Der Taxifetisch, Teil 6

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Es handelt sich um einen ganz bestimmten Punkt, den ich vor der Einfahrt einer größeren Geschäftsbüroimmobilie auf einem stehengebliebenen Mauervorsprung in etwa 90 cm erhöhter Position wartend einnehme. Aus der Beobachtung weiß ich, dass Taxifahrer diesen Ort auf eine besondere Weise anfahren, und zwar so, dass sie von mir aus betrachtet von rechts kommend vor einem Poller anhalten, den ein talentfreier Architekt glaubte aufstellen zu müssen, damit sein hässlicher Kunstmarmor, mit dem er einen weiten Vorbereich des Eingangs belegt hat, nicht mit Reifenspuren entehrt wird. Da mein Mauervorsprung hier an einer sehr günstigen Stelle von einer dicken Kastanie abgedeckt wird, bin ich für einen Ausschau haltenen Taxifahrer solange nicht zu sehen, bis ich mit einem größeren Schritt von dort auf einen Designerpapierkorb übersteige, auf dem ich dann aber ganz plötzlich in voller Pracht gesockelt und ungefähr vier Meter vom Taxi entfernt wie aus dem Nichts im seitlichen Sichtfeld des Fahrers als eine Art „Denkmal des unbekannten Fahrgasts“ auftauche.
Ich muss in diesem Fall nicht lange warten, er kommt nicht zu spät, er kommt nicht zu früh, er kommt genau richtig. Ich bin bereits sehr erregt und es fällt mir wirklich schwer, den richtigen Zeitpunkt für den Überstieg abzuwarten.
Was haben wir denn da, sieh an, sieh an – nicht einmal Hausmannskost heute, sondern Skoda, wirklich ungewöhnlich.
Taxi. Auto. Gelb. (Ich muss diesen inneren Tic noch in den Griff bekommen, halb Dirty Talk, halb Tourettsyndrom, immer wenn’s wirklich heiß wird.) Ich steige über auf den Papierkorb. Da stehe ich nun, und sehe Taxi, Auto, Gelb – mein Schokobienchen. Der Fahrer hat noch nicht ganz realisiert, dass ich da bin, denn er schaut in Richtung Eingang, was ganz falsch ist! Also muss ich nachhelfen und rufe ziemlich laut: „Taxi, Auto, Gelb – hier bin ich!“
Jetzt duckt er sich ein wenig seitlich herunter, und schaut durch die Seitenscheibe, da mein Ruf ja aus einer Nähe kam, die er nicht vermutet hat. Und nun, genau so, wie es sein muss, sieht er etwas, und was er aus seiner Perspektive sieht, sind ein paar grünmetallic glimmernde Fliegenlackschuhe unter Stachelbeerwaden und weinroten Hochwasserhosen auf einem Designerpapierkorb. Ich rufe jetzt zur Sicherheit noch einmal laut: „Ja. Ja. Hallo, Hallo, Taxi, Auto, Gelb. Das ist für mich!“
Nun beugt er sich noch weiter herunter, so dass ich gut beobachten kann, wie mein Auftritt in seinem Gesicht einschlägt. Äußerlich geschieht eigentlich gar nicht so viel, außer dass seine Unterlippe etwas stramm in den Mund einkippt, während seine Augen eher sachlich bleiben und mich anschauen, als würden sie versuchen, aus der Entfernung ein ganz neues, kompliziertes Verkehrsschild zu interpretieren. Ich winke ihm freundlich zu, mit der linken Pfote, wie eine goldene japanische Bierkatze und rufe noch einmal: „Ja. Ja. Für mich. Hallo, Hallo, Auto. Taxi. Gelb!“
Als ich sehe, wie er auf die etwas ausgeprägte Beule in meiner Hose schaut, rufe ich: „Das hat nichts zu bedeuten. Ich bin Herr Behrend, sie kommen doch für Behrend. Auto, Taxi, Gelb. Ist für mich. “
Nun gibt er sich endlich einen Ruck und steigt aus, bleibt aber gleich an der Tür stehen, guckt mich wieder an und sagt jetzt, wie mir scheint, mit etwas aufgesetzter Munterkeit:
„Aber hallo – für Behrend, ja klar.“
