreis, in jedem Dynamo, in jedem Zündverteiler – wirkt eine Verwindung – ein umwindende um-beugende FORM.

Wer die Erfahrungs-Achse des handelnden Ingenieurs als Poeta geringschätzt oder einfach ausblendet, der fällt als poieta irgendwann selbst aus, wird unerheblich.

Aus irgendeinem Grund hatten die letzten 50 Jahre Philosophie-Diskurs, wenigstens dort, wo er besonders offiziell sich nach vorn spielte, den Typus des nicht-technischen Poeta verstärkt ausgestülpt. Wenn Techné thematisiert wurde, dann als ästhetisches Phänomen im Sinne eines unbeholfenen Futurismus; oder als „schön unheimlich“  – oder, wenn’s hochkam, spielte sie eine Neben-Rolle als Mittel in der Phantastik und im Krimi-Genre.

Aber einen wirklich Inter-essierten im Sinne Leonardos muss man lange suchen.
Der letzte legitime Nachfolger von Leonardo da Vinci heißt Stanislav Lem.

(Nach Stanislav Lem wurde im -poieto-technetischen Schrift-Genre weltweit kein großes Schreiben mehr gewagt, das intellektuell ebenso wie sinnlich auch nur annähernd seine Dichtigkeit erreicht hätte. Was folgte, waren nur noch Attachments, müde Spielereien, Zerstreuungen. Man kann das ganz gelassen sagen, ohne sich durch Berge von  Literatur lesen zu müssen. Das Kino hatte noch sehr gut gepunktet seit den 80igern. Lem hatte das Genre mit seinem Denken und seinen Werken in einen gültigen Brennpunkt geführt gehabt. Wahrscheinlich lohnt auch der Genre-Begriff „Science-Fiktion“ nach Stanislav Lem nicht mehr.)


Ohne technische Anatomie-Kenntnisse aber kommt man nicht in das Auge des Heideggerschen Denkens.

Technikverständnis ist Seinsverständnis und damit  Menschenkenntnis.

Wenn man zum Thema Information poietisch forschend vordringen will.
Dabei geschieht es, dass man (wieder mal) in etwas hineinrutscht, zum Beispiel wieder in eine erneute Belichtung der Goethe-Projektion. Denn die Goethe-Projektion bleibt ein lustiger Riese. Aus der Entfernung wirkt sie ganz groß, aber wenn man ihr nahe kommt, wird alles ganz klein, verschwindet fast. (Bei Kleist war es immer umgekehrt.)

Heideggers – ostentative?- operative? Humorlosigkeit? (war er nicht.) der kosmologische sooo000G seines  nicht-immer-lustigen Philosophentums, sein real exisitierender und menschen-bedürftiger Grund-Sinn will eben technisch, das heißt: poietisch erkundet sein.

Tatsächlich sprechen die 16 Minuten Videoschnipsel vom Wichtigen, vom ganzen Heidegger. Vom  Schauen, dem Sehen, dem Sprechen und der Physis.  Aber noch viel wichtiger – man kann das nicht deutlich genug wiederholen –  sprechen diese Filme von einem Heidegger, der DEUTLICH  klar macht, dass er  n i c h t   g e g e n  die Technik argumentiert.

Heidegger argumentiert  i n n e r h a l b  der Techné und spricht von einer Herausforderung in einem Herantritt an den Menschen.

Der Film gehört hierher, thematisch, mit einem Kommentar. Zudem hat Heidegger hier sehr darauf geachtet, wie er seine Stimme anschlägt und seinen Blick führt.

Heidegger versteht man nur dann –  wenn man selbst nicht –  ausschließlich –  aus einem Philosophien-Stall –  in einem bestallten Sinne –  kommt, dafür aber eine natürliche Zuneigung mitbringt zur Philosophie, zum Denken, zur Technik, zum Eros, zur überlieferten Sprache – in Kombination.

Ganz falsch war es auch immer, Heidegger lesen zu wollen aus einer „globalisierungskritischen“ oder „antitechnisch-ökologischen“ Perspektive, welche die Technik dämonisiert.

Man muss irgendwann einmal aktiver Techniker sein, oder gewesen sein, um zu verstehen, was Heidegger selbst nur vorbereitend andeuten wollte. Der technische Hintergrund ist hier ganz wichtig.

Deshalb waren bis heute die rein philosophischen oder literarischen Annäherungen an Heidegger immer verquast, schwach, unterbelichtet oder schlichtweg falsch.

Sehr viel, was in den letzten 50 Jahren zum Thema Heidegger gesagt worden ist, vielleicht – alles: war ein  Sprachgang in schwerem Wadenkrampf.

Heidegger eignet sich überhaupt nicht für eine  „Einst-Weh“ – Collage.
Im Sinne eines  „überzeitlichen Anachronisten.“  Heidegger war nie anachronistisch und immer ganz von dieser Welt. Sehr anfassbar und geradezu in einem Philosophie- Enginiering auf Zukunft programmiert.

(Sollte es in ferner Zukunft einmal große, ebenso schnelle wie schöne kognitive Schiffe geben, Zeit-Raum-Schiffe, dann hätten sie sich auf einen wirklichen Weg gemacht, dann könnten da immer Namen stehen, nach der Flotten-identifikation UnitedTime-Space-Ship-CognitiveDivision: Es gäbe ein Schiff mit dem Namen: UTSSCD MARTIN HEIDEGGER.  Daneben Schwester-Schiffe mit der Identifikation UTSSCD LEONARDO, UTSSCD STANISLAV LEM. Es folgten Schiffe mit dem Namens-Auftrag  UTSSCD HEINRICH VON KLEIST, ein USSCD ANTONIO VIVALDI, ein UTSSCD JURI GAGARIN, das UTSSCD ENRICO FERMI etc……..etc…..dann zwei riesige Mutterschiffe – die UTSSCD PARMENDIDES und die UTSSCD THALES – sowie eine zweite Generation von Schiffen mit dem Raumkreuzer UTSSCD THYMIAN. Wobei der Raumkreuzer THYMIAN für besondere Aufgaben ausgerüstet wäre.)

Die Denkaufgabe Heideggers, die er seiner Nachwelt übergab, verlangt ein profanierendes Denken, profanierend und dadurch eben nicht-trivial.
Es verlangt eine geradezu beamtenhafte Sorgfalt bei trotzdem ausgebildeter Fähigkeit zur Imagination. Man muss sozusagen gleichzeitig humorlos und humorvoll sein. Gleichzeitig trocken und feucht. Nüchtern und wund. Amphibisches Denken.

Aber diese Art Denken verträgt sich eben ganz schlecht mit den letzten 50 Jahren Produktion an  Metaphern-Wirtschaft.

Die Denkaufgabe ist im Grunde garnicht so besonders
schwierig erklärbar.

Ich kann mich zum Beispiel nicht –  „mit“ –  meinem Gehirn unterhalten, so, wie mit einer zweiten Person.

Immer, wenn ich mein Gehirn ansprechen will, hat das Gehirn mir bereits
ENT-SPROCHEN.

Immer wenn ich „an“ mein Gehirn denken will, hat mein Gehirn „sich“ bereits
BE-DACHT.

Immer wenn ich meinem Gehirn etwas sagen will, hat „es sich“ bereits
ENT-SAGT.

Immer wenn ich mein Gehirn zur Rede stellen will, hat es sich bereits
ENT-STELLT.

Das eigene Gehirn hüllt sich „mir gegenüber“ in Schweigen – weil es dem Seyn ENT-SPRICHT.

Mein eigenes Gehirn schweigt sich mir gegenüber aus. Es redet nicht „mit“ mir.
Weil es mir ENT-SPRICHT.

