Was war mit Albert Einstein los?

Neulich bin ich erschrocken.

Den Mann muss man nicht mehr erklären.
Kennt man, den Mann. Und jeder weiß ungefähr, was mit dem lustigen
Strubbelhaar – und Strickjackenprofessor in Verbindung zu bringen ist.
Das habe ich auch gedacht – bis ich herausfand, dass
Albert Einstein vor allem eins war. Er war……

…und das in einem – sozusagen – extremen Sinne.

Atombombe

Einstein: „Mein größter Fehler.“

Seine Leistung, die eigentliche Leistung bezeugte sich weniger darin, dass er Raum, Zeit, Masse, Energie in ein Verhältnis gesetzt hat; diese Entdeckungen sind beinahe pille palle gegenüber der eigentlichen Grundbewegung – nein, sind sie nicht – aber mindestens ebenso – äh, nein, doch, ich sage jetzt einfach: noch viel erschreckender ist die bewusstseins-seitige Grundbewegung, die zu diesen Entdeckungen geführt hat.
Der eigentliche Punkt, und das wirklich Haarsträubende an der Vorgehensweise Albert Einsteins war eine Grundbewegung von Bewusstsein.

Das habe ICH bisher nicht gewusst.
Das war MIR gar nicht so klar – bisher.

MAN hat das bisher immer ein wenig versachlicht,
in dem MAN von Beobachter-Verhältnissen gesprochen hat
Der Beobachter und sein Standpunkt.

Ein Beobachter in einer beschleunigten Rakete…

MAN stelle sich einen Beobachter auf einem Lichtrahl reitend..usw

Zu den ersten Überlegungen Einsteins – noch von Ernst Mach inspiriert,
gehörte ja, dass ein Mensch in einer beschleunigten Kiste die
selbe Schwerkraft erfahren könne, wie wenn er still auf der
Erde stünde.

…oder viel mehr auch: dass er sich ebenso in einer fallenden
Kiste als schwerelos empfände. Wenn sie verschlossen ist,
weiß er nicht, ob er im Weltraum schwerelos oder hier in
einer Kiste fällt, schwebt oder steht. Das war tatsächlich Einsteins
originärer Funke –

Das nimmt man heute so hin und denkt sich – naja, coole Überlegung, klar.
Aber mir war neulich klargeworden, dass diese Überlegung, und damals,
eigentlich überhaupt nicht klar war, und sie war –
und als ich dann länger darüber nachgedacht hatte – wurde mir immer klarer:

Sie war auf wundersame Weise asozial.

Wer so etwas denkt oder denken konnte, muss ein asozialer
Typ gewesen sein.

Weil eine solche Überlegung, das ICH relativiert.

Eine asoziale Überlegung.

Denn dass „ICH“ in der Welt ist normalerweise etwas,
dass eine Meinung verteidigt, eine Haltung, einen: Standpunkt.

Seine ontologische Gravität. Sein Gewicht. Seine Nichttauschbarkeit.

SEIN Wissen. SEIN Können. SEIN Machen. SEIN Tun.

Heute würde man wieder sagen: SEIN Mensch. SEIN Subjekt. SEIN Schicksal.

Dieses ICH hat einen Ort und der ist nicht tauschbar.

Und manchmal behängt sich dieses Ich noch
zusätzlich mit schweren ICH – Mänteln und ICH -Blei-Gewichten
aus Überzeugungen, „Erfahrungen“, und das Unschönste
eines solchen schwer behängten ICHs ist dann: Die Haltung.

Das ICH ist grundsätzlich etwas, dass verteidigt gehört
gegenüber….

….gegenüber was?

Gegen die Tauschbarkeit seines Standpunkts.

Nichts ist ja bedrohlicher, kaum etwas ekliger als ein
Hinweis, der sagt: DU und dein Standpunkt bist tauschbar.

Nicht Unhöflichkeit, nicht Ignoranz, nicht Gleichgütltigkeit ist asozial.

Wenn jemand sagt: „Alles schön und gut, aber ich kann deine Kiste sehen.
Deine ICH-Kiste, in der DU so wunderbar zu Hause bist. DU denkst DU
bist SCHWER, dabei bist du nur fremdbeschleunigt.“

Fahrstuhl

Fahrstuhl

Ich…

Einstein nimmt dieses Ich und sagt,
DU kannst deinen Standpunkt haben, aber er ist in jedem Fall
– eine Kiste, ein Fahrstuhl, oder ein Fall….

Dein Standpunkt ist beweglich, tauschbar.

So etwas zu denken, ist asozial.

Wenn DU DICH wichtig, schwer und massiv fühlst, dann könnte es sein, dass DU nur
ein ganz feines Häärchen bist, das in einer sehr schnell beschleunigten
Kiste liegt, die nicht mal DIR gehört, von der DU noch nicht mal etwas weißt.

Und wenn ICH gerade so schön schwebe, dann könnte es sein,
dass ICH einfach nur falle.

Ach Albert, ich bewundere Dich für deine Theorie, aber ich liebe
Dich für diese gigantische Asozialität.

Asozial ist nicht, wer die Anderen durch Andersheit in Frage stellt.
Asozial ist, wer das ICH in Frage stellt. Seinen Standpunkt grundsätzlich relativiert.

