Der Taxifetisch, Teil 5

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Der Taxifetisch entwickelt seinen Reiz, weil man es bei dem Fahrer meistens mit einem professionellen Partner zu tun hat. Im Gegensatz zu den Fetischisten, trifft man unter den Fahrern vielleicht auf variierende Grade von Könnerschaft, aber kaum auf wirkliche Stümper. Der Grund hierfür ist ganz simpel: Taxifahren ist ihr Beruf. Ein Taxifetischist dagegen, auch wenn er eine noch so hohe Meisterschaft erreicht, bleibt immer ein Amateur seines Genres, so im Sinne des Wortes: Ein Liebhaber. Wobei diese Liebhaberei nicht direkt auf den Fahrer abzielt, da dieser ja immer ein Anderer ist, sondern auf den Gesamtvorgang, und da eben ins Erotische und letztlich auch deutlich in die sexuelle Erregung hinüberspielt.
Jeder Psychologiestudent, der in der Vorprüfung sitzt, wird hier ankreuzen, dass ein Taxifetischist im Grunde nur eine frühkindliche Erfahrung wiederholt, in der er in einer Art uteral-sphärischen Höhlung sanft schaukelnd sich umherbewegen lassen möchte, von der Mutti, die vorne mit lichtem Haupthaar hinter dem Lenkrad sitzt und über die Baustellen schimpft. Für einen Psychologen zählen Taxifetischisten ganz klar zu den reifeverweigernden Permanentsäuglingen, die sich vor den ernsthaften Angelegenheiten dieser Welt in die temporäre Scheingeborgenheit einer biodieselgespeisten Kunstledergebärmutter zurückflüchten, in der sie dann daumenlutschend, schaumstoffgebettet, airbaggechützt, polyurethanumhüllt und automaticgetrieben ihren retropränatal stagnierenden Vitalkomplex pflegen. Das wäre die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass ein Taxifetischist auf Grund gewisser Empfindlichkeiten und besonderer Präferenzen sich diesen Luxus viel seltener gönnt als ein Normalfahrgast und er demzufolge im Durchschnitt als lebenstüchtiger, fitter (Stichwort: Bleiakkus) ausgebuffter – und leider dann im Ernstfall auch weit vehementer und ausführlicher auf sein Erlebnis pochend erlebt wird – als der Normalerotiker. (Dies nur als kleiner Hinweis für die soziographisch interessierte Analysten, Historiker, forensische Psychiater u.s.w.)
Für einen nichtprofessionellen Taxifahrer könnte das bedeuten – um auf den Eingangsgedanken zurückzukommen – dass er in einem Taxifetischisten, sollte er mal auf einen solchen treffen, seiner ganz persönlichen, fleischgewordenen schlechten Nachricht auf zwei Beinen begegnet, einer Passionsfrucht von Phötus, der sich hinten in seinem Fond uteral einnistet und seine pränatalen Ansprüche am Gesamtkörper Taxi einfordernd sich peu a peu im Laufe der Fahrt zu einer echten „Angelegenheit“ auswächst. Jede Frau und Mutter kann nachvollziehen, dass dies eine Umstellung für den Taxi-Gesamtorganismus mit sich bringt, die nicht immer nur mit schönen Erlebnissen verbunden ist. Mehr soll dazu nicht gesagt sein.
Da aber ein Taxifahrer, sofern er professionell agiert, und dass tut er meistens, hoffentlich, im „Austragen“ seiner Phöten geübt ist, wird ihm auch ein Fetischist im schlimmsten Fall nur als besonders fühlbare Geburt in Erinnerung bleiben. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
Insofern kommt es bei einer Ausfahrt darauf an, einen professionellen Taxifahrer, der ja einige Herbheiten schon erlebt hat und gewohnt sein dürfte, nicht zu unterfordern, aber auch nicht über die Maßen zu strapazieren. Der ganze Reiz für den Taxifetischisten besteht tatsächlich darin, den Gesamtorganismus Taxi, der sich für ihn immer anders darstellt – und dazu gehört auch der Fahrer – in eine Art angeregten Verschmelzungszustand, der einer Schwangerschaft nicht unähnlich ist, zu überführen, welcher dann in einer pansensorischen Ballanceübung zwischen Strapaze und Freude den Fahrer, das Taxi und ihn selbst in eine gemeinsame Erlebnissphäre verwandelt.

Fortsetzung hier zum 6. Teil

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