Höhe der Technik: Denken und Schreiben im Internet.

Ein Haus, das man als neugieriger Mensch betritt und als geistig Behinderter wieder verlässt, nennt man in Deutschland eine Schule.

Das Problem von vielen Intellektuellen, Schriftstellern und Dichtern heute ist ihre nichtvorhandene bis mangelhafte Sprache. Wie vor 3000 Jahren halten sie, was sie ihr Sprechen nennen, ihren Vers nennen und ihren Gesang nennen für ein Echo des Logos der Götter. Dabei rufen sie den Logos an, aber sie sprechen ihn nicht. Sie reden die Rede, aber sie bauen kein Rad. Sie wälzen Verse, aber sie sind nicht versiert. Der Logos aber, der WIRKsame Logos, der echte VERS, als DICHTENDER Logos und als Gesang ist im technologischen Zeitalter von den programmierenden Göttern hineingeschenkt in den Rhythmus der VERSierten Maschinen. Der mächtige Logos, als – der SCHÖPFENDE – das ist der LOGOS der PROGRAMMIERER im versierten LOGOS der Technik. Die Techniker, Ingenieure und Programmierer – das sind heute die Dichter. Sie verdichten. Der so genannte Schriftsteller, der so genannte Philosoph, der so genannte Dichter, schreibt und redet nur noch SERVIL, als SERVER, in der Sprache der DIENER. Er bedient die Maschinen, die ihn an-stellen. Er singt den Rädern ein Liedchen – vor.

„Virtuelle Realität“ – sagt so viel wie „Nasses Wasser“.

Manchmal besucht mich meine Frage, oder ich besuche sie; dann steht sie vor mir auf ihren schönen mehrfarbigen Augen, oder liegt im Sofa, so in ihren Haaren, dann fragt sie mich oder wir fragen einander gemeinsam, sie liegt dann eben einfach so da…

Die Wahrheit liegt – –
– wie Öl auf dem Wasser.
(altes jüdisches Sprichwort)

… ich reiche ihr ein Glas und schaue mir, während sie trinkt, jedes einzelne ihrer Haare genau an, jedes einzelne von oben nach unten und wieder zurück – während das All immer weiter expandiert.

Die Liebe zum Detail kommt aus Explosionen.

Von Masken und Ge-Sichtern.

So habe ich irgendwann einmal wissen wollen, wie und warum die feinen Trennmedien beschaffen sind, die sich einspannen zwischen Menschen und ihren gestrandeten Gesichtern, den Masken, den Personae, darin ein stummes Gesicht langsam von einer sprechend-nichtssagenden Maske überspült wird – wissen wollen, wie der geselligkeits-ermöglichende Wirbel des Logos in den Lügos sich hinein-versiert; und hier wirkt als eine Induktion, die Geselligkeit erst ermöglicht, möglich macht, – die man heute auch ein Paar nennt, eine Gruppe auf einer Couch, eine Zuhörerschaft vor einem Redner – oder ganz einfach nur Politik und demnach: Gesellschaft – wer mehr und besser davon berichtet haben will, der sollte nicht Foucauld, Luhmann oder Nietzsche lesen, der sollte auch nicht dem philosophischen Quartett zuhören, nein, er sollte den Barock-Taktiker Baltasar Gracian studieren und sich nach dem Studium von Balthasar Gracians Handbuch zur Lebensklugheit das Gesicht – na sagen wir zum Beispiel: von immer mal wieder öffentlich agierenden Intellektuellen im Fernsehen genau anschauen, so eine „Persönlichkeit“, wie sie redet, ohne ihr jedoch beim Reden wirklich zuzuhören – nein man muss die Persönlichkeit als PERSONA als Maske anschauen mit Balthasar Gracian im Hinterkopf.

Hier geht es ja nur DA-RUM, unterscheiden zu lernen zwischen funktionierenden – geselligkeits-sichernden Membran – Funktionen als notWENDIGE Maskenfunktion – im Unterschied zur nackten baren Wirklichkeit, also dem Wirken der WIRKlichkeit in der immer explodierenden Dauer des Universums

Der Lügos meint etwas anderes als eine Lüge.

Der Lügos meint die zivile UM-Gangs-sichernde Variante des Logos. In Geselligkeiten. Ausserdem ist der Lügos immer die schwächere Schrumpfform des Logos.

Den Begriff des Lügos wollte ich hier einführen, damit ansprechbar wird, wie Menschen sich vor Kameras oder in medial vermittelten Nah-Bereichen wahr nehmen. Der Lügos ist das Wort, das wir miteinander tauschen, mit dem wir uns wissend belügen – ohne Lügner zu sein. Der Lügos ist die höfliche bis bürgerliche Version der altgriechischen und lateinisch so genannten PERSONA (Maske)

Die Lügos ist die heute so genannte – Persönlichkeit.