Ich kann zwar „über“  –
mein Denken nachdenken –
aber bereits dieser Re-Flexionsvorgang
setzt einen zeitlich-dauernden Verlauf voraus.

Ich muss z u e r s t Denken X ent-sprochen haben,
dann erst kann ich mit Denken Y „darüber“ nach—denken.

Denken Y wäre also die später einlaufende  Seite des Zeitraum-Wirbels – der sich dann als eine Re-FLEXION   – g e g e n – ü b e r  Denken X   b e u g t /biegt/ ein-wendet.

Re-Flexion wirkt also schon als ein Akt der zeitlich be-dauernden BEUGE.

Ich kann meine Garage nicht einparken –

weil die Garage dem Parken ENT-SPRICHT.

(Ich kann immer nur ein Auto in der Garage parken.)
Ich muss vor-her wissen, was „parken“ ist,
damit ich danach die Garage
be-„gründen“ kann.

In diesem Sinne ENT-SPRICHT der Mensch dem Seyn. Und zwar Ad hoc.

So ENT-SPRICHT der Mensch auch dem ALL, das heißt:
Das ALL schweigt sich uns gegenüber aus, weil der Mensch ihm ENT-SPRICHT.

Wenn Heidegger hier von der „poietischen Sprache“ redet, dann wird darin keine Lyrik angesprochen im Sinne von Reimgehüpfe und Versgeklingel
Auch keine Metaphern. Heidegger meint hier die poietischen (poiese-machen techne, schöpfen, Schöpfung) Sprachverhältnisse, die als „Wegungen“ und „Weilen“  in den Worten jeder Sprache wirken. Sie sind die reine Semantik ohne Lyra.  Diese „Wegungen“ sind allbewusste oder vorbewusste nicht-metaphysische Be-Wegungs-Ent-SPRECHUNGEN und zeigen sich zum Beispiel in dem Wort „Mahl“ – das ja vom „mahlen“ kommt oder dem „sich all-mählich vermählenden.“

Die protolingualen Momente dieser Worte reichen tief hindurch und hinein in die aller ersten geschichtlichen Sprachbildungsreflexe. Sie sind viel älter als jede Mathematik.

Bedeutend zum Verständnis dieser Problematik wäre hier der Bezug von Aktualität und Potentialität.

Das sogenannte Substantiv („Sub“) kann man wörtlich übersetzen mit dem  „von unten hoch stehenden“ oder auch mit „das im Grund  sich gegründet habende“
So wie zum Beispiel ein  „Baum“ etwas ist, das sich von unten „bäumt“  oder „auf-bäumt“ Ein SUB-jekt.

Der Mensch war immer VOR-HER ein sich aufbäumender  Nomade und vagabundierend Um-her-ziehender. Erst später und  danach „stand“ er
„Stadt-habend“ in einer GRÜNDUNG . (GRUND, Be-STATTUNG, GRAB, TEMPEL, KON-TEMPL-ATION  – DENK-MAL.

Deshalb  ist die poietische  Sprache, das heißt: die machende, handelnde und schöpfende Sprache immer die UHR-SPRÜNG-LICHE. (UHR-SPRUNG)
Dieser UHR-Sprung „springt“ zwar, aber er bleibt deshalb nicht ohne Dauer.
Auch der UHR-SPRUNG bleibt eine TAT als TAT-SACHE. Er ist kein Quantum in einem kalten Hilbertraum.

Der Mensch hat erst ein Begriff von „sich auf-bäumen“  – erst danach überträgt er es auf den „Baum“ .

Er be-wegt erst eine TAT-SACHE von „parken“ – danach erst  „hat“ er das „Park-Haus.“ – die Garage.

(Es verhält sich nicht so, dass er einen Baum sieht und willkürlich „Baum“  sagt und es dann überträgt  auf das „sich bäumende“)

Selbst den „Stein“ s i e h t  er  erst  „stehen“

So wäre Aristoteles „unbewegter Beweger“  – in der deutschen Sprache von unten her um -zu-wandeln/um-zu-wenden, weil der „Begriff“ (die Potentialität) erst aus dem „Greifen“ (Aktualität) kommen kann. Auch ein GRUND muss erst GRÜNDEN.

Aristoteles hat selbst richtiger Weise gesehen, dass, wer das Potentielle (Substantiv) erfassen möchte, z u e r s t  das Aktuelle (das Handelnde) erfasst haben muss (Aristoteles: Metaphysik)

Das gilt aber auch für die Sprache, selbst im Griechischen. (: hypokeimenon, das Zugrundeliegende)

Aber auch dieses Zugrundeliegende muss ja selbst sprachlich zu – Grunde – sich- greifend – gründend – legen – in einer handelnden – poietisch/GRÜNDENDEN  Sprech-Denk-Handlung, die ja selber ebenfalls nur wieder thermisch in techné, das heißt: aktual durchblutet/bewegt sein kann.

Der Grund als das SICH ENT-SPRECHENDE.

ER-SCHÖPFENDE….

Jedenfalls dann, wenn man Aristoteles nach heutigen Maßstäben ernst nimmt und bedenkt – so wäre die Annahme eines unbewegten Bewegers – nicht ohne Bewegung haltbar.

Die Art, wie Heidegger hier in diesem Vortrag seine Stimme hebt und senkt,
wie er seinen Blick mit der Kamera wechselt  – verweist auf einen Vorgang, der all-mählich (mahlen mählen – vermählen) durchaus zu einer echten „Angelegenheit“ auswachsen kann  – auf ein leises und stilles aber stetig einlaufendes – informationelles ……., das sich ganz langsam den immunologischen Begrenzungen der platonischen oder reversiblen Physik nähert und damit also unserer Weltinterpretation als Ganzem.

Wie er hier Goethe zitiert, bleibt nicht ohne Ironie und dürfte zu den taktischen Maßnahmen gehören.  Heidegger dachte sich höchstwahrscheinlich: Ich muss hier in diesem Interview vor der Kamera die Zähne zusammenbeißen und auch Goethe zitieren. Weil Goethe als Dichter-Autorität gilt. Denn dieser Heidegger hatte den Geheimrat Goethe in vielen seiner Werke zumeist auffällig kühl abtropfen lassen („Versgeklingel, Reimgehüpfe, Singsang“), auch wenn er später hier und da davon murmelte, dass er Goethe jetzt verstanden habe.

Goethe selbst hatte sich gerade nicht oder nur ganz selten in diesem poietischen Sinne zur Sprache verhalten, meistens nur in einem metaphorischen. Das Metaphorische oder das Lyrische aber meint n i c h t  das Poietische.

Ein riesiges Mißverständnis, das als Verwechslung bis heute vorherrscht.

An dieser Stelle steht man zunächst wieder vor einem Problem:

1. Es gilt immer als besonders pubertär, Goethe einfach  zu demontieren.  Eben weil das immer so nahe liegt.

2. Man setzt sich aber auch der poietischen Räude-Gefahr aus, wenn man anfängt, Goethe „plötzlich doch wieder irgendwie“ wichtig zu finden.

Besonders geisttötend aber ist die sogenannte „differenzierte Betrachtung“ von Goethe.  Man verliert dabei kostbare Denkzeit.

Welchen Ausweg gibt es aus dem Trilemma? Der Ausweg kann nur lauten:
Man liest Goethe nicht als Denker (Null. Keine originalen Gedanken) auch nicht als Dichter (er war ein Ab-Dichter) Auch nicht als Naturphilosoph (hier gelten Kant, Fichte und Schelling.)