Ich steige wie Moses vom Papierlorb zu ihm herab und laufe pitoresk und geräuschvoll auf ihn zu. (Wegen der handgeschmiedeten Scharniere in den Sohlen hört er zwei quietschende auf- und zuklappende- Truhendeckel näher kommen.) Und bleibe, etwas zu dicht vor ihm stehen, da er ja wegen seiner Position vor dem Auto nicht zurückweichen kann, schaue ihm mit meinem ausgeschlafenen Cajal-Blick in die Augen, reiche ihm meine fleischfarbene Hirschlederhand und sage: „Aber hallo – Auto, Taxi, Gelb, für Behrend, ja klar.“
Da er nicht ganz genau weiß, ob er jetzt lächeln oder einfach nur irgendwie gucken soll, enscheidet er sich für ein verbales Ausweichmanöver: „Schöne Schuhe…“
(Wenn er wüsste, welche Freude er mir damit macht!) Ich sage, immer noch dicht vor ihm stehend, mit großer Euphorie in der Stimme: „Ich kann sie doch anlassen, oder?“
Er darauf, mit einer hochinteressanten Mischung aus resigniertem Ausatmer und gedämpfter Munterkeit: „Aber immer doch… immer rein in die gute Stube.“
„Dann fahren wir beide jetzt los.“ – sage ich, lasse ihn frei und quietsche zur Hintertür. Er wiederum macht keinen Versuch, mich vorne auf dem Beifahrersitz zu platzieren, was ich als Zeichen dafür werte, dass er schon nicht mehr ganz konzentriert ist und es in seinem Wald zu pfeifen begonnen hat.

Wie immer verzögert sich der Einstieg noch etwas, weil ich das Geld verliere. Etwa 400 Euro in kleinen Scheinen und ein paar Münzen fallen mir irgendwie aus der Tasche, just in dem Moment, als der Fahrer noch einmal einen Blick auf seinen Fahrgast riskiert. Zum Glück weht kein Wind, so dass er mir nicht helfen muss, (was auch schon vorkam), und er also nicht in aller Öffentlichkeit gemeinsam mit einem peinlichen Menschen kleinen undeutlichen Papierfetzen gebückt über den Kunstmarmorvorplatz hinterherhaschen muss, von denen er ja nicht ganz zu unrecht annimmt, dass sie später womöglich auch in seinen Besitz übergehen könnten.
„Das geht schon. Steigen Sie doch schon mal ins Auto Taxi Gelb.“ – sage ich deshalb, um ihn zu beruhigen, und sammle den Haufen schnell wieder ein.
Dann schließt sich die letzte Tür. Und ich sitze in meinem TAXI. Nur für mich. Ganz allein. Der Fahrer, freundlich jetzt, fragt, wo ich hin möchte und ich nenne ihm mit gepresster Stimme eine Adresse am anderen Ende der Stadt. Er fährt los.
Keine Automatik. Es schließen meine Augen sich mit dem Pedaldruck. Es schaltet in den Nacken meinen Kopf. Und irgendwo da vorn, nicht weit von mir, rotieren feine Zungen im Getriebeöl. In die Leitungen schlägt der Steuerfunke. Durch die Öffnung drückt Nässe. Pumpt. Schießt ein. Brennt. Treibt die Kolben durch den Schacht. Die Öffnung schließt sich. Saugt. Spritzt ein. Platzt. Ich rieche: Diesel. Fossile. Öle. Leben brennt für mich die Schnecken aus vergangenen Meeren. Gesunken. Verdichtet. Gepresst und gefördert. Kopffüsser gehen ins Feuer. Platzen. Hochdruck. Dieselzeit schiebt ins Gewelle, dreht, kippt meinen Kopf. Fasst nach. Die Weichtiere knacken. Ich schwimme über dem Gestänge. Es hakelt. Die Jahre feuern im Block. Knacken. Pumpen. Spritzen ein. Platzen hoch und platzen runter, greifen, kuppeln, züngeln, krallen. Kraft beißt sich fest. Stößt mich ins Polster, Sticht in die Viskose. Schlägt. Kratzt im Stahl. Beißt in den Zahn. Dreht das Rad. Brennt, stößt, reibt, dringt, sticht, drängt! Krümmt sich durchs Rohr und schießt nach außen. Es blitzt.