In letzter Zeit war ja, wegen einiger beunruhigender bis erschreckender Vorfälle (Norwegen), aber auch im zunehmendem Ärger über angeblich pöbelnde oder unhöfliche Trollerein und Stalkerein im Internet eine Diskussion über das Potential des Internets erwachsen, ebenso wie zur Anonymität oder zur Nichtanonymität derjenigen, die das Internet nutzen.

Man wird daran erinnern müssen: Mit der Erfindung des Buchdrucks vor knapp 600 Jahren konnten damals auch die neu übersetzte Bibel und viele fortschrittliche Pamphlete (die meisten übrigens von anonymen oder pseudonymen Verfassern) in Stärke verbreitet werden.

Daneben aber wurde auch der so genannte Hexenhammer wirksam, eine schriftlich niedergelegte Gerichtsordnung zur Hexen- und Zauberer-Verfolgung; und viele viele Menschen waren dieser damals frisch druckbaren und stark verbreiteten Gerichtsordnung zum Opfer gefallen.

Der an sich fortschrittliche Buchdruck befeuerte den Hexenwahn damals sogar erheblich. Eine klassische Dialektik: Ein Instrument der Aufklärung wendete sich hier also in sein Gegenteil hinein.

Wenn eine neue Technik, so wie damals der Buchdruck, auf Wesen trifft, die mental und intellektuell nicht präpariert sind, kann das immer auch gegen-aufklärerische Effekte machen.
Gerade deshalb muss jedes irreversibel neu auftauchende technische Medium selbst Gegenstand der Aufklärung werden. In jeder neuen technischen Wendung lauert ein Dynamit.
Das ist so banal, dass man es garnicht mehr hinschreiben möchte.

Darum muss ich mich hier noch einmal kurz daran erinnern, warum das Internet erfunden wurde. Das Internet wurde erfunden, um Wissen zu teilen, zu verteilen – zunächst militärisch (welcher Luftwaffenstützpunkt hat was bei sich auf dem Radarschirm) und dann zivil im Illusionenbeschleuniger beim CERN (Wo hat John, die alte Schlampe, der jetzt im Urlaub ist, seine Berechnungen abgelegt, die will ich jetzt lesen.)
Dann kam auch bald die schöne Email für die Korrespondenz.

Das Internet war ursprünglich exakt eine militärisch IN-FORMIERENDE Einrichtung und dann auch eine zivil bibliothekarische Angelegenheit für Wissenschaftszwecke. Das Internet ist von seinen Genetik her eine logisch und klar gedachte LOGISTIK der IN-FORMATIION und der FORSCHUNG. Es ist ein Bedientableau.

Nicht mehr und nicht weniger.

Die UR-GENE des Internets heissen also NICHT: Sozialer Raum zum Quatschen, Faseln und Plaudern.

Dass es bis heute in einigen Bereichen zu einem (alten) „sozialen Raum“ mutiert ist, bringt seltsame Effekte, einerseits erstaunlich, interessant, manchmal auch anregend bis lehrreich, aber meistens und hauptsächlich auch ziemlich blöd; denn in der Entwicklung des Netzes von einem wissenschaftlichen und militärisch logistischen Instrument als eine zweckorientierte BENUTZEROBERFLÄCHE hin zu einem „sozialen Raum“ liegt bereits wieder ein klassisches VER-GESSEN vor. Ein Vergessen, das nicht nur menschlich ist.

Dieses Vergessen produziert ein ambivalentes Missverständnis. Und ich bin der Meinung, dass die „sozialen Räume“ – die bis heute im Internet sich einräumen, noch gar nicht der wahren HÖHE des Mediums entsprechen. Die „sozialen Räume“ im heutigen Internet sind nicht selten Abklatsche aus der alten Off-Line-Welt. Warum ich das denke, kann begründet werden.

Es geht schon damit los, dass die eigentlichen STÄRKE des Internets seine militärisch „un-höfliche“ und „unpersönliche“ Komponente ist, während seine „zivil höfliche und persönliche“ Komponente zu seinen Schwächen gezählt werden muss.

Selbstverständlich kann ich das Netz nutzen zur erweiterten Telekommunikation unter Bekannten, Vertrauten und Freunden. Entweder per Email oder in einem nichtöffentlichen Blog. In diesem Fall wäre es völlig klar, dass „Höflichkeitsformen“ eingehalten werden – so wie unter normalen Bedingungen im Alltag ausserhalb des Internets auch.

Aber die eigentliche STÄRKE des Internets heute bleibt trotzdem seine stark anonymisierende Tendenz. Warum sehe ich das so? – das muss ich mir hier beantworten.