Man kann ihn als Modell und Symptom lesen.  Und zwar als
Symptom für eine Projektionsfläche von allerlei fabelhaften
Sehnsüchten der deutschen Seele.

Zudem kann man Goethe als begabten Höfling loben und gelten lassen.
Oder als sympathischen Kumpel und normalen Menschen. Ein wenig war Goethe auch Schriftsteller.

Das Poietische, konsequent verfolgt, hätte einem Goethe beschwerlich werden können. (Ebenso wie es einem Nietzsche hätte beschwerlich werden können.)
Goethe also war an diesem Poietischen nicht sehr interessiert, denn er unterhielt ein etwas bockiges Verhältnis zur „Selbst-Erkenntnis“:

Zitat Goethe aus einem Beitrag zur Naturforschung:
Hierbei bekenn ich, daß mir von jeher die große und so bedeutend klingende Aufgabe: »Erkenne dich selbst!« immer verdächtig vorkam, als eine List geheim verbündeter Priester, die den Menschen durch unerreichbare Forderungen verwirren und von der Tätigkeit gegen die Außenwelt zu einer innern falschen Beschaulichkeit verleiten wollten. Der Mensch kennt nur sich selbst, insofern er die Welt kennt, die er nur in sich und sich nur in ihr gewahr wird. Jeder neue Gegenstand, wohl beschaut, schließt ein neues Organ in uns auf…

Gähn…

..das ist brave Stoa, über 1500 Jahre alt. Problematisch daran ist nicht Goethe, sondern eine Rezeption, die immer so tut, als seien diese Gedanken irgendwie etwas ganz bedeutsam neues und besonderes.
(Man beachte hier auch die Formulierung „gegen die Außenwelt…“ )

Schelling kam da nicht so lahm und viel umfassender auf den Punkt: „Die Natur ist der sichtbare Geist. Der Geist die unsichtbare Natur. Die Natur schlägt im Menschen die Augen auf.“  – Zack! Das hat Höhe. )

…aber weiter schreibt Goethe:

„…Ich habe daher in reiferen Jahren große Aufmerksamkeit gehegt, inwiefern andere mich wohl erkennen möchten, damit ich in und an ihnen, wie an so viel Spiegeln, über mich selbst und über mein Inneres deutlicher werden könnte.“

SCHNARCH… GÄHN!, (welche Spiegel? Platte Spiegel? Oder Hohlspiegel?) Auch das wieder  hochtoupierter Marc Aurel für den lateinisch gebildeten Oberprimaner.  Dabei war Marc Aurel schon viel raffinierter. Dialektischer. Marc Aurel sagt: „Was ich selbst an anderen Menschen nicht mag, das kann mir über mich selbst  etwas erzählen.“ Wie raffiniert dialektisch war das schon gedacht.

Goethe jedenfalls hat hier Zeit seines Lebens das „Schauen“  (Wesens-Schau, Wahrnehmung) mit dem „Be-Schauen“ verwechselt. Ebenso das „Sehen“ mit dem „Ansehen.“

Goethe blieb immer ein philosophischer Stümper gemessen an der subtiler artikulierenden Stoa.

Für Goethe besteht die Welt aus  „Gegenständen“ die  „wohlig“  „be-schaut“ werden können. Goethe sitzt  vor dem Fernseher. Die „Welt“ sein „Inneres“ und die „Anderen“ sind für ihn eine Art kristallines Spiegelkabinett wie in einem Kirmes-Büdchen die Mausefalle.

Man könnte also sagen, Goethe hat immer nach einem Ding-haften oder platonischem Phänomen Ausschau gehalten.  Das er
be-schauen kann. („vor den Augen und Sinnen“) Goethe steht immer davor.

Die poietischen, also tieferen Verhältnisse der  Sprache aber erzählen vom GANG der UHR in der DAUER und vom ER-INNERN in der BerÜHRung.
Diese poietische Sprache versetzt in den Schrecken und die Scheu einer Selbsterkenntnis, die viel tiefer reicht, als die bloß schlecht  aufgekochte Stoa, die selbst schon nicht mehr an die Subtilität eines Marc Aurel heranreicht.

Problematisch ist Goethe nicht als Mensch oder als Charakter. Problematisch bleibt die falsche Projektionsfläche, welche die Deutschen sich aus ihm gebaut haben.

Goethes behäbiges Eichmaß der Weltwahrnehmung war schon zu seiner Zeit über tausend Jahre alt.  Quasi versteinert. Es kommt aus der lateinischen Stoa und reicht nie über sie hinaus. War sogar noch plumper als das Original.

Das allein wäre auch nicht kritisierenswert, die Stoa war zu ihrer Zeit eine Errungenschaft und gehört zur zivilisierenden Weltkultur –  nur hat sie eben Goethe nicht erfunden. Aber mittlerweile hatte sich die Welt nun einmal weitergedreht und weiterbewegt…

…Heinrich von Kleist war da als Technikphilosoph mit seinem Gang des Hohlspiegels der fernsten Nähe um Meilen weiter. Dieser Hohlsspiegel  geht durch  ein Unendliches und tritt danach wieder  dicht  vor uns.

Aber das frühe 19. Jahrhundert hat noch etwas anderes zu bieten. Den großen  Schelling, der später  in seinen Vorlesungen zur „Philosophie von Mythos und  Offenbarung“  die Seinsfrage bereits sehr stark angerissen hatte.
(Heideggers Behauptung hier im Film, niemand vor ihm habe die Frage nach dem Seyn jemals gestellt, bleibt ein wenig geflunkert.)

Schelling scheibt bereits 1833/34 in einem Vorwort zu einem Buch
seines französischen Philosophenkollegen namens Victor Cousin
folgendes:
„Ich will nicht das bloß Seyende (*als leeren Begriff), ich will das Seyende, das ist und existiert. In diesem Sinn steht also der Philosophie noch eine große aber in der Hauptsache letzte Umänderung bevor, welche einerseits die positive Erklärung der Wirklichkeit gewähren wird, ohne dass andererseits der Vernunft das große Recht entzogen wird, im Besitz des absoluten Prius,
selbst des der Gottheit zu sein; ein Besitz, in den sie nur spät sich setzte, der allein sie von jedem realen oder persönlichen Verhältnis emancipierte, und ihr die Freiheit gab, die erforderlich ist, um selbst die positive Wissenschaft als Wissenschaft zu besitzen...

… mit „nur spät“ meint Schelling hier die Metaphysik, welche erst „spät“ also „erst“ mit Platon ins Denken eintrat, und konstruktiv für die Wissenschaften wichtig wurde, jedoch nicht der kosmologischen TAT-sächlichkeit ENT-SPRICHT. Schelling  schreibt weiter:
…Hierbei wird also auch der Gegensatz von Rationalismus und Empirismus in einem viel höheren Sinne als bisher…zur Sprache kommen. Empirismus wird dabei nicht, wie ihn die Franzosen und wohl der größte Teil der Deutschen bis jetzt verstehen, als Sensualismus und als – alles Allgemeine und Nothwendige leugnende System; er wird in dem höheren Sinne genommen sein, in welchem man sagen kann, dass der wahre Gott nicht das bloße allgemeine Wesen, sondern selbst z u g l e i c h  ein besonderes oder empirisches ist.   Ebenso wird dann auch eine V e r e i n i g u n g beider zustande kommen, in einem und denselben Begriff, von welchem sich,  als gemeinschaftlicher Quelle, das höchste Gesetz des Denkens, alle secundären Denkgesetze und die Prinzipien aller negativen sogenannten reinen Vernunftswissenschaften ebensowohl, als von der anderen Seite der positive Inhalt der höchsten, allein (senso proprio) eigentlich so zu nennenden Wissenschaft sich ableitet…“

Der Gigant Schelling spricht hier 1833 von nichts Geringerem als von der „Verwindung“ der Metaphysik, die eine Vermählung sein wird.
Das heißt: Er spricht vom Wiedereintritt des Denkens als Handeln im Sinne des Denk-Handelns in das Seyn selbst. (Re-Entry)

Dass die Deutschen trotz „Weimar-Klassik“ ihre eigenen Philosophen oft nicht verstanden haben, ist auch mittelbar verknüpft mit der Rezeption unseres „Nationaldichters“  – der, vom poietischen  Standpunkt aus betrachtet – wie schon erwähnt, ein Ab-Dichter war, aber kein Dichter.