„War ich zu laut?“ – frage ich den Fahrer. „Ich glaube, ich habe mich gerade ein bisschen nass gemacht. Heftig, heftig, mein lieber Herr Gesangsverein. War aber wirklich gut. Das ist ein sehr schönes Auto, Taxi, Gelb.“
„Nass gemacht“ war wohl jetzt ein Stichwort für ihn. Als er vor einer Ampel hält, dreht er sich zu mir um und fragt: „Alles okey dahinten?“ Ich sage: „Ja – schön alles, ist nur die Hose. Ein kleines bisschen“ Und um ihn noch etwas abzulenken, sage ich noch: „Ich mag auch keinen Ingwertee, aber gucken sie mal, es ist grün.“
Er fährt weiter, schaltet jetzt aber etwas anders, nicht mehr so schön wie vorhin, irgendwie nicht mehr so entspannt. Lässt etwas zu hoch drehen.
Ich sage noch einmal: „Alles ganz okey hier hinten. Richtig okey.“
Es ist auch wirklich okey. Es ist schön. Ein schönes Taxi.
„Unser Taxi.“ – sage ich. „Es ist schön, ein schönes Taxi. Unser Taxi-Schatzi. Hat mich doch gleich ein bißchen durchgenudelt, unser schönes Taxi.“
„Na ja, ist ja auch mein Taxi.“ – sagt er, einen kleinen Stolz simulierend, aber in so einem humorigen Tonfall, wie eben einer glaubt, dass er ihn anschlagen müsste, wenn er mit jemanden redet, der „nicht ganz richtig im Kopf“ ist. Aber ich höre zugleich, wie ihm schon bei den letzten Silben seines Satzes klar wird, dass es wahrscheinlich ein Fehler war und er seine Worte am liebsten mit einer Kohlenzange in seinen Mund zurückgestopft hätte. Denn jetzt sage ich: „Stimmt ja gar nicht. Sie sind nur der Fahrer, aber nicht der Besitzer. Ist ja gar nicht nicht ihr Taxi.“
Und das wiederum stimmt jetzt. Und weil diese Bemerkung so verdammt stimmig ist, sagt er erstmal gar nichts.
Aber so ganz hält er das dann auch wieder nicht durch. Und deshalb murmelt er halblaut nach ungefähr 15 Sekunden: „Na ja, das ist ja wohl auch oft so.“
Ich frage: „Was ist oft so?“
Aber er antwortet nicht. Muss er ja auch nicht. Obwohl ich die Stimmung jetzt als etwas gedrückt empfinde. Andererseits: Er denkt jetzt an mich. Zumal ihn auch gerade der Ingwertee zu beschäftigen beginnt. Keine große Sache eigentlich. Nur dass ihm jetzt einfällt, dass er vor ungefähr einer Woche tatsächlich von jemandem Ingwertee angeboten bekam, den er aber nach einer halben Tasse stehen ließ. Die Spur von diesem Tee war sehr gering, aber dass er sich jetzt gerade schlagartig daran erinnert, riecht, an seinem Nacken, um so stärker, sozusagen zum Himmel. Aber immerhin – er denkt jetzt an mich.
Seine Hand, wie sie jetzt am Innenspiegel nestelt.
Dann sage ich: „Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich Häuser, die ich eigentlich gar nicht sehen dürfte. Also quasi einen falschen Film.“
Er antwortet nicht. Er fühlt sich ja auch noch nicht direkt angesprochen. Um das zu ändern, füge ich noch hinzu: „Also ich sehe Häuser, die am Rand einer Straße sich befinden, die wir gar nicht nötig haben zu fahren mit unserem Auto, Taxi, Gelb. Fahren wir denn richtig?“
„Na ja, sicher, das ist hier die Tunnelstraße.“
Ich sage: „Ja, die Tunnelstraße, aber müssen wir denn da so sicher langfahren? Nichts ist doch ganz sicher oder? Sind wir irgendwann falsch abgebogen?“
Er sagt: „Also wenn wir da hinfahren, wo wir hinwollen, dann sind wir richtig.“
„Fahren Sie schon lange Taxi?“ – frage ich ihn.