Zunächst hohle ich mir ein anderes Beispiel zur Verdeutlichung: Das so genannte BAUHAUS vor knapp 100 Jahren war als Idee geboren worden, weil kluge und zeitempfindsame Menschen damals gespürt gehabt hatten, dass es nicht angehen kann, im neuen industriell-technologischen Zeitalter baulich mental und designerisch immernoch „auf 19. oder 18. Jahrhundert zu machen“. Kluge und empfindsame Menschen fanden es damals ganz plötzlich albern, unpassend und sehr daneben, auf Möbeln und Stühlen sitzen zu sollen, oder in Häusern wohnen zu müssen, die Zierschnörkel-Schwulst und Klassizismus-Masche – immer noch imitierten oder industriell repetierten – obwohl rein technisch und industriell längst ein neues Zeitalter angebrochen war. Die Idee des BAUHAUS lautete demnach: Wir sollten versuchen, unseren ästhetischen Habitus AUF DIE HÖHE unseres Zeitalters zu heben, dass ein Zeitalter der „Serie“ und der „Funktion“ und der „Technik“ ist. Und nicht mehr ein Zeitalter der geborgten und zum xten mal aufgegossenen und marode abgeputzten Attitüden aus vor-vergangenen Epochen. Dass dieses BAUHAUS später dann wieder selbst zur Designer-Attitüde mutierte – ist ebenfalls ein Effekt des Vergessens, gehört aber nicht zwingend zu seinen Grundthemen.
Das Grundthema des BAUHAUS hieß: LEBEN und SEIN auf der HÖHE DER TECHNIK. AUF DER HÖHE DER ZEIT. Das ist eigentlich BAUHAUS. BAUHAUS heisst zum Beispiel einfach: 209.
BAUHAUS heisst nicht: Echnaton.

Man kann sich heute die Frage stellen, wie zum Beispiel das Internet AUF DER HÖHE SEINER TECHNIK genutzt, gedacht und verstanden werden müsste.
Und man kann sich die Frage stellen, ob es nicht irgendwie unpassend und sozusagen vorvergangen putzig daherkommt, im Internet sein Tagebuch oder sein Poesie-Album einzuspeisen.
Man kann sich also fragen, wie ein BAUHAUS-Mensch heute ein „LEBEN UND ENTWERFEN AUF DER HÖHE DER TECHNIK“ im Internet definieren würde.

Soviel zum Vorspann. Ich behaupte: Die STÄRKE des Internets ist gerade seine UN-PERSÖNLICHKEIT ebenso wie seine Tendenz zur Anonymisierung.

Klar kann jeder halbwegs begabte 14jährige heute sich in so gut wie alles hineinhacken und Anonymitäten aufdecken. Aber das gehört ja gerade zum Spiel und sozusagen zu den UR-Genen des Internets. Denn nach Maßgabe eines Geheimdienstlers, eines 12jährigen Hackers oder eines durchschnittlichen Users liefert das Internet immer nur Versionen eines Prozesses, den man einen un-persönlichen In-Formationsprozess nennen kann. Denn auch der Hacker oder der Geheimdienst möchte ja selbst – möglichst unpersönlich bleiben.

Das Internet stellt in seinen UR-GENEN immer schon eine IN-FORMIERENDE, eine moderne Version des LOGOS bereit. Ein Logos, der logistisch IN-FORMIERT.

Dieser Logos aber meinte damals – in den Zeiten seiner Entwicklung – zunächst noch nicht ein Gequatsche, Gefasel und Geschwafel – nein, dieser LOGOS meinte zunächst die LOGISTIK der technischen Codes, welche das Internet überhaupt ermöglichen: Die Serverstruktur, die HTML-Logistik und alles was danach technisch noch dazu wuchs mit samt den Geräten. Ebenso meinte er zunächst auch: Interesse an Inhalten, an Content.

Warum führe ich mir diese Trivialität noch einmal vor Augen? Das zusammen bleibt deshalb wichtig, weil dieser LOGOS als LOGISTIK ein UN-HÖFLICHER und UN-PERSÖNLICHER LOGOS ist.

Der HTML-Code und seine Serverstruktur ist UN-HÖFLICH und UN-PERSÖNLICH.

Aber er ist vor allem noch eins: Er ist WAHR. Unhöflich WAHR.

Denn das Internet wurde -ursprünglich – nicht für höfische Höflichkeiten oder persönliche Persönlichkeiten erfunden. Das Internet ist eine technische PERSONA (Maske) für den LOGOS, zur IN-FORMATION.

Das Internet ist im wahrsten Sinne des Wortes eine BENUTZER-OBERFLÄCHE mit einem: l o g i s t i s c h e n Motiv.