Goethes hausbackene Latinität aus der Mittelschule war immer sehr gut getarnt. Verdammt gut getarnt. Denn immerhin hat er einen Schelling sogar, auf Grund seiner ministerialen Entscheidungs-Befugnis, nach Jena an die Universität geholt.

Die Tatsache, dass Goethe sogar mit einem Schelling zeitweise verkehrte,  sich  Briefe mit ihm schrieb, ihm sogar eine Anstellung verschafft gehabt hatte, konnte immer  sehr leicht den Eindruck erwecken, Goethe hätte sich tiefergehend interessiert für das, was Schelling dachte.

Überhaupt konnte Goethe immer sehr leicht den Eindruck erwecken, er sei bei  irgend einer Sache tiefer bei der Sache gewesen.

Wenn man den Kontakt zu Schelling aber einmal näher studiert, erkennt man Goethe als einen  Herumstocherer in allen möglichen Einfällen, als ein bestenfalls platonisch angehauchten Wirr-Kopf, der sich verzettelt und Schelling nach Jena geholt hatte, damit er sich in seinem spießigen Weimar nicht so langweilen musste. Das gilt überhaupt für sehr viele Bekanntschaften, die Goethe zu den Zeitgenossen pflegte. Es sind Zeit-Vertreibe.
(Auch einen Hegel hat er irgendwann einmal getroffen. Von diesem Zusammentreffen blieb nicht mehr als ein Schulterzucken auf beiden Seiten und ein paar verwaschene Notizen.)
Die  „Verkrumung“ der Goethe-Rezeptions-Geschichte in den letzten 200 Jahren belegt sich nicht selten in einem  Nicht-Denken, das im Verbund mit Alltags-Schläue, Küchenpsychologie und einer etwas angestaubten Stoa gerne mit Künstlertum oder Philosophie verwechselt wird.

Aber Alltagsschläue oder aufgewärmte Stoa sind noch kein Denken, noch ist es irgendwie eine Art von Kunst.

Es handelt sich also um ein Missverständnis in der Rezeption. Denn Goethe war im Grunde ein ganz normaler Typ, ein wenig schelmisch, ein wenig begabt, ein wenig gebildet – so wie jeder das auch sein kann. Nur hätte man ihm eben und er sich selbst verschonen müssen mit dem Hyperbolismus eines völlig danebengreifenden Kults einer Überfigur.

Goethe war in allem, was er tat, ein mehr oder weniger glückhafter Dilettant. Er gab Bouvard und Pecuchét in einer Person. Darin kann er sogar sympatisch sein, und vielen Figuren im darauf folgenden 19. Jahrhundert steht er damit Modell.
Er stocherte ein bisschen im Bergbau herum. Er dilettierte im Aquarell. Er schrieb Gelegenheitsgedichte. Er hielt plappernde Tischrunden ab. Er sammelte Steine.  Er „schrieb sich Briefe“ mit allem und jedem. Er traf Napoleon. Er empfing Hegel.  Er redete mit Schelling. Er klebte Pflanzen ein. Er las Kant, oder auch nicht. Er zog seinen Hausrock an oder auch nicht. Er drehte an einer Elektrisiermaschine.  Er befreundete sich mit  Schiller oder auch nicht. Er gab Zeitschriften heraus. Er führte Regie.  Er schrieb Theaterstücke.  Er widmete sich der Farbenlehre. Er pflückte Blumen. Er lies einen Heißluftballon steigen. Er dachte Philosophisches. Er trank Wein. Er reiste hier hin und da hin. Er beschnupperte hier und da ein paar Damen. Und er hat auch Verse gereimt – kurz gesagt: Goehte war ein im Grunde ganz sympathischer Typ und Kumpel, der eben nur das Pech oder das Glück hatte, seine bouvard – und – pecuchét – hafte Existenz an exponierter Stelle aushalten und ausleben zu müssen.

Das alles ist manchmal sogar lustig, aber es hat  an keiner Stelle etwas zu erzählen.

Sein Schreiben blieb immer hübsch im latinisierenden Bildungskanon, selten irgendwo gegenwärtig, so abgemischt mit ein bisschen Horaz, aufgekochtem Ovid und parfümiert mit schlechter Stoa.  Ein, zwei Gedichte sind ihm gut gelungen, vielleicht waren es auch drei. Seine Aphorismen, seine Naturauffassung, sein komisches „Selbst-Verständnis“ stehen alle schon bei Marc Aurel oder bei Seneca oder oder …
Der Rest ist für die Klöppelrunde. Sein Faust –  grober Unfug.

Der Zeitgenosse Georg Christoph Lichtenberg war dann im Vergleich doch um Klassen besser, moderner, originaler.

Goethe wusste auch selbst um die Nichtigkeit seiner schriftlichen Hervorbringungen. Er hat es zu Eckermann gesagt. Aber leider war dann auch seine Farbenlehre, die er leider leider gegen den großen Newton ins Feld führte, Humbug.

Goethe war und blieb immer ein  Dilletant und Abiturlateiner – ein tüchtig-deutscher Oberprimaner in „Schönschrift“,  der in Ilmenau vielleicht ein paar Bauern beeindrucken konnte, ansonsten aber dort einen zusammenfallenden Bergwerksstollen hinterlies.

…aber diese Form des Allesanfassens und Wiederliegenlassens unterscheidet eben den sympathischen Dilettanten von einem Amateur.
Man kann eben nicht „einfach so irgendwie“ Bergbau betreiben. Ohne Passion, ohne Erfahrung.

Ein Amateur ist jemand, der liebt oder vielleicht sogar begehrt.  So sagt das Wort. Das heißt: Der von einer Sache wirklich berührt und dauernd flexiert wird. Diese Berührung oder Flexion aber meint mehr als bloßes Hier- und Da – Hinein-Stochern. Die Flexion schöpft etwas in der Fokussierung. Die Unterwerfung, als Beuge unter ein Thema.

Während ein Dilletant nur ein dilettantisch rauschendes „Geräusch“ des Viel-Beschäftigt-Seins erzeugt, von dem die Nachwelt annimmt, es fände sich darin irgend Brauchbares oder Neues oder Bedeutsames.
In diesem Sinne der Unterwerfung unter ein Thema war Einstein auch ein Amateur, ebenso wie die große Marie Curie oder ein Goodyear, der das Vulkanisierungsverfahren für alle späteren Autoreifen erfand oder ein Tesla, oder ein Faraday, oder ein Otto Lilienthal. Auch Kleist, ja, war ein Amateur. Aber sie alle wirkten als Fokussierer im Brennpunkt eines Interesses.

Oder eben auch – in gewisser Weise – ein Wernher von Braun. Wenn das Amateurhafte sich mit dem Professionellen verbündet, dann wirkt etwas.

Goethe hat nie etwas geschöpft. Er hat gekritzelt, gereimt, viel
geschrieben, und ein wenig nachdenklich war er manchmal auch.