„7 Jahre.“
„Das ist schon eine lange Zeit. Immer die Straßen auf und ab, nicht wahr?“
„Na ja, was soll man machen…gibt schlimmeres.“
„Ich fahre auch gerne mit dem Taxi.“
„Na dann ist ja alles bestens.“
„Ja, wir verstehen uns gut, nicht wahr?“
Er schweigt.
„Sie sagen ja gar nichts mehr.“
„Na muss ja auch ein bißchen fahren, nich…“
Die Königin knistert. Das Schiffchen wiegt sich. Die Wege glänzen.
„Was man eben so macht. – sage ich … sieben Jahre Taxi, und dann über die Tunnelstraße Richtung Süden fahren… schon interessant. Dabei wäre ja Adalbertstraße in den Kreisverkehr rein, durch die Wichert und dann hinterm Bahnhof den Dornweg nach links über das kurze Stück Birnbaumer Straße ja zweikommasieben Kilometer kürzer gewesen.
Aber ist schon in Ordnung. Ich muss mich eben mal ein bißchen tupfen.“
Ich nehme mein Schnuffeltuch ab und wische mir über die Stirn.
„Na ja, der kürzere Weg ist ja nicht immer der schnellere, – sagt er, und redet wieder mit mir, jetzt auf einmal doch wie mit einem Gesunden – Nach dem Kreisverkehr kommen Baustellen.“
Ich sage: „Warum bloß habe ich gewusst, dass sie das sagen werden? Andererseits: Haben wir es denn eilig? Ich habe es nicht eilig mit dem Auto, Taxi, Gelb. Und sind sie sich ganz sicher, dass nach dem Kreisverkehr Baustellen kommen?“
Er antwortet jetzt nichts mehr sondern fährt für sich hin. Er müsste sich jetzt auch sehr genau überlegen, was er sagt.
„Alles okey da vorne?“ – frage ich.
„Bei mir ist alles okey.“ – antwortet er .
„Na ja, man kann ja nie wissen…“ – sage ich.
Ich rede ein bißchen weiter und sage: „Na ja, ich betrüge ja auch, meine Frau zum Beispiel. Hier mit Ihnen.“
Ich weiß, dass es jetzt kitzlig wird. Ich bin bei ihm an einer Grenze. Ich schaue auf den Taxameter und sage: „Was haben wir bis jetzt? 18 Euro?.“ Ich lege ihm einen 50 Euro – Schein nach vorne auf den Beifahrersitz: „Stimmt so. Den Rest gibt’s nachher, wenn wir da sind.
Er fährt. Ich lehne mich in meine Polster zurück. Ich gucke ein bißchen nach oben an den Spannhimmel. Sein Blick im Rückspiegel, ich quietsche mit den Scharnieren und sage nichts.
Dann sage ich: „Sehen Sie, Ich sage schon nichts mehr. Bin ganz ruhig.“
Ich lehne mich nach vorn, zu ihm, stütze beide Ellenbogen auf die Sitze und sage mit sehr warmer leiser Stimme: „Wir beide, hm, wir sind schon ein paar Betrüger, was? Mann, Mann, Mann…
„Ich betrüge niemanden“, sagt er. Und fährt.
„Das ist richtig. Glaube ich Dir. Du bist sauber, oder? Du machst es richtig. Auch nicht manchmal so ein ganz kleines bißchen? Aber du hast Recht, man muss sich wehren gegen solche Unterstellungen. Das ist sehr tapfer. Man muss tapfer sein heutzutage. Aber was mich angeht, ich betrüge schon manchmal. Wenn ich so ganz ehrlich bin.
7 Jahre Taxi. Menschenskind. Und kein einziger kleiner Betrug. Hut ab.“
Wir fahren. Er fährt. Er schweigt. Ich schweige.