Es stellt eine MASKE zur Eingabe und zur Ausgabe bereit. Eine PERSONA.

Es scheint mir ein Fehlgriff zu sein, sich im Netz als „Persönlichkeit“ (die alte und bürgerliche Pappmasché-Variante der Persona) einzuspiegeln oder darzustellen,
anstatt sich in-formierend zu bewegen im LOGOS einer technischen PERSONA.

Denn im alten Modus der „Persönlichkeit“ wird die Technik VER-GESSEN. Da will man einer neuen guten Technik einen alten und ganz schlechten Hut aufs Auge drücken.

Als neue und kribbelige Version der altgriechischen und auf lateinisch so genannten PERSONA, ist die MASKE des Internets eine echte Chance. Vielleicht DIE Chance überhaupt.

Denn die neue technische PERSONA des Internets erlaubt es, die bürgerliche „Persönlichkeit“ abzustreifen – die alte „Persönlichkeit“ die im alten sozialen Raum zwischen körperlich Anwesenden den notwendigen Lügos anbietet, notwendig als Lügistik für den zivilen UM-GANG miteinander – diesen sozialen Lügos also kann man im Internet abstreifen und mittels der neuen technischen PERSONA des Internets wieder zum LOGOS kommen, das heißt: Zur Wahrheit. Zur Wirklichkeit. Zur Information. Zur Aufklärung.

Angesprochen wird hier nicht ein Gepachtet-Haben irgendeiner Wahrheit. Geleugnet soll auch nicht werden der viele Sonder-Müll, der sich auch im Netz findet. Bestritten wird auch nicht, dass man das Netz ebenso simpel zur Telekommunikation unter Freunden und Vertrauten nutzen kann, oder zur Kontakt-Anbahnung, dabei selbstverständlich gewisse Höflichkeitsregeln in Kraft bleiben..

Angesprochen ist hier der PROZESS DER IN-FORMATION. In WAHR-NEHMUNG der technischen LOGISTIK, die immer eine nomadische und un-höfliche Logistik bleibt.

Diese neue und technische Version der logistischen PERSONA des Internets hat aber Konsequenzen.

Man kann in diesem Wissen sich an die Ur-Gene des Internets erinnern.

Ich muss es mir wiederholen:

Das Internet ist von der Genetik her KEIN sozialer Raum unter Höflichen.

Es bietet eine BENUTZER-OBERFLÄCHE – eine PERSONA für Neugierige, Wissbegierige und Forschende.

Und das sind heute wie gestern: Militär, Geheimdienst, Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft.

Wer das nicht wenigstens manchmal erinnert, der mißversteht ein neues und fortschrittliches Medium auf feudal-bürgerliche Art zur „Höf-lichkeit“ zwischen „höfisch“ orientierten „Persönlichkeiten“, die sich dann aber auch nur wieder im Lügos bewegen können.

Oder anders: Wer im virtuellen Raum HÖF-LICHKEIT einfordert, der will es feudalo-verbürgerlichen zur Kommunikation zwischen HÖf-LINGEN – und bleibt weit weit hinter dem Witz und der Kraft des Mediums zurück.

Wirkliche Wahr-Nehmung zwischen wirklichen Körpern spielt sich zunächst und bis auf weiteres nur im körperlichen Nahbereich zwischen wirklich LIEBENDEN ab – das sind: Mutter und Kind; Vater und Kind und vielleicht noch: Menschen in einem vertrauten liebenden PAAR-Verhältnis. Es sind immer um Fassung Ringende, quasi Kämpfende.

Alles andere, danach und daneben bleibt in so genannten Öffentlichkeiten unter körperlich Anwesenden bis auf weiteres: Lügos.

Der notwendige Lügos zwischen „Persönlichkeiten“ im Off-Line-Modus.

Im Offline-Modus ist die „Persönlichkeit“ der notwendige Lügos, damit man zivil miteinander UM-GEHEN kann. Sozusagen freundlich lügistisch. Das bleibt auch völlig in Ordnung und notwendig.

Bis wieder gelernt wurde, wie man die Wahrnehmung von Zeit zu Zeit durch die „Persönlichkeiten“ hindurch und mit ihnen zusammen auch auf unser „All“ ausweiten kann – in dem man die „Persönlichkeiten“ sozusagen ALL-EIN wahrnimmt. (weil auch „Persönlichkeiten“ einmalige, zarte und achtenswerte eben doch uni-verse Verdichtungen sind. Schleier, zusammengewebt aus anliegenden Talenten, Neurosen und beatmet und durchlüftet von allerlei Idiosynkrasien. Notwendige Hilfs-GE-Wende und Benutzer-Oberflächen für den UM-GANG miteinander -) Um-einander. Einander UM-Gehen.