(Es wurde auch immer behauptet, Goethe hätte die deutsche Sprache ganz besonders bereichert. Auch das ist übertrieben. Er hat sie eher ausgedünnt und so ein bisschen salonfähig gemacht. Für gutes kräftiges Deutsch kann man die Luther-Bibel nach wie vor jedem Goethe-Schrieb vorziehen. Oder das Grimmsche Wörterbuch. Oder eben Herder, Schlegel, Kleist oder Seume.)

Dass Goethe besonders viel Schriftstaub hinterlassen hat, konnte auch hier über 200 Jahre fehlinterpretiert werden, es fände sich darin etwas Brauchbares .
Da wirkt kein Denken, keine Berührung, keine Sammlung, kein Fokus, kein Ereignis. Nix.  Sein komischer  Zwischenkieferknochen, den er angeblich entdeckt hat, muss man ihm ganz groß anschreiben, unbedingt.

Es stellt sich also heraus, dass die Deutschen in Goethe einen dilettierenden Höfling verehrten, der es nie zu einem professionellen Amateur gebracht hatte .

Wollte man Goethe schnell auf den Satz bringen, müsste er so lauten:

Goethe war ein Ver-Sammler, aber in dem er Ver-sammelte, hat er sich zerstreut. Zu einer SAMMLUNG  – im Sinne einer Schöpfung im FOCUS als Dichtung hat er es nie gebracht.

Goethe bleibt historisch wichtig und bedeutsam als komisches Modell, als großer komischer Dilettant steht er für ein  intellektuelles Mißverständnis sowie als Symptom für die Fähigkeit, „geflügelte “ Worte produziert zu haben, die sogar zwei große Kriege überlebten. Hut ab.

Das 20igste Jahrhundert zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass Flugzeuge und geflügelte Worte sich nie in die Quere gekommen waren.

Die Alltags-Wahlsprüche der letzten 200 Jahre lauteten immer: Es ist besser, man tappert nur halbwegs schwachbelichtet durchs Leben, als besorgt und von „Gedanken angekränkelt.“  (Sorge dich nicht, lebe…etc…)

Was dabei aber immer übersehen wird: Erst wenn man sich intensiv  und  auf das DENKEN einlässt, dann erst beginnt das Abenteuer und die Raumfahrt.

Nietzsche war auch immer ein großer Apologet der „Schläue“ gewesen.
Des „Gesunden“. Des „Apollinischen“.  (Aber er selbst war natürlich ein empfindliches Seelchen und Philologie-Professor. Der Schuster, der selbst barfuss ging. Er selbst war nicht gesund. )

So zeigt sich, wie die Deutschen, von ihrem sprachlich-denkerischen Vermögen her, immer auch re-flexive Riesen-Ausschläge auf einer denkerischen „Richter-Skala“ erzeugen konnten.  Zu diesen „Riesen-Ausschlägen“ und „Denk-Amplituden“ gehört Meister Eckardt ebenso wie Kant ebenso wie Hegel oder Schelling oder Kleist oder auch Schopenhauer. Und auch Heidegger.

Weil sie aber selbst davon immer ganz geschreckt sind, bilden sie dagegen
Strategien des „Anti-Denkens“ aus. Gegenamplituden.
(„Denken macht raurig. Sorge dich nicht, lebe…“) Diese Konzepte des Anti-Sorge-Denkens sind zumeist immer Aufkochungen der späten Stoa.
Sie sind über 1000 Jahre alt.

Die Deutschen können aber denken, vom Prinzip her –
Aber sie entscheiden sich dann doch zumeist immer für die
Gegenamplitude des Nicht-Denkens.
Einen Kleist wiederum muss man als Forscher und Denker in eine Reihe stellen mit Leonardo, Newton oder Leibnitz. Er war ein toller Philsoph.

Wenn man einmal in das – zum Teil wirklich aufregende  – Abenteuer von  Denken verwickelt wurde, dann erkennt man plötzlich die „Philosophie-Bewegungen“, die heute so im Fernsehgespräch, in Zeitungen, in den meisten Büchern,  sich vollziehen, als ein pflanzenhaftes Movement, nicht ohne Grazie, aber eben pflanzenhaft.  Man macht dann die ebenfalls nicht ganz geheure Erfahrung, dass man Philosophen beim „Philosophischsein“ zuschauen kann, wie Wasserpflanzen beim „Wasserpflanzensein“.

Nun war auf diesen Seiten schon klar geworden, dass man nach der Carmina Burana und nach den großen Methodikern von Mystik und Scholastik sowohl in der Dichtung als auch in der Philosphie nichts mehr findet, das etwas wesentlich Anderes oder Neues gedacht hätte.
Eckardt von Hochheims „Wirken des Wirkens“  – wenn man ihm wörtlich nachspürt, aber ebenso sein  „Erkennen als eine Struktur der Welt.“  – umgreift bereits in Gänze alles, was danach noch so „philosophisch“ hinterhergewackelt kam.

Auch Nietzsches Knattermimik in Bezug auf seine Idee der „Räder“ und der „Wiederkunft“  etc…waren alle schon in jenen ersten Rädern bei Hesekiel, den Umdrehungen der Carmina und in der lustigen Kugel der Tyche voll erzählt. Nur sind das eben keine Räder und Kugeln, auch keine „Schalen“ – sondern es sind sich ein-beugende, einkrümmende  Zeit-Raum-Wirbel-Perepherien –  gegen das OFFENE inmitten des OFFENEN.

So muss man auch sagen, Nietzsches  „Neuigkeit“ also gründet hauptsächlich in der Gedächtnislosigkeit und dem Nichtdenken seiner Leser. Sie gründet also selbst in einer Seins-Vergessenheit.

Dazu käme heute die Erkenntnis, dass ein Nietzsche im Vergleich zu seinem Vorgänger Heinrich von Kleist als bloßer Feuilletonist einer  Migräne-Erkrankung dasteht.
Selbst auf dem Gebiet, das man Nietzsche genuin zuschreibt, dem Gebiet des „Dichterphilosophen“ reicht er an Kleist nicht heran.

Kleist war sowohl der stärkere Dichter – das heißt: Künstler –  als auch der schärfere Denker. Und er war physikalisch sowie mathematisch top fit auf der Höhe seiner Zeit. So auch als Naturwahrnehmer.  Das bleibt insofern erwähnenswert, weil Nietzsche immer einigen Wert darauf gelegt hatte, die „Künstlernaturen“ von den „Denkernaturen“ zu unterscheiden.
Kleist aber hatte diese lächerliche Trennung längst widerlegt gehabt.
Dafür stehen Kleists subtile Erwägungen zur Elektrizizät, zur Gravitation, zur Mathematik, und wieder zur Gravitation. Sein Instinkt für die Wirksamkeit bei der „allmählichen Verfertigung der Gedanken beim Reden“   –  für einen zeitgenössischen Dichter um 1800 war er auf der Höhe. Und dann hatte Kleist diese unglaublich scharfsinnige Fabel verfasst:

„Wenn ich dich nur hätte, sagte der Mensch zu einem Pferde, das mit Sattel und Gebiss vor ihm stand, und ihn nicht aufsitzen lassen wollte; wenn ich dich nur hätte, wie du zuerst, das unerzogene Kind der Natur, aus den Wäldern kamst!
Ich wollte dich schon führen, leicht, wie ein Vogel, dahin, über Berg und Tal, wie es mich gut dünkte; und dir und mir sollte dabei wohl sein.
Aber da haben sie dir Künste gelehrt, Künste, von welchen ich, nackt, wie ich vor dir stehe, nichts weiss; und ich müsste zu dir in die Reitbahn hinein (wovor mich doch Gott bewahre) wenn wir uns verständigen wollten.
(Kleist 1808)“

(Auch diese kurze Fabel ist besser als alles, was Nietzsche jemals geschrieben hatte.)
Man könnte jetzt meinen, vielleicht brauchte es erst einen Nietzsche,
um Kleist  – rückwirkend – wirklich zu verstehen und zu erkennen.
Und schließlich: Würde man heute einen Kleist sozusagen einen Vor-Nietzscheaner nennen, oder?