Ich lehne mich zurück und lausche dem Wispern der schwarzgelben Königin, die vorne aus dem Gerät funkt und mich schon wieder erregt. Ein Wagen in die Gerdstraße. Nichtraucher. E-Klasse. (Aha) Danke. Taxi, Auto, Gelb. Die Stoßdämpfer, wie sie ins Öl tauchen, in ihre Höhlungen gleiten. Wie das schwarze Gummi über die Steine zittert. Wie das Profil sich spreizt und auf der Straße reitet. Auf und Ab und Auf. Wie es sich wiegt. Wie der kleinen Schalter an den Kontakten leckt. An und Aus. Es summt bis in die Fingerspitzen. Es dringt aus den Schlitzen. Es steigt in die Spitzen. Strom dreht sich. Die Feder spannt. Die Beläge greifen. Reiben warm. Die Muffe dämpft und wölbt. Der Geber schwimmt. Er schwappt, es spritzt. Die Klappe schließt und öffnet, gleitet, schmiert. Der Asphalt zittert. Die Welle giert. Schmatzt. Säuft. Trinkt. Wühlt. Schluckt. Drängt. Saugt ein… der Funke zündet – Fräulein!!!! Das wars, diese Handcreme, wow! Yves Roches, die grüne Linie! Es kommt hier direkt von diesem Türgriff, mein Gott, thats right, Pharmareferentin, 37, perfekt, was für ein….
Hier muss der Bericht zu einem Standbild einfrieren. Denn aus dem Innersten eines Begehrens, aus dem Auge einer Freude, aber auch aus dem Zentrum einer Angst, kann nichts berichtet werden. Es dringt nichts nach außen. Es ist alles möglich, zugleich aber auch nicht. So bricht sich nun alle Welt wie zwischen zwei Spiegeln, springt hin zu meinen lustgeweiteten Augen und her von den angstgeweiteten Pupillen des Fahrers und vervielfacht sich unzählige Male.
Ich bin am Ziel.
Ich möchte den Leser nicht langweilen mit weiteren Schilderungen von mit Mikrowellensendern außer Kraft gesetzten Funkgeräten, inszenierten Pannen durch gestörte Zündverteiler und auch nicht mit Taxifahrern, die sich ganz allmählich im Laufe einer Ausfahrt zu Nervenbündeln verwandeln, wie man sie nur noch in der Ausstellung „Körperwelten“ zu sehen bekommt. Das kann sich jeder ganz gut selber vorstellen.
Stattdessen wähle ich einen schöneren Schluss für meinen Bericht.
Ich sitze da und schaue aus dem Fenster. Kleine Häuser. Große Häuser. Fenster. Ein Baum. Oben die Wolken. Schöne weiße Wolken. Lass uns abhauen! Ich lehne mich zu dem Fahrer vor und brülle ihm, aus voller Kraft, ins Ohr: ICH BIN HERZCHIRURG! HERZCHIRURG! FAHR ZU MANN!! FAHR ZU!!
Und jetzt tritt er, erschrocken, aufs Gaspedal, und es reisst uns in die Lehnen und die Kolben kriegen die Dusche und balllern durch ihre Löcher. Lass knacken Alter. Lass die Dieselzeit los. Die Muffe geht und kommt. Schließt und schnappt. Der Kautschuk zittert über dem Asphalt. Lass es richtig stinken. Lass uns die weißen Striche fressen. Tritt zu. Lass die Häuser verschmieren. Schneller, ich bin HERZCHIRURG.
Mach, dass die Feder geht, dass der Geber knallt, dass die Klappe schnappt. Mach mir einen grauen Schleier an die Scheibe. Ich will nur noch Streifen sehen. Schneller!
Und er tritt und stampft ins Blech. Warum langsam? Worauf warten?
Also heben wir jetzt ab. Ich sehe unter mir das graue Band, die Straße, mit kriechenden Punkten darauf, die immer langsamer werden. Ein paar Bäume, die zu grünen Bällen schrumpfen, Felder wie schmutzige Frottéhandtücher. Lahme Landschaft. Mach schneller. Lass uns dahin gehen, wo es blau wird und dieses verdammte Weltall ficken. Setz die Sonnenbrille auf, und mach die Heizung an, denn jetzt geht’s ab durch die Wolkendecke. Und unser Taxi wird kleiner und kleiner zu einem gelben Punkt, der nicht in der Sonne verschwindet, sondern so ein bisschen daneben, ganz professionell und sehr gediegen.
(Fin)

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