Wer aber die Kommunikation im On-line-modus, so im Netz allzu persönlich bis körperlich liest oder lesen will in einer Temperatur der persönlichen Verletzlichkeit, der persönlichen Offenheit und persönlichen Vertraulichkeit, oder des persönlichen Engagements, der handelt wie jemand, der ein modernes Funkgerät mit einem Hut verwechselt.

Er hält dann ein modernes Funkgerät für ein Hütchen und wird dann bei dem untauglichen Versuch ertappt, sich ein Funkgerät wie ein Hütchen auf den Kopf zu setzen.

Oder wie jemand, der seinen Computer als Badeschwamm missversteht und damit sein Rücken schrubben will.

Bei dem heute zum Teil um sich greifenden Fehlverständnis des Internets als persönlichkeits-bespielende Sozial-Maßnahme samt Urlaubsfotos plus mein Haus, mein Auto, mein Pferd, mein Boot im Sinne von „Persönlichkeits-Ästhetik“ liegt ein krasses Mißverständnis und inadaequater Technik-Gebrauch vor.

Es macht einen unpassenden bis hypokritischen Versuch, wer der Kommunikation im zeitgenössischen Internet so eine Forderung nach „Zeig dein Gesicht und deine Persönlichkeit ehrlich und aufrichtig“ unbedingt einreden will.

Denn hier gibt es keine Persönlichkeit. Hier im Netz ist immer schon und zuerst die technische PERSONA.

(Deshalb fällt das gerne so bedeutsam anoncierte „Spiel mit Identitäten als Teil von Ästhetik“ zu einem witzlosen Mißverständnis zusammen, weil das Internet als technische PERSONA von ganz allein jede Identität immer nur – vortragen – kann – das heißt: – sie wird e i n g e s p i e l t. Der Hauptspieler ist hier immer schon die Technik und das Internet selbst.

Der Benutzer bleibt Re-akteur. Denn die Technik formt den User, der in denn allermeisten Fällen selbst kein Techniker ist.

Jede „Form“ von Identität kann immer nur – ein-gegeben – werden, oder anders gesagt: die eigentliche Formung oder das Spiel findet immer schon bei jeder Ein-Gabe am Masken-Spalt, dem INTER-FACE statt. Danach ist das „Spiel“ beendet.

Deshalb ist das anoncierte „Spiel mit Identitäten als Ästhetik“ im Internet ein Pleonasmus, der ganz pathetisch einen Fisch ins Wasser tauchen möchte oder einen Schneemann weiß anmalt. Ebenso wie der Begriff der „virtuellen Realität“ ein Pleonasmus bleibt, weil hier alle Realität sich zu 50 Prozent immer aus virtuellen, sprich: fluiden – ge-wandten Anteilen formiert.

Nach Maßgabe der PERSONA hat in „virtuellen“ Öffentlichkeiten und in Blogs und Kommentarspalten, etwas anderes Geltung:

Die wirkliche Kraft, die wirkliche soziale Chance des Internets liegt an, in dem es erlaubt, das Fühlen, die Gedanken, das Denken und die Erfahrung mitzuteilen im Modus des UN-HÖFLICHEN LOGOS.

Das heißt: unpersönlich, unhöflich, im Modus des Nomaden.

Befreit von feudo- bürgerlichistischer HÖF-LICHKEIT. Und wiederaufgegossener Persönizität.

Die eigentliche GRÖSSE des Internets ist seine Unpersönlichkeit und seine Unhöflichkeit und seine Unbürgerlichkeit – mit anderen Worten: Gerade seine militärisch – nomadischen Gene machen es so kraftvoll.
Denn der HTML-CODE und die Server-Struktur selbst ist ein – ziehender- Nomade. Alles bleibt beweglich und ausgreifend.

Man sollte also verstehen, dass man den LOGOS im Internet nicht allein dem HTML-Code überlassen darf. Denn dieser un-persönliche Logos der HTML-Logistik gehört nicht allein der Technik. Er gehört uns. Es ist unser Logos. Weil er unsere Technik ist.

Und dieser Logos ist un-höfisch, un-höflich, nomadisch.

Mit dieser wahren Un-Höf-lichkeit erledigen sich auch alle pleonastischen Derivate von „Persönlichkeit“ wie der sogenannte „persönliche Stil“ oder die „persönliche Ästhetik“.

Denn wirkliche Ästhese stellt erst sich ein, wenn man sich als Ähnlicher unter Ähnlichen im Modus der unpersönlichen Persona und der In-Formation nomadisch bewegt, das heißt in einem fragenden INTER-ESSE. innerhalb von INTER-FACES – aber nicht in FACES.