Nein, das wäre sehr bequem, so etwas zu sagen.

Umgekehrt: Nietzsche war ein schlechter Kleistianer.
Dafür war das Denken und das Dichten zu Kleists Zeiten – zum Beispiel in Schelling oder auch  bei Hölderlin – schon viel zu hoch entwickelt – weit über Nietzsche hinaus.

Bereits ein früher Romantiker wie Schlegel hatte ja in seinem Gedicht
„Die Verhältnisse“ die Formulierung  der „Rücksichten, die unseren Blick berücken“ geprägt. Eine Zeile, die als Motto über den ganzen Nietzsche geschrieben werden kann, wenn nicht sogar über die letzten 200 Jahre.
Und fertig wäre der Lack.

Friedrich Schlegel: Die Verhältnisse

Rücksichten sind´s, die unsern Blick berücken;
In Absicht jede Aussicht gleich erkalten,
Bis wir, eh wir uns umgesehn, veralten,
Und beugen dann, von Einsicht schwer, den Rücken.
Roh scheint´s, der Erde Blumen grade pflücken.
Wir möchten fein der Schonung Linie halten,
Der Liebe Leben künstlich klug verwalten,
Verständig und mit Anstand uns erdrücken.
Wir sollen unbekannte Größen wählen,
Es sind zu wenig Gleichungen gegeben,
Drum hatt´und hat´s ein sonderbar Bewendnis;
Denn, weil wir endlos rechnen, zweifeln, zählen,
Wird uns das klare, leichte, freie Leben
Ein einzig vielverschlungen Mißverständis.

Tapfer verhalte dich stets; so ist dein das beste Verhältnis,
Kannst du gelassen es sehn, wie sich verwickelt das Volk.
> Friedrich Schlegel

Das Gedicht von Schlegel ist für seine Zeit sehr guter Tobak und zugleich der ganze Nietzsche.

Nietzsche hat in seinem ganzen Leben nie etwas anderes getan, als dieses Schlegel-Gelegenheits-Sonett auszuwalzen mit einer Kuchenteigrolle.
Und hat doch nie das Niveau der ersten Zeile des Gedichts erreicht. Die seltsame „Tapferkeit“ – die Schlegel unten empfielt…..hält sich bis heute in dem Arme-Leutespruch: Sorge dich nicht. Lebe. Und das schlägt seit 200 Jahren immer und immer und immer wieder in die Bilanz.

Wie langweilig wie unglaublich langweilig das bis heute ist. Alle intellektuellen Diskurse kreisen seit 200 Jahren mehr oder weniger um ein Gelegenheits-Sonett von Schlegel… Als wäre hier eine Uhr stehen geblieben.

Aber nach  Schelling kam niemand mehr intellektuell auf die Höhe
dieser ersten Zeile:

„Rücksichten sinds, die unseren Blick berücken“ –

– das ist eigentlich das ganze schöne – berückende –  und zugleich demütige Tun des Menschen. Der Mensch ist deshalb Mensch, weil er sich erinnern kann, weil er Denk-Male in DAUER und für bedauernde Rücksichten hat, die seinen BLICK berücken. Das ist seine Re-Legio (seine Rückbindung/Lesung) Schlegel weist hier also darauf hin, dass es neben dem „Verrücktsein“ noch die Chance auf ein „Berücktsein“ gibt.
Das wäre eine Eigenschaft, die den Menschen vom Tier unterscheidet.

Und das unterscheidet zum Beispiel die Tätigkeit des BE-SCHAUENS und des STARRENS auf ein „Bild“  – von der WESENS-SCHAU im BLICK eines Prozess.
Das meint Heidegger, wenn er vom Denken in der „Überlieferung“ spricht.
Erst wenn ich die Bilder des Hubble-Teleskops nicht mehr nur anstarre,
sondern sie mit einem „berückten Blick“ im Sinne einer Erinnerung (zum Beispiel an Kleist) in eine Berückung nehme, erst dann „verrät“  mir ihr
LICHT etwas POIETISCHES.

Dann entbergen sie ihr Licht und löschen das starre „Bild“.

Die nicht-denkende Alltagsschläue aber mit und nach Nietzsche hat dieses ziemlich subtile Schlegel-Sonett auf eine Spießerformel gebracht, die da lautet: Sorge dich nicht, lebe.
ALS SEI LEBEN NICHT IMMER UND JEDERZEIT SORGE!

Dem oben aufgerissenen Programm von Schelling war Heidegger dann in seinem Forschen 100 Jahre später wieder gefolgt. Richtiger Weise. Vernünftiger Weise.

Bedenkenswert wichtig bleibt das Wort vom Recht der Vernunft in dem oben zitierten Programm von Schelling. Hier ist also nicht von irgend einem
Übermenschen-Schwachsinn die Rede, wohl aber von einem Sprung der Reflektion als ein Vernunfts-Sprung in eine neue nicht-mehr-metaphysische Epoche der Verschränkung.

Joseph Schelling selbst war leider durch den heraufziehenden Stumpfsinn und das sich verfestigende Spießertum  in den Geisteswissenschaften  des 19. Jahrhunderts einerseits – aber auch durch die Explosion der Spezialisierungen andererseits – in seiner späten sogenannten „Positiven Philosophie“ stark behindert bis sabotiert worden. Er konnte sie nicht mehr oder nur noch sehr sporadisch ausarbeiten.

Aber das philosophische Schelling-Zitat steht oben so ausführlich da, um klarzumachen, wie bedauerlich bald darauf das Denken im weiteren Verlauf des 19. Jahrhundert verebbt ist.
Und es steht da, um zu zeigen, wie dicht Heinrich von Kleist bereits 1808 mit seinem Hohlspiegel der fernsten Nähe an den Schellingschen Problemen dran war – als ein Berührter, und als jemand, der sich im mathematisch-philosophischen Sinne bereits mit Technik befasst hatte.

während Nietzsche dann 60 Jahre später sein „Philosophischsein“ inszenierte, in dem er ein Sonett von Schlegel ewig auswalzte und breitwalzte und es dabei doch verfehlte. Und Zeit seines Lebens nur ein Gekränkter blieb. Ein Feuilletonist seiner Kränkung.

Dafür Heinrich von Kleist als ein Berührter, als Künstler, als der stärkere Dichter, der schärfere Denker und als ein sehr aufgeweckt Forschender die Welt wirklich WAHR NAHM. In Berührung.
Der große Unterschied zwischen einem Berührten (Kleist) und einem Gekränkten (Nietzsche) wirkt, in dem ein Berührter sich nicht von den Prozessen abgrenzt und abgrenzen kann. Er ist immer Teil seiner eigenen Erzählung in Anteilnahme. Das macht ihn einerseits verletzlicher, empfindlicher, offener, aber darin eben zugleich auch lucider, heller, dichter, stärker, wahrer.