Dem ICH seine ICH-KISTE aufzeigen, das ist asozial.

Nicht Feindschaft ist asozial, sondern die Relativierung von Standpunkten,
und zwar von allen Standpunkten.

Wer sich gegeneinander Feind ist, kommt bestens miteinander klar.
Feindschaft ist sozial. Streiten ist sozial. Widerspruch ist sozial.
Selbst der Krieg – in gewisser Weise – leider leider – gehört zur Sozialität.

Etwas das noch nie ausreichend gewürdigt wurde.
Dieser Albert Einstein könnte heute oder hätte damals auch
gelesen werden können – als ein Gesellschafts-Utopist.

Manche ekligen Iche, die heute so schwerstbeinig sozial in der Gegend herumstapfen,
Stark-verhaftete ICH-Gebisse in den ICH-Gesichtern und ICH-Mänteln
in den schweren ICH-Möbeln…

…na was denn?

…sitzen vielleicht nur in einer fremd beschleunigten Kiste?

Und die Schwebenden, die Leichten, die Tanzenden? – fallen sie?

Jut, jut, ist unappetitlich, solche Fragen letztgültig zu übertragen
oder zu beantworten.

Aber schön wäre, eine Gruppe, ein Häuflein, ein Gesellschaftchen
gelegentlich mit einem Klima dieser Frage zu versehen.
Jede einzelne Psyche gehört mit einem Deo dieser Frage besprüht.
Das Deo Albert

Einsteinisch desodorierte Psychen, weniger schwere ICH – Gerüche.

Manche ICH-Psychen riechen einfach zu streng unter ihren ICH – Achseln.

Das Irre, das wirklich Verückte, zeigt sich darin, dass es eine
Bewusstseins-Bewegung war, die diese Welt damals in ein energetisch heißes
und physisch und kosmologisch neu aufblitzendes Zeitalter überführt hat.

Einsteins Ideenleistung war vielmehr eine Kongenialität als eine Genialität.

Der Beginn dieser neuen physischen Epoche war eine Hinterfragung
von Beobachterstandpunkten.

Genau das hätte eigentlich eine riesige Chance sein können.

Eine Epoche der bewegten Bezugssysteme.

Aber es wurde die Epoche der irritierten Systeme
(Heiner Müller, Hamletmaschine, Der Auftrag: Mann im Fahrstuhl)

Leider später bald: Ein paar Millionen Grad Celsius im Kern dieses Ereignisses.

Aus Kisten wurden Särge.

Nein, Albert Einstein, Du bist nicht Schuld an der Atombombe.
Schuld sind die, die es nicht aushalten, einfach nur zu sein.

Schuld sind die, die unbedingt ICH sein müssen.

Die schweren Kerne des ICH, die schweren ICH – Uran – Kerne.

Sind sie instabil? Wie schnell zu spalten? Wie süchtig nach Spaltung? Nach Strahlung?

Die schweren ICH-Kerne sind künstliche Isotope. Sie müssen in jedem Fall angereichert
werden. Künstlich. Sie kommen in der Natur nicht vor. Schwere ICH-Kisten.

Aber auch das ist so nicht wahr. Es wäre zu einfach….

Man hat das nicht verstanden damals und es war nicht auszuhalten,
bis heute nicht. Das ICH darf nicht relativiert werden.

Zu Not wird es bis aufs Blut verteidigt.

Und ja: Das ICH darf nicht verdampfen.

Ein soziales Ich, muss ganz unrelativ ICH sagen dürfen,
damit ein DU überhaupt möglich wird.

Denn wo kein ICH, da kein DU.

Trotzdem. Die allzu schweren ICHe, wie sind die?
All diese ICHs und DUs, die vor lauter ICH und DU kaum laufen
können. Sie sind nicht immer sympathisch, weil man
ihre Kisten sehen kann. Ihre ICH-Kisten.
Immer wenn ich eine ICH-Kiste sehe…dann…

…ist es langweilig

Nee nee, da falle ich lieber und schwebe ein bisschen.
Ist aber auch eine Kiste. Oder: Kann eine Kiste
werden. Man muss in jedem Fall aufpassen.

Unsympathisch ist, wenn Leute ihre Kisten
an den Mann oder die Frau bringen und das für
„authentisch“ halten.

Es wäre vielleicht besser, wir würden alle nur noch SIE und ER
zu uns sagen.

ER habe Hunger. Er habe Durst. Er liebe Sie.
Sie reibe sich mit der Lotion ein.

Ja, sorry, aber so ganz ohne Asozialität geht es nicht,
wenn man wirklich mal etwas wuppen will.
Da muss man auch mal eine asoziale Schiene fahren.

Albert verzeih, du warst ein guter bis sehr guter Physiker, ein eher
mäßiger bis fauler Mathematiker, ein mäßiger Geigespieler.

Nur zu einem Großen darf man so etwas sagen.

Denn du warst ein umso gigantischerer Naturwissenschaftler.

Du unglaublich asoziale dumme schlaue soziale coole Sau.

Du kannst die Zunge jetzt wieder reinstecken.

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