Die alten Pappen des „Stils“ oder der „Ästhetik“ oder der „Persönlichkeit“ bleiben im Internet unpassend und unterreflektiert. Jedenfalls dort, wo sie sich dem Internet anpappen, sind sie Pappe oder mehr oder weniger schlecht zusammengeleuchtete Verkaufsdisplays.

Erst der Weg-Fall von HÖF-LICHKEIT und pappiger „Persönlichkeit“ ermöglicht wahre Verbindlichkeit und wahre Freundlichkeit.

Die technische PERSONA des Internets ist immer größer als das Persönchen.

Im Modus des INTER-FACES haben FACES keine Bedeutung mehr als Persönlichkeiten. Sie DIENEN nur noch dem INTER-ESSE.

Deshalb sind alle pathetischen Forderungen nach Gesicht oder Persönlichkeit oder Authentifizierung im Internet unpassend – quasi neoklassizistisch.
Man kann sich authentifizieren. Man bleibt dann aber hinter dem Witz des neuen Mediums zurück. Man bleibt hinter der eigentlichen KRAFT des Mediums zurück.

Das Internet gibt den Strom, den Fluss, in dem es erlaubt ist, sich unhöflich zu bewegen, und zwar deshalb, weil das Internet selbst un-höflich ist. Wer darüber jammert, dass er im Internet zum Beispiel als Blogger beschimpft wird, macht etwas falsch, weil er das Internet falsch benutzt und falsch versteht. Weil er dem Internet mit einer „persönlichen“ Verletzlichkeit im Modus des FACE begegnet, und damit den Witz und die Kraft dieses neuen Mediums absolut verfehlt – das immer schon ein INTER-FACE ist, eine MASKEN-FUNKTION der Eingabe und der Ausgabe.

Die echte Verbindlichkeit im unhöflichen LOGOS setzt aber vorraus, dass man gewillt ist, sein FÜHLEN, sein DENKEN und seine GEDANKEN im UN-PERSÖNLICHEN LOGOS einer technischen PERSONA zu besprechen und nicht mehr im „personifizierenden“ Lügos.

Es setzt voraus, dass man ein echtes INTER-ESSE hat, das ein bisschen weiter reicht, als nur bis zum eigenen Dunstkreis.

Ein FORSCHUNGS-INTER-ESSE.
Denn das Internet wurde für Forschungszwecke und zur Vernetzung erfunden.

Das Internet ist eine FUNKTION.

Und miteinander sprechen – im LOGOS – das heißt: Im INTER-ESSE ganz
UN-PERSÖNLICH im Sinne einer FRAGE einer FORSCHUNG oder eines WARUM zu sprechen — aber NICHT im idiosynkratischen Papiertaschentuch von „Persönlichkeit“ oder im Persönlichkeits-Schrott der zusammen-gepappten Persönlichkeits-Displays, im sekundär-feudalen Gestus des HOFES oder des HOF-STAATES – in Forderung nach persönlicher HÖF-LICHKEIT
unter HÖF-LINGEN.

Nein. Die Chance und der Witz des Internets ist sein Unpersönlichkeit und seine Unhöflichkeit.

Denn der HTML-code selbst war und ist auch nicht höflich. Der HTML-CODE strömt als ein unhöflicher Nomade.

Die technischen und logistischen Ströme, die das Internet FORMIEREN, sind NICHT höflich. Sie sind funktional und breiten sich so rasant aus, weil sie UN-HÖFISCH sind.

Wie wäre es denn einmal mit dem Versuch, unhöflich und unpersönlich einfach nur zu denken – anstatt auf „persönlich gezeigte Persönlichkeit“ zu pochen – die ja zumeist doch immer nur eine zugerichtete Pappe von angeborgter, und zusammengepapptem Selbst-Bild in Selbst-Vorzeigung bleibt, das sich immer nur zum neurotischen bis fadenscheinigem Selbst-Display zusammen-pappt und nie und nimmer wirklich „authentisch“ war, auch schon vor der Erfindung des Internets nicht.

Selbstbilder:

„Ich bin eine empfindsame aber nicht ganz dumme Dichterin.“

„Ich bin der geheimnisvoll Undurchschaubare.“

„Ich bin der böse Junge, der für die Frauen immer extra streng guckt.“

„Ich bin die oberlässige Zigarettenhalterin.“

„Ich bin der wilde Mann.“

„Ich bin der total lockere Plauderer.“

„Ich bin der Diskurs-Clown, immer ein Witzchen parat“

„Ich bin die gebildete Schlampe“

„Ich bin der Typ mit dem gefärbten Irokesen-Schnitt.“

„Ich bin der Typ mit der schlecht sitzenden Brille.“

„Ich bin der Einzelgänger aller Gruppenzwänge“

„Ich bin der Gruppenspasti aller Einzelgänger.“

„Ich bin die gelegentliche Auftaucherin und Untergeherin.“

Nein, die Ausrede kann hier nicht lauten: „weil doch jeder Mensch einen bestimmten Charakter nun mal hat und einzigartig ist.“