Nietzsche musste seine Gesundheit immer krankhaft angespannt behaupten.
Während ein Gekränkter (Nietzsche) seine Potentiale darauf verwendet,
wie er seine Wunden abdichtet oder abgedichtet hält. Nietzsches immer sehr aufgesetzte Munterkeit dichtet ab und hat große Mühe darin, ein Seelchen zu beatmen. Das zarte Seelchen, das er war. Diese ständige Arbeit an der seelischen Abdichtung führt irgendwann in den Psycho-Infarkt, also in die Gehirn-erweichung – so wie es ihm dann auch geschah. Leider.

Der Nietzsche-Munterkeits-Ton ist ein todtrauriger Ton.

Nietzsche selbst hat womöglich sein Leben lang versäumt, Pferde wirklich zu umarmen. Erst am Ende seiner Laufbahn – auf einer Straße in Basel, als er sah, wie ein Pferd von seinem Besitzer geschlagen wurde, im schwarzen Licht seines Zusammenbruchs, tat er es dann – zu spät – in Mitleid.
Und dann, in Pflege bei seiner Schwester, soll er gesagt haben: „Ich bebe keine Pferde.“ Angeblich konnte er das Wort „liebe“ nicht aussprechen.  Warum „bebte“ er keine Pferde?

Eine bedauerlich Wendung im Leben des sehr begabten Nietzsches war ausgerechnet sein Deutschenhass. Das „Deutsche“ ausgerechnet, das Nietzsche von der Mentalität her, vom Wetter und vom „Essen“ (!Verdauung!) her –  so gehasst hat.
Ausgerechnet dieses Deutsche, dem er immer in eine alpine oder mediterrane „Weltläufigkeit“ entflohen ist, dieses Deutsche hätte ihm sprachlich einen Wink geben können in Richtung POESIE.  Nietzsche schrieb in deutscher Sprache, aber er wollte kein Deutscher sein. Die Pferde, die in dieser Sprache galoppieren, hat er leider nicht gesehen.

So blieb er  die überstrapazierte Ausgabe des Schlegel-Gelegenheits-Sonetts „Die Verhältnisse.“  Ein Weinender. Seine verschmähte Liebe zum Welt-Gefühl der Romantik verwandelte er in Galle. Seine „Munterkeit“ sind ungeweinte Tränen.

Dass Kleist als Raumfahrer und Forscher sozusagen mit seinem „Denk-Gerät“ früh „verunglückichte“, so wie einige Raumfahrer verunglückt sind, macht ihn zu einem Forscher, während Nietzsche nur ein Gekränkter bleibt.

Nietzsche selbst hat Heinrich von Kleist im Vergleich mit Goethe als „krank“ bezeichnet und ihm damit die Würde genommen, die einem Raumfahrer gebührt, auch wenn er früh „verunglückte“. So etwas ist sehr bedauerlich.

Man kann hier noch einmal die Frage stellen: Wie viele früher Chemiker sind „verunglückt“ – mit ihrem Labor explodiert oder haben sich vergiftet, damit Nietzsche seine Tinkturen und Tabletten bekam? Wie viele Erfinder und Tüftler sind „verunglückt“ – weil sie  herumtüftelten in ihren Werkstätten und Laboren bei „explosiver“ Gerätschaft?
Wie viele Träumer vom Fliegen stürzten in die Tiefe, bis das erste Flugzeug endlich seine Höhe hielt? All das hat die Menschen vorangebracht. Aber diese waren immer berührte Forscher – Typen, die nicht selten schlecht ernährt und dem Scorbut nahe sich einer Sache widmeten im Focus einer SAMMLUNG und VERDICHTUNG.

Der toll begabte aber tödlich verletzte Nietzsche war die pathogene Auto-Immun-Reaktion eines geprügelten Kindes, das KIND MENSCHHEIT, das im frühen Aufschlagen des Schellingschen Auges eine Art Renaissance  verfolgt hatte in einer schönen Verbindlichkeit von Naturwissenschaft, Blick, Wesensschau, Liebe, Musik, Mathematik, Kunst und Poesie, als ein – erwachen wollendes Menschenkind im GÖTTERFUNKEN der Musik Beethovens – das dann aber von den nachnapoleonischen Realpolitiken und geistigen Spießern eines „blinden“ und pragmatischen Unternehmertums pragmatisch gezüchtigt wurde, bis es dann im 20. Jahrhundert als Schwerstverdummter an seinen psycho-pathogenen Auto-Immunreaktionen sowie in einem  allesvernichtenden thanatorialen Besäufnis der sogenannten Avantgarden und „Futuristen“ in den Schützengräben verreckte.
In völliger Unterschätzung der WUCHT im WESEN der Technik.

(Wer die unfassbare allmähliche und geistige Versumpfung des  19. Jahrhundert einmal verstehen will, der lese „Die Erziehung der Gefühle“ (education sentimentale) von dem großen französischen Dichter Gustav Flaubert oder auch sein traurig-schön-vergebliches Bouvard und Pecuchét)

Gemessen an Menschenkindern wie Schelling, wie Beethoven, wie Bettina oder Achim von Arnim, wie Schlegel, wie Hölderlin, wie Novalis oder wie Kleist, war Nietzsche später dann nur eine leider verhärtete Allergie.

Anstatt wie Jule Verne sich für Technik wirklich zu interessieren und daraus technische Utopien abzuleiten; oder anstatt wie Heinrich von Kleist sich dem Ding Hohlspiegel oder dem Phänomen der Gravitation philosophisch spürend zu widmen –  musste es bei Nietzsche Philologenschwulst sein. Sein Zarathustra bleibt Philologenschwulst, hochgekämmter Ovid und Metaphern-Gestöber ohne sachlichen Bezug zum technischen WESEN.
Und seine anderen Schriften drehen am Rad, aber sie bauen kein Rad.

Der ganze zukunftsbildene Gehalt der philosophisch-dichterisch-mathematisch-physikalischen Aufbrüche des frühen 19. Jh. verstummte (nicht: verschwand) dann in den P r a k t i k e n  der großen Forscher wie Meyer, Clausius, Boltzmann, Kirchhoff, Maxwell, Clausius, Herz,  Fourier, Lagrange, Laplace, Jule Verne, Humboldt, Helmholtz und wie sie alle hießen. Das waren die wirklichen Dichter und Künstler.  Und gerade diese Forscher-Künstler haben zum Teil auch sehr inter-essante  und empfindliche Texte geschrieben, nur galten die eben nicht als „dichterisch“ – was einer der großen „Blindgänge“ und sehr bedauerlichen Verläufe der letzten 200 Jahre anzeigt.

Anstatt die Texte und Labortexte von Meyer, von Humboldt, von Boltzmann, von Maxwell, Faraday, von Kirchhoff von Mach oder von Planck etc….wirklich zu lesen und sachlich BE-DENKEND zu  reflektieren, musste es eben der Zarathustra und der Faust sein, Philologenschwulst, Allegoriengestöber.

Ein Heinricht von Kleist dagegen hatte sich bereits mit dem Gedanken befasst, wie man die Elektrizität als naturhafte Wirkung in einen gesellschaftlichen Kontext einspiegeln könnte….

Der  schöne Aufbruch des ganz jungen 19. Jahrhunderts verschwand dann auch im dilletierenden Goethe, der zwar scheinbar alles anfasste, aber genau so auch alles liegen lies, sich verzettelte, und am Ende auf seinem Sterbebett „Mehr Licht!“ verlangte. Eben das Licht, das ihn in seinen fadenscheinigen Dichtungen, und in seinen  Stunden bei Hofe womöglich oft gefehlt hatte.

Nietzsche hat nichts gesagt oder gewusst, was nicht schon Schelling gesagt und gewusst und was nicht schon Schlegel in seinem kleinen Gelegenheitssonett geschrieben hatte.  Das gilt sowohl für die Erkenntnistheorie als auch für die Natur-Philosophie als auch für die Wissenschaftslehre als auch für die Antike-Rezeption.