Das stimmt wohl. Dagegen war auch nichts zu sagen. Das will auch niemand bezweifeln. Nur muss es heute auch einmal erlaubt sein, Gedanken zu äußern, die sich in die Zukunft hinein-projezieren. Denn wir kommen nicht weiter als Ganzes, wenn wir unsere Verkrüppelungen und Fehlstellungen und Charakterpappen immer nur als charmante oder markante Persönlichkeitsmerkmale mythologisieren und hochjubeln – und nicht auch einmal selbst in einen unpersönlichen Modus umschalten können, der uns unsere eigenen Charakterpappen von Zeit zu Zeit als das sehen lässt, was sie sind: Benutzer-Oberflächen, Eingabe- und Ausgabe-Masken. Wenn man sich selbst nicht befähigt, sich einmal ganz als TECHNIK DER NATUR zu sehen. Und nicht als Charakter-Plankton. Erst wenn wir dazu von Zeit zu Zeit in der Lage sind – erst dann wachsen wir wirklich auch – ein bisschen – als Menschen.

Warum bleiben wir in unseren Selbst-Codes
so primitiv hinter den un-persönlichen Programmier-Codes zurück?

Warum kommt man nicht auf die unpersönliche HÖHE der
technischen und logistischen Codes und unserer Server-Struktur.

Warum verkaufen wir uns diesen „persönlichen“ Display- und Charakter-Schwachsinn unter Zuhilfenahme eines logistischen aber STUMMEN LOGOS, der unter den Displays das Netz unpersönlich aber WAHR durchströmt?

Warum lassen wir unseren schönen Logos, der unsere schöne Erfindung ist, stumm – und schwafeln stattdessen im HÖFISCHEN Modus des Lügos? Oder im kichernden Modus reiner Dämlichkeit.

Warum versuchen wir, uns ein neues Funkgerät wie ein lächerliches Hütchen
auf den Kopf zu setzen?

Warum halten wir uns selbst für dämlich?

Warum erlauben wir unserer Technik, klüger und moderner zu sein, als wir selbst?

Warum nutzt unsere Technik den WAHREN Logos, unseren WAHREN Logos, während für uns nur der Lügos und die Charakter-Pappe abfällt?

Warum sieht jedes I-Phone heute immer viel besser aus als sein Benutzer?

Warum ist ein Computer heute vertrauenswürdiger als ein politisches Entscheider-Gremium.

Warum vertrauen wir unser Leben Computern an, während wir bei einem Entscheider-Gremium in Sachen Euro-Krise jedes Vertrauen verloren haben?

Warum erlauben wir den Maschinen, besser, schneller, cooler, cleverer, hübscher und eleganter zu sein, als wir selbst?

Warum darf ein technischer Server, eine Speicherfarm oder ein HTML-Code ganz ohne gefärbten Irokesen-Haar-Schnitt daherkommen, während ein Internet-Erklärer und Experte, also ein sogenannter Mensch, dazu verdammt bleibt, jedem und sich selbst seine hochnotpeinliche Frisur als Display vorzuzeigen.

Warum verzaubern wir unsere uni-versen Ge-Sichte und STIRNEN im Internet zu grundbescheuerten und würdelosen Charakter-Displays? – während unsere Technik als Logistik ganz WAHR und UNVERLOGEN und SCHÖN bleiben darf? Und dabei immer SCHÖNER wird, während wir als hässliche Charakter-Pappen daneben immer stumpfer aussehen mit unseren seltsamen „Persönlichkeitsmerkmalen“ und „Ästhetiken“ aus den mittleren Einrichtungshäusern unserer Idiosynkrasien und Verkrüppelungs-Geschichten.?

Nein, es ist nicht immer nur menschlich, zu seinen „Eigenarten“ zu stehen. Es kann auch wahnsinnig menschlich sein, die Eigenarten zu übersehen, durch sie hin durch zu sehen…..

All unsere Charakter-Pappen sind richtig und vernünftig im Off-Line-Modus, aber im Internet bleiben sie eigentlich unwitzige und unterreflektierte Fremdkörper, und müssen dann damit rechnen, dass sie „unhöflich“ angetrollt werden, weil sie die eigentliche Chance und das wirklich zukunftsbildend NEUE WIR des Internets verschleudern an die altbackende Idee der Persönlichkeit und der „Höflichkeit – oder des Stils oder der „Ästhetik“ und damit alle alten und schlechten Lügen dem schönen neuen Internet hintenrum wieder auftischen wollen.