Aber als großer Knattermime in einem „Denken auf der Bühne“  bleibt man eben der „Knatterer“  – eine Art Gegen-Spießer für ein sofaeskes „Publikum“ –  solange der Knattermime sich nicht darüber Rechenschaft ablegt, dass „Abstoß“ oder „Vorstoß“ allein keine rational inhaltlichen und denkerischen Begründungen geben, sondern lediglich „Knatter-Gesten“ – solange die Technikfrage nicht geklärt wird,  solange die Seyns- Frage im Physio- Logos nicht präzise mit den Naturwissenschaften abgehandelt wird.

Ausgerechnet ein Friedrich Engels war es dann wieder, der auf einer halbwegs sachlichen Ebene versuchte, eine „Dialektik der Natur“ zu schreiben. Dicht an der Naturwissenschaft dran. Ein Versuch, der nicht zu unterschätzen bleibt, der aber  – wen überrascht’s – nicht beendet wurde. Höchstwahrscheinlich deshalb nicht, weil eine wirklich präzise und strenge Behandlung dieser Frage zur Auflösung des naiven „Materialismus“ selbst geführt hätte, ebenso des platten „Subjekt-Begriffs“.

Nun kann man dem sehr begabten Nietzsche nicht zum Vorwurf machen, dass er zumeist von Leuten rezipiert wurde, welche die Probleme ebenso wenig sahen.

Mit einer halbwegs aufmerksamen Schellinglektüre und Kleist-Lektüre im Rückspiegel einiger neuerer Erkenntnisse der physikalischen Wissenschaften, hätte man sich das bedauerliche nietzscheanische Knattermimentum eigentlich ersparen können.  Und Nietzsche selbst wäre auch einiges erspart geblieben.

Nietzsche war also ein ganz schlechter Kleistianer und offenbar ein schlampiger oder gar kein Schellingleser. Ihm fehlte die physikalische und mathematische Präzision eines Kleist. Und ihm fehlte die philosophische Demut. Ohne diese gibt es keine Verwindung der Metaphysik, keine Umwertung, die glücken kann.
Ja, Kleist war ein Berührter und sehr verletzlich. So verletzlich und berührbar wie ein Raumfahrer eben sein kann.  So ein früher Versuch mit dem „Denk-Gerät“ kann auch schiefgehen. So etwas kann vorkommen. Bis zu diesem Punkt aber  – bleibt  man ein Berührter in der Fahrt der Wagnisse. Man bleibt wagender Raumfahrer.  Bis zu diesem Punkt dichtet man sich nicht ab, sondern man berichtet und ver-dichtet und schreibt auf im Ent-Sprechen aller Verletzlichkeit, der WIRKLICHKEIT, also  im Seyn.

So wirkten da lange Zeit  zwei große Epochenmißverständnisse in der Aufbereitung der Geistesgeschichte der letzten 200 Jahre.
Das eine Mißverständnis heißt: Romantik und Spätromantik seien als „verstiegenes Idealistentum“ mitverantwortlich für Faschismus und Nationalsozialismus gewesen.
Das zweite Epochenmißverständnis heißt: Nietzsche sei der Erfinder des Gedankens der „Umwertung“. Das stimmt nicht. Das hatte Schelling längst formuliert.
Faschismus und Nationalsozialismus haben mit Romantik oder Spätromantik nichts zu tun, sondern sie bleiben immer die Sympthome einer Gesellschaft, die
Zitat Walther Benajmin: „nicht reif genug ist, sich die Technik zu ihrem Organ zu machen und einer Technik, die nicht ausgebildet genug ist, die gesellschaftlichen Elementarkräfte zu bewältigen.“ (Walther Benjamin. Das Kunstwerk i. Z. s. R. )

„Nicht reif genug“ bedeutet hier: Die Menschen sind nicht reif, zu begreifen, dass sie sich immer in einem o r g a n i s c h e n Verhältnis zur Technik befinden. Das heißt: in einem o r g a n i s c h e n Verhältnis zum Logos – und nicht  in einem metaphysischen Verhältnis. Nicht in einem be-schaulichen Verhältnis. Aber das wusste eben Fichte schon und Schelling auch schon und Adam Müller hatte es auch schon geahnt.

Noch konkreter bedeutet das: Entweder eine Gesellschaft leitet ihre technisch- organische Peristaltik in konstruktive und sinnvolle und expansive Großprojekte ab, als Projekte des WEGES – wie zum Beispiel  in die technische Raumfahrt oder in die zivile Beherrschung der Kernfusion – oder sie gleitet in den  allmählichen Stumpfsinn ab, in die Destruktion von Decadenz und Zerfall.

Heideggers kurzzeitiges Engagement für den Nationalsozialismus im  allerersten Jahr war ursprünglich der Hoffnung auf Be-Wegung entsprungen, es könne ein sinnvolles und organisches mensch-technisches Vermögen sich auf einen sinnvollen und organisch kompatiblen Weg machen . Im Prozess des Seyns. Das hätte aber ein Verstehen des WESENS der Technik vorrausgesetzt.

Es war und blieb danach immer sehr einfach und bequem, auf Heidegger mit dem Finger zu zeigen und ihm sein kurzzeitiges Engagement von 1933/34 vorzuhalten. Heideggers Hoffnung wurde dann auch schnell enttäuscht von den  „Real-Politiken“ der NICHT-DENKER.

Aber die eigentliche Bewegung lebte oder überlebte als Organik sozusagen ZÄH und UNBESIEGBAR weiter, mit Blut in den Schuhen und in den Träumen und Trümmern eines Wernher von Braun, in der Raketen-Toten der V2, die dann schließlich zur Mondlandung „führten“ , zum Space-Shuttle und zum Satelitenfernsehen.

Was wissen wir von Keppler? Schon ein Johannes Keppler hatte sich als  Autor betätigt und in „Somnium“ (lat: Traum) eine Mondfahrt beschrieben. Auch das ein Anschlag auf Nietzsches komische Sentenz der Trennung zwischen Wissenschaftler Denker und Künstler

Das oben eingebene Zitat von Schelling dürfte klar gemacht haben, wo das Niveau der Philosophie bereits 1833/34 sich befunden gehabt hatte.
Nietzsche blieb immer eine „Altlese“ für „Neuleser“, die nach Kleist, nach Fichte, nach Schelling den Gong nicht gehört haben oder hören wollten  –
Nietzsche ist der bedauerliche Erfinder eines „Philosophischseins“  ohne Mathematik, ohne Technik, ohne Beuge.  Er war der schwache und bedauerliche Ersatz für wirkliches Dialogisieren im Gespräch, für wirkliche Poeisie für eine wirklich neue einheitliche Wissenschaft – im Sinne Schellings.
Was von ihm bleibt ist:  Ihn bedauern als Symptom.
Alles andere hat schon Balthasar Gracian gewusst.

Von Beethoven wird eine sehr sprechende Anekdote überliefert. Einem Verwandten, der ihm eine Visitenkarte mit der Unterzeile: „Gutsbesitzer.“
geschickt hatte – soll er eine Visitienkarte zurückgeschickt haben mit dem Aufdruck: Ludwig van Bethoven: Hirnbesitzer.

Zurück (nach vorn) auf Anfang, den anderen…

Thales Brunnen-Fernrohr. Wenn man den Schacht des Brunnen sich in der Gravitationalen noch weiter verlängert in die Tiefe denkt – dann würde die Brunnen-Öffnung da ganz oben selbst nur noch winzig blinken, stecknadelkopfgroß wie ein Stern.

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