Die Chance zur ÄSTHESE verspielen.

Denn das INTERNET ist gerade der Strom, in dem man sich gegenseitig beschimpfen DARF und UN-HÖFLICH beschimpfen soll, weil wir uns hier gar nicht verletzen können.

Verkaufsdisplays können sich nicht verletzen. Wir sollen uns im Internet solange unhöflich beschimpfen, bis wir verstanden haben, dass eben genau diese UN-HÖFLICHKEIT erst eine echte Art der Freundlichkeit generiert.

Wenn unser logistischer Logos WAHR ist, dann darf man als Mensch auch WAHR sein.

Der Troll ist die unbewusste und geradezu richtige und berechtigte Anti-Reaktion des Netzes gegen alle Versuche, dieses schöne logistische und nomadische Medium mit alter „Persönlichkeit“ zu verkleistern oder mit irgendwelchen Selbst-Hütchen voll zu stellen.

Denn jede „Persönlichkeit“ sieht immer gleich viel schlechter aus,
als das schöne Laptop, in dem sie sich einspiegelt.

Die alte Lügistik zwischen „Persönlichkeiten“ – ja, sie ist oder bleibt völlig in Ordnung und hat Berechtigung in körperlichen Nähebereichen, aber man braucht diesen Schrott nicht im Netz.

Das Funkgerät wurde nicht dafür erfunden, damit es sich als Hütchen auf den Kopf setzt Das Funkgerät wurde erfunden, um zu funken.

Und das Internet wurde zur FORSCHUNG und für die militärische IN-FORMATION erfunden.

Und ich weiß garnicht, wie lange man sich von den CERN-Leuten noch erzählen lassen soll, dass man eine Zeichen-Menge (Energie zu Masse) mit der selben Zeichen-Menge (Masse zu Energie) vollständig abbilden kann, ohne dabei in eine andere Reflektionsmenge auszuweichen. Ich weiß garnicht, wie lange man sich so ein Schwachsinn 80 Jahre nach Kurt Gödel noch antun soll? So eine Seltsamkeit.

Dabei haben wir uns natürlich zu bedanken bei Tim Berners Lee, dass es das Internet gibt, klar, aber irgendwann könnte man ja mal damit aufhören, Gödel zu verarschen.

Das Internet wurde für den LOGOS erfunden, der nomadisieren kann – ganz ohne Pappmasche von „Persönlichkeit“ und falscher HÖF-LICHKEIT oder gar Verletzlichkeit.

Das Internet wurde erfunden für die VERNETZUNG und den LOGOS.
Es kann gar nicht verletzen, sonst hieße es ja Interverletz. Wer im Internet verletzt wird, macht etwas falsch. Er verwechselt dann eine technisch logistische Persona mit einer „Persönlichkeit“. Und das war immer ist und bleibt Unfug.

Das Internet ist und bleibt ein In-Formations-Netz und eine neue technische Spielart der Persona und keine Garderobe, wo „Persönlichkeiten“ ihren Charakter-Ramsch nun auch noch ablegen.

Natürlich darf, kann und soll man im Netz miteinander reden, spinnen, spielen oder auch verabreden. Vielleicht sogar im Modus der Identifikation. Aber man dürfte sich dann immer darüber im Klaren sein, dass diese Funktionen sekundär aufgepappt oder sekundär eingespielt bleiben.
Und damit bleiben sie sekundär instabil. In einer Lügistik, die immer schwächer ist als die strömende und WAHRE Logistik. Sie haben mit der eigentlichen Genetik des Internets nicht zu tun.

Das Internet bietet eine neue Version der PERSONA in einem Übergang, die nicht mehr an den Körper an die pappige „Persönlichkeit“ gebunden ist.

Mit dem Internet kann sich der OFF-LINE-LÜGOS wieder zum LOGOS hin befreien. Wenigstens zeitweise. Wenigsten hier im Reich des ON-LINE.
Und zwar mit vollem Recht. Wer das Internet als „Persönlichkeit“ missbraucht oder bespiegelt, liegt falsch und unterkritsch. So einfach und deutlich kann man das sagen.

Dieser neue Logos öffnet eine Zukunft, in der wir uns gegenseitig als gegeneinander verbindliche Server des LOGOS verhalten. Und zwar in der technischen PERSONA der technischen Codes. Obwohl wir wissen, dass wir durchaus „nur“ versierte (gewälzte) Ge-Schöpfe (Ge-Sichte) des UniVERSUMS sind, in einer thermodynamischen Verteilung und Einstreuung nach Talent und An-Lage.

So macht dieser zum Logos zurückverwandelte Lügos in Zukunft vieles leichter und einfacher.

Labornotiz „Melancholia“: Wir sind ALL–EIN.

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